Keine Angst vorm Nicht-Gendern

In der taz erschien ein ziemlich anmaßender Kommentar von Simone Schmollak

„Liebe Leser:innen, das hier ist ein durchgegenderter Text. Damit müssen Sie leben, auch wenn Sie zu den 65 Prozent der Menschen in Deutschland gehören, die laut Meinungsforschungsinstitut infratest dimap eine gendergerechte Sprache ablehnen.“

Gehöre ich. Nebenbei führt der Link nicht zu den Ergebnissen.

„Sie können natürlich sofort aussteigen aus diesem Text, aber vielleicht lassen Sie sich doch inspirieren.“

Lasse ich mich. Es soll Dein Schaden sein.

„Denn eine Sprache, die Frauen, Männer und Transgender-Personen treffender adressiert als bislang verbreitet, könnte früher oder später normal sein.“

Könnte. Muss aber nicht. Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass „treffender“ eine Steigerung ist. Dies würde implizieren das vorher die Sprache (in Bezug auf das generische Maskulinum, um das es beim Gendern geht) bereits diese Personen adressiert haben soll. Das ist nicht der Fall. Die generischen Formen werden verwendet, wenn dass Geschlecht bzw. die Geschlechterzusammensetzung der bezeichneten Gruppe unerheblich/irrelevant ist. Dementsprechend wurde gar kein Geschlecht adressiert.

„Nicht in diesem, auch nicht im nächsten Jahr, sicher aber irgendwann doch.“

Es wäre sehr schade, denn dann würden wir immer Bezug auf das Geschlecht nehmen, selbst dann, wenn es vollkommen unerheblich ist. Wir würden so immer wieder das Geschlecht in den Fokus rücken und Menschen (auf Grund der stetigen Präsenz des Geschlechtes) zu Sexisten erziehen.

„Sprache passt sich gesellschaftlichen Entwicklungen ebenso an, wie sie sie abbildet.“

Das ist korrekt. Wenn diese Sprachentwicklung von „oben“ angeordnet wird, gegen den Willen der Mehrheit, dann handelt es sich nicht um eine organische Sprachentwicklung, sondern um eine diktatorische. Und das ist für einen liberalen Menschen wie mich abzulehnen.

„Den Veränderungen ist nicht zu entkommen: Frauen spielen in Politik, Wirtschaft, Kultur eine größere Rolle als noch vor 50 Jahren. Da ist es nicht nur gerecht, sondern schlicht logisch, dass sich Gleichstellung auch sprachlich bemerkbar macht.“

Warum ist es logisch aus einer geschlechtsunabhängigen grammatikalischen Form eine geschlechtsabhängige zu konstruieren und sie den Menschen aufzuzwingen, obwohl sie von der Mehrheit der Menschen abgelehnt wird? Immerhin lehnen ja auch Frauen mehrheitlich das Gendern ab.

„In den vergangenen Jahren sind Menschen mit queerem Hintergrund und mit Migrationsgeschichte in den Fokus der Gesellschaft gerückt. Auch sie müssen sprachlich einbezogen werden. Dafür gibt es viele Varianten, liebe Leser_innen, Leser.innen, Leser*innen, Lesende oder eben Leser:innen.“

Und die bereits existierenden generischen Formen. Abgesehen davon ist es natürlich vollkommener Quatsch, dass Idiotengab, Deppenstern, Trottelpunkt und Konsorten Menschen mit Migrationshintergrund (weil sie Menschen mit Migrationshintergrund sind) einbeziehen. Du fängst jetzt an in Deinem Wahn Buzzwörter aneinander zu reihen. (Update: Mir viel gerade ein, dass sie das öfter macht)

„Manche mögen sich an der Lesbarkeit solcher Formen stören, aber das ist reine Gewöhnungssache.“

Aber warum sollte ich mich daran gewöhnen, wenn es doch schon eine wesentlich bessere und vor allem einfachere Form, nämlich die generische, gibt?

„Ebenso die gesprochene Pause zwischen Leser und innen mag manchen anfangs schwer über die Lippen kommen, geht aber sehr rasch sehr leicht.“

Und führt zu Misverständnissen, Störungen des Sprachflusses und versorgt einen mit irrelevanten Informationen.

„Das glauben Sie nicht? Nun, Tür ­schreiben Sie auch nicht mehr Thür. Im Stile eines Thomas Mann verfasst heute kaum noch ein:e Au­to­r:in ihre Texte. Selbst die gezeichneten Emoticons, die Sie möglicherweise bei Whatsapp, in einer SMS oder beim Twittern verwenden, sind Ausdruck einer sprachlichen Entwicklung.“

No shit Sherlock. Und wer hat diese sprachliche Entwicklung angeordnet? Wer hat sie, entgegen gängiger sprachlicher Übereinkünfte durchgedrückt? Das sind Sprachentwicklungen die gewachsen sind. Keine die über amtlichen Zwang, Androhung schlechter Noten oder moralischem Druck durchgeführt wurden.

„All das können Sie natürlich ablehnen. Ob Sie weiterhin das generische Maskulinum verwenden, bleibt ganz Ihnen überlassen. Es gibt kein Gesetz, das vorschreibt, wie Sie zu sprechen haben.“

Wie ich euch Feministen kenne: NOCH nicht.

„Sie könnten aber auch versuchen, die Neuerungen anzunehmen und damit zeigen, dass Sie gerecht und inklusiv sind.“

Ziemlich anmaßend. SIE müssten ersteinmal beweisen, dass ich das nicht bin wenn ich die generischen Formen verwende. Denn diese ist inklusiv und gerecht. Ich muss nicht eine unnötige Verkomplizierung der Sprache annehmen (die nebenbei auch noch klingt als wäre die sprechende Person geistig etwas… früh stehen geblieben) um zu zeigen das ich gerecht und inklusiv bin.

„Sie schaffen das. Ganz bestimmt.“

Sie sind ziemlich unverschämt dafür, dass sie angeblich für Inklusion und Gerechtigkeit stehen.

Update: Archivlink

Coronarantblog Zwo

Nachdem ich kürzlich meinen kleinen Coronarantblog geschrieben habe, kommt nun Nummer 2.

Ich denke in meinem vorherigen Rant ist durchaus durchgekommen, dass ich einen Lockdown nicht kategorisch ablehne – womit ich mich in meiner Blase vermutlich sehr unbeliebt mache. Ich möchte das nur kurz umreißen:

In meiner Brust schlagen zwei Herzen: Zum einen möchte ich, das Virus bekämpfen und seine Ausbreitung verhindern. Zum anderen halte ich Freiheit für ein enorm wichtiges Gut. Ein Gut für das Menschen ihr Leben riskiert haben und auch heute noch riskieren.

In meiner Idealvorstellung haben wir kein Infektionsschutzgesetz, dass uns dazu zwingt X, Y und Z zu machen bzw a,b und c zu unterlassen, sondern wir haben unsere Freiheiten und jeder nutzt sie verantwortungsvoll mit dem gleichen Ziel das Virus zu bekämpfen.

Aber das ist eine Idealvorstellung. Das dies natürlich nicht das einzige Ziel ist und dass Maßnahmen, die vielleicht nur sehr geringe Wirksamkeit (aber immerhin eine Wirksamkeit) haben, dass Virus einzudämmen andere weitaus schädlichere Effekte haben, muss berücksichtigt werden. Zudem gibt es natürlich Leute, die dass Virus, bzw. seine Gefährlichkeit, leugnen und deshalb ihre Freiheit nicht nutzen würden um Verantwortungsvoll das Virus zu bekämpfen. Und dann gibt es die, die eine andere Vorstellung davon haben, was denn nun verantwortungsvoll ist. Und es gibt natürlich die, die das machen würden, wenn sie nicht… eine Schulpflicht hätten. … einen Arbeitsvertrag hätten. …usw.

Die Eigenverantwortlichkeit kann nur so lange funktionieren, wie keiner Pflichten hat, die dieser Verantwortung im Wege stehen.

Wenn ich eigenverantwortlich von der Arbeit wegbleibe, mit dem Ziel Kontakte zu beschränken, dann werden die meisten Arbeitgeber mir sagen, dass ich gar nicht wiederkommen brauche. Und das nicht zu Unrecht.

Daher muss es etwas „von oben“ geben, dass die Arbeitnehmer schützt.

Der Grund, warum ich mich zu Corona (bzw. bezüglich der entsprechenden Maßnahmen) recht bedeckt halte ist halt einfach der, dass ich das Für-und Wider beidseitig oft nachvollziehen kann. Und ich – auch nach dieser langen Zeit – mir noch nicht sicher bin.

Ich denke ich mache es so am deutlichsten: Man stelle sich mich, den Stapel, als Politiker vor, der die Beschlüsse macht. Ich stelle folgenden Beschluss vor: Vier Wochen lang gibt es einen totalen Lockdown mit Ausgangssperre und allem drum und dran. Danach eine garantierte Öffnung wie Vor-Corona.

Und dann würde ich meinen Rücktritt bekannt geben, weil ich solch eine harte Maßnahme von einem liberalen Standpunkt aus nicht vertreten kann.


Alles dicht machen

Jetzt haben kürzlich einige Schauspieler (von denen ich die meisten nicht kenne) unter diversen Hashtags (u.A. #allesdichtmachen) einige Videos aufgenommen. Ich habe das von Jan Josef Liefers, Richy Müller, Tina Maria Aigner, Volker Bruch, Nina Gummich, Peter Shaw und Christian Ehrich gesehen.

Die anderen habe ich mir nicht angesehen. Sind halt auch nur Schauspieler und keine Leute deren Meinung mir besonders wichtig wäre.

Was in den mir bekannten Videos Thema ist, ist folgendes: Die Kulturbetriebe stehen vor dem aus, von wo (politisch) kommt der Applaus, Meinungsfreiheit ist wichtig.

Und natüüüüüürlich sind diese Sachen voll kontrovers. Absolut. Total. Richtig schlimm.

Da zeigen sich einige Leute der „Schauspiel-Elite“ mit ihren weniger bekannten Kollegen solidarisch, da deren Existenz auf dem Spiel steht – und dann bekommt man einen auf den Deckel weil man unsolidarisch sei. Da merkt man an, dass Meinungsfreiheit wichtig ist – und bekommt einen auf den Deckel wegen einer falschen Meinung. Da deutet man an, dass es egal sein muss, von wem einem applaudiert wird, wenn man doch recht hat – und dann wird man in die rechte Ecke gestellt.

Und dazu aufgerufen diese Leute nicht mehr zu beschäftigen.

Ich lasse das mal so stehen.

#CancelCulture

Rassismus und Diskriminierung

Es ist ein Gedankengang der mir schon länger im Kopf herumschwirrt. Den viele Leute und vielleicht sogar auch ich schonmal irgendwo irgendwann beschrieben haben. Es geht um folgende sinngemäße Aussage:

„Es gibt keinen Rassismus gegen Weiße. Was es gibt ist Diskriminierung.“

Beispielhaft am Tweet von Jürgen Kasek (Archiv).

Die meisten Menschen sprechen von Rassismus, wenn jemand auf Grund seiner Hautfarbe oder Herkunft in irgendeiner Form benachteiligt wird.

Auch bei den Anhängern des Gedankengutes, dass es Rassismus gegen Weiße nicht gäbe, äußert sich Rassismus in der benachteiligenden Behandlung von Menschen – außer Weißen.

Dabei müsste es doch eigentlich vollkommen müßig sein, darüber zu reden, ob es nun Rassismus gegen Weiße gibt oder nicht. Denn es geht ja eigentlich darum, benachteiligendes Verhalten zu beenden – also Diskriminierung.

Ob wir diese Diskriminierung, die es ja nachweislich auch gegen Weiße gibt, nun Rassismus nennen oder nicht ist ja, wenn man dieses Ziel verfolgt, unerheblich.

ABER

Es geht halt eben nicht nur darum. Denn erst einmal ist es so, dass natürlich die Exkludierung von Menschen bestimmter Hautfarbe aus einem üblicherweise hautfarbenunabhängigen Begriff an und für sich schon eine Diskriminierung darstellt. Nach klassischer Begriffsbedeutung ist diese Exkludierung (mit der zu Grunde liegenden Argumentation) schon eine Diskriminierung und nach klassischer Begriffsbedeutung damit eben Rassismus.
Wer also Diskriminierung auf Basis der Hautfarbe beenden will, muss hier schon anfangen zu widersprechen.

Zudem ist es ja so, dass wir nun ein Wort haben, dass im gleichen Kontext zwei sehr abweichende Definitionen hat. Und warum sollte man eine Wortdeffinition annehmen, die weniger inklusiv ist und, nach klassischer Definition, auch rassistisch ist?

Darauf aufbauend stellt sich natürlich auch die Frage, warum man überhaupt eine neue Definition annehmen sollte. Warum sollte ich mir von meiner Opposition vorschreiben lassen, wie ich einen Begriff zu verwenden habe?

Zusätzliche Gedanken

Was ich interessant finde ist folgendes:

Der Begriff Rassismus wird klassischerweise verwendet um die Diskriminierung eines Menschen basierend auf Hautfarbe oder Herkunft zu beschreiben.

Der Begriff „Weiß“ wird in der klassischen Rassismusdiskussion für Menschen heller Hautfarbe verwendet.

Nun werden beide Begriffe auch von Woken „Anti-Rassisten“ verwendet (siehe dazu die taz) – nur halt eben vollkommen anders.

Wenn man eine zielführende Diskussion zum Thema Rassismus führen wollen würde, müsste man sich dann nicht eigentlich die klassischen Begriffe weiterhin klassisch verwenden und sich neuer Begriffe bedienen um andere Konzepte zu beschreiben? Welchen Sinn hat es, klassische Begrifflichkeiten einfach umzudefinieren?

Ablenkung.

Coronarantblog

Ich habe vorhin auf Twitter angekündigt, einen Corona-Rant-Blogpost zu machen, denn ich muss sagen, ich bin es mittlerweile etwas leid. [Anmerkung: Aus Datenschutzgründen sind einige Details im beruflichen Bereich weggelassen oder leicht verändert worden; Sie spiegeln aber immernoch die Tatsachen wieder]

Vom Anbeginn der C-Zeit

Es begann, wie so oft, mit Social Media. Über meine Lieblings-Bloodwars-Arena Twitter wurden mir immer wieder Berichte aus China/Wuhan in die Timeline gespült bezüglich des Viruses. Die erste Seriöser-Als-Twitter Quelle erhielt ich über die Weltraumaffen. Damals, im Januar 2020, als man noch Verschwörungstheoretiker, Rechts und Schmuddelkind war, wenn man sagte, dass das Virus ein Problem werden könnte.

Ca. einen Monat später bemerkt dann auch die Bundesregierung, dass das vielleicht doch ernstzunehmen ist. Der ÖRR braucht noch etwas länger.

Soweit so schlecht der Start.

Es folgt ein ängstlicher Blick nach Italien. Dort schießen die Zahlen in die Höhe, es wird von Landstrichen in Quarantäne und Hilfe des Militärs bei der Pandemiebekämpfung berichtet. Die Bundesregierung zögert.

Und zögert.

und zögert.

UND VERFICKT NOCH MAL ZÖGERT.

und organisiert ordnet dann den Lockdown an.

Lock it down

In der Zwischenzeit (also zwischen Januar und Lockdownbeginn) hatten wir bei uns auf der Arbeit unseren Vorrat an Masken, Einmalhandschuhen, anderer Schutzkleidung und Hände- und Flächendesinfektionsmittel aufgestockt. Sie sind bei uns größtenteils normale Verbrauchsgegenstände. Es wurde ein Plan erarbeitet, wie wir agieren sollten, falls jemand das Virus zu uns kommen sollte.

Danach sah erstmal alles tutti aus. Der Lockdown schien seine Wirkung zu zeigen, im Sommer beruhigte sich die Lage wieder deutlich. Konsens im Freundes-und Familienkreis sowie im beruflichen Umfeld: Wir brauchen einen Fahrplan. Bei diesen und jenen Infektionszahlen passiert das, sinken die Zahlen passiert jenes. Doch das sollte nicht kommen. Es wurde zweiwöchentlich neu entscheiden. Die Masken, wenn auch ungewohnt, zeigen zu Recht in der Bevölkerung eine breite Zustimmung und auch die Maßnahmen werden als weitestgehend angemessen empfunden. Auch wenn manche davon nicht so ganz nachvollziehbar sind. Manche Maßnahmen konnte man ganz gut erklären, bei anderen musste man schon etwas weiter ausholen und bei wieder anderen mussteman sich eingestehen, dass man da auch keinen Sinn drin sieht.
Die Arbeit als Heilerziehungspfleger bekommt eine Dimension, die stark belastend ist. Wichtig ist, dass man, spätestens wenn man an der eigenen Wohnungstür angekommen ist, nicht mehr an die Arbeit denkt. Abschalten von der Arbeit.
Das ist jetzt nicht mehr möglich. Allen Kollegen ist klar: Wenn Corona zu unseren Bewohnern kommt, dann sind wir es, die das Virus einschleppen. Extra große Vorsicht. Im Supermarkt wird ein Umweg mehr gegangen, Desinfektionstücher und Händedesinfektionsmittel werden zum ständigen Begleiter. Bloß das scheiß Virus nicht mit zur Arbeit bringen. X Kontakte sind erlaubt? Sicherheitshalber machen wir dann mal X-5 Kontakte. Das Virus soll ja nicht zur Arbeit kommen.
Als ausgleich dafür muss ich erwähnen, das es nett war, das jemand bei uns vor der Einrichtung mit Kreide ein Dankeschön gemalt hat. Gut, dafür war es nötig unsere Warnschilder zu missachten, dass man bitte nur als Anlieferer oder Angehöriger das Grundstück betreten soll, um das Infektionsrisiko zu minimieren… aber hey Danke, dass Du Danke gesagt hast.
Ach ja, der einmalige Coronabonus den es geben sollte und dann wieder nicht und dann wieder doch und dann nur für Krankenpfleger und dann für alle außer Krankenpfleger und dann doch für alle.
Erwähnte ich eigentlich, dass die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen teilweise von Mitte März bis Mitte Juli geschlossen waren, so dass man in den Wohneinrichtungen nun an fünf Tagen in der Woche jeweils 8,5h mehr abdecken musste bei gleichem Stellenschlüssel und gleichem Personal? Is ja nix. Mach’n wa doch mit links.
Vor allem dann, wenn man einen Bewohner aus DUMMHEIT der Angehörigen insgesamt 28 Tage in Quarantäne stecken muss – mit allen entsprechenden Maßnahmen. Schutzkleidung an, Schutzkleidung aus. Nach jedem Toilettengang desinfizieren und stetige Beobachtung, dass nicht noch eine angehörige Person so einen Scheiß abzieht.

Die Große Lee(h)re

Und dann gab es ja auch noch die Warnungen vor einer zweiten Welle. Doch die Warnungen verpufften.

„Aber die Merkel hat doch vorgerechnet wie hoch die Zahlen gehen werden!!!!!“ Und was hat sie dagegen getan?

Der Sommer wurde von der Regierung genutzt um nichts zu tun. Nichts?

Na gut, man hat versucht einen durchaus annehmbaren Preis für einen Impfstoff zu drücken, weil es manchen EU-Staaten zu teuer war. Ja, sie haben richtig gelesen. Menschenleben retten ist der EU, der jedes Menschenleben kostbar ist, zu teuer gewesen! Aber das erfahren wir chronologisch erst Anfang 2021.

Also im Sommer schien von Regierungsseite nichts zu passieren. Der Markt ließ Erfolge bei der Impfstoffentwickelung vermeldeten und in die Testphasen gehen. Woraufhin sich viele skeptisch über die kurze Entwicklungs- und Testzeit äußerten – inklusive mir. Was auch in normalen Unständen gerechtfertigt wäre, doch, wie wir ja wissen, sind das keine normalen Umstände. Die Impfstoffe wurden an ungewöhnlich vielen Menschen getestet, dann auch noch weltweit und dann auch noch – als ganz besonderes Schmankerl – an Frauen. Dumm nur, dass man diese Information – wieder mal – über Social Media von „irgendwelchen“ Medizinern und Fachleuten erfuhr und nicht über den ÖRR oder die Regierung. Gut, vielleicht haben die auch was geschrieben, aber aus mir nicht ganz nachvollziehbaren Gründen sind die Medizinier, denen ich nicht folg(t)e in meiner Timeline mit Erklärungen aufgetaucht und die Regierungsaccounts und ÖRR Accounts denen ich folge nicht. Naja.
Übrigens: Vielleicht gab es eine PK oder der Dr. Drosten hat in seinem Potcast darüber gesprochen, aber manchmal habe ich einfach nicht die Zeit mir 3h Potcast anzuhören für eine Essenz die in 3 Tweets passt.
Und auch das sind wieder Informationen, die den Angehörigen, Bewohnern und Kollegen vermittelt werden müssen (was mich übrigens in der Annahme bestärkte, dass von Regierungsseite und ÖRR nicht ausreichend informiert wurde).

Fröhliche Weihnacht überall

Die Zweite Welle bahnt sich an und nach ca. 6 Monaten Vorbereitungszeit, nach der ersten Welle, ist das was der Regierung einfällt: Lass uns nochmal einen Lockdown machen – nur diesmal noch undurchdachter als der Paniklockdown den wir vor 8 Monaten veranlasst haben. Ach ja, und über Weihnachten, da lockern wir den mal kurz. Denn der Lockdown soll ja Kontakte beschränken und so die Ausbreitung des Viruses eindämmen. Aber über Weihnachten braucht man das ja nicht, da sollte man mehr Kontakte ermöglichen, da feiert das Virus mit seinen kleinen Viruskindern und deren Mu-Tante nämlich auch Weihnachten und breitet sich nicht aus – oder irgendwie so.

Anders kann ich mir die Gedankengänge nicht erklären. Und erneut musste ich diese Ungereimtheiten den Angehörigen und Bewohnern so gut es geht erklären. Und oft genug musste ich mit den Schultern Zucken und sagen „Ich versteh’s auch nicht, aber wenn die uns den Laden nicht dicht machen sollen…“.

Gut, konnte mir egal sein, denn…

Ab Juli hatte die WfbM, zu der die meisten meiner Betreuten arbeiten gehen wieder geöffnet und Anfang Dezember ist das passiert, was wir befürchtet hatten. Der Anruf vom Gesundheitsamt, dass 10 von 12 Bewohnern kam um ca. 11 Uhr. Um 11:15 Uhr erfuhr ich als Gruppenleiter von meiner Chefin davon. Ich war zu Hause. Um 12 Uhr hatte ich zusammen mit einer direkt danach kontaktierten Kollegin die Wohngemeinschaft so umgestaltet, dass die zwei verblieben Bewohner geschützt sind und die anderen zehn Bewohner in Quarantäne betreut werden können. Es war der 9.12.2020.
Man stelle sich die Betreuung bitte einmal vor: Vor jedem der neun Bewohnerzimmer liegen sechs schwarze Säcke. Jeder Sack gekennzeichnet mit dem Namen eines Mitarbeiters des Tagdienstes und dem entsprechenden Bewohner. Jeder Mitarbeiter hat pro Bewohner einen Satz Schutzkleidung der angezogen wird, wenn das Zimmer betreten wird und ausgezogen wird, wenn das Zimmer verlassen wurde. Masken und Handschuhe werden jedesmal entsorgt, die restliche Kleidung einmal täglich (oder bei Beschädigung oder Kontamination). Bringt man also zehnMenschen das Essen zieht man sich zehn Mal an und aus. Aber man bringt ja nicht nur das Essen. Sondern auch Wasser. Oder ein Spiel. Oder der CD-Player muss neu eingestellt werden…


Dabei schwingt immer die Sorge mit, dass man es potentiell mit einem Coronainfizierten zu tun haben könnte und man das Virus in die anderen Zimmer tragen könnte, wenn man irgendetwas falsch macht. Oder man steckt sich selbst an.
Und man darf auch nicht vergessen, dass man es mit Menschen mit geistiger Behinderung und teilweise zusätzlichen psychischen Erkrankungen zu tun hat. Das macht es, glaubt mir einfach, nicht leichter. Schonmal Blut von der Wand gewischt, weil jemand wiederholt den Kopf vor die Wand geschlagen hat, weil er es nicht aushält? Auf meiner Liste an Dingen die ich niemals tun wollte, ist das jetzt abgehakt.


… oder jemand braucht dringend soziale Kontakte und braucht Ansprache und eine Umarmung. Ja, es sieht unheimlich fürsorglich aus, und fühlt sich genauso an, wenn ein Mensch in voller Schutzkleidung mit Atemschutzmaske, Handschuhen, Schutzbrille usw. einen Menschen in den Arm nimmt und ihn trösten muss, dass er noch mindetsens eine Woche die meiste Zeit alleine verbringen muss.

Am 16.12.2020 durfte ich dann endlich die Schnelltestschulung machen.
Am selben Tag stellten wir fest: 2 Bewohner Corona-Positiv aus unserer Gruppe, ein weiterer in einer anderen Gruppe, eine Kollegin, die aus dem Urlaub kam durfte direkt wieder gehen. Vier positive Fälle.
Dabei blieb es.
Und wir hatten auch noch Glück im Unglück, denn die drei entsprechenden Bewohner, waren allesamt weder psychisch krank noch geistig so eingeschränkt, dass sie nicht verstünden, was vor sich geht.
Dennoch: Erhöhte Vorsicht bei diesen Bewohnern – und bei den anderen, denn man könnte bei den Corona-Patienten einen Fehler gemacht haben.
Ach nebenbei: Durch das Gesundheitsamt ist telefonisch am 9.12. die Quarantäne verordnet worden, am 22. sollte sie, wenn keine Symptome auftreten (oder keine positiven Tests da wären), enden. Am 18. wurden sie darüber schriftlich informiert. Das heißt: Am 18. wurden die Info-Briefe geschrieben. Am 22. haben sie diese erhalten.
Die beiden Corona-Bewohner aus meiner Gruppe wurden noch bis zum 28. in Quarantäne belassen. Wobei einer bereits wieder negativ getestet wurde, der andere jedoch nicht (er musste bis zum 4. Januar 2021 in Quarantäne verbleiben, weil er so lange positiv getestet wurde). Das heißt: Der Herr S.Chips hat seine Weihnachtszeit damit verbracht, da er ja keine eigene Familie mit Kindern hat, zwei Coronainfizierte zu versorgen, damit die anderen halbwegst sicher mit ihrem engsten Familienkreis feiern können. Und alle Kollegen, haben nur mit der im Haushalt lebenden Familie gefeiert, weil man das Risiko nicht eingehen wollte, im Falle eines Fehlers bei der Arbeit, das Virus noch weiter zu tragen als unbedingt nötig. Meine Familie hat mich an Weihnachten nur über Skype gesehen.

Falls übrigens wer mitgerechnet hat: Die meisten Bewohner waren (einschließlich dem 9. und 22. Dezember) 14 Tage in Quarantäne. Die eine Person 20 Tage (Symptome: 1 Tag 38,6°C und 3 Tage Husten) und die nächste Person 27 Tage (Symptome: Leichter Schnupfen in den ersten 2 Tagen). 27 Tage wo der einzige soziale Kontakt übers Handy und mit Menschen in vollkommener Schutzausrüstung stattfindet. Doch dazu später mehr.

Meine Eltern sind mitte November beide positiv auf Corona getestet worden. Sie sollten vom Gesundheitsamt 10 Tage in Quarantäne und wenn sie drei (?) Tage keine Symptome mehr hätten, dürften sie so wieder herausgehen. Wie kann es sein, dass Leute die Quarantäne verlassen dürfen, nur weil sie symptomfrei sind, bei einem Virus wo man weiß, dass es auch ansteckend sein kann, wenn man nichts merkt?

Übrigens: am 16. und 17. 12. haben wir alle Bewohner und Kollegen anlassbezogen verpflichtent getestet (verpflichtent oder nciht ist hier egal, es wollten alle). Man konnte den Kollegen ansehen und anhören welche Steinlawine ihnen vom Herzen gefallen ist, wenn die Tests negativ waren. Da war bei allen Kollegen eine massive Anspannung, die sich löste. Man ist nicht mehr im Ungewissen.

Impf Wars – Eine neue Hoffnung

DIE IMPFSTOFFE SIND ZUGELASSEN. YAAAAAAAAY. Hoffnung keimt auf. Gut. Es ist zu wenig bestellt, die EU macht sich zum Obst, die Bundesregierung nicht minder, Kritiker werden als Impfnationalisten bezeichnet und über allem schwebt Trumps signature-Grinsen, denn die USA machts besser. Viel besser. Und das ist Trump – auch wenn nicht mehr in Amt und Wür – zu verdanken, der früher mehr eingekauft hat und auch bereit war den Preis zu zahlen. Gut, vielleicht nicht er selbst, aber seine Administration.
Es ist sicherlich kein Geheimnis, dass ich Trump nicht ganz so scheiße finde, wie die meisten es tun, aber man muss es schon wirklich so richtig und absolut verbockt haben, wenn sogar Trump es viel, viel besser macht.

Aber gut. Der Impfstoff muss ja auch erstmal produziert werden. Das ist nicht so leicht und braucht auch eine Gewisse Zeit. Und – sind wir ehrlich – Wir müssen schon einen Großteil der Weltbevölkerung geimpft haben, damit das was wird.

Impf Wars – Die Regierung schlägt zurück

Das ursprüngliche Impfkonzept sieht eine Priorisierung gewisser gefährdeter Personengruppen vor. Menschen über 80 Jahren oder Menschen in Alten- und Pflegeheimen. So weit so gut. Doch alles geht schief. Wirklich alles. Es sind nicht genug Impfstoffe da. Dann werden Leute geimpft, die eigentlich nicht dran waren (wofür die Regierung ausnahmsweise einmal nichts kann). Den Impfzentren fehlt entweder Personal, und/oder Impfstoff und/oder Leute die geimpft werden dürfen/wollen – und das nicht zuletzt, weil das Anmeldeverfahren gerüchteweise sehr kompliziert ist. Optimal für Menschen 80+ die meist nicht sooooo internetaffin sind.
Dann wird zwischendurch noch einmal die Prioritätenliste umgeschmissen. Auch immer gut. Sorgt für Vertrauen in die Verlässlichkeit und so.

Am 23. Januar sollten die Bewohner und das Betreuungspersonal unserer Einrichtung geimpft werden. Was als Mitglieder der ersten Impfrunde durchaus normal wäre. Am 20. Januar erhielt ich folgenden Anruf von meiner Chefin: „Stapel [Name geändert], unser Impfstoff wurde beschlagnahmt. Ich weiß nicht warum.“ Das Licht am Ende des Tunnels erlischt.

Äh, bitte was? Beschlagnahmt?

Das war schon ziemlich ernüchternd. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Mitarbeiter seit 10 Monaten in hoher Alarmbereitschaft, konnten, ja durften nicht mal, die Arbeit auf der Arbeit lassen, sind eingesprungen, haben Dienste abgedeckt und sich ein Bein ausgerissen um die Coronazeit gut erträglich zu machen. Was natürlich auch dafür gesorgt hat, dass die Sylvesterparty mit zwei Kollegen und 11 Bewohnern die vermutlich größte Sylvesterparty im Umkreis war.

Nächster Impfversuch Mitte Februar. Es dauerte von der Bestätigung der Bestellung bis zur Beschlagnahmung etwa 45 Minuten. Immerhin wurde diesmal ein nachvollziehbarer Grund genannt: Ein anderes Wohnheim benötigte noch die zweite Dosis, die sie sonst nicht im angemessenen Zeitrahmen bekommen könnten.

Dann, endlich am 13.03.2021 war es soweit, die ersten wurden mit AstraZeneca geimpft, passenderweise wurde der Impfstoff kurz vorher sogar für die Ü65 Fraktion zugelassen. am 17.03.2021 soll der Rest geimpft werden.
Doch… Zwei Tage nach dem ersten Impftermin ist der Impfstoff dann vielleicht doch nicht so geil und wird vorerst ausgesetzt. *Kopfkratz* Wer labert da denn jetzt Scheiße? Die die das Zeug für die Ü65 Fraktion zugelassen haben oder die, die das Zeug jetzt für insgesamt zu gefährlich halten.

Jetzt halte ich meine Impfungen immer aktuell. Und ich hatte es noch NIE, dass ich am nächsten Tag nicht irgendwelche Auswirkungen bemerkt habe. Der Körper zeigt nunmal Reaktionen auf eine Impfung – und das soll er ja auch. Zugegeben, so dreckig ging es mir schon lange nicht mehr nach einer Impfung, aber mir ging es schonmal so schlecht. Ich habe heute im Radio auf der Arbeit gehört, dass AstraZeneka gestoppt werden soll. Ein O-Ton von Jens Spahn wird abgespielt indem er von 7 Blutgerinseln auf 1,6 mio Impfdosen in Deutschland verweist.

Nehmen wir einmal an, dass alle diese Blutgerinsel auf den Impfstoff zurückzuführen sind, dann sind wir bei nicht einmal 0,5 / 100 000 Personen. Zum Vergleich: Bei Medikamenten, ist 1 von 10.000 die Kategorie „sehr selten“. Die nachfolgende Kategorie ist „Unbekannt“. Ich habe mir heute bei drei random Medikamenten unserer Bewohner die Nebenwirkungen durchgelesen. Ich schlage vor ihr bringt mich in den Knast, denn jedes Mal wenn ich Medikamente verteile, scheine ich vorsätzlichen Mord zu begehen.

7 aus 1,6 mio. ICH. FASSE. ES. NICHT.

WOLLT IHR DÄMLICHEN SPAHNTEN JETZT DAS CORONAVIRUS BEKÄMPFEN ODER NICHT? WIE WILL MAN – BEI EINEM SOLCHEN DUMM-DÄMLICHEN VERHALTEN – ES DA NOCH LEUTEN VERDENKEN, DASS SIE SICH NICHT MEHR AN DIE MASSNAHMEN HALTEN.

IHR SCHWACHKÖPFE!

Impf Wars – Die Rückkehr der offenen Enden

Erinnert sich noch wer an den Corornabonus? Ich habe den Satz in „Lock it Down“ bewusst so frei stehen lassen. 50% meines Teams haben diesen bereits erhalten. WOHOOO.

Erinnert sich noch wer an den Bewohner, der 27 Tage in Quarantäne war? Erinnert ihr euch auch noch dran, dass er nicht psychisch krank war? Jetzt ist er es. Er ist in Therapie und bekommt Medikamente gegen seine Angststörung.

Letzte Gedanken

Dem geneigten Leser wird aufgefallen sein, dass ich immer mal wieder eingestreut habe, dass man diverse Dinge den Angehörigen, Betreuten und Kollegen erklären muss. Natürlich, man ist – gerade als Gruppenleitung – Ansprechpartner. Das Dumme ist nur. Die Dienstzeit ist für die Beschaffung solcher Informationen nicht vorgesehen (abgesehen davon, dass das auch zeitlich gar nicht drin sitzt). Also MUSS vieles in der privaten Zeit stattfinden. Und da reichen dann auch die normalen Artikel nicht aus, sondern man muss die Infektionsschutzverordnungen lesen und verstehen (und ich bin Heilerziehungspfleger, kein Rechtsanwalt). Also die Primärquellen. Und man muss sich intensiv über das Coronavirus und Epidemologie informieren. Und über die Impfstoffe und ihre Wirkung… Und das eben nciht nur oberflächlich, denn Du musst den Angehörigen und Betreuten ein kompetenter Ansprechpartner sein und Sicherheit verschaffen.

Ich habe das vor etwa einem halben Jahr aufgegeben. Ich habe keine Lust mehr daran jedem Gerücht hinterherzujagen, damit ich es korrekt adressieren kann. Ich habe keine Lust mehr alle zwei Wochen mich durch einen Verordnungstext durchzuquälen, der zwar eine ganze Menge Ausdrücke verwendet, die vielleicht rechtlich definiert sind aber im „Realdeutsch“ nicht vorkommen. Ich bin es Leid.

Ich bin es Leid zu Hause jede Vorsichtsmaßnahme zu beachten, mich sozial abzugrenzen, alles in meiner Macht stehende zu tun um meine Angehörigen, meine Betreuten, meine Kollegen und mich so viel wie möglich zu schützen, wenn die Politik gleichzeitig auf allen Ebenen vollkommen versagt. „Aber die Leute halten sich nicht an die Maßnahmen.“ Glaubt irgendjemand wirklich, dass die jetzt wieder steigenden Zahlen damit zusammenhängen, dass die Leute sich nicht an die Maßnahmen halten oder eher dass die Maßnahmen möglicherweise doch nicht so geil sind? Zumal jetzt, bei steigenden Zahlen, die Maßnahmen ja wieder gelockert wurden, was… moment… die Zahlen steigen und es wird gelockert?

IHR SPAHNKÖPFE

Es war 3:24Uhr

…als ich den obigen Text abschickte. Ich lasse ihn, mit all seinen Fehlern so stehen. War ja immerhin ein Rant.

Ich habe allerdings noch einen Nachtrag. Irgendeiner der „Experten“ meinte (ich glaube es war #WirWollenKarl Lauterbach), dass sechs von 10 Schnelltests negativ sind, obwohl sie eigentlich positiv sind.

Ich hab seit dem 16.12.2020 über 350 Schnelltests durchgeführt. An Bewohnern, Kollegen, mir selbst, Angehörigen und Handwerkern. Ich habe insgesamt 9 positive Tests gehabt, die sich durch PCR-Tests allesamt als richtig erwiesen haben. Will der Herr Experte mir jetzt sagen, dass ich bei ~340 negativen Tests 204 Positive dabei hatte, die ich nicht erfasst habe? Das wäre schon sehr merkwürdig, denn viele Leute teste ich 2-3x pro Woche. Müsste da nicht zwischendurch dann doch mal einer positiv anschlagen? Und vor allem: Sind die alle asymptomatisch, soll heißen: ohne Symptome?

Und wenn dem so wäre: Wie in aller Welt willst du die Zahlen eigentlich beziffern? Wie kommst du zu diesem Ergebnis? Woher weißt Du, dass negative Schnelltests eigentlich positiv sind?

#EqualPayDay und #EqualWorkDay

Heute ist der 10. März 2021. Der Tag der schrecklichen Ungerechtigkeit!

Frauen verdienen 19% weniger Gehalt und heute ist der Tag an dem Frauen dann auch ENDLICH für ihre ganze Arbeit bezahlt werden. DENN:

Männliches Gehalt = 100%
Weibliches Gehalt = 100-19% =81%

Und der 69. Tag im Jahr ist der 10. März

Passender Weise habe ich auf DeStatis die durchschnittliche Wochenstundenzahl herausgefunden.

Männliche Wochenstunden: 38,6h (100%)
Weibliche Wochenstunden: 30,5h (?%)

Mit der vergleichbaren Rechnung kommen wir dann zu folgendem Ergebnis:

Und der 76. Tag im Jahr ist der 17. März.

Das hieße, dass Frauen am 17.März dann auch ENDLICH anfangen zu arbeiten, obwohl sie schon eine ganze Woche bezahlt werden!

Whataboutism und Derailing

Guten Tag,

nach über einem Jahr erfolgen heute zwei Blogposts. Wobei der eine ja wegen Genderama obsolet wurde. Deshalb schiebe ich noch einen kurzen nach.

Mich hat auch ein anderes Thema beschäftigt. Feministen werfen einem ja des öfteren vor „Whataboutism“ zu betreibenoder zu „derailen“, wenn man zu einem Thema einwirft, dass auch Männer davon betroffen sind. Also im Prinzip vom Thema abzulenken.

Nun ist es so, dass dies ja meist dann gemacht wird, wenn folgendes gesagt wird: „Frauen sind (manchmal auch: zu drölf%) von Problem X betroffen, deshalb müssen wir für Frauen was tun.“

Nun haben wir es aber nicht mit irgendwem, sondern mit Feministen zu tun. Das sind die Leute, die von sich sagen, für Gleichberechtigung zu sein, für Geschlechtergerechtigkeit und das Feminismus auch gut für Männer sei.

Wenn also das „Whataboutism / derailing“ stattfindet, werden Feministen an ihr Lippenbekenntnis erinnert. Wer für Gleichberechtigung ist, der muss das Problem entweder geschlechtsunabhängig angehen oder so, dass auch das andere Geschlecht mit dem Problem nicht alleine gelassen wird und gleichermaßen Unterstützung bekommt.

Zudem ist es nicht hilfreich ein Problem anzugehen und viele Aspekte des Problemes auszulassen. Wenn man das tut, kann man das Problem nicht beseitigen oder minimieren.

Gender Gerecht Grammatik

Seit einiger Zeit ist das Ringen um die korrekte Schreib-und Sprechweise in Deutschland wieder im Gange. Nicht zuletzt, weil der Duden mittlerweile auch gendert. [Ein kleiner Einschub: ich habe mit dem Text gestern begonnen und heute ist ein weitaus eloquenterer und kürzerer bei Genderama erschienen]

Ist „gendergerecht“ besser oder doch die generischen Formen?

Es ist denke ich kein Geheimnis, dass ich die „gendergerechte“ Sprache ablehne und ich möchte hier meine laienhafte Begründung kundtun.

Übereinkünfte

Sprache dient der Kommunikation mit anderen Menschen. Sie funktioniert immer nur als Übereinkunft. Soll heißen: Wenn ich zum Wirt sage: „Ich hätte gerne ein Bier“, dann erwarte ich, dass mir der Wirt ein Bier bringt und nicht einen doppelten Wiskey on the rocks. Wenn er mir aber genau diesen Wiskey hinstellt und sagt „hier ihr Bier“, dann weiß ich das irgendetwas falsch gelaufen ist. Entweder ist er etwas zerstreut und hat einen Fehler gemacht ODER wir haben unterschiedliche Bezeichnungen für die gleiche Sache.

Ein Beispiel aus meiner Kindheit: Wir saßen damals als Familie Sonntags am Frühstückstisch und es gab Brötchen. Wir hatten uns gerade über Hausaufgaben unterhalten. Mein Bruder wollte gerne das Brötchenmesser haben. Er deutete grob in die Richtung und sagte: „Kann ich mal bitte die Hausaufgaben haben.“ Meine Mutter gab ihm kommentarlos das Brötchenmesser.
Seit dem heißt bei uns das Brötchenmesser „Hausaufgaben“. Und das konnte – nachvollziehbarer Weise – für Gäste schoneinmal verwirrend sein.

Spannen wir nun den Bogen zum Gendern. Die gegenderten Formen sollen die generischen Formen ersetzen, da sich „viele Menschen durch die generischen Formen nicht angesprochen fühlen“ und „Frauen nicht nur mitgemeint sein sollen“. Zudem denken Menschen eher an Männer, wenn die generischen Formen verwendet werden und Frauen sollen nun mitgedacht werden. Die Übereinkunft, wie die generischen Formen angewendet werden wird durch die Verwender der „gendergerechten“ Sprache einseitig aufgekündigt.

Nun sind das drei Ebenen. Die erste Ebene ist die von Sender und Empfänger die zweite Ebene eine Verständnisebene und die dritte Ebene ist eine Moralebene.

Ebene 1: Sender und Empfänger

„Viele Menschen fühlen sich durch die generischen Formen nicht angesprochen „

Beginnen wir mit der ersten Ebene. Wenn ein Mensch etwas sagt, dann sendet er Informationen (er ist Sender) und die Menschen, die das Gesagte hören, sind die Empfänger. Ähnlich wie ich als Schreiber dieser Zeilen Sender bin und Sie, lieber Leser, Empfänger sind.

Die Empfänger müssen das Gesendete interpretieren. Ein interessantes Modell ist das 4-Seiten-Modell von F. Schulz von Thun. Bei dem Bierbeispiel würde ich von mir auf der Selbstoffenbarungsseite aussagen, dass ich ein Bier will, auf der Appellseite, dass mir der Wirt ein Bier geben soll, auf der Sachebene ist zu wenig Bier da und auf der Beziehungsebene schwingt mit, dass es der Job des Wirtes ist mir als Kunden Bier zu geben.

Bei der Interpretation der Aussage kann die Gewichtung anders liegen als das was gesagt wurde. Der Wirt könnte sagen: „Ja, das kann ich verstehen.“-Und sich dann um etwas anderes kümmern. Was dem Wortlaut meiner Aussage entsprechend eine vollkommen korrekte Antwort/Reaktion wäre – aber natürlich nicht das, was ich wollte. Das klassische Missverständnis. Der Empfänger hat etwas nicht so verstanden, wie es der Sender gemeint hat.

Auch können Sätze und Worte je nach Kontext eine andere Bedeutung haben. „Wir müssen zum Ball gehen.“ Könnte einerseits die Aufforderung des Fußballmanschaftskapitäns sein, mehr in die Zweikämpfe zu gehen um den Ball zu erobern oder aber auch dafür sorgen, dass sich zwei Menschen in Schale schmeißen um einen Tanzabend in illustrer Gesellschaft zu verbringen.

Solche Doppelbedeutungen von Worten, situationsabhängige Interpretationsspielräume, stehende Begriffe und Redewendungen usw. sind ständige Fallstricke, die zu Missverständnissen in der Kommunikation führen. Sie sind Alltag und lassen sich nur durch korrigierende Aussagen und Gespräche sowie präzisere Sprache reduzieren.

Ein weiterer dieser Fallstricke ist die generische Form. Sowohl das generische Maskulinum, als auch das generische Femininum. Das gen. Maskulinum verwendet die geschlechtsspezifische männliche Pluralform, während das gen. Femininum die geschlechtsspezifische weibliche Pluralform verwendet. Beide generischen Formen werden jedoch verwendet um eine Gruppe zu beschreiben, deren geschlechtliche Zusammensetzung unerheblich ist. Das Geschlecht der einzelnen Personen ist keine relevante Information.

Hier wird die sprachliche Übereinkunft einseitig aufgekündigt. Die „Genderer“ erkennen die generischen Formen nicht mehr an während sie gleichzeitig versuchen die „gendergerechten“ Formen, teils unter Zwang, zu etablieren. Nur weil sich jemand nicht angesprochen fühlt/fühlen will, heißt es nicht, dass die Person nicht trotzdem angesprochen wurde.

Ebene 2: Verständnis

„Frauen sollen nicht nur mitgemeint sein“

Das Problem ist, dass die generischen Formen gleich aussehen und klingen, wie die geschlechtsspezifischen Pluralformen. Das es hier zu Missverständnissen führen kann, ist quasi vorprogrammiert. Um dem entgegen zu wirken gibt es folgende sprachliche Übereinkunft: Gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Geschlecht eine relevante Information ist, dann ist das, was wie ein geschlechtsspezifischer Plural aussieht eine generische Form. Beispiel:

„Die Schüler bitte einmal nach links, die Lehrer nach rechts.“ Generische Form.
„Wir müssen einmal nach Geschlecht aufteilen. Die Schüler bitte nach links.“ Geschlechtsspezifische Pluralform
„Die Schülerinnen bitte nach links.“ Geschlechtsspezifische Pluralform
„Die männlichen Schüler bitte nach links.“ Geschlechtsspezifische Pluralform

Dies kann natürlich auch nicht so eindeutig sein:
„Die Gruppe ist ziemlich groß, wir müssen sie in kleinere Gruppen einteilen. Wir haben Schüler und Lehrer [generische Formen, da kein Hinweis auf das Geschlecht]. Wir teilen nach Geschlecht. Die Schüler bitte nach hinten links, die Schülerinnen nach hinten rechts [geschlechtsspezifische Pluralformen, wegen der Differenzierung und des Hinweises auf das Geschlecht]. Bla.. Bla bla.. sabbel sabbel sabbel für eine Minute. die Lehrer bitte nach vorne rechts.“
Hier bestünde jetzt die Frage: Gilt das Aufteilungskriterium Geschlecht noch? Wenn ja, was ist mit den Lehrerinnen, sollen sie bleiben wo sie sind oder nach vorne rechts?

Diese beiden Fragen würden Klarheit verschaffen. Würde man immer Gendern, käme DIESES Problem nicht mehr zum tragen, man würde aber auch in den meisten Fällen eine unnötige Information mitgeben, die Sprache unnötig verkomplizieren und damit weitere Probleme schaffen. Diese Probleme sind dann wieder abhängig davon wie gegendert wird.

Da das Gendern, egal in welcher Form, neue Probleme schafft, ist es keine grammatikalische Verbesserung der Sprache.

Es gibt immer wieder die Assoziationsstudien, in denen nachgewiesen wird, dass bei der generischen Sprachform vermehrt an Männer gedacht wird und das deshalb die „gendergerechte“ Sprache eingeführt werden müsse, damit auch Frauen mitgedacht werden. Das ist allerdings nur ein Teil der Wahrheit. Denn wahr ist auch, dass nach der ersten Assoziation gefragt wird – nicht danach ob man der Ansicht ist, dass dies auch Frauen mit einschließt. Zudem ist es auch Teil der Wahrheit, dass auch in Sprachen ohne/bzw. NUR der generischer Form (z.B. dem Englischen) die gleiche Tendenz sichtbar ist. Wenn die generische Form daran Schuld wäre, müsste man diese Tendenz in der englischsprachigen Bevölkerung nicht sehen.

Eine Sache, die „Genderer“ nicht verstehen und/oder nicht verstehen wollen ist, dass die generischen Formen die inklusivste Form überhaupt sind, denn die Bezeichnung trifft auf alle Menschen unabhängig ihres Geschlechtes zu. Der Teufel steckt, wie so oft, in der 500m² großen, gut beleuchteten Leinwand, die sehr gut einsehbar ist: generisch. Laut Duden (jap, die die auch anfangen zu gendern) bedeutet generisch:

Ebene 3: Moral

„Die gendergerechte Sprache“

Damit wäre auch die Implikation widerlegt, dass die generischen Formen (im Gegensatz zur „gendergerechten“ Sprache) genderUNgerecht wären. Sie sind genauso gendergerecht.

Was für mich irritierend ist, ist folgendes: Eigentlich sollte das Geschlecht in unseren alltäglichen Entscheidungen keine signifikante Rolle einnehmen. Es sollte kein Kriterium sein, nachdem beurteilt, gehandelt oder entscheiden wird – und dennoch bestehen die Genderer darauf das Geschlecht zu einem immer präsenten Faktum zu machen.

Da wir aber immer Geschlecht mitdenken sollen, wird das Geschlecht so zu einem stets präsenten Kriterium. Ich stelle die Hypothese auf, dass dies also – wie man so schön sagt – nach Hinten losgehen wird.

Ebenfalls der Moral zugehörig aber Abseits vom „gendergerechten“ Thema. Ist es nicht moralisch verwerflich anderen Menschen die eigene Sprache im eigenen Land zu untersagen und ihnen eine andere bzw. veränderte aufzuzwingen? Ich denke schon. Und genau das passiert, wenn man Punktabzug in akademischen Arbeiten bekommt, wenn man nicht die „gendergerechte“ Sprache verwendet. Wenn in Hannover die „gendergerechte“ Sprache in der Verwaltung verpflichtend eingeführt wird. Die dortigen Angestellten sind jetzt dazu gezwungen zur Bevölkerung in einer anderen bzw. veränderten Sprache zu sprechen.
Und das alles obwohl die Mehrheit der Deutschen der“gendergerechten“ Sprache ablehnen gegenüber steht.

Das ist autoritäres Verhalten. Nichts weiter.

Landstreicher in Thüringen

Nach dem Zusammenbruch der Demokratie in Thüringen legt sich der Staub langsam. Es ist der 15. Februar 2020. Durch die Schwaden marschieren sie. 18 000 Menschen. Bunte Plakate, Trillerpfeiffen, Menschen unterschiedlicher Couleur. Man sieht Schriftzüge wie „Still my Ministerpräsident“ oder „Demokratieverteidiger*innen[!sic]“ oder „nazis[!sic] entgegen treten[!sic]. Gemeinsam gegen rassismus[!sic],  antisemitismus[!sic] und nationalismus[!sic].“ oder „#nichtmituns Kein Pakt mit Faschist*innen[!sic]. Niemals und nirgendwo!“.

Marschieren? Etwas martialisch und militaristisch, wenn man sich die Plakatsprüche anschaut, oder? In der Tat. Wobei ‚entgegen treten‘? Müsste es nicht ‚entgegentreten‘ heißen? Spielt man hier bewusst mit einem Rechtschreibfehler (immerhin gibt es auch keine Großbuchstaben wo welche hingehörten) um auf gewalttätige Handlungen anzuspielen? Ach, sei es drum.

 

Drehen wir die Zeit einmal zurück. Wir schreiben das Jahr 2014.

Ganz Thüringen ist vom Wahlfieber gepackt. Ganz Thüringen? Nein. Eine Wahlbeteiligung von 52,7% spricht eine andere Sprache (*1).

Die CDU zieht mit 33,5% der Stimmen, einem Plus von 2,3 Prozentpunkten (%:) gegenüber 2009 und 34 Sitzen in den Thüringer Landtag ein.

Es folgen die Linke 28,2% / +0,8 %: / 28 Sitze

Die SPD 12,4% / -6,1 %: / 12 Sitze

Die AfD 10,6% / +10,6%: / 11 Sitze

Die Grünen 5,7% / -0,5%: / 6 Sitze

Die FDP verliert 5,1%: und kommt mit 2,5% der Stimmen nicht in den Thüringer Landtag.

Mögliche Koalitionen: CDU und SPD mit zusammen 46 von 91 Sitzen (MP Christine Lieberknecht) oder SPD, Linke und Grüne mit zusammen 46 von 91 Sitzen (MP Bodo Ramelow). Eine dritte Option aus CDU, SPD und Grünen wurde ins Spiel gebracht, aber nicht ernsthaft verfolgt, weitere sind zwar möglich gewesen, standen aber nie zur Diskussion. Alle Parteien schlossen eine Zusammenarbeit mit der, erst einem Jahr alten, AfD, mit nur wenigen Gegenstimmen, aus.

Die Geschichte lehrt uns, dass die Regierung letztendlich durch die Linke, die Grünen und die SPD gestellt wurde, mit Bodo Ramelow als Ministerpräsidenten.

 

Ein Zeitsprung. Es ist 2019.

Ganz Thüringen ist erneut nicht vom Wahlfieber gepackt, aber immerhin haben diesmal 64,9% der Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben. Immerhin 12,2%: mehr (*2). Das ist ein ordentlicher Zuwachs und zeigt eine massive Politisierung der Bevölkerung.

Der Übersicht halber behalten wir die Reihenfolge von oben bei.

CDU 21,7% / -11,8%: / 21 Sitze

Linke 31% / +2,8%: / 29 Sitze

SPD: 8,2% / -4,2%: / 8 Sitze

AfD: 23,4% / +12,8%: / 22 Sitze

Grüne: 5,2% / -0,5%: / 5 Sitze

FDP: 5% / +2,5%: / 5 Sitze

Der Wunsch von Bodo Ramelow war, vor der Wahl, die Fortführung von R2G. Mit 29+8+5 = 42 Sitzen wäre allerdings nicht die absolute Mehrheit von 46 Sitzen erreicht (bei nunmehr nur 90 Sitzen im Landtag). Bodo Ramelow bezeichnete eine Minderheitenregierung in einem Interview mit t-online (*3) als „kein Weltuntergang“. Und weiter: „Ich hätte mir gewünscht, Frau Merkel hätte nach dem Scheitern von Jamaika dafür die Kraft gehabt. So etwas wäre auch mal eine politische Lockerungsübung für Deutschland gewesen.“

Die CDU als drittstärkste Kraft schloss von vorneherein eine Regierungskoalition sowohl mit der Linken als auch der AfD aus. Womit auch hier, selbst im Maximalfall (21+8+5+5=39 Sitze), nicht die wünschenswerte absolute Mehrheit erreicht worden wäre.

Alle Parteien schlossen erneut im Vorfeld, mit nur wenigen Gegenstimmen, die Koalition mit der AfD aus.

 

Ein Zeitsprung. Es ist 2020. Um genau zu sein, der 4. Februar 2020.

Der Koalitionsvertrag für eine Minderheitenregierung von Linke, Grünen und SPD wird geschlossen (*4). CDU und FDP zeigten sich bereit in individuellen Vorhaben mit der Minderheitenregierung zusammenarbeiten zu wollen, eine Mitgliedschaft in der Koalition wurde aber abgelehnt. Mit der AfD will keiner zusammenarbeiten.

Bodo Ramelow (Die Linke) wird gegen Christoph Kindervater (Parteilos) im ersten und eventuell zweiten Wahlgang antreten. Sollte es zu einem dritten Wahlgang kommen, würde die FDP Thomas L. Kemmerich zur Wahl stellen.

Hier muss allerdings erwähnt werden, dass sowohl die AfD als auch die FDP den „vonderLeyen“ machten. Sprich: Sie nominierten jemanden der vorher nicht als Ministerpräsidentenkandidat auf dem Schirm der Wähler stand. Wobei Kemmerich ja immerhin in den Landtag gewählt wurde. Anders als Ursula von der Leyen, die nicht für das Europaparlament zur Wahl stand und auch erst nachträglich nominiert wurde – als man sich nicht auf einen Spitzenkandidaten einigen konnte.

 

Doch alles ist ruhig.

 

Vor dem ersten Wahlgang. 5.Februar 2020

Zur Wahl stehen Bodo Ramelow , der von der Linken, der SPD und den Grünen ins Rennen geschickt wird und Christoph Kindervater der von der AfD ins Rennen geschickt wird.

„Der Ministerpräsident wird vom Landtag mit der Mehrheit seiner Mitglieder ohne Aussprache in gehei­mer Abstimmung gewählt.“ (*5; Art. 70(3))

In diesem Falle hätten also sowohl Ramelow als auch Kindervater mindestens 46 Stimmen hinter sich vereinigen müssen.

Wahlergebnis erster Wahlgang (*6):

Ramelow: 43 Stimmen (1 Stimme mehr als R2G hat)

Kindervater: 25 Stimmen (3 Stimmen mehr als die AfD hat)

Enthaltungen: 22

Kein Kandidat hat die erforderliche Mehrheit. Das Wort des B Punkt Ramelow steht. Eine Minderheitenregierung wäre kein Weltuntergang und eine Lockerungsübung.

„Erhält im ersten Wahlgang niemand diese Mehrheit, so findet ein neuer Wahlgang statt.“ (*5)

Wahlergebnis im neuen (zweiten) Wahlgang (*6):

Ramelow: 44 Stimmen (2 Stimme mehr als R2G hat)

Kindervater: 22 Stimmen

Enthaltungen: 24

Kein Kandidat hat die erforderliche Mehrheit. Das Wort des B Punkt Ramelow steht. Eine Minderheitenregierung wäre kein Weltuntergang und eine Lockerungsübung.

„Kommt die Wahl auch im zweiten Wahlgang nichtzustande, so ist gewählt, wer in einem weiteren Wahl­gang die meisten Stimmen erhält“ (*5)

Wie angekündigt stellt sich ein dritter Kandidat zur Wahl. Thomas L. Kemmerich von der FDP. Einer Partei die es so gerade eben in den Landtag geschafft hat. Zwar mit genauso vielen Sitzen wie die Grünen aber weniger Unterstützung im Volk (s.o.). Warum? Und warum erst im dritten Wahlgang?

Laut Kemmerich sollen erst die beiden Parteien mit der höchsten Zustimmung es unter sich ausmachen, erst im dritten Wahlgang, wo das Wahlsystem (s.o.) etwas abweicht wolle er daher die Alternative zur extrem Rechten und extrem Linken anbieten (*7). Ihm war durchaus bewusst, dass es möglich wäre, dass die AfD ihm ihre Stimmen geben würde. Sie hatte dies zumindest mehrfach signalisiert.

Im Prinzip hatten sowohl FDP / Kemmerich als auch AfD das gleiche Ziel: Nicht mehr R2G.

Wahlergebnis im weiteren (dritten) und damit letzten Wahlgang (*6):

Ramelow: 44 Stimmen (2 Stimme mehr als R2G hat)

Kindervater: 0 Stimmen

Kemmerich: 45 Stimmen (40 Mehr als die FDP hat)

Enthaltungen: 1

Damit hat Kemmerich die Wahl mit einfacher Mehrheit, nach den Regeln des Landtages, gewonnen. Kemmerich nimmt die Wahl, im Wissen um die Unterstützung durch die AfD, an. Bodo Ramelow ist nicht mehr Ministerpräsident Thüringens. Die angestrebte Wiederwahl ist gescheitert.

Diverse Menschen gratulieren Kemmerich zur Wahl. U. a. Dorothee Bär und Wolfgang Kubicki. Traurige Berühmtheit erlangte der CDU-Ostbeauftragte Christian Hirte, doch dazu später mehr.

 

Es ist folgendes klar:

  • Die Linke, SPD und Grüne wussten, dass sie als Minderheitenregierung arbeiten wollen würden.
  • Sie wussten, dass sie auf Hilfe von außen angewiesen waren.
  • Alle wussten, dass sie gegen die AfD und im möglichen dritten Wahlgang auch gegen die FDP antreten würden.
  • Kemmerich wusste, dass die AfD gegebenenfalls Abstand von ihrem Kandidaten nehmen würden, um einen Kandidaten von CDU oder FDP zu wählen.
  • Im Rahmen der Landesverfassung Thüringens wurde Kemmerich in demokratischen Wahlen zum Ministerpräsidenten gewählt.

Oder anders ausgedrückt: Ein Demokrat einer demokratischen Partei wurde mit demokratischen Mitteln im Rahmen der demokratisch legitimierten Regelungen von demokratisch legitimierten Abgeordneten zum Ministerpräsidenten Thüringens gewählt.

Regelungen und Kandidaturen, von denen alle vorher wussten. Kemmerich hatte sogar folgendes gesagt (*8): „Wir haben uns inhaltlich klar und deutlich gegen die AfD abgegrenzt, ich bin der Gegenkandidat zu extrem rechts und extrem links.“

„Ich kandidiere nicht, um bestimmten Personen zu Ministerämtern zu verhelfen, sondern um Rot-Rot-Grün abzulösen. Daher müssten auch nicht alle jetzt noch amtierenden Minister ausgetauscht werden, zum Beispiel die der SPD.“

 

Das Kartenhaus

Die Wahl war demokratisch. Der Kandidat ein Demokrat. Die Abgrenzung zur, als antidemokratisch bezeichneten, AfD mehr als eindeutig. Der Wille zur Zusammenarbeit mit den anderen Parteien klar. Dennoch: „Ein Ministerpräsident von AfDs/Höckes Gnaden“ war wörtlich und sinngemäß zu lesen. Das ist natürlich populistischer Blödsinn. Die Mehrheit der CDU hatte sich in den vorangegangenen Wahlgängen enthalten und hat ihre Stimme im dritten Wahlgang ebenfalls an Kemmerich gegeben. Man könnte also mit derselben Richtigkeit sagen: ‚Von CDUs Gnaden‘ oder gar ‚Von FDPs Gnaden‘. Kemmerich hat mit nur einer Stimme Vorsprung gewonnen. Er brauchte alle diese Stimmen.

Ob dies nun eine Kooperation war wäre jetzt teil einer zivilisierten Debatte. Kemmerich musste davon ausgehen, dass die AfD keinesfalls die nötige Mehrheit in den ersten beiden Wahlgängen bekommen würde. Bei Ramelow war das nicht so sicher. Immerhin fehlten ihm nur 4 Stimmen, die auch von CDU und FDP hätten kommen können und ja auch teilweise gekommen sind. Nur halt eben nicht genug. CDU und FDP hatten ja durchaus angekündigt in individuellen Fällen mit einer Minderheitsregierung zusammenzuarbeiten. Es war also keineswegs garantiert, dass es zu einem dritten Wahlgang kommen würde.
Auch musste Kemmerich davon ausgehen, dass die AfD den parteilosen C. Kindervater im dritten Wahlgang nicht zwingend unterstützen würde, auch wenn er gegenteiliges sagte (*7). Immerhin ist Kindervater kein Berufspolitiker und ehrenamtlicher Bürgermeister einer paarhundert Seelengemeinde. Ein parteiloser hat natürlich etwas bessere Chancen auch Unterstützung anderer Abgeordneter zu bekommen, als wenn er bei der AfD wäre. Dennoch ist es fraglich, ob ein ehrenamtlicher (verzeihen Sie den despektierlichen Ausdruck lieber Leser) Dorfbürgermeister das Zeug zu einem Ministerpräsidenten in einem derartig gespaltenen Land hat. Kemmerich musste also meiner Meinung nach nicht nur davon ausgehen, es war sogar sicher, dass die AfD in großen Teilen, wenn nicht gar geschlossen, für ihn stimmen würde.

 

Trotzdem müssten doch eigentlich die „Demokratieverteidiger*innen[!sic]“, wenn auch nicht unbedingt glücklich, so doch zumindest entspannt sein. Der Landtag wurde demokratisch gewählt, die Abgeordneten haben in demokratischer Wahl einen Demokraten einer demokratischen Partei gewählt. Alles tutti – wenn man Demokrat ist.

ABER DIE AfD IST DOCH NICHT DEMOKRATISCH STAPEL!!!!

Na und? Die AfD hat hier, in dieser Wahl, demokratisch gehandelt. Sie ist demokratisch gewählt und hat ihr demokratisches Recht wahrgenommen einen Demokraten zu wählen. In dem Wissen, dass er eine Zusammenarbeit ablehnt. Dafür kann er nichts. Selbst wenn er auf die Stimmen der AfD gezählt hätte, um Ministerpräsident zu werden. Niemand, schon gar nicht Kemmerich, hat die AfD gezwungen ihm diese Stimmen zu geben. Und hätte sich auch nur einer mehr enthalten oder ein CDUler wäre zu Ramelows Camp gewechselt (oder gar beides), es hätte alles ganz anders ausgesehen. Das einzige was man der AfD vorwerfen kann ist, dass sie sich mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit abgesprochen haben, ihren eigenen Kandidaten nicht weiter zu unterstützen und dafür Kemmerich zu unterstützen.

Vielleicht hätte die AfD – gerade ob dieses knappen Ergebnisses – Forderungen gestellt. Vielleicht ist Kemmerich ein Klischee-Politiker (ein Berufsstand, der nicht gerade für seine Ehrlichkeit berühmt ist) und hätte die AfD mit Regierungsbeteiligung oder Pöstchen belohnt. Dies wäre natürlich für die antidemokratische AfD eine Möglichkeit ihre antidemokratische Agenda durchzusetzen.

Vielleicht wäre es aber auch nicht passiert.

 

Der Zusammenbruch

Die „Demokratieverteidiger*innen[!sic]“ verteidigen also die Demokratie gegen die mögliche Einflussnahme der AfD.

  • Ungeachtet natürlich der Tatsache, dass Kemmerich, FDP und CDU eine Zusammenarbeit mit der AfD mehrheitlich ausschlossen.
  • Ungeachtet der Tatsache, dass man als Demokraten ein demokratisches Wahlergebnis achtet und versucht, auch als Oppositionsparteien im Idealfall konstruktiv mitzuwirken.
  • Ungeachtet der Tatsache, dass die Abgeordneten der AfD das Recht haben zu wählen wen sie wollen, genau wie alle anderen Abgeordneten.
  • Ungeachtet der Tatsache, dass die AfD mit fast einem Viertel aller Stimmen in den Landtag einzog und damit gewählte Repräsentanten sind, die ein Recht darauf haben im Landtag mitzuwirken, denn das Volk will es so.
  • Ungeachtet der Tatsache, dass CDU, FDP und AfD zusammen 50,1% der Wählerschaft hinter sich vereinigen konnten, während Linke, Grüne und SPD nur 44,4% der Wählerschaft hinter sich vereinigen konnten. Der Rest verfiel offensichtlich auf Parteien, die die 5% Hürde nicht schafften.
  • Ungeachtet der Tatsache, dass eine Wahlunterstützung für einen Ministerpräsidenten keine Ansprüche auf Posten und Zusammenarbeit in der Regierung beinhaltet.

Ungeachtet all dieser Tatsachen, unter Missachtung eines demokratischen Wahlergebnisses ging also ein Beben durch das politische Deutschland. Ein Damm war gebrochen. Die fiktive Partei AFDP war geboren (*9). Habeck (die Grünen) spricht davon die Situation in Thüringen zu „bereinigen“ (*10), denn Zitat: „[…]wir haben zum ersten Mal in Deutschland eine Situation, wo sich demokratische Parteien mit der Hilfe der AfD Macht und Macht-Zugang verschafft haben. Das ist nicht tragbar.“

Man möchte Fragen: Warum? Es ist ja eine demokratische Partei mit einem Demokraten an der Macht. Nicht die AfD. Warum sollte das nicht tragbar sein und warum sollte man das „bereinigen“? Also… natürlich als Demokrat. Zudem wäre eine Vokabel wie „bereinigen“ von Seiten der AfD wohl als Wunsch nach politischen Säuberungen ausgelegt worden

Bundeskanzlerin Dr. Merkel sprach von einem unverzeihlichen Vorgang, der wieder rückgängig gemacht werden müsse (*11).

Ob diese Frau noch alle Tassen im Schrank hat habe ich gefragt. Eine demokratische Wahl ist also ein unverzeihlicher Vorgang, ja?  Der rückgängig gemacht werden muss? Demokratie ist wohl nur gut, wenn das gewünschte Ergebnis herauskommt.

Annegret Kramp-Karrenbauer drohte der CDU-Thüringen Konsequenzen an, wenn diese mit Kemmerich zusammenarbeiten würden (*11). „Dieser Ministerpräsident hat keine parlamentarische Mehrheit, er muss sich immer auf der AfD abstützen.“

Auch hier: Warum? Die Linken, Grünen und SPD haben sich schon vorher auf eine Minderheitenregierung geeinigt und wollten sich auf die Zusammenarbeit in Einzelfällen mit CDU und FDP stützen. Und laut Benjamin-Immanuel Hoff von den Linken (immerhin seit 2014 Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei des Freistaates Thüringen und seit 2019 Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft des Freistaates Thüringen) wäre sogar in einzelnen Fällen  eine Mehrheitsbeschaffung durch die AfD in Ordnung (*12). Warum sollte ein FDPler also nicht auch eine Minderheitenregierung führen, zumal eine, in der auch z.B. SPDler aber keine AfDler Ministerplätze haben könnten (s.o). Dürfen LinGrüSPler auf die Unterstützung durch CDU und FDP bauen, umgekehrt aber nicht?
Herr Ramelow, könnten Sie wohl Frau Kramp-Karrenbauer darüber aufklären, dass eine Minderheitenregierung kein Weltuntergang ist und auch als Lockerungsübung verstanden werden darf?
Die einzige Möglichkeit, wie er zwingend auf die AfD angewiesen wäre, wäre, wenn sich die anderen Parteien einer demokratischen Zusammenarbeit mit ihm total verweigern wür… .

Ah ja.

Noch vor all diesen Reaktionen, warf die Fraktionsvorsitzende der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, Kemmerich einen Blumenstrauß vor die Füße (*13). Selbige sagte später im ZDF Morgenmagazin, dass sie Bodo Ramelow nur erneut aufstellen würden, wenn sicher wäre, dass er demokratisch gewählt werden würde ohne Einfluss der AfD. Sie könne sich sicher sein, dass dieser Einfluss nicht stattfände, wenn „die Stimmen dokumentiert sind“(*14). Im Anbetracht der aktuellen Rechtslage kann dies eigentlich nur bedeuten, dass sie die geheime Ministerpräsidentenwahl abschaffen und zu einer offenen machen möchte. Ob das der freien Wahlentscheidung der Abgeordneten förderlich ist?

Kemmerichs Kinder wurden ebenfalls nicht verschont und mussten durch das Landeskriminalamt beschützt werden (*15 20:41 6.2.20202). Seine Frau wurde bespuckt und andere Parteimitglieder der FDP negativ behandelt (vom verweigerten Handschlag bis hin zu Angriffen auf das Haus mit Feuerwerkskörpern) (*16). In Hamburg, wo die Bürgerschaftswahlen anstehen, werden FDPler als Nazis diffamiert und Plakate beschmiert(*17).

Und das alles, weil in einem anderen Bundesland ein Abgeordneter ihrer Partei von einer Partei (in der durchaus Rechtsextremisten ihr zu Hause finden) gewählt wurde. Gewählt wurde. Passiv. Nicht: Die Partei mit den Rechtsextremisten gewählt hat.

 

Oh, ich vergaß Herrn Hirte. Herr Hirte gratulierte, wie erwähnt, Herrn Kemmerich zum Gewinnen der demokratischen Wahl (*18). Er wurde dazu genötigt zurückzutreten (*19).

Weil.

Er.

Gratuliert.

Hat.

 

Thomas L. Kemmerich trat am 8. Februar 2020 zurück.

 

Die Staubwolke

Der unbedarfte Leser mag sich jetzt fragen, was denn nun gerade falsch läuft. Da wird ein Demokrat demokratisch gewählt. Seine Familie wird bespuckt und bedroht, so dass sie Polizeischutz benötigt. Unbeteiligte Demokraten werden als Nazis bezeichnet und ihr Haus mit Feuerwerkskörpern angegriffen. Es wird zur Abschaffung des geheimen Wahlrechtes aufgerufen, dass in der Verfassung Thüringens niedergelegt ist (*5) und es werden vorher Absprachen getroffen (Koalitionsvertrag), was ebenfalls… sagen wir mal… nicht dem Wortlaut der Verfassung Thüringens entspricht. Die Parteien, die diese Absprachen bereits trafen, verweigern nun die demokratische Zusammenarbeit. Menschen, die eine einfache Höflichkeit begehen, verlieren ihr Amt – andere sollen sich dafür rechtfertigen. Menschen wie Mike Mohring (*20) treten zurück, der Rücktritt anderer wie Christian Lindner (*21) wird gefordert. Habecks „Säuberung“ ist im vollen Gange. Die SPD NRW bringt einen Eilantrag ein, um zu verhindern, dass Gesetze und Ministerpräsidentenämter von Stimmen der AfD abhängig sind (*22). Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken beklagt, dass ein Demokrat demokratisch gewählt wurde und dies ein abgekartetes Spiel gewesen sei (*23). Eine merkwürdige Einlassung einer Vorsitzenden einer Partei, die sich selbst als (sozial-)demokratisch bezeichnet und deren Partei im Vorfeld mit Grünen und Linken ein Spiel abgekartet hat.

Gewalt, Ausgrenzung und demokratiefeindliche Handlungen waren die Folge des Zusammenbruches.

 

Der Staub legt sich und die Landstreicher marschieren

„In der Geschichte ist es schon häufig vorgekommen, dass eine Gruppe von Menschen, manchmal waren das Offiziere oder Minister, schnell und meist gewaltsam die herrschende Regierung abgesetzt, also „gestürzt“, hat. Das konnte verschiedene Gründe haben. Manchmal wollten diese Menschen selber die Macht im Staat haben, manchmal glaubten sie, dass die Regierung ihre Arbeit so schlecht machen würde, dass man sie vertreiben müsse. Eine solche gewaltsame Absetzung der Regierung, die die geltenden Gesetze des Landes nicht beachtet, nennt man „Staatsstreich“.“ (*24)

Wie oben erwähnt, möchte die Blumenstraußwerferin Ramelow als MP Thüringens haben (*14). Karl Lauterbach (SPD) faselt davon, dass C. Lindner Ramelow nicht verhindern wird (*25). Und Ramelow? Er ist gerade dabei sich den Ministerpräsidentenposten zu erkaufen (*26).

Diese Angelegenheit erfüllt alle Kriterien eines Staatsstreiches. Alle. Aber vielleicht sollte man es hier auf Grund der Tatsache, dass es sich um einen Ministerpräsidenten eines Landtages handelt Landstreich nennen.

Und jetzt marschieren die „Demokratieverteidiger*inn…“ fuck it. Landstreicher um zu verhindern, dass Demokratie stattfinden kann, weil Demokratie stattgefunden hat.

18 000 Menschen. Bunte Plakate, Trillerpfeiffen, Menschen unterschiedlicher Couleur. Man sieht Schriftzüge wie „Still my Ministerpräsident“ oder „Demokratieverteidiger*innen[!sic]“ oder „nazis[!sic] entgegen treten[!sic]. Gemeinsam gegen rassismus[!sic],  antisemitismus[!sic] und nationalismus[!sic].“ oder „#nichtmituns Kein Pakt mit Faschist*innen[!sic]. Niemals und nirgendwo!“.

Sie brennen alles nieder, was nicht ihrer Meinung ist. Alle, die Kontakt mit ‚dem Feind‘ hatten müssen zurückweichen. Rückgängig machen, säubern ist die Devise.

(*1) https://wahl.tagesschau.de/wahlen/2014-09-14-LT-DE-TH/

(*2) https://wahl.tagesschau.de/wahlen/2019-10-27-LT-DE-TH/index.shtml

(*3) https://web.archive.org/web/20200214185440/https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_86553738/page_4/bodo-ramelow-viele-menschen-aus-der-ex-ddr-fuehlen-berechtigten-unmut-.html

(*4) https://www.mdr.de/thueringen/wahlen-politik/spd-linke-gruene-unterzeichnung-koalitionsvertrag-100.html

(*5) https://www.thueringen.de/imperia/md/content/landtag/gesetze/verfassung_internet.pdf

(*6) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1094188/umfrage/ergebnis-der-wahl-des-ministerpraesidenten-von-thueringen/

(*7) https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/interview/kemmerich-fdp-thueringen-mp-wahl100.html

(*8) https://www.insuedthueringen.de/region/thueringen/thuefwthuedeu/Kemmerich-wuerde-bei-Wahl-SPD-Minister-behalten;art83467,7118675

(*9) https://twitter.com/search?q=%23AFDP&src=typed_query

(*10) https://twitter.com/phoenix_de/status/1225107757776490496

(*11) https://www.spiegel.de/politik/deutschland/angela-merkel-spricht-nach-ministerpraesidentenwahl-in-thueringen-von-unverzeihlichen-vorgang-a-937015fb-6deb-4217-bd0a-c5aad333b58b

(*12) https://twitter.com/hallaschka_hh/status/1228963517098856448?s=21

(*13) https://www.facebook.com/LINKE.Thueringen/photos/a.136875283034000/2597246670330170/?type=3

(*14) https://twitter.com/morgenmagazin/status/1226794684741275648

(*15) https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-02/thueringen-thomas-kemmerich-afd-fdp-liveblog?liveblog._id=urn:newsml:localhost:2020-02-06T20:41:46.700327:8b3092f3-7e94-43fc-bd3e-1fd0be6ce0ee__editorial

(*16) https://www.ksta.de/politik/wahl-eklat-in-thueringen-hennig-wellsow-bereut-blumenwurf-fuer-kemmerich-nicht-36193818?originalReferrer=https://www.google.com/

(*17) https://twitter.com/ria_schroeder/status/1226175793350545409

https://www.tagesspiegel.de/politik/fdp-koennte-an-fuenf-prozent-huerde-scheitern-wie-hamburgs-liberale-es-in-die-buergerschaft-schaffen-wollen/25551850.html

(*18) https://twitter.com/ChristianHirte/status/1225040557766037506

(*19) https://twitter.com/ChristianHirte/status/1226077593654435840

(*20) https://www.mdr.de/thueringen/mike-mohring-gibt-kampf-um-fraktionsvorsitz-auf100.html

(*21) https://twitter.com/search?q=%23lindnerruecktritt&src=typeahead_click

(*22) https://blog.wdr.de/landtagsblog/nrw-und-thueringen-ueber-das-ziel-hinaus/

(*23) https://twitter.com/EskenSaskia/status/1225044517650358272

(*24) https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/das-junge-politik-lexikon/161646/staatsstreich

(*25) https://twitter.com/Karl_Lauterbach/status/1227246254633209856

(*26) https://www.spiegel.de/politik/deutschland/thueringen-bodo-ramelow-ist-zu-zugestaendnissen-an-cdu-bereit-a-4f62bb1f-c8f2-4d05-8239-8dd98603be12

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Wahlrechtsreform Teil 2: Rechtliche Grundlagen (Script)

<insert Video Teil 2 😉

Wie einige bemerkt haben, ist bei meinem Video zu Teil 1 eine extrem schlechte Soundqualität. In der Originaldatei sind diese Störgeräusche nicht zu hören. Ich habe Teil 2 und Teil 3 schon zweimal neu aufgenommen und hochgeladen und komme zu dem gleichen Problem. Auch andere Videos die ich schonmal phne Probleme hochgeladen hatte haben teilweise das gleiche Problem. Es liegt also vermutlich also an Youtubes Upload. Wenn das einwandfrei wieder tut, füge ich das Video hier ein>

 

Guten Tag liebe Demokraten, aber auch Feministen seien mir gegrüßt

Wie im vorherigen Video angesprochen, werde ich mich in diesem Video mit unserem Grundgesetz etwas genauer befassen. Wie ich auch da schon sagte: Ich bin kein Jurist
Ich gebe hier lediglich meinen Kenntnisstand und meine Interpretation wieder.

Beginnen wir mit Artikel 3 unseres Grundgesetzes. Dieser gehört zu den so genannten Grundrechten.
Um einemal Wikipedia [Q1] zu zitieren:
„Grundrechte sind grundlegende Freiheits- und Gleichheitsrechte, die Individuen gegenüber dem Staat zugestanden werden und Verfassungsrang genießen.“
Oder das „juraforum“
„Unter Grundrechten versteht man grundlegende Freiheitsrechte, welche Individuen gegenüber dem Staat besitzen.“
„Gleichheitsgrundrechte: diese gewähren dem Individuum die Gleichbehandlung vor dem Gesetz (z.B. durch die Gleichberechtigung und den Gleichheitssatz in Art. 3 GG)“

Besonders möchte ich hier das Wort „Individuen“.
Wenn die Grundrechte (und damit auch Art.3) sich auf Individuen beziehen, dann kann das Angleichen von den prozentualen Anteilen von Kollektiven gar nicht im Sinne dieses Grundrechtes sein. Es wäre, um die Worte von Art. 19 (2) [Q3] zu verwenden ein Antasten des Wesensgehaltes eines Grundrechtes – und damit ausgeschlossen.

Als 1949 unser Grundgesetz verabschiedet wurde, standen sowohl Art.3(2)Satz 2, als auch Art.3(3) Satz 2 nicht in unserem Grundgesetz [Q8]. <Bild> Diese wurden 1994 hinzugefügt [Q9]. Jetzt sagt aber Art.19(2) „In keinem Falle darf ein Grundrecht in seinem Wesensgehalt angetastet werden.“
Nun wird der Art 3(2) Satz 2 ja oft als „Gleichstellungsauftrag“ gelesen. Also, dass die Kollektive „Mann“ und „Frau“ prozentual einander angeglichen werden müssen. Wir haben auf solch eine Lesart allerdings überhaupt keinen Hinweis in der Ursprungsfassung. Dort steht – bezogen auf das Geschlecht – nur, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind und das niemand auf Grund seines Geschlechtes bevorzugt oder benachteiligt werden darf. Dies ist ganz klar eine Absicherung des Individuums. Die gerade beschriebene Lesart von Art.3(2) Satz 2 ist also, selbst wenn sie bei der Einführung 1994 so beabsichtigt war, nicht zulässig, da sie den Wesensgehalt des Art.3 verändert.

Aber einmal abgesehen davon. Glaubt wirklich jemand, dass – bei unserer Geschichte – in unserem Grundrecht über Gleichberechtigung drin steht, dass man Entscheidungen auf Grund von Geburtsmerkmalen treffen soll. Der Staat gar dazu verpflichtet wäre das zu tun? Also bitte.

In diesem [Q3] steht:
Absatz 2:
„Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

Absatz 3 Satz 1:
„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, […] benachteiligt oder bevorzugt werden.“

Im Bezug auf das Wahlrecht (und Gleichstellung) wird gerne auf den Part der „tatsächlichen Durchsetzung der Gleichberechtigung“ und auf das „Hinwirken zur Beseitigung bestehender Nachteile“
hingewiesen. Daraus ließe sich wohl ableiten, dass -überall- eine Geschlechterparität erreicht werden soll – (d.h. in prestigeträchtigen, finanziell lukrativen und/oder machtvollen Bereichen, in denen Frauen als Gruppe nicht mindestens 50% der Inhaber stellen).

NICHTS könnte weiter entfernt von der Wirklichkeit sein. Abgesehen von dem obigen, recht allgemeinen Argument des Individualrechtes schließt der Absatz 3 Satz 1 „Niemand darf auf Grund… bevorzugt oder benachteiligt werden“ ja auch jegliche Entscheidung auf Basis des Geschlechtes aus.
Eine Gleichstellungs- und damit Verbunden auch die Quotenpolitik schließt sich also sowohl historisch, als auch durch das Wesen des Grundrechtes als auch durch den Text an sich aus.

Zudem sei noch erwähnt, dass Artikel 3 keinen Gesetzesvorbehalt kennt. D.h. in Artikel 3 steht keine Einschränkung wie z.B. „In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“ (Art.2(2)) oder „Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.“ (Art.4(3)).

Das wiederum bedeutet, dass Gesetze, die diesem Individualrecht entgegenstehen nicht zulässig sind.

Dazu kommt dann natürlich noch, dass laut Artikel 20 GG [Q4] die BRD ein demokratischer Staat ist und alle Staatsgewalt vom Volk ausgeht. Was natürlich bedeuten würde, dass der Staat nicht vorschreiben darf, wie das Volk den Bundestag zu wählen hat.

Artikel 20

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.[…]
Nun ich mag das vielleicht etwas übertrieben lesen, allerdings stimmt mir auch Art. 38 GG [Q5] zu.
(1) Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.

Die Wahlen sind nicht mehr frei, wenn der Staat das Ergebnis vorschreibt. Sie sind nicht mehr gleich, wenn der Staat eine Listenbesetzung bestimmt, da das eine Individuum gegenüber dem anderen Individuum dann nicht mehr das gleiche Recht hat.
Zudem mag einigen aufgefallen sein, dass hier steht „Sie [die Abgeordneten des Bundestages] sind vertreter des ganzen Volkes„. Vor diesem Hintergrund muss man sich schon die Frage stellen, wie jemand auf den Gedanken kommt, dass der Bundestag, die Vertretung des gesamten Volkes, einen Teil des Volkes nicht repräsentiert auch wenn genau das seine Aufgabe ist. Man muss sich fragen, warum die unmittelbar durch das Volk gewählten Repräsentanten angeblich nicht das Volk repräsentieren. Man muss sich zudem fragen, woher die Quotenbefürworter wissen, dass Frauen, die ja ihre Repräsentanten in freien und geheimen Wahlen selbst gewählt haben, durch Frauen repräsentiert sein wollen.

Die Fragen die Quotenbefürworter also beantworten müssen ist:
– Wie repräsentiert der Bundetag, der in seiner Gänze das ganze Volk vertritt eine Teilmenge des Volkes nicht adäquat?
– Woher wissen Sie, das Frauen als Gruppe nur durch andere Frauen repräsentiert sein können, obwohl Frauen doch (siehe Video 1 und 3)[Q6,7] offensichtlich auch Männer und Parteien ohne Quotenregelungen gewählt haben?
– Warum glauben Sie, dass SIE besser als die individuellen Frauen wissen, wodurch diese Frauen repräsentiert sind? Und warum glauben sie, dass dies ausgerechnet von einem Geburtsmerkmal abhängt? <SIE NAZI>
– Warum glauben Sie, dass Frauen unterrepräsentiert sind, wenn Frauen als Gruppe eine disproportional hohe Stimmenmacht haben und daher einen disproportional hohen Einfluss auf das Wahlergebnis der Bundestagswahlen haben?

Ich denke nicht, dass irgend ein Quotenbefürworter das ausreichend beantworten kann.

 

Im kommenden Video schauen wir uns die Wahlergebnisse einmal etwas genauer an. und in Quelle 10 habe ich einige Links zu juristisch ausgebildeten Personen gesammelt, die meine These stützen.

[Q1] https://de.wikipedia.org/wiki/Grundrechte_(Deutschland)
[Q2] https://www.juraforum.de/lexikon/grundrechte
[Q3] https://www.bundestag.de/parlament/aufgaben/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_01/245122
[Q4] https://www.bundestag.de/parlament/aufgaben/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_02/245124
[Q5] https://www.bundestag.de/parlament/aufgaben/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_03/245126
[Q6] https://www.youtube.com/watch?v=gSh1ZGlw6E0
[Q7] Folgt wenn fertig 😉
[Q8] http://www.documentarchiv.de/brd/1949/grundgesetz.html
[Q9] https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=bgbl194s3146.pdf#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl194s3146.pdf%27%5D__1550151608768
[Q10]http://www.spiegel.de/politik/deutschland/udo-di-fabio-gegen-frauenquoten-vorschlag-von-katarina-barley-a-1207777.html

https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/paritaetsgesetz-brandenburg-verfassungswidrig-quoten-wahlrecht-geschlecht-landesliste/
https://www.moz.de/nachrichten/brandenburg/artikel-ansicht/dg/0/1/1706969/
https://www.welt.de/politik/deutschland/article188034935/Landtagswahlen-Brandenburg-stellt-Maenner-und-Frauen-paritaetisch-auf.html