Johnny Depp vs Amber Heard

Die meisten Leser dieses Blogs werden vermutlich Kenntnis davon haben, dass Johnny Depp gerade Amber Heard verklagt und Amber Heard eine Gegenklage eingereicht hat.

Johnny Depps Klage bezieht sich darauf, dass
– Amber Heart einen Artikel veröffentlicht haben soll, der ihn (fälschlicherweise) der häuslichen Gewalt bezichtigt und
– ihn in der Konsequenz viel Geld gekostet hat.

Amber Heard hat im Zeugenstand zugegeben, diesen Artikel über Johnny Depp geschrieben zu haben. Der Artikel selbst enthielt zwar nicht Herrn Depps Namen, aber es ließ sich anhand der beschriebenen Details ableiten, dass es sich um Herrn Depp handelt.

Bewiesen ist zudem, dass Herr Depp dadurch viele Einnahmen verloren hat („Pirates of the Caribbean“ und „Fantastic Beasts“ sollen in Zukunft ohne ihn auskommen).

Damit bleibt für Herrn Depp und sein Team nur noch zu beweisen, dass die Vorwürfe der Häuslichen Gewalt substanzlos sind.

Nun ist es natürlich schwierig zu beweisen, dass etwas nicht stattgefunden hat. Es gibt diverse Audioaufnahmen, in denen Frau Heard zu hören ist, wie sie zugibt ihn geschlagen zu haben, es gibt Fotos und Arztberichte, die beweisen, dass Herr Depp angegriffen wurde. Aber eben andersherum nicht. Solche Beweise fehlen für Frau Heard.

Passenderweise hat eben jene, wie oben erwähnt, eine Gegenklage eingereicht, die sich darauf bezieht, dass Herr Depp sie zu Unrecht als Lügnerin bezeichnet.

Sie muss also beweisen, dass Sie tatsächlich von ihm angegriffen wurde – was ihr bisher nach meinem Kenntnisstand nicht gelungen ist.

Es sieht also alles nach einem Sieg für Herrn Depp aus. Und ich freue mich für ihn, wenn er die Gerechtigkeit erfährt, die er verdient.

Dem geneigten Leser wird aus den obigen Zeilen herauslesen, dass da noch ein klitzekleines „ABER“ kommt.

Der Hintergrund ist, dass einer meiner besten Freunde eine Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS) hat. Das Verhalten von Frau Heard im Zeugenstand hat mich umgehend an diesen Freund erinnert. Auch die Beschreibungen die Herr Depp über den Beziehungsanfang gegeben hat war sehr ähnlich dem, wie ich die Beziehung mit meinem Freund und seiner Ex-Freundin wahrgenommen habe. Glücklicherweise kam es in dieser Beziehung nicht zu Gewalt. Sicherlich auch, weil bei ihm die BPS nicht so stark ausgeprägt ist, wie bei Frau Heard.

Mein Eindruck bestätigte sich, als eine Zeugin (klinische und forensische Psychologin Dr. S. Curry) aussagte und angab mit entsprechenden Tests die Diagnose BPS gestellt zu haben. Zudem diagnostizierte sie noch eine histrionische Persönlichkeitsstörung. Ich muss gestehen, dass mir diese Störung nichts sagte. Ich kann aber, nachdem ich Dr. Wikipedia konsultierte, sagen, dass ich durchaus einige Elemente im Verhalten von Frau Heard sehe, die zu dieser Diagnose geführt haben könnten, auch wenn ich persönlich nicht alle notwendigen Punkte bzw. ausreichend notwendige Punkte bei ihr erkennen kann. Aber ich bin weder Psychiater noch habe ich Gespräche mit Frau Heard geführt noch kenne ich sie in irgendeiner anderen Form näher.

Worauf ich hinauswill ist folgendes: Frau Heard hat die Diagnose zweier psychischer Störungen, die die emotionale Einordnung von Ereignissen und die Reaktionen auf Ereignisse verzerren. D.h., dass Frau Heard nicht in der Lage ist gewisse Situationen korrekt einzuschätzen und darauf zu reagieren. So kommt es dazu, dass sie sich in aufeinanderfolgenden Sätzen inhaltlich logisch widersprechen kann ohne das sie diesen Widerspruch wahrnimmt. Sie ist dazu auf Grund ihrer psychischen Störung – ihrer Krankheit – schlicht nicht in der Lage.

Wenn die Jury das versteht, wird Herr Depp vermutlich keine 50mio$ bekommen, sondern wesentlich weniger – wenn er überhaupt finanziell entschädigt wird. Und Frau Heard wird sich einer Therapie unterziehen müssen. Etwas, was sie meiner Ansicht nach eh machen sollte.

Was man aber mit relativer Sicherheit sagen kann ist, dass Johnny Depps guter Ruf in der Öffentlichkeit im Großen und Ganzen wieder hergestellt zu sein scheint – aber Hater gibt es immer.


Über meinen Twitterfeed wurde mir folgender Tweet in die Timeline gespült:

Amber Heard vilification is already being used like Gamergate, a lure issue to funnel men into far-right politics via witch-hunting“

Als alter GamerGater erregte dieser Tweet natürlich mein Interesse. Ich möchte nicht den gesamten verlinkten Artikel kommentieren, nur zwei Dinge:

1.: Der letzte Absatz des Artikels ist doch recht bemerkenswert:

“The ultimate outcome of this is the demonisation of women,” said Beirich of the Global Project Against Hate and Extremism reflecting on the Depp and Heard case and how online activity can directly translate into violence against women and misogynistic terrorism. “Women face a completely different online milieu and offline milieu than men do.”

„Das ultimative Resultat hiervon ist die Dämonisierung von Frauen“, sagte Beirich vom Global Project Against Hate and Extremism im Rückblick auf den Depp/Heard Fall und wie online Aktivitäten direkt zu Gewalt gegen Frauen und frauenfeindlichem Terrorismus führen können. „Frauen haben ein komplett anderes online und offline Milieu als Männer.“

Bemerkenswert, weil sich alle einig zu sein scheinen, dass sowohl Dr. S. Curry als auch die Rechtsanwältin C. Vasquez einen phänomenalen Job abliefern. (Wer hat schon mal gehört, dass eine Rechtsanwältin eine Fanbase bekommt, weil sie einen so guten Job macht?) Und wenn ich die Youtube-Kommentare so lese, scheinen auch immer mehr Leute Mitleid mit dem Team von Frau Heard zu haben, speziell mit Frau E. Bredehoft, dass sie mit diesem Fall gestraft sind [Anmerkung: Frau Bredehoft ist eine sehr erfahrene und herausragende Juristin].

Wenn überhaupt wird Frau Heard dämonisiert und nicht „Frauen“.

Das ausgerechnet ein Fall, in dem ein Mann es als Unrecht ansieht als Frauenschläger bezeichnet zu werden und er Kompensationen dafür haben will, dass allein der Vorwurf ihn Geld und Karriere gekostet hat, herangezogen wird um daraus eine direkte Verbindung zu mehr Gewalt gegen Frauen zu ziehen erstaunt mich dann doch. Denn offensichtlich ist alleine der Vorwurf schon rufschädigend und Karriere-zerstörend und man muss in aller Öffentlichkeit sein Privatleben, Fotos, Videos und Audio-Aufnahmen von Tiefpunkten seines Lebens betrachten und durchsprechen um die Chance auf Reparation von Ruf und Karriere zu bekommen. Oh… man muss sich natürlich auch die besten Rechtsanwälte leisten können.

2.: Im gesamten Artikel wird GamerGate nicht genannt. Es wird nicht einmal eine Andeutung dahin gemacht.

Genauer betrachtet ist der Tweet (ohne den Artikel) aber gar nicht ganz falsch. Es gab durchaus Leute, die versucht haben Anhänger der Konsumentenrevolte GamerGate ins rechte Spektrum zu ziehen (man denke z.B. an Steve Bannon).

In dem Artikel wird mehrfach erwähnt, dass The Daily Wire rechte Fehlinformationen verbreiten würde. Der verlinkte Artikel dazu ist allerdings nicht ohne Weiteres öffentlich einsehbar, so dass ich das nicht verifizieren kann. Es kommen noch einige Experten zu Wort, die das ebenfalls bestätigen sollen, auch wenn die Belege, die geliefert werden, sehr dünn sind. Wie das natürlich in den Rahmen passt, dass Daily Wire den Prozess als „Must-See TV“ bezeichnet, wie selbst Vice zugeben muss, ist mir da schleierhaft. Immerhin sagt Daily Wire direkt, dass sich die Leser den Prozess selbst und ungefiltert angucken sollen.

Sicherlich wird The Daily Wire der Story einen rechten Spin geben, da habe ich keine Zweifel, genauso wie sich der Artikel von Vice eher wie ein linkes Hit Piece liest und nicht wie ein gut recherchierter Artikel.

Die „vilification“, also die Herabwürdigung Amber Heards ist nicht etwas, das mit ihr gemacht wird. Sie selbst gibt immer wieder Falschaussagen zum Besten, lügt offen, widerspricht sich selbst und schiebt sogar die Schuld auf ihre letzten verbliebenen Verbündeten, ihre Anwälte. Sie musste zugeben, dass sie die 7mio$ aus der Scheidung, die sie, wie sie öffentlichkeitswirksam kund tat, spenden wollte, bisher noch nicht gespendet hat. Die Scheidung war 2017. Sie selbst reitet sich in die Scheiße.

Und bei einem Gerichtsprozess indem Ankläger und Angeklagte bzw. Anklägerin und Angeklagter zu Wort kommen, Beweise liefern können, Top-Juristen auf beiden Seiten haben, Zeugen vernommen werden usw. von einer Hexenjagd zu sprechen… Das hier ist nicht #MeToo. Das ist ein ordentliches Gerichtsverfahren.

Random Thoughts Nr. 9

Es wird mal wieder Zeit für eine RT-Runde. Ist immerhin schon 2 Jahre her.

Mindestlohn für Menschen mit Behinderungen in „Werkstätten für Menschen mit Behinderungen“

In den vergangenen Wochen habe ich vielfach die Forderung gelesen, dass MmB, die in Werkstätten arbeiten, doch bitte Mindestlohn bekommen sollten. So nobel wie sich das anhört und so ungerecht es klingt, dass sie es nicht bekommen, steckt da wie üblich etwas mehr dahinter.
Bei den klassischen Behinderten-Werkstätten handelt es sich nicht, wie man annehmen könnte, um normale oder etwas mehr geschützte Arbeitsplätze, sondern um eine langzeit Reha-Maßnahme. Nur so kann gewährleistet werden, dass dort auch Menschen betreut und gefördert werden, die auf Grund der schwere ihrer Behinderungen eben nicht in der Lage sind auch nur annähernd „produktiv“ zu sein. Nur so kann gewährleistet werden, dass entsprechende Hilfsmittel bereitgestellt werden können und ein Rahmen geschaffen werden kann, indem die Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten arbeiten können.
Der Lohn den sie in den Werkstätten erhalten ist allerdings nicht das einzige Einkommen. Sie erhalten von den Landschaftsverbänden und Sozialämtern weitere Zuwendungen. So wird zum Beispiel (in einem gewissen Rahmen) die Miete komplett übernommen. Leben die Leute in einem Wohnheim kommen noch weitere Gelder für z.B. Nahrungsmittel, aber natürlich auch die Betreuung hinzu.
Ich arbeite in einer Wohngruppe, wo 11 Menschen mit Behinderungen Wohnen. Das niedrigste(!) monatliche Einkommen bei diesen Menschen beläuft sich auf ~4100€. Steuerfrei.
Es ist nicht alles Gold was glänzt, aber einen Mindestlohn für Menschen, zu fordern die in einer Langzeit-Rehamaßnahme arbeiten, halte ich für falsch.

Impfungen

Wie sicherlich der ein oder anderen Person bekannt, bin ich bereits seit längerer Zeit doppelt gegen Corona geimpft. Und ich würde auch weiterhin jeden bitten, sich die Impfungen zu holen, so lange keine medizinischen Kontraindikationen vorliegen. Dennoch gilt für mich:
Als Geimpfter bin ich gegen die Diskriminierung Ungeimpfter. Es war ein freiwilliges Impfangebot, es wurde immer betont, dass es keine Impfpflicht gibt. Leute zu benachteiligen, weil sie sich gegen eine freiwillige medizinische Maßnahme entschieden haben, ist nicht in Ordnung.

Beim Thema Impfungen bleibend aber in einem vollkommen anderen Bereich: Impfstatus der Bevölkerung.
Es gibt diverse Seiten und Twitteraccounts, die den Impfstatus der Gesamtbevölkerung darstellen. Was aber nie dargestellt wird ist, wie viele Menschen (noch) nicht geimpft werden konnten. Z.B. impfen wir erst seit kurzem Kinder und Jugendliche ab 12 bis 17 Jahren. Wenn wir aber berücksichtigen, dass Kinder BIS 12 Jahren alleine schon ~10% der Bevölkerung ausmachen und die 12-17 Jährigen nochmal knapp unter 3%, dann finde ich die Impf-Zahlen schon ganz in Ordnung.

Lastenräder

Die Grünen hatten ja die tolle Idee Lastenräder mit 1000€ oder so zu subventionieren. Sie haben damit viel Kopfschütteln ausgelöst. Ich kann das nur bedingt mitmachen. Kommerziell machen solche Dinger eher weniger Sinn, aber privat schon eher. Meinereiner hat sich z.B. etwas ähnliches vor Jahren zugelegt: Einen Fahrradanhänger. Kostenpunkt 150€. Für mich als Singlehaushalt macht es keinen Sinn Großeinkäufe zu machen, die ein Auto benötigen würden. Normalerweise kann ich meine Sachen auch so tragen und zu Fuß einkaufen. Ich nutze den Anhänger um Getränke zu holen, oder wenn ich mal doch umfassend einkaufen muss.
So ganz dumm finde ich die Idee also nicht, mehr über das Fahrrad zu transportieren. Aber es geht halt da, wo ein Fahrradtransport praktikabel ist, auch günstiger.

Kleinparteien wählen

Ich bin ja nun Mitglied bei den Humanisten. Ich habe also natürlich ein Interesse daran, dass kleine Parteien, wie die meinige gewählt werden. Allerdings emfand ich auch vorher schon das „strategische Wählen“ für merkwürdig. Ich will doch bestimmte Inhalte politisch bearbeitet haben. Wenn eine Partei diese am besten vertritt sollte ich diese Partei auch wählen. Denn wenn ich mich entscheide eine weniger passende Partei zu wählen, weil diese eher an Entscheidungsgewalt kommt, als die eigentlich passendere Partei, dann wird die eigentlich passendere Partei auch nicht die 5% Hürde knacken und man bleibt bei dem gleichen Mist wie vorher kleben. Wählt also die Partei die am besten zu euch passt.

Musik

Keine Angst vorm Nicht-Gendern

In der taz erschien ein ziemlich anmaßender Kommentar von Simone Schmollak

„Liebe Leser:innen, das hier ist ein durchgegenderter Text. Damit müssen Sie leben, auch wenn Sie zu den 65 Prozent der Menschen in Deutschland gehören, die laut Meinungsforschungsinstitut infratest dimap eine gendergerechte Sprache ablehnen.“

Gehöre ich. Nebenbei führt der Link nicht zu den Ergebnissen.

„Sie können natürlich sofort aussteigen aus diesem Text, aber vielleicht lassen Sie sich doch inspirieren.“

Lasse ich mich. Es soll Dein Schaden sein.

„Denn eine Sprache, die Frauen, Männer und Transgender-Personen treffender adressiert als bislang verbreitet, könnte früher oder später normal sein.“

Könnte. Muss aber nicht. Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass „treffender“ eine Steigerung ist. Dies würde implizieren das vorher die Sprache (in Bezug auf das generische Maskulinum, um das es beim Gendern geht) bereits diese Personen adressiert haben soll. Das ist nicht der Fall. Die generischen Formen werden verwendet, wenn dass Geschlecht bzw. die Geschlechterzusammensetzung der bezeichneten Gruppe unerheblich/irrelevant ist. Dementsprechend wurde gar kein Geschlecht adressiert.

„Nicht in diesem, auch nicht im nächsten Jahr, sicher aber irgendwann doch.“

Es wäre sehr schade, denn dann würden wir immer Bezug auf das Geschlecht nehmen, selbst dann, wenn es vollkommen unerheblich ist. Wir würden so immer wieder das Geschlecht in den Fokus rücken und Menschen (auf Grund der stetigen Präsenz des Geschlechtes) zu Sexisten erziehen.

„Sprache passt sich gesellschaftlichen Entwicklungen ebenso an, wie sie sie abbildet.“

Das ist korrekt. Wenn diese Sprachentwicklung von „oben“ angeordnet wird, gegen den Willen der Mehrheit, dann handelt es sich nicht um eine organische Sprachentwicklung, sondern um eine diktatorische. Und das ist für einen liberalen Menschen wie mich abzulehnen.

„Den Veränderungen ist nicht zu entkommen: Frauen spielen in Politik, Wirtschaft, Kultur eine größere Rolle als noch vor 50 Jahren. Da ist es nicht nur gerecht, sondern schlicht logisch, dass sich Gleichstellung auch sprachlich bemerkbar macht.“

Warum ist es logisch aus einer geschlechtsunabhängigen grammatikalischen Form eine geschlechtsabhängige zu konstruieren und sie den Menschen aufzuzwingen, obwohl sie von der Mehrheit der Menschen abgelehnt wird? Immerhin lehnen ja auch Frauen mehrheitlich das Gendern ab.

„In den vergangenen Jahren sind Menschen mit queerem Hintergrund und mit Migrationsgeschichte in den Fokus der Gesellschaft gerückt. Auch sie müssen sprachlich einbezogen werden. Dafür gibt es viele Varianten, liebe Leser_innen, Leser.innen, Leser*innen, Lesende oder eben Leser:innen.“

Und die bereits existierenden generischen Formen. Abgesehen davon ist es natürlich vollkommener Quatsch, dass Idiotengab, Deppenstern, Trottelpunkt und Konsorten Menschen mit Migrationshintergrund (weil sie Menschen mit Migrationshintergrund sind) einbeziehen. Du fängst jetzt an in Deinem Wahn Buzzwörter aneinander zu reihen. (Update: Mir viel gerade ein, dass sie das öfter macht)

„Manche mögen sich an der Lesbarkeit solcher Formen stören, aber das ist reine Gewöhnungssache.“

Aber warum sollte ich mich daran gewöhnen, wenn es doch schon eine wesentlich bessere und vor allem einfachere Form, nämlich die generische, gibt?

„Ebenso die gesprochene Pause zwischen Leser und innen mag manchen anfangs schwer über die Lippen kommen, geht aber sehr rasch sehr leicht.“

Und führt zu Misverständnissen, Störungen des Sprachflusses und versorgt einen mit irrelevanten Informationen.

„Das glauben Sie nicht? Nun, Tür ­schreiben Sie auch nicht mehr Thür. Im Stile eines Thomas Mann verfasst heute kaum noch ein:e Au­to­r:in ihre Texte. Selbst die gezeichneten Emoticons, die Sie möglicherweise bei Whatsapp, in einer SMS oder beim Twittern verwenden, sind Ausdruck einer sprachlichen Entwicklung.“

No shit Sherlock. Und wer hat diese sprachliche Entwicklung angeordnet? Wer hat sie, entgegen gängiger sprachlicher Übereinkünfte durchgedrückt? Das sind Sprachentwicklungen die gewachsen sind. Keine die über amtlichen Zwang, Androhung schlechter Noten oder moralischem Druck durchgeführt wurden.

„All das können Sie natürlich ablehnen. Ob Sie weiterhin das generische Maskulinum verwenden, bleibt ganz Ihnen überlassen. Es gibt kein Gesetz, das vorschreibt, wie Sie zu sprechen haben.“

Wie ich euch Feministen kenne: NOCH nicht.

„Sie könnten aber auch versuchen, die Neuerungen anzunehmen und damit zeigen, dass Sie gerecht und inklusiv sind.“

Ziemlich anmaßend. SIE müssten ersteinmal beweisen, dass ich das nicht bin wenn ich die generischen Formen verwende. Denn diese ist inklusiv und gerecht. Ich muss nicht eine unnötige Verkomplizierung der Sprache annehmen (die nebenbei auch noch klingt als wäre die sprechende Person geistig etwas… früh stehen geblieben) um zu zeigen das ich gerecht und inklusiv bin.

„Sie schaffen das. Ganz bestimmt.“

Sie sind ziemlich unverschämt dafür, dass sie angeblich für Inklusion und Gerechtigkeit stehen.

Update: Archivlink

Coronarantblog Zwo

Nachdem ich kürzlich meinen kleinen Coronarantblog geschrieben habe, kommt nun Nummer 2.

Ich denke in meinem vorherigen Rant ist durchaus durchgekommen, dass ich einen Lockdown nicht kategorisch ablehne – womit ich mich in meiner Blase vermutlich sehr unbeliebt mache. Ich möchte das nur kurz umreißen:

In meiner Brust schlagen zwei Herzen: Zum einen möchte ich, das Virus bekämpfen und seine Ausbreitung verhindern. Zum anderen halte ich Freiheit für ein enorm wichtiges Gut. Ein Gut für das Menschen ihr Leben riskiert haben und auch heute noch riskieren.

In meiner Idealvorstellung haben wir kein Infektionsschutzgesetz, dass uns dazu zwingt X, Y und Z zu machen bzw a,b und c zu unterlassen, sondern wir haben unsere Freiheiten und jeder nutzt sie verantwortungsvoll mit dem gleichen Ziel das Virus zu bekämpfen.

Aber das ist eine Idealvorstellung. Das dies natürlich nicht das einzige Ziel ist und dass Maßnahmen, die vielleicht nur sehr geringe Wirksamkeit (aber immerhin eine Wirksamkeit) haben, dass Virus einzudämmen andere weitaus schädlichere Effekte haben, muss berücksichtigt werden. Zudem gibt es natürlich Leute, die dass Virus, bzw. seine Gefährlichkeit, leugnen und deshalb ihre Freiheit nicht nutzen würden um Verantwortungsvoll das Virus zu bekämpfen. Und dann gibt es die, die eine andere Vorstellung davon haben, was denn nun verantwortungsvoll ist. Und es gibt natürlich die, die das machen würden, wenn sie nicht… eine Schulpflicht hätten. … einen Arbeitsvertrag hätten. …usw.

Die Eigenverantwortlichkeit kann nur so lange funktionieren, wie keiner Pflichten hat, die dieser Verantwortung im Wege stehen.

Wenn ich eigenverantwortlich von der Arbeit wegbleibe, mit dem Ziel Kontakte zu beschränken, dann werden die meisten Arbeitgeber mir sagen, dass ich gar nicht wiederkommen brauche. Und das nicht zu Unrecht.

Daher muss es etwas „von oben“ geben, dass die Arbeitnehmer schützt.

Der Grund, warum ich mich zu Corona (bzw. bezüglich der entsprechenden Maßnahmen) recht bedeckt halte ist halt einfach der, dass ich das Für-und Wider beidseitig oft nachvollziehen kann. Und ich – auch nach dieser langen Zeit – mir noch nicht sicher bin.

Ich denke ich mache es so am deutlichsten: Man stelle sich mich, den Stapel, als Politiker vor, der die Beschlüsse macht. Ich stelle folgenden Beschluss vor: Vier Wochen lang gibt es einen totalen Lockdown mit Ausgangssperre und allem drum und dran. Danach eine garantierte Öffnung wie Vor-Corona.

Und dann würde ich meinen Rücktritt bekannt geben, weil ich solch eine harte Maßnahme von einem liberalen Standpunkt aus nicht vertreten kann.


Alles dicht machen

Jetzt haben kürzlich einige Schauspieler (von denen ich die meisten nicht kenne) unter diversen Hashtags (u.A. #allesdichtmachen) einige Videos aufgenommen. Ich habe das von Jan Josef Liefers, Richy Müller, Tina Maria Aigner, Volker Bruch, Nina Gummich, Peter Shaw und Christian Ehrich gesehen.

Die anderen habe ich mir nicht angesehen. Sind halt auch nur Schauspieler und keine Leute deren Meinung mir besonders wichtig wäre.

Was in den mir bekannten Videos Thema ist, ist folgendes: Die Kulturbetriebe stehen vor dem aus, von wo (politisch) kommt der Applaus, Meinungsfreiheit ist wichtig.

Und natüüüüüürlich sind diese Sachen voll kontrovers. Absolut. Total. Richtig schlimm.

Da zeigen sich einige Leute der „Schauspiel-Elite“ mit ihren weniger bekannten Kollegen solidarisch, da deren Existenz auf dem Spiel steht – und dann bekommt man einen auf den Deckel weil man unsolidarisch sei. Da merkt man an, dass Meinungsfreiheit wichtig ist – und bekommt einen auf den Deckel wegen einer falschen Meinung. Da deutet man an, dass es egal sein muss, von wem einem applaudiert wird, wenn man doch recht hat – und dann wird man in die rechte Ecke gestellt.

Und dazu aufgerufen diese Leute nicht mehr zu beschäftigen.

Ich lasse das mal so stehen.

#CancelCulture

Rassismus und Diskriminierung

Es ist ein Gedankengang der mir schon länger im Kopf herumschwirrt. Den viele Leute und vielleicht sogar auch ich schonmal irgendwo irgendwann beschrieben haben. Es geht um folgende sinngemäße Aussage:

„Es gibt keinen Rassismus gegen Weiße. Was es gibt ist Diskriminierung.“

Beispielhaft am Tweet von Jürgen Kasek (Archiv).

Die meisten Menschen sprechen von Rassismus, wenn jemand auf Grund seiner Hautfarbe oder Herkunft in irgendeiner Form benachteiligt wird.

Auch bei den Anhängern des Gedankengutes, dass es Rassismus gegen Weiße nicht gäbe, äußert sich Rassismus in der benachteiligenden Behandlung von Menschen – außer Weißen.

Dabei müsste es doch eigentlich vollkommen müßig sein, darüber zu reden, ob es nun Rassismus gegen Weiße gibt oder nicht. Denn es geht ja eigentlich darum, benachteiligendes Verhalten zu beenden – also Diskriminierung.

Ob wir diese Diskriminierung, die es ja nachweislich auch gegen Weiße gibt, nun Rassismus nennen oder nicht ist ja, wenn man dieses Ziel verfolgt, unerheblich.

ABER

Es geht halt eben nicht nur darum. Denn erst einmal ist es so, dass natürlich die Exkludierung von Menschen bestimmter Hautfarbe aus einem üblicherweise hautfarbenunabhängigen Begriff an und für sich schon eine Diskriminierung darstellt. Nach klassischer Begriffsbedeutung ist diese Exkludierung (mit der zu Grunde liegenden Argumentation) schon eine Diskriminierung und nach klassischer Begriffsbedeutung damit eben Rassismus.
Wer also Diskriminierung auf Basis der Hautfarbe beenden will, muss hier schon anfangen zu widersprechen.

Zudem ist es ja so, dass wir nun ein Wort haben, dass im gleichen Kontext zwei sehr abweichende Definitionen hat. Und warum sollte man eine Wortdeffinition annehmen, die weniger inklusiv ist und, nach klassischer Definition, auch rassistisch ist?

Darauf aufbauend stellt sich natürlich auch die Frage, warum man überhaupt eine neue Definition annehmen sollte. Warum sollte ich mir von meiner Opposition vorschreiben lassen, wie ich einen Begriff zu verwenden habe?

Zusätzliche Gedanken

Was ich interessant finde ist folgendes:

Der Begriff Rassismus wird klassischerweise verwendet um die Diskriminierung eines Menschen basierend auf Hautfarbe oder Herkunft zu beschreiben.

Der Begriff „Weiß“ wird in der klassischen Rassismusdiskussion für Menschen heller Hautfarbe verwendet.

Nun werden beide Begriffe auch von Woken „Anti-Rassisten“ verwendet (siehe dazu die taz) – nur halt eben vollkommen anders.

Wenn man eine zielführende Diskussion zum Thema Rassismus führen wollen würde, müsste man sich dann nicht eigentlich die klassischen Begriffe weiterhin klassisch verwenden und sich neuer Begriffe bedienen um andere Konzepte zu beschreiben? Welchen Sinn hat es, klassische Begrifflichkeiten einfach umzudefinieren?

Ablenkung.

Coronarantblog

Ich habe vorhin auf Twitter angekündigt, einen Corona-Rant-Blogpost zu machen, denn ich muss sagen, ich bin es mittlerweile etwas leid. [Anmerkung: Aus Datenschutzgründen sind einige Details im beruflichen Bereich weggelassen oder leicht verändert worden; Sie spiegeln aber immernoch die Tatsachen wieder]

Vom Anbeginn der C-Zeit

Es begann, wie so oft, mit Social Media. Über meine Lieblings-Bloodwars-Arena Twitter wurden mir immer wieder Berichte aus China/Wuhan in die Timeline gespült bezüglich des Viruses. Die erste Seriöser-Als-Twitter Quelle erhielt ich über die Weltraumaffen. Damals, im Januar 2020, als man noch Verschwörungstheoretiker, Rechts und Schmuddelkind war, wenn man sagte, dass das Virus ein Problem werden könnte.

Ca. einen Monat später bemerkt dann auch die Bundesregierung, dass das vielleicht doch ernstzunehmen ist. Der ÖRR braucht noch etwas länger.

Soweit so schlecht der Start.

Es folgt ein ängstlicher Blick nach Italien. Dort schießen die Zahlen in die Höhe, es wird von Landstrichen in Quarantäne und Hilfe des Militärs bei der Pandemiebekämpfung berichtet. Die Bundesregierung zögert.

Und zögert.

und zögert.

UND VERFICKT NOCH MAL ZÖGERT.

und organisiert ordnet dann den Lockdown an.

Lock it down

In der Zwischenzeit (also zwischen Januar und Lockdownbeginn) hatten wir bei uns auf der Arbeit unseren Vorrat an Masken, Einmalhandschuhen, anderer Schutzkleidung und Hände- und Flächendesinfektionsmittel aufgestockt. Sie sind bei uns größtenteils normale Verbrauchsgegenstände. Es wurde ein Plan erarbeitet, wie wir agieren sollten, falls jemand das Virus zu uns kommen sollte.

Danach sah erstmal alles tutti aus. Der Lockdown schien seine Wirkung zu zeigen, im Sommer beruhigte sich die Lage wieder deutlich. Konsens im Freundes-und Familienkreis sowie im beruflichen Umfeld: Wir brauchen einen Fahrplan. Bei diesen und jenen Infektionszahlen passiert das, sinken die Zahlen passiert jenes. Doch das sollte nicht kommen. Es wurde zweiwöchentlich neu entscheiden. Die Masken, wenn auch ungewohnt, zeigen zu Recht in der Bevölkerung eine breite Zustimmung und auch die Maßnahmen werden als weitestgehend angemessen empfunden. Auch wenn manche davon nicht so ganz nachvollziehbar sind. Manche Maßnahmen konnte man ganz gut erklären, bei anderen musste man schon etwas weiter ausholen und bei wieder anderen mussteman sich eingestehen, dass man da auch keinen Sinn drin sieht.
Die Arbeit als Heilerziehungspfleger bekommt eine Dimension, die stark belastend ist. Wichtig ist, dass man, spätestens wenn man an der eigenen Wohnungstür angekommen ist, nicht mehr an die Arbeit denkt. Abschalten von der Arbeit.
Das ist jetzt nicht mehr möglich. Allen Kollegen ist klar: Wenn Corona zu unseren Bewohnern kommt, dann sind wir es, die das Virus einschleppen. Extra große Vorsicht. Im Supermarkt wird ein Umweg mehr gegangen, Desinfektionstücher und Händedesinfektionsmittel werden zum ständigen Begleiter. Bloß das scheiß Virus nicht mit zur Arbeit bringen. X Kontakte sind erlaubt? Sicherheitshalber machen wir dann mal X-5 Kontakte. Das Virus soll ja nicht zur Arbeit kommen.
Als ausgleich dafür muss ich erwähnen, das es nett war, das jemand bei uns vor der Einrichtung mit Kreide ein Dankeschön gemalt hat. Gut, dafür war es nötig unsere Warnschilder zu missachten, dass man bitte nur als Anlieferer oder Angehöriger das Grundstück betreten soll, um das Infektionsrisiko zu minimieren… aber hey Danke, dass Du Danke gesagt hast.
Ach ja, der einmalige Coronabonus den es geben sollte und dann wieder nicht und dann wieder doch und dann nur für Krankenpfleger und dann für alle außer Krankenpfleger und dann doch für alle.
Erwähnte ich eigentlich, dass die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen teilweise von Mitte März bis Mitte Juli geschlossen waren, so dass man in den Wohneinrichtungen nun an fünf Tagen in der Woche jeweils 8,5h mehr abdecken musste bei gleichem Stellenschlüssel und gleichem Personal? Is ja nix. Mach’n wa doch mit links.
Vor allem dann, wenn man einen Bewohner aus DUMMHEIT der Angehörigen insgesamt 28 Tage in Quarantäne stecken muss – mit allen entsprechenden Maßnahmen. Schutzkleidung an, Schutzkleidung aus. Nach jedem Toilettengang desinfizieren und stetige Beobachtung, dass nicht noch eine angehörige Person so einen Scheiß abzieht.

Die Große Lee(h)re

Und dann gab es ja auch noch die Warnungen vor einer zweiten Welle. Doch die Warnungen verpufften.

„Aber die Merkel hat doch vorgerechnet wie hoch die Zahlen gehen werden!!!!!“ Und was hat sie dagegen getan?

Der Sommer wurde von der Regierung genutzt um nichts zu tun. Nichts?

Na gut, man hat versucht einen durchaus annehmbaren Preis für einen Impfstoff zu drücken, weil es manchen EU-Staaten zu teuer war. Ja, sie haben richtig gelesen. Menschenleben retten ist der EU, der jedes Menschenleben kostbar ist, zu teuer gewesen! Aber das erfahren wir chronologisch erst Anfang 2021.

Also im Sommer schien von Regierungsseite nichts zu passieren. Der Markt ließ Erfolge bei der Impfstoffentwickelung vermeldeten und in die Testphasen gehen. Woraufhin sich viele skeptisch über die kurze Entwicklungs- und Testzeit äußerten – inklusive mir. Was auch in normalen Unständen gerechtfertigt wäre, doch, wie wir ja wissen, sind das keine normalen Umstände. Die Impfstoffe wurden an ungewöhnlich vielen Menschen getestet, dann auch noch weltweit und dann auch noch – als ganz besonderes Schmankerl – an Frauen. Dumm nur, dass man diese Information – wieder mal – über Social Media von „irgendwelchen“ Medizinern und Fachleuten erfuhr und nicht über den ÖRR oder die Regierung. Gut, vielleicht haben die auch was geschrieben, aber aus mir nicht ganz nachvollziehbaren Gründen sind die Medizinier, denen ich nicht folg(t)e in meiner Timeline mit Erklärungen aufgetaucht und die Regierungsaccounts und ÖRR Accounts denen ich folge nicht. Naja.
Übrigens: Vielleicht gab es eine PK oder der Dr. Drosten hat in seinem Potcast darüber gesprochen, aber manchmal habe ich einfach nicht die Zeit mir 3h Potcast anzuhören für eine Essenz die in 3 Tweets passt.
Und auch das sind wieder Informationen, die den Angehörigen, Bewohnern und Kollegen vermittelt werden müssen (was mich übrigens in der Annahme bestärkte, dass von Regierungsseite und ÖRR nicht ausreichend informiert wurde).

Fröhliche Weihnacht überall

Die Zweite Welle bahnt sich an und nach ca. 6 Monaten Vorbereitungszeit, nach der ersten Welle, ist das was der Regierung einfällt: Lass uns nochmal einen Lockdown machen – nur diesmal noch undurchdachter als der Paniklockdown den wir vor 8 Monaten veranlasst haben. Ach ja, und über Weihnachten, da lockern wir den mal kurz. Denn der Lockdown soll ja Kontakte beschränken und so die Ausbreitung des Viruses eindämmen. Aber über Weihnachten braucht man das ja nicht, da sollte man mehr Kontakte ermöglichen, da feiert das Virus mit seinen kleinen Viruskindern und deren Mu-Tante nämlich auch Weihnachten und breitet sich nicht aus – oder irgendwie so.

Anders kann ich mir die Gedankengänge nicht erklären. Und erneut musste ich diese Ungereimtheiten den Angehörigen und Bewohnern so gut es geht erklären. Und oft genug musste ich mit den Schultern Zucken und sagen „Ich versteh’s auch nicht, aber wenn die uns den Laden nicht dicht machen sollen…“.

Gut, konnte mir egal sein, denn…

Ab Juli hatte die WfbM, zu der die meisten meiner Betreuten arbeiten gehen wieder geöffnet und Anfang Dezember ist das passiert, was wir befürchtet hatten. Der Anruf vom Gesundheitsamt, dass 10 von 12 Bewohnern kam um ca. 11 Uhr. Um 11:15 Uhr erfuhr ich als Gruppenleiter von meiner Chefin davon. Ich war zu Hause. Um 12 Uhr hatte ich zusammen mit einer direkt danach kontaktierten Kollegin die Wohngemeinschaft so umgestaltet, dass die zwei verblieben Bewohner geschützt sind und die anderen zehn Bewohner in Quarantäne betreut werden können. Es war der 9.12.2020.
Man stelle sich die Betreuung bitte einmal vor: Vor jedem der neun Bewohnerzimmer liegen sechs schwarze Säcke. Jeder Sack gekennzeichnet mit dem Namen eines Mitarbeiters des Tagdienstes und dem entsprechenden Bewohner. Jeder Mitarbeiter hat pro Bewohner einen Satz Schutzkleidung der angezogen wird, wenn das Zimmer betreten wird und ausgezogen wird, wenn das Zimmer verlassen wurde. Masken und Handschuhe werden jedesmal entsorgt, die restliche Kleidung einmal täglich (oder bei Beschädigung oder Kontamination). Bringt man also zehnMenschen das Essen zieht man sich zehn Mal an und aus. Aber man bringt ja nicht nur das Essen. Sondern auch Wasser. Oder ein Spiel. Oder der CD-Player muss neu eingestellt werden…


Dabei schwingt immer die Sorge mit, dass man es potentiell mit einem Coronainfizierten zu tun haben könnte und man das Virus in die anderen Zimmer tragen könnte, wenn man irgendetwas falsch macht. Oder man steckt sich selbst an.
Und man darf auch nicht vergessen, dass man es mit Menschen mit geistiger Behinderung und teilweise zusätzlichen psychischen Erkrankungen zu tun hat. Das macht es, glaubt mir einfach, nicht leichter. Schonmal Blut von der Wand gewischt, weil jemand wiederholt den Kopf vor die Wand geschlagen hat, weil er es nicht aushält? Auf meiner Liste an Dingen die ich niemals tun wollte, ist das jetzt abgehakt.


… oder jemand braucht dringend soziale Kontakte und braucht Ansprache und eine Umarmung. Ja, es sieht unheimlich fürsorglich aus, und fühlt sich genauso an, wenn ein Mensch in voller Schutzkleidung mit Atemschutzmaske, Handschuhen, Schutzbrille usw. einen Menschen in den Arm nimmt und ihn trösten muss, dass er noch mindetsens eine Woche die meiste Zeit alleine verbringen muss.

Am 16.12.2020 durfte ich dann endlich die Schnelltestschulung machen.
Am selben Tag stellten wir fest: 2 Bewohner Corona-Positiv aus unserer Gruppe, ein weiterer in einer anderen Gruppe, eine Kollegin, die aus dem Urlaub kam durfte direkt wieder gehen. Vier positive Fälle.
Dabei blieb es.
Und wir hatten auch noch Glück im Unglück, denn die drei entsprechenden Bewohner, waren allesamt weder psychisch krank noch geistig so eingeschränkt, dass sie nicht verstünden, was vor sich geht.
Dennoch: Erhöhte Vorsicht bei diesen Bewohnern – und bei den anderen, denn man könnte bei den Corona-Patienten einen Fehler gemacht haben.
Ach nebenbei: Durch das Gesundheitsamt ist telefonisch am 9.12. die Quarantäne verordnet worden, am 22. sollte sie, wenn keine Symptome auftreten (oder keine positiven Tests da wären), enden. Am 18. wurden sie darüber schriftlich informiert. Das heißt: Am 18. wurden die Info-Briefe geschrieben. Am 22. haben sie diese erhalten.
Die beiden Corona-Bewohner aus meiner Gruppe wurden noch bis zum 28. in Quarantäne belassen. Wobei einer bereits wieder negativ getestet wurde, der andere jedoch nicht (er musste bis zum 4. Januar 2021 in Quarantäne verbleiben, weil er so lange positiv getestet wurde). Das heißt: Der Herr S.Chips hat seine Weihnachtszeit damit verbracht, da er ja keine eigene Familie mit Kindern hat, zwei Coronainfizierte zu versorgen, damit die anderen halbwegst sicher mit ihrem engsten Familienkreis feiern können. Und alle Kollegen, haben nur mit der im Haushalt lebenden Familie gefeiert, weil man das Risiko nicht eingehen wollte, im Falle eines Fehlers bei der Arbeit, das Virus noch weiter zu tragen als unbedingt nötig. Meine Familie hat mich an Weihnachten nur über Skype gesehen.

Falls übrigens wer mitgerechnet hat: Die meisten Bewohner waren (einschließlich dem 9. und 22. Dezember) 14 Tage in Quarantäne. Die eine Person 20 Tage (Symptome: 1 Tag 38,6°C und 3 Tage Husten) und die nächste Person 27 Tage (Symptome: Leichter Schnupfen in den ersten 2 Tagen). 27 Tage wo der einzige soziale Kontakt übers Handy und mit Menschen in vollkommener Schutzausrüstung stattfindet. Doch dazu später mehr.

Meine Eltern sind mitte November beide positiv auf Corona getestet worden. Sie sollten vom Gesundheitsamt 10 Tage in Quarantäne und wenn sie drei (?) Tage keine Symptome mehr hätten, dürften sie so wieder herausgehen. Wie kann es sein, dass Leute die Quarantäne verlassen dürfen, nur weil sie symptomfrei sind, bei einem Virus wo man weiß, dass es auch ansteckend sein kann, wenn man nichts merkt?

Übrigens: am 16. und 17. 12. haben wir alle Bewohner und Kollegen anlassbezogen verpflichtent getestet (verpflichtent oder nciht ist hier egal, es wollten alle). Man konnte den Kollegen ansehen und anhören welche Steinlawine ihnen vom Herzen gefallen ist, wenn die Tests negativ waren. Da war bei allen Kollegen eine massive Anspannung, die sich löste. Man ist nicht mehr im Ungewissen.

Impf Wars – Eine neue Hoffnung

DIE IMPFSTOFFE SIND ZUGELASSEN. YAAAAAAAAY. Hoffnung keimt auf. Gut. Es ist zu wenig bestellt, die EU macht sich zum Obst, die Bundesregierung nicht minder, Kritiker werden als Impfnationalisten bezeichnet und über allem schwebt Trumps signature-Grinsen, denn die USA machts besser. Viel besser. Und das ist Trump – auch wenn nicht mehr in Amt und Wür – zu verdanken, der früher mehr eingekauft hat und auch bereit war den Preis zu zahlen. Gut, vielleicht nicht er selbst, aber seine Administration.
Es ist sicherlich kein Geheimnis, dass ich Trump nicht ganz so scheiße finde, wie die meisten es tun, aber man muss es schon wirklich so richtig und absolut verbockt haben, wenn sogar Trump es viel, viel besser macht.

Aber gut. Der Impfstoff muss ja auch erstmal produziert werden. Das ist nicht so leicht und braucht auch eine Gewisse Zeit. Und – sind wir ehrlich – Wir müssen schon einen Großteil der Weltbevölkerung geimpft haben, damit das was wird.

Impf Wars – Die Regierung schlägt zurück

Das ursprüngliche Impfkonzept sieht eine Priorisierung gewisser gefährdeter Personengruppen vor. Menschen über 80 Jahren oder Menschen in Alten- und Pflegeheimen. So weit so gut. Doch alles geht schief. Wirklich alles. Es sind nicht genug Impfstoffe da. Dann werden Leute geimpft, die eigentlich nicht dran waren (wofür die Regierung ausnahmsweise einmal nichts kann). Den Impfzentren fehlt entweder Personal, und/oder Impfstoff und/oder Leute die geimpft werden dürfen/wollen – und das nicht zuletzt, weil das Anmeldeverfahren gerüchteweise sehr kompliziert ist. Optimal für Menschen 80+ die meist nicht sooooo internetaffin sind.
Dann wird zwischendurch noch einmal die Prioritätenliste umgeschmissen. Auch immer gut. Sorgt für Vertrauen in die Verlässlichkeit und so.

Am 23. Januar sollten die Bewohner und das Betreuungspersonal unserer Einrichtung geimpft werden. Was als Mitglieder der ersten Impfrunde durchaus normal wäre. Am 20. Januar erhielt ich folgenden Anruf von meiner Chefin: „Stapel [Name geändert], unser Impfstoff wurde beschlagnahmt. Ich weiß nicht warum.“ Das Licht am Ende des Tunnels erlischt.

Äh, bitte was? Beschlagnahmt?

Das war schon ziemlich ernüchternd. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Mitarbeiter seit 10 Monaten in hoher Alarmbereitschaft, konnten, ja durften nicht mal, die Arbeit auf der Arbeit lassen, sind eingesprungen, haben Dienste abgedeckt und sich ein Bein ausgerissen um die Coronazeit gut erträglich zu machen. Was natürlich auch dafür gesorgt hat, dass die Sylvesterparty mit zwei Kollegen und 11 Bewohnern die vermutlich größte Sylvesterparty im Umkreis war.

Nächster Impfversuch Mitte Februar. Es dauerte von der Bestätigung der Bestellung bis zur Beschlagnahmung etwa 45 Minuten. Immerhin wurde diesmal ein nachvollziehbarer Grund genannt: Ein anderes Wohnheim benötigte noch die zweite Dosis, die sie sonst nicht im angemessenen Zeitrahmen bekommen könnten.

Dann, endlich am 13.03.2021 war es soweit, die ersten wurden mit AstraZeneca geimpft, passenderweise wurde der Impfstoff kurz vorher sogar für die Ü65 Fraktion zugelassen. am 17.03.2021 soll der Rest geimpft werden.
Doch… Zwei Tage nach dem ersten Impftermin ist der Impfstoff dann vielleicht doch nicht so geil und wird vorerst ausgesetzt. *Kopfkratz* Wer labert da denn jetzt Scheiße? Die die das Zeug für die Ü65 Fraktion zugelassen haben oder die, die das Zeug jetzt für insgesamt zu gefährlich halten.

Jetzt halte ich meine Impfungen immer aktuell. Und ich hatte es noch NIE, dass ich am nächsten Tag nicht irgendwelche Auswirkungen bemerkt habe. Der Körper zeigt nunmal Reaktionen auf eine Impfung – und das soll er ja auch. Zugegeben, so dreckig ging es mir schon lange nicht mehr nach einer Impfung, aber mir ging es schonmal so schlecht. Ich habe heute im Radio auf der Arbeit gehört, dass AstraZeneka gestoppt werden soll. Ein O-Ton von Jens Spahn wird abgespielt indem er von 7 Blutgerinseln auf 1,6 mio Impfdosen in Deutschland verweist.

Nehmen wir einmal an, dass alle diese Blutgerinsel auf den Impfstoff zurückzuführen sind, dann sind wir bei nicht einmal 0,5 / 100 000 Personen. Zum Vergleich: Bei Medikamenten, ist 1 von 10.000 die Kategorie „sehr selten“. Die nachfolgende Kategorie ist „Unbekannt“. Ich habe mir heute bei drei random Medikamenten unserer Bewohner die Nebenwirkungen durchgelesen. Ich schlage vor ihr bringt mich in den Knast, denn jedes Mal wenn ich Medikamente verteile, scheine ich vorsätzlichen Mord zu begehen.

7 aus 1,6 mio. ICH. FASSE. ES. NICHT.

WOLLT IHR DÄMLICHEN SPAHNTEN JETZT DAS CORONAVIRUS BEKÄMPFEN ODER NICHT? WIE WILL MAN – BEI EINEM SOLCHEN DUMM-DÄMLICHEN VERHALTEN – ES DA NOCH LEUTEN VERDENKEN, DASS SIE SICH NICHT MEHR AN DIE MASSNAHMEN HALTEN.

IHR SCHWACHKÖPFE!

Impf Wars – Die Rückkehr der offenen Enden

Erinnert sich noch wer an den Corornabonus? Ich habe den Satz in „Lock it Down“ bewusst so frei stehen lassen. 50% meines Teams haben diesen bereits erhalten. WOHOOO.

Erinnert sich noch wer an den Bewohner, der 27 Tage in Quarantäne war? Erinnert ihr euch auch noch dran, dass er nicht psychisch krank war? Jetzt ist er es. Er ist in Therapie und bekommt Medikamente gegen seine Angststörung.

Letzte Gedanken

Dem geneigten Leser wird aufgefallen sein, dass ich immer mal wieder eingestreut habe, dass man diverse Dinge den Angehörigen, Betreuten und Kollegen erklären muss. Natürlich, man ist – gerade als Gruppenleitung – Ansprechpartner. Das Dumme ist nur. Die Dienstzeit ist für die Beschaffung solcher Informationen nicht vorgesehen (abgesehen davon, dass das auch zeitlich gar nicht drin sitzt). Also MUSS vieles in der privaten Zeit stattfinden. Und da reichen dann auch die normalen Artikel nicht aus, sondern man muss die Infektionsschutzverordnungen lesen und verstehen (und ich bin Heilerziehungspfleger, kein Rechtsanwalt). Also die Primärquellen. Und man muss sich intensiv über das Coronavirus und Epidemologie informieren. Und über die Impfstoffe und ihre Wirkung… Und das eben nciht nur oberflächlich, denn Du musst den Angehörigen und Betreuten ein kompetenter Ansprechpartner sein und Sicherheit verschaffen.

Ich habe das vor etwa einem halben Jahr aufgegeben. Ich habe keine Lust mehr daran jedem Gerücht hinterherzujagen, damit ich es korrekt adressieren kann. Ich habe keine Lust mehr alle zwei Wochen mich durch einen Verordnungstext durchzuquälen, der zwar eine ganze Menge Ausdrücke verwendet, die vielleicht rechtlich definiert sind aber im „Realdeutsch“ nicht vorkommen. Ich bin es Leid.

Ich bin es Leid zu Hause jede Vorsichtsmaßnahme zu beachten, mich sozial abzugrenzen, alles in meiner Macht stehende zu tun um meine Angehörigen, meine Betreuten, meine Kollegen und mich so viel wie möglich zu schützen, wenn die Politik gleichzeitig auf allen Ebenen vollkommen versagt. „Aber die Leute halten sich nicht an die Maßnahmen.“ Glaubt irgendjemand wirklich, dass die jetzt wieder steigenden Zahlen damit zusammenhängen, dass die Leute sich nicht an die Maßnahmen halten oder eher dass die Maßnahmen möglicherweise doch nicht so geil sind? Zumal jetzt, bei steigenden Zahlen, die Maßnahmen ja wieder gelockert wurden, was… moment… die Zahlen steigen und es wird gelockert?

IHR SPAHNKÖPFE

Es war 3:24Uhr

…als ich den obigen Text abschickte. Ich lasse ihn, mit all seinen Fehlern so stehen. War ja immerhin ein Rant.

Ich habe allerdings noch einen Nachtrag. Irgendeiner der „Experten“ meinte (ich glaube es war #WirWollenKarl Lauterbach), dass sechs von 10 Schnelltests negativ sind, obwohl sie eigentlich positiv sind.

Ich hab seit dem 16.12.2020 über 350 Schnelltests durchgeführt. An Bewohnern, Kollegen, mir selbst, Angehörigen und Handwerkern. Ich habe insgesamt 9 positive Tests gehabt, die sich durch PCR-Tests allesamt als richtig erwiesen haben. Will der Herr Experte mir jetzt sagen, dass ich bei ~340 negativen Tests 204 Positive dabei hatte, die ich nicht erfasst habe? Das wäre schon sehr merkwürdig, denn viele Leute teste ich 2-3x pro Woche. Müsste da nicht zwischendurch dann doch mal einer positiv anschlagen? Und vor allem: Sind die alle asymptomatisch, soll heißen: ohne Symptome?

Und wenn dem so wäre: Wie in aller Welt willst du die Zahlen eigentlich beziffern? Wie kommst du zu diesem Ergebnis? Woher weißt Du, dass negative Schnelltests eigentlich positiv sind?

#EqualPayDay und #EqualWorkDay

Heute ist der 10. März 2021. Der Tag der schrecklichen Ungerechtigkeit!

Frauen verdienen 19% weniger Gehalt und heute ist der Tag an dem Frauen dann auch ENDLICH für ihre ganze Arbeit bezahlt werden. DENN:

Männliches Gehalt = 100%
Weibliches Gehalt = 100-19% =81%

Und der 69. Tag im Jahr ist der 10. März

Passender Weise habe ich auf DeStatis die durchschnittliche Wochenstundenzahl herausgefunden.

Männliche Wochenstunden: 38,6h (100%)
Weibliche Wochenstunden: 30,5h (?%)

Mit der vergleichbaren Rechnung kommen wir dann zu folgendem Ergebnis:

Und der 76. Tag im Jahr ist der 17. März.

Das hieße, dass Frauen am 17.März dann auch ENDLICH anfangen zu arbeiten, obwohl sie schon eine ganze Woche bezahlt werden!

Whataboutism und Derailing

Guten Tag,

nach über einem Jahr erfolgen heute zwei Blogposts. Wobei der eine ja wegen Genderama obsolet wurde. Deshalb schiebe ich noch einen kurzen nach.

Mich hat auch ein anderes Thema beschäftigt. Feministen werfen einem ja des öfteren vor „Whataboutism“ zu betreibenoder zu „derailen“, wenn man zu einem Thema einwirft, dass auch Männer davon betroffen sind. Also im Prinzip vom Thema abzulenken.

Nun ist es so, dass dies ja meist dann gemacht wird, wenn folgendes gesagt wird: „Frauen sind (manchmal auch: zu drölf%) von Problem X betroffen, deshalb müssen wir für Frauen was tun.“

Nun haben wir es aber nicht mit irgendwem, sondern mit Feministen zu tun. Das sind die Leute, die von sich sagen, für Gleichberechtigung zu sein, für Geschlechtergerechtigkeit und das Feminismus auch gut für Männer sei.

Wenn also das „Whataboutism / derailing“ stattfindet, werden Feministen an ihr Lippenbekenntnis erinnert. Wer für Gleichberechtigung ist, der muss das Problem entweder geschlechtsunabhängig angehen oder so, dass auch das andere Geschlecht mit dem Problem nicht alleine gelassen wird und gleichermaßen Unterstützung bekommt.

Zudem ist es nicht hilfreich ein Problem anzugehen und viele Aspekte des Problemes auszulassen. Wenn man das tut, kann man das Problem nicht beseitigen oder minimieren.

Gender Gerecht Grammatik

Seit einiger Zeit ist das Ringen um die korrekte Schreib-und Sprechweise in Deutschland wieder im Gange. Nicht zuletzt, weil der Duden mittlerweile auch gendert. [Ein kleiner Einschub: ich habe mit dem Text gestern begonnen und heute ist ein weitaus eloquenterer und kürzerer bei Genderama erschienen]

Ist „gendergerecht“ besser oder doch die generischen Formen?

Es ist denke ich kein Geheimnis, dass ich die „gendergerechte“ Sprache ablehne und ich möchte hier meine laienhafte Begründung kundtun.

Übereinkünfte

Sprache dient der Kommunikation mit anderen Menschen. Sie funktioniert immer nur als Übereinkunft. Soll heißen: Wenn ich zum Wirt sage: „Ich hätte gerne ein Bier“, dann erwarte ich, dass mir der Wirt ein Bier bringt und nicht einen doppelten Wiskey on the rocks. Wenn er mir aber genau diesen Wiskey hinstellt und sagt „hier ihr Bier“, dann weiß ich das irgendetwas falsch gelaufen ist. Entweder ist er etwas zerstreut und hat einen Fehler gemacht ODER wir haben unterschiedliche Bezeichnungen für die gleiche Sache.

Ein Beispiel aus meiner Kindheit: Wir saßen damals als Familie Sonntags am Frühstückstisch und es gab Brötchen. Wir hatten uns gerade über Hausaufgaben unterhalten. Mein Bruder wollte gerne das Brötchenmesser haben. Er deutete grob in die Richtung und sagte: „Kann ich mal bitte die Hausaufgaben haben.“ Meine Mutter gab ihm kommentarlos das Brötchenmesser.
Seit dem heißt bei uns das Brötchenmesser „Hausaufgaben“. Und das konnte – nachvollziehbarer Weise – für Gäste schoneinmal verwirrend sein.

Spannen wir nun den Bogen zum Gendern. Die gegenderten Formen sollen die generischen Formen ersetzen, da sich „viele Menschen durch die generischen Formen nicht angesprochen fühlen“ und „Frauen nicht nur mitgemeint sein sollen“. Zudem denken Menschen eher an Männer, wenn die generischen Formen verwendet werden und Frauen sollen nun mitgedacht werden. Die Übereinkunft, wie die generischen Formen angewendet werden wird durch die Verwender der „gendergerechten“ Sprache einseitig aufgekündigt.

Nun sind das drei Ebenen. Die erste Ebene ist die von Sender und Empfänger die zweite Ebene eine Verständnisebene und die dritte Ebene ist eine Moralebene.

Ebene 1: Sender und Empfänger

„Viele Menschen fühlen sich durch die generischen Formen nicht angesprochen „

Beginnen wir mit der ersten Ebene. Wenn ein Mensch etwas sagt, dann sendet er Informationen (er ist Sender) und die Menschen, die das Gesagte hören, sind die Empfänger. Ähnlich wie ich als Schreiber dieser Zeilen Sender bin und Sie, lieber Leser, Empfänger sind.

Die Empfänger müssen das Gesendete interpretieren. Ein interessantes Modell ist das 4-Seiten-Modell von F. Schulz von Thun. Bei dem Bierbeispiel würde ich von mir auf der Selbstoffenbarungsseite aussagen, dass ich ein Bier will, auf der Appellseite, dass mir der Wirt ein Bier geben soll, auf der Sachebene ist zu wenig Bier da und auf der Beziehungsebene schwingt mit, dass es der Job des Wirtes ist mir als Kunden Bier zu geben.

Bei der Interpretation der Aussage kann die Gewichtung anders liegen als das was gesagt wurde. Der Wirt könnte sagen: „Ja, das kann ich verstehen.“-Und sich dann um etwas anderes kümmern. Was dem Wortlaut meiner Aussage entsprechend eine vollkommen korrekte Antwort/Reaktion wäre – aber natürlich nicht das, was ich wollte. Das klassische Missverständnis. Der Empfänger hat etwas nicht so verstanden, wie es der Sender gemeint hat.

Auch können Sätze und Worte je nach Kontext eine andere Bedeutung haben. „Wir müssen zum Ball gehen.“ Könnte einerseits die Aufforderung des Fußballmanschaftskapitäns sein, mehr in die Zweikämpfe zu gehen um den Ball zu erobern oder aber auch dafür sorgen, dass sich zwei Menschen in Schale schmeißen um einen Tanzabend in illustrer Gesellschaft zu verbringen.

Solche Doppelbedeutungen von Worten, situationsabhängige Interpretationsspielräume, stehende Begriffe und Redewendungen usw. sind ständige Fallstricke, die zu Missverständnissen in der Kommunikation führen. Sie sind Alltag und lassen sich nur durch korrigierende Aussagen und Gespräche sowie präzisere Sprache reduzieren.

Ein weiterer dieser Fallstricke ist die generische Form. Sowohl das generische Maskulinum, als auch das generische Femininum. Das gen. Maskulinum verwendet die geschlechtsspezifische männliche Pluralform, während das gen. Femininum die geschlechtsspezifische weibliche Pluralform verwendet. Beide generischen Formen werden jedoch verwendet um eine Gruppe zu beschreiben, deren geschlechtliche Zusammensetzung unerheblich ist. Das Geschlecht der einzelnen Personen ist keine relevante Information.

Hier wird die sprachliche Übereinkunft einseitig aufgekündigt. Die „Genderer“ erkennen die generischen Formen nicht mehr an während sie gleichzeitig versuchen die „gendergerechten“ Formen, teils unter Zwang, zu etablieren. Nur weil sich jemand nicht angesprochen fühlt/fühlen will, heißt es nicht, dass die Person nicht trotzdem angesprochen wurde.

Ebene 2: Verständnis

„Frauen sollen nicht nur mitgemeint sein“

Das Problem ist, dass die generischen Formen gleich aussehen und klingen, wie die geschlechtsspezifischen Pluralformen. Das es hier zu Missverständnissen führen kann, ist quasi vorprogrammiert. Um dem entgegen zu wirken gibt es folgende sprachliche Übereinkunft: Gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Geschlecht eine relevante Information ist, dann ist das, was wie ein geschlechtsspezifischer Plural aussieht eine generische Form. Beispiel:

„Die Schüler bitte einmal nach links, die Lehrer nach rechts.“ Generische Form.
„Wir müssen einmal nach Geschlecht aufteilen. Die Schüler bitte nach links.“ Geschlechtsspezifische Pluralform
„Die Schülerinnen bitte nach links.“ Geschlechtsspezifische Pluralform
„Die männlichen Schüler bitte nach links.“ Geschlechtsspezifische Pluralform

Dies kann natürlich auch nicht so eindeutig sein:
„Die Gruppe ist ziemlich groß, wir müssen sie in kleinere Gruppen einteilen. Wir haben Schüler und Lehrer [generische Formen, da kein Hinweis auf das Geschlecht]. Wir teilen nach Geschlecht. Die Schüler bitte nach hinten links, die Schülerinnen nach hinten rechts [geschlechtsspezifische Pluralformen, wegen der Differenzierung und des Hinweises auf das Geschlecht]. Bla.. Bla bla.. sabbel sabbel sabbel für eine Minute. die Lehrer bitte nach vorne rechts.“
Hier bestünde jetzt die Frage: Gilt das Aufteilungskriterium Geschlecht noch? Wenn ja, was ist mit den Lehrerinnen, sollen sie bleiben wo sie sind oder nach vorne rechts?

Diese beiden Fragen würden Klarheit verschaffen. Würde man immer Gendern, käme DIESES Problem nicht mehr zum tragen, man würde aber auch in den meisten Fällen eine unnötige Information mitgeben, die Sprache unnötig verkomplizieren und damit weitere Probleme schaffen. Diese Probleme sind dann wieder abhängig davon wie gegendert wird.

Da das Gendern, egal in welcher Form, neue Probleme schafft, ist es keine grammatikalische Verbesserung der Sprache.

Es gibt immer wieder die Assoziationsstudien, in denen nachgewiesen wird, dass bei der generischen Sprachform vermehrt an Männer gedacht wird und das deshalb die „gendergerechte“ Sprache eingeführt werden müsse, damit auch Frauen mitgedacht werden. Das ist allerdings nur ein Teil der Wahrheit. Denn wahr ist auch, dass nach der ersten Assoziation gefragt wird – nicht danach ob man der Ansicht ist, dass dies auch Frauen mit einschließt. Zudem ist es auch Teil der Wahrheit, dass auch in Sprachen ohne/bzw. NUR der generischer Form (z.B. dem Englischen) die gleiche Tendenz sichtbar ist. Wenn die generische Form daran Schuld wäre, müsste man diese Tendenz in der englischsprachigen Bevölkerung nicht sehen.

Eine Sache, die „Genderer“ nicht verstehen und/oder nicht verstehen wollen ist, dass die generischen Formen die inklusivste Form überhaupt sind, denn die Bezeichnung trifft auf alle Menschen unabhängig ihres Geschlechtes zu. Der Teufel steckt, wie so oft, in der 500m² großen, gut beleuchteten Leinwand, die sehr gut einsehbar ist: generisch. Laut Duden (jap, die die auch anfangen zu gendern) bedeutet generisch:

Ebene 3: Moral

„Die gendergerechte Sprache“

Damit wäre auch die Implikation widerlegt, dass die generischen Formen (im Gegensatz zur „gendergerechten“ Sprache) genderUNgerecht wären. Sie sind genauso gendergerecht.

Was für mich irritierend ist, ist folgendes: Eigentlich sollte das Geschlecht in unseren alltäglichen Entscheidungen keine signifikante Rolle einnehmen. Es sollte kein Kriterium sein, nachdem beurteilt, gehandelt oder entscheiden wird – und dennoch bestehen die Genderer darauf das Geschlecht zu einem immer präsenten Faktum zu machen.

Da wir aber immer Geschlecht mitdenken sollen, wird das Geschlecht so zu einem stets präsenten Kriterium. Ich stelle die Hypothese auf, dass dies also – wie man so schön sagt – nach Hinten losgehen wird.

Ebenfalls der Moral zugehörig aber Abseits vom „gendergerechten“ Thema. Ist es nicht moralisch verwerflich anderen Menschen die eigene Sprache im eigenen Land zu untersagen und ihnen eine andere bzw. veränderte aufzuzwingen? Ich denke schon. Und genau das passiert, wenn man Punktabzug in akademischen Arbeiten bekommt, wenn man nicht die „gendergerechte“ Sprache verwendet. Wenn in Hannover die „gendergerechte“ Sprache in der Verwaltung verpflichtend eingeführt wird. Die dortigen Angestellten sind jetzt dazu gezwungen zur Bevölkerung in einer anderen bzw. veränderten Sprache zu sprechen.
Und das alles obwohl die Mehrheit der Deutschen der“gendergerechten“ Sprache ablehnen gegenüber steht.

Das ist autoritäres Verhalten. Nichts weiter.