#Metoo: Das Schweigen der Männer

In der Berliner Zeitung ist vor etwa einem Monat eine Aufforderung an Männer erschienen, sich noch einmal zu #MeToo zu äußern, etwas verspätet habe ich mich vor einigen Tagen daran gesetzt, ausführlich zu antworten.

Sehr geehrte Frau Dankbar

Ich habe Ihren Kommentar „Das Schweigen der Männer“ (13.10,2018, Berliner Zeitung) gelesen und komme Ihrer Bitte um eine Antwort, auch wenn es etwas spät ist, gerne nach.

Im zweiten Absatz schrieben Sie folgenden Satz:
„Es ist nämlich leider so, dass ich in dem ganzen Jahr, in dem es die #MeToo-Debatte gibt, nicht eine einzige vernünftige Diskussion mit einem Mann darüber hatte.“

Ich kenne dieses Phänomen, nur umgekehrt. Es gab keine Frau mit der ich eine vernünftige Diskussion über #MeToo führen konnte. Auch in den Online-Medien habe ich zwar unterschiedlichste Positionen gelesen, aber kaum richtige Debatten, wo sich Menschen zusammen hingesetzt haben und das vernünftig ausdiskutiert haben.

Das ich diese Diskussionen nicht führen konnte, lag meiner Meinung nach an drei Fragestellungen.

  • Worum geht es eigentlich?
  • Sind Frauen, weil sie Frauen sind, Engel?
  • Sollte nicht das Prinzip der Unschuldsvermutung gelten?

Also: Worum geht es?
Sie eröffnen im Folgenden, dass es bei #MeToo um die Beschuldigung von Harvey Weinstein ging, der drei Frauen vergewaltigt haben soll und führen das dann weiter aus, über sexuelle Belästigungen, sexistische Herabsetzungen bis hin zu plumper Anmache und unerwünschter Annäherung.
Ja was denn nun? Das Spektrum geht von einem charmanten Kompliment zur Kontaktaufnahme, dass der betreffenden Person gerade nicht genehm ist (unerwünschte Annäherung) bis hin zur Beschuldigung/Behauptung mehrfacher Vergewaltigung. Wobei in der eigentlichen Debatte ja sogar von echten und bestätigten Vergewaltigungen die Rede war.
Dies führt uns direkt zurück zur Fragestellung. Es scheint sehr beliebig zu sein worum es eigentlich geht und das sieht man auch in den Debatten.
Jedes Mal, wenn ich einen Talk gesehen habe, eine Onlinedebatte verfolgt habe oder mich mit Frauen über dieses Thema unterhalten habe, gab es unterschiedliche Aussagen, worum es eigentlich geht. Und das konnte sich auch schon einmal innerhalb der Diskussion ändern. So habe ich zwei „Diskussion“ persönlich erlebt, in der mit einem „Bei #MeToo geht es um sexuelle Gewalt, um Vergewaltigungen, wie kann man da was gegen haben, dass darüber gesprochen wird.“ Gestartet wurde und es dann zwischendurch zu einem „ja es geht aber auch um Alltagssexismus“ umgeschwenkt wurde. Und wenn ich dann dort argumentierte, war ich plötzlich wieder dabei Vergewaltigungen zu legitimieren. Zu mindest wurde mir das absurderweise vorgeworfen. Das Thema schien immer beliebig zu sein, wie es gerade in die Argumentation passte. Man kann den Themenbereich #MeToo im Groben so zusammenfassen: Dinge die Frauen (ein bisschen bis sehr) unangenehm sind. So zumindest mein Eindruck.
Und das heißt bei Weitem nicht, dass ich dieses Gefühl bei den geschilderten Dingen nicht nachvollziehen kann. Aber das Thema scheint beliebig zu sein und beliebig innerhalb der Diskussion wechseln zu können. Das macht es schwierig darüber zu reden.
Vor allem natürlich, weil es oft auch ein sehr emotionales Thema ist und man(n) ja kein Arschloch sein will.

Wo wir gerade bei „Mann“ sind. In nahezu allen Diskussionen, Texten, Videos… bzgl. #metoo wurde davon gesprochen, dass „Männer“ „Frauen“ etwas antun. Würden wir andere Gruppierungen nehmen, dann würde darauf ganz anders reagiert werden. Erinnern wir uns an die #120dB Aktion aus dem konservativen Lager, in dem Männer, wie auch Frauen von gewalttätigen und sexuellen Übergriffen durch Migranten sprachen. Ähnlich wie bei #metoo. Das wurde, in meinen Augen zu Recht, als rassistische Hetze verschrien. Warum ist es abhängig von den Gruppen, ob etwas gut oder schlecht ist. Oder: Verschieben wir die Anschuldigungen gegenüber Harvey Weinstein mal ein paar Jahrzehnte zurück und dann nach Deutschland. „Der Jude Harvey Weinstein wurde von drei arischen Frauen beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben.“

Ich hoffe sie merken, dass eine verallgemeinernde Rhetorik wie sie bei #metoo üblich ist, nicht unbedingt zum sachlichen Diskurs beiträgt und zu einem „wir gegen die“, also einer Gesellschaftsspaltung, beiträgt. Bei anderen Gruppen würde man vermutlich von „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sprechen“.

Natürlich sind nicht alle Männer gemeint. Aber man kann schon nachvollziehen, dass sich so (fast) alle Männer angesprochen fühlen und sich auch viele angegriffen fühlen.

Dazu kommt, dass viele Begriffe schwammig sind. So kann zum Beispiel die „unerwünschte Annäherung“ aus ihrem Text von ‚ich gehe in der Disko zu einer interessant aussehenden Person hin und spreche sie freundlich an. Diese will das aber nicht, äußert dies aber in keiner Form‘ bis hin zu ‚ich dränge mich dieser Person trotz mehrmaliger Abweisung immer wieder auf‘ gehen. Und so gibt es, wie auch beim Gesamtthema, immer eine riesige Spannbreite an unklaren und/oder schwammigen Begriffen.

Dies führt zwangsläufig zu Missverständnissen.
Da das Thema also schwer zu fassen ist, beliebig verschoben werden kann und auch noch hoch emotional ist, ist die Gefahr als Arschloch angesehen zu werden recht hoch. Eine „vernünftige Diskussion“ im Sinne von „sachlich“, ist also extrem schwierig und als Mann kann man bei diesem Thema fast nur verlieren, es sei denn man stimmt uneingeschränkt zu, dass diese „Debatte“ richtig und wichtig und total gut ist. Es hängt immer die „wenn du das kritisierst, verteidigst du Vergewaltiger und bist genau wie die“-Keule über den Köpfen der Männer.

Das führt uns zur zweiten Frage: Sind Frauen, weil sie Frauen sind, Engel?

Natürlich nicht. Frauen können genauso lügen und betrügen wie Männer. Sie sind genauso zu moralisch verwerflichem Verhalten fähig wie Männer. Genauso wie Frauen, wie auch Männer, zu großen Taten fähig sind. Frauen sind halt, wie Männer, kein Kollektiv, sondern Individuen.

Menschen neigen dazu die tatsächlichen Gegebenheiten etwas einzufärben um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Berichte ich von einer Situation, in der ich nicht gut ausgesehen habe, lasse ich vielleicht einige negative Details weg oder knüpfe direkt eine Rechtfertigung an. Will ich über das Thema „Opfer sein“ reden, dann dramatisiere ich vielleicht Situationen, um mehr als Opfer wahr genommen zu werden. Oder auch im Politischen: Verfolge ich ein bestimmtes politisches Ziel, dann werde ich die Notwendigkeit dieses Zieles besonders herausstellen und auch primär Daten veröffentlichen und nutzen, die dieses Ziel unterstützen, wobei ich andere (bewusst) nicht verbreite.

Das bedeutet aber auch, dass ich keinen Grund habe irgendwelchen Aussagen, irgendwelcher Frauen aus dem Internet, die ich in der überwältigenden Mehrheit nicht kenne, zu glauben. Jetzt könnte man natürlich gegenhalten, dass ich auch keinen Grund habe ihnen nicht zu glauben.

Doch habe ich. Aus vergangenen feministischen Hashtagaktionen, wie #Aufschrei, #imzugpassiert usw. wissen wir, dass fast immer eine politische Agenda dahintersteckt. Vorsicht ist angemahnt.

Deshalb ist es auch falsch zu sagen: „Überall auf der Welt schilderten Frauen Übergriffe, sei es körperlich oder verbal.“ Es müsste „[…] vermeintliche Übergriffe […]“ heißen. Sie haben, genau wie ich, keine Möglichkeit alle diese vermeintlichen Übergriffe auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu prüfen. Sie könnten allesamt erstunken und erlogen sein oder allesamt zu 100% richtig sein. Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen und die überwältigende Mehrheit wird zumindest einen wahren Kern haben. Wir wissen es aber nicht. Viele der geschilderten vermeintlichen Übergriffe lasen sich auch stark übertrieben. Ob sie wirklich übertrieben waren oder tatsächlich so stattgefunden haben… man weiß es nicht.

Das hielt aber weder die Wortführerinnen der #MeToo Sache noch Sie selbst davon ab alle diese Erzählungen als wahr zu betrachten. Es wurde sogar mehrfach danach gerufen, „den Opfern zu glauben.“ Erstens weiß ich nicht mal ob sie Opfer sind. Sie behaupten es ja nur. Und zweitens heißt es ja nicht, dass sie, nur weil sie Opfer sind, auch die Wahrheit sagen.

Nicht nur ich hatte oft den Eindruck, dass die Berichte vermeintlicher Übergriffe als sakrosankt betrachtet wurden. Es durfte nicht in Zweifel gezogen werden ob diese wahr waren oder nicht. Wurde zur Sprache gebracht, dass das Verhalten in den nicht-Vergewaltigungsbeschuldigungsfällen Weinsteins zwar unprofessionell und unmoralisch war (wenn die Situationen so gewesen sind wie beschrieben), aber es durchaus im Bereich des Möglichen liegt, dass sie auf sein Angebot gerne eingegangen sind um Karrierevorteile zu bekommen, wurde einem Victim-Blaming unterstellt. Möglicherweise haben sie sogar bewusst vorher sexuelle Reize ihm gegenüber ausgesendet um eine solche Situation zu provozieren. Und ganz vielleicht sogar selbst die Initiative ergriffen. Das ist nicht so abwegig, denn in Hollywood geht es um Geld, Einfluss und Ruhm. Durchaus etwas, das auch Frauen gerne haben.

Sich natürlich dann als Opfer eines mächtigen Mannes zu stilisieren, obwohl man sich selbst unmoralisch und unprofessionell verhalten hat ist natürlich praktisch. Man kann quasi die eigene Schuld anderen unterschieben.

Ob das so gewesen ist oder nicht, wissen wir nicht. Aber es liegt im Bereich des Möglichen. Die Besetzungscouch ist nun wirklich kein neues Konzept.

Frauen können Lügen, der Wahrheit Spielraum geben. Und genau hier wird es spannend. Denn hier beginnt die Kritik an #MeToo.

Sollte nicht das Prinzip der Unschuldsvermutung gelten?

Frauen können lügen. Viele der Männer, mit denen ich geredet habe, befürchten genau in diesem Zusammenhang eine Sache: Was passiert, wenn in diesem Klima, wo vermeintlichen Opfern bedingungslos geglaubt wird, mir ungerechtfertigterweise eine entsprechende Verfehlung unterstellt wird?

Verliere ich meinen Job, meine sozialen Kontakte? Die Frage nach dem Ruf brauch ich mir nicht zu stellen, der wird zerstört werden. Wie soll ich gegenhalten, wenn mir sowas unterstellt wird?

Wir haben gesehen, dass viele Schauspieler, Produzenten, Politiker usw. ihren Job und ihre Reputation verloren haben. Wir haben gesehen, dass mehrere in den Suizid getrieben wurden. Wir haben gesehen wie bedingungslos den Beschuldigenden geglaubt wurde und die Beschuldigten angegangen wurden. Nicht umsonst wurde die #MeToo „Bewegung“ mit Hexenjagden verglichen.

In den Medien sahen wir flächendeckend nicht einmal mehr nur Verdachtsberichterstattung, sondern Beschuldigungsberichterstattung. Und später dann „Schuldig, weil beschuldigt“-Berichtserstattung.

Die einzige Chance: Die Gefahr beschuldigt zu werden auf ein absolutes Minimum reduzieren. Kein Kompliment mehr machen. Es könnte als „unerwünschte Annäherung“ oder „plumpe Anmache“ ausgelegt werden.

Denn die Unschuldsvermutung gilt in diesem Bereich gefühlt nicht mehr in der medialen (und weiten Teilen der öffentlichen) Meinung.

Bei der Unschuldsvermutung handelt es sich aber um ein Menschenrecht und ist ein Eckpfeiler des Rechtsstaates. Das ist keine kleine Sache.

Natürlich müssen Leute, die sich fehlverhalten, die entsprechenden, angemessenen Konsequenzen tragen. Jemand der etwas ungewünscht anzüglich sagt, dem muss entsprechend geantwortet werden. Wiederholt sich das, kann man auch eine Etage höher gehen. Und wir können alle Beispiele durchgehen bis hoch zur Vergewaltigung wo die Vergewaltigerinnen und Vergewaltiger hinter Gitter gehören. Ich habe auch noch nie gehört (auch nicht bei #MeToo Kritikern, dass jemand das anders sieht. Fehlverhalten muss Konsequenzen haben. Aber als strafende Instanz müssen wir auch wissen (nicht nur glauben), dass ein Fehlverhalten vorliegt. Unschuldig, bis zum Beweis der Schuld.

Fazit:

Der Rechtsstaat wurde von #MeToo Unterstützern geopfert, um sich moralisch als die Verteidiger und Unterstützer der Opfer von einem breiten Spektrum an Anschuldigungen vom Charmanten Kompliment zur falschen Zeit, bis hin zur Vergewaltigung, zu stilisieren. Das Gefühl der moralischen Überlegenheit sorgte aber auch dafür, dass jede noch so sachliche und differenzierte Kritik im Keim erstickt werden musste. Denn sonst wäre man nicht mehr moralisch überlegen.

Daraus folgt, dass eine vernünftige Diskussion, nicht möglich war, weil sie von Seiten der #MeToo Unterstützer nicht sachlich geführt wurde. Ja nicht geführt werden konnte. Sie konnten nicht zurück, sie konnten keinen Fehler eingestehen, denn es hätte bedeutet, moralisch nicht richtig gehandelt zu haben. Und wer gesteht sich das schon gerne ein.

Und so ist die #MeToo Bewegung zu einem von Macht und Selbstbeweihräucherung trunkenen Online-Mob verkommen. Ein Rückschritt in die Barbarei, die wir durch zivilisatorische Errungenschaften wie Gewaltenteilung, ethische Standards im Journalismus und Rechtsstaat zu verhindern getrachtet haben. Schade, dass wir das neu aufbauen müssen.

Nein, mit #MeToo Befürwortern ist eine vernünftige Diskussion nicht möglich. Denn Vernunft ist nicht ihr Antrieb.

 

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Random Thoughts Nr. 8

  1. Allgemeines zu meinen Onlineaktivitäten
  2. Ein paar Gedanken zu Chemnitz
  3. Die AstA der Universität Bremen

1. Allgemeines zu meinen Onlineaktivitäten

Es ist vielleicht einigen aufgefallen, dass ich meine Onlineaktivitäten in letzter Zeit etwas eingeschränkt habe. Grund dafür ist der Zeitfaktor. Studien- und berufstechnisch bin ich gut ausgelastet. Zudem verbringe ich gerne meine Zeit mit meinen Freunden, meinem Neffen und meinem 15 Tage alten Patenkind. Gelegentlich möchte ich dann auch einmal ein Spiel anschmeißen, so dass ich auf ein Zeitpensum komme, das wenig Zeit für Blog, Videos oder Twitter lässt.

Es wird zwar immernoch etwas erscheinen, aber weiterhin sehr sporadisch.


2. Ein paar Gedanken zu Chemnitz

Was war geschehen: Ein Mann wurde bei einer Messerstecherei getötet, zwei weitere verletzt. Dringend tatverdächtig sind zwei Menschen mit Migrationshintergrund.

Unsere Medien berichteten von Hetzjagden durch Chemnitz. Ein Begriff, der auch von Bundeskanzlerin Dr. Merkel und Regierungssprecher Seibert verwendet wurde. Ein örtlich Volksfest (Stadtfest?) wurde aus sicherheitsgründen abgebrochen.

Es kam zu sowohl spontanen als auch geplanten Demonstrationen mit Beteiligung und Unterstützung von AfD und Pegida. Bei denen teilweise von einigen Teilnehmern der Hitlergruß gezeigt wurde und auch Gewalt (u.A. gegen Migranten aber auch Journalisten) ausgeübt wurde.

Durch die mediale Berichterstattung kam es schnell zu einem Hype (oder wahlweise auch Hysterie). Es wurde auch von Pogromen gesprochen und die (möglicherweise nur angenommenen) Probleme in Chemnitz wurden schnell durch das Problem „Rechte erstarken“ überdeckt. Es kam sogar zu einem Konzert unterschiedlicher deutscher Popgrößen wie den Toten Hosen (ehemals Punk) und Nura sowie Alternative- und Rockgrößen wie Kraftklub und Feine Sahne Fischfilet.

Nach all dem Rummel habe ich mir gedacht: ‚Such mal nach Videos und Fotos von diesen Hetzjagden. Wenn diese wie gemeldet durch die Innenstadt von Chemnitz gingen, dann wird es sowohl Videos von Überwachungskamaras als auch von privaten Handys geben.‘

Und was bekomme ich? Zwei Ergebnisse. Bei dem einen sieht man einfach nur für 3 Sekunden vollkommen kontextlos 5 oder 6 Leute losrennen (sprich sie fangen gerade an zu rennen) und bei dem anderen sieht man einen Mann der einem anderen hinterher rennt und diesen einmal tritt. Zudem emine ich vernommen zu haben, dass der „Verfolgte“ als Kanacke bezeichnet wurde. Ich denke ich muss nicht erwähnen, dass dieser Begriff meist negativ konnotiert ist und idR als Beleidigung zu verstehen ist.

Und auch wenn ich sowohl die Rhetorik als auch die Gewalt verurteile. Wer zum Geier nennt sowas eine Hetzjagd? Das ist harmloser als eine selbst-zu-meiner-Zeit-mit-angezogener-Handbremse-geführte-Schulhofprügelei. Was stellt man sich denn unter einer Hetzjagd vor? Mein erster Gedanke war, das mehrere Leute einen oder mehrere Migranten durch halb Chemnitz jagden. Dass sie möglicherweise bewaffnet waren. Dass die Verfolgten um ihr Leben fürchten müssten. Und dann sowas…

Was 1999 in Guben passierte, DAS war eine Hetzjagd.

Hierhaben sich unsere Medien in ihrer Wortwahl aber mal so richtig tüchtig vergriffen. Und hier merkt man dann auch, warum sich unsere Medien ihrer Verantwortung für sachlichen Journalismus wieder bewusst werden müssen. Der Begriff wurde von unserer Bundeskanzlerin, dem Regierungssprecher und vielen Stars der deutschen Musikszene ungeprüft übernommen.

Es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen linker und rechter Demonstranten. Das – in meinen Augen – richtige Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit bekommt einen schalen Beigeschmack, wenn man bedenkt, dass Hype der es scheinbar nötig machte, dieses Zeichen zu setzen, auf einer solch irregeleiteten Verwendung des Begriffes Hetzjagd beruht.

Und was hat sich getan? Ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit wurde gesetzt. Die fremdenfeindliche Rechte muss gemerkt haben, dass sie beileibe nicht für die Mehrheit der Gesellschaft steht. Aber die Probleme vor Ort bleiben. Und es sind mehr Leute nach rechts gewandert.

Denn einige der Bürger äußerten sich besorgt über einige Probleme, die in diesem Medienrummel untergingen. Und die  – ihrem Eindruck nach – vor der Massenmigration nicht oder nicht annähernd so häufig auftraten. Z.B. äußerte ein Chemnitzer, dass seine Töchter nciht mehr wie früher alleine in die Stadt gehen würden, da sie schon mehrfach verbal von Migranten angegangen wurden. Ein anderer äußerte, dass Gewalt immer häufiger ein Problem darstellt – und diese meist von Migranten ausgeht.

Ob dies stimmt oder nicht, kann ich nicht sagen. Ob dies erfundene Geschichten sind, Untertreibungen, Übertreibungen oder nur der subjektive Eindruck. Kann ich nicht sagen. Aber nehmen wir an, dass diese Sachen ein subjektiver Eindruck sind, die möglicherweise auf persönlichen Erfahrungen beruhen. Macht es dann nicht Sinn, das zu mindest anständig zu diskutieren? Warum muss man ernst zu nehmende Bedenken immer gleich in die rechte bzw. rechtsradikale Ecke stellen? Ist es wirklich rechts gegen Messerstechereien zu sein?

Ich stelle mir gerade vor, wie ich äußern würde, dass ich auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen und Erzählungen von Freunden und Bekannten Bedenken ob meiner Sicherheit und meiner Familie hätte. Das ich Angst um unsere Gesundheit oder gar unser Leben hätte. Und irgend ein dahergelaufener Typ würde mich deshalb beleidigen und mich in die Rechte Ecke stellen.

Was bringt das? So gewinnt man weder den Diskurs noch Wähler.

Bürger: „Ich sehe ein Problem“

Rechter:“ Ich sehe es auch, hier ist meine Lösung?“

Linker: „Der Rechte hat ein Problem gesehen, deshalb ist da keins und nur Nazis würden behaupten, dass da eins ist.“

Bürger (denkt): ‚Aber ich sehe doch das Problem und die wollen das nur nicht addressieren, weil der Falsche mir zugestimmt hat, dass eins gibt? Also sind die einzigen, die mir helfen wollen die Rechten?‘


3. Die Asta der Universität Bremen

Kurzzusammenfassung: Eine Sudentin der Uni Bremen hat eine Mutter die bei der NPD ist, einen Großvater der bei der SS war und sie selbst war bei mehreren Veranstaltungen die dem rechten oder gar rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sind. Kommilitonen*_InnenX haben nun Zettel verteilt und an Türen gepappt die sie beim Namen nennen und diese Aussagen über sie treffen.

„Dem SPIEGEL gegenüber teilte die Studentin mit: „Ich bin nicht rechtsradikal. Ich bin weder in einer Partei noch in einer politischen oder weltanschaulichen Gruppierung oder einem solchen Verein organisiert.“ Dass sie bei den erwähnten Veranstaltungen dabei war, streitet sie nicht ab.“

Des Weiteren wurde eine Grundschule kontaktiert, bei der die Studentin ihr Referendariat macht und weitere sollen kontaktiert werden.

Nun hat die Hochschule einige der Zettel entfernen lassen und die Asta aufgefordert ihre auch zu entfernen.

„Es geht um eine wichtige Frage: Hat jemand, der womöglich rechtes Gedankengut pflegt, ein Recht darauf, unbehelligt durchs Studium zu gehen – und damit die Berechtigung zu erwerben, später an deutschen Schulen zu unterrichten?“

Ein ganz klares ja.

Erstens ist es nicht nur möglich, dass sie rechtes Gedankengut pflegt, sondern auch, dass sie dieses abgelegt hat. Oder, dass sie dabei ist dieses in Frage zu stellen und ihre vorherigen Annahmen zu überdenken.

Zweitens gibt es wohl kaum einen Menschen, der NUR linkes oder NUR rechtes Gedankengut pflegt.

Drittens: Nur weil ein Mensch rechtes Gedankengut pflegt bedeutet dies nicht automatisch, dass dieser Mensch dieses Gedankengut auch unterrichtet. Es ist nämlich durchaus möglich sich an die Vorgaben seines Dienstherren zu halten, obwohl man diese eigentlich nicht unterstützt.

Ich zum Beispiel habe mich verpflichtet christliche Werte zu transportieren, da ich bei der Caritas arbeite. Nun bin ich zwar überzeugter Atheist, aber wenn mich ein Bewohner in Sachen Glauben und Gott anspricht, dann anworte ich ihm auf dieser Ebene. Obwohl ich da nicht unbedingt hinter stehe.

Viertens: Rechtes Gedankengut ist nicht per se schlecht. Denn rechtes Gedankengut umfasst nicht nur Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus sondern auch Marktwirtschaft, Eigenaktivität, etc. Ich zitiere mal vom bpb und mache alles dick, was ich als wichtig empfinde:

Die Meinungsforscherin Noelle-Neumann hat beschrieben, was Menschen unter rechten und was sie unter linken Werten verstehen. Als linke Werte gelten danach: Gleichheit, Gerechtigkeit, Nähe, Wärme, Formlosigkeit, das „Du“, Spontaneität, das Internationale und Kosmopolitische. Ihnen stehen als rechte Werte gegenüber: Betonung der Unterschiede, Autorität, Distanz, geregelte Umgangsformen, das „Sie“, Disziplin, das Nationale.
In der Wirtschaft sind linke Werte: staatliche Planung, öffentliche Kontrolle, rechte Werte: Privatwirtschaft und Wettbewerb.
Freiheit verstehen Linke zuerst als Freiheit von Not. Der Staat soll sich um soziale Sicherheit und Geborgenheit kümmern. Rechte verstehen Freiheit umgekehrt zuerst als Freiheit von staatlicher Gängelung und staatlichem Zwang. Sie schätzen Anstrengung, Risikobereitschaft, Eigenaktivität. Das zentrale linke Anliegen ist Solidarität mit den Schwächeren.

Ich hätte vielleicht besser markieren sollen, was ich nicht wichtig finde…

Egal. Man sieht an dieser Auflistung, dass nicht alles rechte Gedankengut per se schlecht ist.

Fünftens: Die tragende Säule, das Fundament und die Eckpfeiler der Demokratie ist die Meinungspluralität. Einem Menschen, nur weil er möglicherweise anders denkt, Studium und Zukunft zu versauen ist zu tiefst undemokratisch.

Sechstens: Auch in der Grundschule haben wir Ansichten von Lehrern in Frage gestellt. Einfach und allein dadurch, dass wir gesagt haben, dass unsere Eltern uns Sachen anders beigebracht haben. Das ein extrem rechtes Gedankengut lange unbemerkt bleibt ist unwahrscheinlich.

Siebtens: Taktik. Wenn man rechtsradikalen das Wasser abgraben will, dann darf man nicht so dumm sein und sie für ihre Meinung bestrafen. Sie können sich damit zu Recht als Opfer von politisch motivierten Repressionen stilisieren und dem Bürger aus der Mitte oder aus der moderat-Rechten zeigen: „Seht her, wie die mit Dissidenten umgehen. Wollt ihr das für Euch auch, wenn ihr mal anderer Meinung seid?“

Achtens: Wenn sie, was durchaus möglich ist, ihre frühere politische Einstellung hinterfragt, da sie mit anderen Impulsen konfrontiert wurde, dann wäre diese Aktion und die soziale Ausgrenzung ein Garant dafür, dass sie wieder in ihr altes Lager zurückkehrt. Man überzeugt nicht mit Strafe, sondern mit Argumenten.

Neuntens: Meinungsfreiheit PUNKT


Ich habe keinen Bock mehr auf den Gendersozialismus #menaretrash

Jetzt mal ganz im ernst.

Ich hatte schon eine Menge geschrieben und es einfach wieder gelöscht. Denn letztendlich begann meine Zündung für diesen Beitrag mit diesem Satz aus einem Welt-Artikel zum Thema #MenAreTrash.

Vielmehr kanalisierte sie [Sibel Schick] darin ihren Ärger über die Hasskommentare, die sie in vergangenen Monaten von Männern erhielt und die seit dem Arschloch-Gedicht an Heftigkeit gewannen. Es ist ein berechtigter Ärger, den viele Frauen mit ihr teilen.

Sorry aber nein. Es ist kein berechtigter Ärger. Die Frau verhält sich wie die Axt im Walde. Sie hetzt gegen Weiße, gegen CIS-Personen, gegen Männer.

Sie pauschalisiert beleidigt und pöbelt – und bekommt NATÜRLICH die entsprechende Antwort darauf. Und das ist auch gut so. Immer wieder heißt es: gebt Counterspeech. Wehrt euch gegen den Hass im Netz.

Hier geschehen.

Selbst wenn wir annehmen, dass es sich bei den „Hasskommentator*innen“ auch um Rechtsextreme gehandelt hat, wie der ze.tt-Link angibt, dann tut das der Legitimität der Gegenrede keinen Abbruch.

Und dann als Antwort darauf kommt ihr „Gedicht“, ihre „Lyrik“. Ein paar Auszüge:

„Denn es ist ein strukturelles Problem,
Dass Männer Arschlöcher sind.“

„Auch der Netteste profitiert vom Arschlochsein,
Und setzt sich nicht gegen das Patriarchat ein.“

„Einzelne Männer sind schon ganz okay,
In Gruppen wird’s schwierig.
Denn es hat System und Struktur,
Dass Männer Arschlöcher sind.“

„Und ja, es ist kein individuelles Problem,
Und nein, es geht nicht um Ausnahmen,
Denn es ist ein weltweites Phänomen,
Dass Männer Arschlöcher sind.“

Nicht alle Männer sind Arschlöcher, aber wegen ominöser Strukturen und Systeme sind alle Männer Arschlöcher.

Ja sorry. Den Hass, den Sibel abbekommt, hat sie sich redlich verdient. Ihr Ärger ist absolut nicht berechtigt.

Und es ging dann in dem Artikel weiter.

Und doch ist es als Feministin nicht wirklich klug, seine Wut in einem Hashtag zusammenzufassen, der alle Männer pauschal als Abfall bezeichnet. Denn eine so emotionale und platte Äußerung fördert keine sachliche Debatte, sondern sorgt im Gegenteil für irrationalen Sprengstoff, der sich am Ende gegen alle Frauen richtet, die für ihre Rechte einstehen. Auch gegen die, die sich um Sachlichkeit bemühen.

Für welche Rechte müssen Frauen denn in Deutschland noch einstehen. Welche Rechte haben sie nicht, die Männer haben? Welche Rechte haben sie nicht, die sie haben sollten? Feminismus hat in Deutschland keinen Nutzen mehr. Er steht weder für Gleichberechtigung noch für eine Verbesserung der Gesellschaft, er steht für Zerstörung (Verzeihung… Destruktion) und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Gerade der intersektionale Feminismus basiert auf einer erweiterten Rassentheorie. Menschen werden nach willkürlichen Merkmalen in Kollektive eingeteilt (u.A. Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Religion, Herkunft -> darum erweiterte Rassentheorie). Diesen Kollektiven werden Eigenschaften zugeteilt (privilegiert und marginalisiert) und auf Basis dessen wird Politik gemacht. Daraus entstehen dann schon mal solche Schriften wie die von Till Raether (den ich im letzten Beitrag besprochen habe) oder Videos wie von Moritz Neumeier.

Ein Beispiel dafür sind die misogynen Kommentare des umstrittenen Moderators Niels Ruf. Er beschimpfte Frauen als Reaktion auf Schicks Tweet als „Fotzen“ und „Netzfeminazis“ – und war damit nicht der Einzige, der auf dem Kurznachrichtendienst verbal danebengriff.

Ich habe keinen Beitrag von ihm, im Bezug zu #menaretrash, mit dem Begriff „Fotze“ gefunden. Durchaus aber den mit Netzfeminazis. Kann es sein, dass sie das ganz gelinde missrepräsentiert haben? Also nur so einen Hauch von? Er hat Frauen die sich Feministen nennen und #menspreading und #menaretrash feiern als Netzfeminazis bezeichnet. Das ist ja wohl nicht annähernd soweit daneben wie der Hashtag an sich. Oder das was Frau Schick da von sich gab.

Doch die scharfen Worte auf beiden Seiten diskreditieren das so wichtige Thema Gleichberechtigung.

Es geht dem Feminismus schon lange nicht mehr um Gleichberechtigung. Es geht um Gleichheit oder Gleichstellung – aber auch nur da wo es Frauen als Gruppe Vorteile bringt.

Einen Keil zwischen die Geschlechter zu treiben, fördert keine differenzierte Debatte.

Das ist vermutlich der Sinn dieses Hashtags. Denn würde eine differenzierte Debatte geführt werden, dann wären ganz viele Feministen ganz schnell arbeitslos, weil sie nicht mehr gebraucht werden würden und jeder das erkennt.

Und genau die braucht es, um die gesellschaftliche Gleichberechtigung für Frauen tatsächlich umzusetzen.

Wollen sie Frauen ihre rechtlichen Privilegien wegnehmen? Ernstgemeinte Frage.

 

Warum zum Geier schreiben Journalisten so einen Quatsch? Mal ehrlich. Sibel wird hier als das Opfer von männlichen Angriffen dargestellt. Die Frau die sich nahezu grundsätzlich im Ton vergreift und alle naselang gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit raus haut.

Dann wird darauf Bezug genommen, dass sie sich ja eine Feministin nennt und deshalb ja für Gleichberechtigung ist und alles was sie tut irgendwas damit zu tun haben müsse. Was ein Quatsch. Männerfeindlichkeit ist dem Feminismus inhärent. Von dem Feigenblatt „Gleichberechtigung“, dass Feministen gerne vor sich hertragen, ist immer weniger zu sehen und die hässliche Wahrheit, dass es sich bei dem Feminismus um die Geschlechtervariante des Nationalsozialismus (Gendersozialismus) handelt, kommt immer mehr zum Vorschein.

Kommen wir noch einmal zurück zu dem ze.tt Artikel:

Die Autorin ist davon überzeugt, dass der Hashtag und die Diskussion von rechtsextremen Trollgruppen gestartet wurde.

Selbst wenn das so wäre, haben sich genug Feminist*_InnenX darunter schon gemeldet und ihre Zustimmung bekundet. U.a. Anatol Stefanowitsch, Julia Schramm, Mario Sixtus, Shahak Shapira, Stefanie Lohaus.

Die rechtsextremen Trollgruppen hätten also nur das wahre Ich von Sibel Schick und anderen Feministen zum Vorschein gebracht.

Schick sieht den Grund dafür nicht nur in ihrer Aussage, sondern auch in ihrer Identität. „Dass ich mich als eine kurdische Migrantin traue, so viel Raum einzunehmen, ist für viele schon eine riesen Provokation.“

Würde mich wundern. Es ist vermutlich mehr die Art und Weise wie sie es tut. Da sich der Feminismus ja immer näher dem Nationalsozialismus zu wendet und in seiner Rhetorik keinen Hauch besser ist, musste ich mir gerade vorstellen, wie Adolf im Führerbunker sitzt und sagt. „Dass ich äs mirr als österrrrreichischerrr Migrrrant trraue, so viel Rraum fürr das deut-sche Volk einzunähmen, ist für die Allierrten schon eine rriesen Prrovokation. Vollkommen ungerrrächtfärtögte Aggrrression gegön möch.“

Man könnte meinen, Schick sei vom Hass nun eingeschüchtert, doch sie freut sich, wie sie selbst sagt, über die Aufmerksamkeit für das Thema. „Das ist eine Botschaft an alle Frauen, die sich trauen, sich öffentlich zu äußern. Wir steuern die Diskussion mit.“

Wenn das die Diskussion ist die ihr wollt – verpisst euch.


Interessant fand ich übrigens die Reaktion von @NoHateSpeechDe (Immerhin vom Council of Europe und diversen Bundesämtern unterstützt). Am 16.8.2018 um 18:55 Uhr war diese nämlich Schweigen.

Oder das @Doppeleinhorn (immerhin vom @BMFSFJ und Demokratie Leben finanziert um gegen HateSpeech vorzugehen). Dito.

 

Hör auf zu blöken, dummer Rassist! #MeTwo @TillRaether

Am 9. August ist in der SZ ein Artikel (Archiv) von Till Raether erschienen. Er hat den klangvollen Titel:

Hört auf zu jammern, alte weiße Männer!

Warum klagen gerade die privilegiertesten Mitglieder unserer Gesellschaft plötzlich über Diskriminierung?

Weil ihnen Feminist*_InnenX einreden, dass sie trotz diverser Sonderrechte und „Fördermaßnahmen“ unterdrückt werden. Vollkommen ignorierend, dass sie im Schnitt länger leben, seltener von Gewalt betroffen sind, seltener obdachlos sind, seltener Arbeitslos sind, seltener Suizid begehen, zwar 24% weniger arbeiten aber nur 21% weniger bekommen und sie für das gleiche Verbrechen niedrigere Strafen bekommen.

Spaß beiseite. Ich höre selten, dass sich schwer reiche Leute über Diskriminierung beschweren (außer schwer reiche Frauen).

Unser Autor, übrigens selbst ein alter weißer Mann, erklärt, warum es per Definition keinen »umgekehrten Rassismus« geben kann.

Das macht ja jetzt mal so gar keinen Sinn. Noch vor Kindern und reichen Männern sind reiche Frauen die privilegierteste Gruppe unserer Gesellschaft. Warum hier ein „selbst“?

Das war natürlich rhetorisch gemeint. Mir ist sehr wohl klar, dass Herr Raether davon ausgeht, dass „alte, weiße Männer“ die privilegierteste Gruppe dieser Gesellschaft ist

Für eine große Anzahl von Herren in der Lebensmitte mit heller Hautfarbe gibt es kaum etwas Schlimmeres, als wenn man sie als »alte weiße Männer« bezeichnet.

Das mag daran liegen, dass man sie damit auf ihre Geburtsmerkmale und ihr Alter reduziert und dabei ihre Lebensleistung und ihren Charakter vollkommen ignoriert. Oder anders ausgedrückt: Sie werden nicht als Individuum adressiert, sondern als Zugehörige einer Rasse und eines Geschlechtes also eines Kollektives dem sie willkürlich und ohne ihr Zutun zugeschrieben werden.

Wie empfindlich und aggressiv sie darauf reagieren, kann man quasi minütlich auf Twitter verfolgen, oder, wenn einem das zu hektisch ist, ganz in Ruhe in Zeitungsspalten.

Naja, meist werden sie ja für diverse (wenn nicht gar alle) Übel dieser Gesellschaft verantwortlich gemacht. Ihre aggressive Reaktion ist also eine berechtigte Verteidigung gegen einen rassistischen und sexistischen Angriff.

Der Standard-Vorwurf ist in etwa: »Das ist doch rassistisch, wenn ich jetzt umgekehrt wegen meiner Hautfarbe angegangen werde, und sexistisch auch, von der Altersdiskriminierung mal ganz zu schweigen.«

Dieser Standard-Vorwurf ist absolut korrekt.

Als alter weißer Mann würde ich jedoch gern erklären, warum ich es begrüße, so genannt zu werden.

Als junger, weißer Mann, der mal ein alter, weißer Mann werden möchte würde ich gern erklären, warum ich es begrüßen würde, wenn ihr Rassisten und Sexisten es endlich schafft, Menschen anhand ihrer Fähigkeiten und ihres Charakters als Individuum zu bewerten und nicht anhand willkürlich festgelegter Kollektivzugehörigkeiten für die die betreffende Person nichts kann.

Erstmal ist es zutreffend.

Und nicht voll erschöpfend. Du bist wesentlich mehr als nur alt, weiß und männlich. Du hast eine Sexualität, eine Schulbildung und Berufsausbildung, gute wie schlechte Eigenschaften, Freunde, Verwandte, Familie. Du engagierst Dich vielleicht ehrenamtlich oder politisch. Du kannst vielleicht 10 Hotdogs in 30 Sekunden essen oder bist Vizeweltmeister im Luftgitarre spielen. Vielleicht kannst du auch besonders gut/schlecht kochen. Du bist sehr viel mehr als nur deine Hautfarbe, dein Geschlecht und dein Alter.

Gut, ich bin vielleicht nicht alt im medizinischen Sinne. Aber ich bin so gut wie fünfzig, und das bedeutet: Ich gehöre zur Altersgruppe jener Männer, die derzeit in der westlichen Welt weit überwiegend das Sagen hat.

Und du gehörst zu einer Altersgruppe in der die überwältigende Mehrheit der Angehörigen dieser Altersgruppe in der westlichen Welt nichts zu sagen hat.

Übrigens mit „so gut wie fünfzig“ bist du weder medizinisch noch statistisch alt. Du bist älterer Durchschnitt. Weshalb das „alt“ bei dir schlicht und ergreifend nicht zutrifft.

Männer, die in den Sechzigern geboren wurden, und die jetzt an den kleinen und großen Schaltstellen der Macht angekommen sind (etwa jener, hier für Geld seine Meinung schreiben zu können). Aus Sicht aller, die nicht an diesen Schaltstellen sind, ist das alt.

Aha, mein Vater ist älter als Du (60+) und sitzt nicht an einer solchen Schaltstelle. Deiner Logik nach, wärst Du aus seiner Sicht älter als er. Was natürlich vollkommener Quatsch ist.

Alt bedeutet hier aber noch was anderes: Wir alten weißen Männer haben unsere Ausbildung gemacht und unsere Laufbahn begonnen vor dreißig Jahren oder mehr, und damals war das für niemanden einfacher als für uns.

Das würde stimmen, wenn wir Menschen als Kollektive betrachten würden und die individuellen Erfahrungen außen vor lassen. Damals war es nämlich durchaus auch so, dass sich viele ihren Job nicht aussuchen konnten oder durften, sondern die Eltern (meist der Vater) bestimmt hat wo es lang geht.

Als ich Junge war, wurde mir mehr zugetraut als den Mädchen, und mehr als den, wie man damals sagte, »Ausländern« sowieso.

Du musst ein scheiß soziales Umfeld gehabt haben. Vermutlich kommt daher dein Rassismus und Sexismus. Er war für dich normal, du hast ihn auch angewendet und nun hast du gelernt, dass Rassismus und Sexismus scheiße ist und deshalb überkompensierst du jetzt.

Schau mal. Ich komme aus dem erzkonservativen Münsterland. Ebenso wie meine Mutter und ihre vier Schwestern. Alle fünf sind älter als du und alle fünf haben eine gute Ausbildung genossen. Alle fünf sind sehr zufrieden mit ihrem Leben. Zwei der fünf sind an „den Schaltstellen der Macht“ und das obwohl mein Opa alleinerziehend war.

In der Astronomie-AG begrüßte die Lehrerin die beiden einzigen Mädchen mit den Worten, es ginge hier aber nicht um Sternzeichen, und ob sie sich verirrt hätten. Sie kamen dann auch nicht wieder.

Möglicherweise wusste die Lehrerin, dass die beiden Horoskope und so ’nen Zeug abfeiern und hat ihnen das darum gesagt. Weshalb die Mädchen dann auch nicht wiedergekommen sind, weil es sie dann nicht mehr interessiert hat. Du implizierst zwar, dass es ein Vorurteil der weiblichen Lehrkraft war, aber um das zu belegen hast du eindeutig zu wenig Informationen gegeben.

Auf der Journalistenschule sagte der Filmkritiker einer Münchner Zeitung warnend vor der Textübung, es tät’ ihm Leid, aber er hätte noch nie »ein Mädel gesehen, das eine gute Filmkritik schreiben kann«.

Also wünschte er sich endlich ein Mädel, dass eine gute Filmkritik schreibt, damit sein Leiden beendet ist?

Den Musiklehrer, der den polnischen Mitschüler »Polacke« nannte, entschuldigte der Direktor routiniert mit dessen Kriegserfahrungen.

Na, endlich haben wir mal ein Beispiel, dass man kaum anders deuten kann, als du implizierst.

Die Beispiele sind in alle Richtungen endlos.

Warum nennst du dann nicht die Beispiele aus den positiven Richtungen? Da wo Menschen anderer Hautfarbe/Nationalität bzw. weiblichen Geschlechtes gleich behandelt wurden oder unterstützt wurden? Wo Menschen Stereotype angegriffen haben und gesagt haben: Nur weil du so geboren wurdest, heißt es nicht, dass du X nicht kannst.

Oder da wo man Dir gesagt hat, dass Du gefälligst was Vernünftiges zu lernen hast weil man von dir erwartete, dir den Arsch für eine Familie abzuarbeiten, du du gefälligst zu gründen und zu versorgen hast. Denn sonst bist Du ein Totalversager.

Oder da wo man dir gesagt hat, dass du als Deutscher die Schuld am 2. Weltkrieg und den Holocaust hast obwohl du zu der Zeit in der diese Grausamkeiten stattgefunden haben noch nicht einmal in der Planung warst.

Das passt natürlich nicht in das Narrativ.

Nie hat damals jemand zu mir etwas Negatives gesagt oder mich schlecht behandelt, weil ich weiß und männlich war.

Ganz bestimmt ist das absolut NIE passiert. Du wurdest nie auf dem Schulhof verprügelt weil du etwas gesagt hast was dem Klassenrüpel nicht gefallen hat. Was er natürlich bei gleicher Situation mit einem Mädchen genauso gemacht hätte… Ganz bestimmt.

Und natürlich musstest du nicht zur Musterung und dich vor einem wildfremden Menschen nackt ausziehen und dich von diesem unter Androhung staatlicher Gewalt befummeln lassen.

Selbst, als ich mein Praktikum bei der taz nicht bekam, weil sie wegen der Quote nur Frauen nahmen, scherzte der Redakteur, ich könnte mich höchstens »für 20.000 Mark umoperieren« lassen, und es täte ihm leid.

Ach so, einen Job nicht zu bekommen, weil du als Mann geboren wurdest, fällt natürlich in die Kategorie „nie schlecht behandelt werden“.

Ich wurde von Mann zu Mann getröstet. Das war 1988.

Und das hat jetzt welche Relevanz? ‚Ich hab zwar den Job nicht bekommen, weil ich ein Mann bin (man weiß ja: die Privilegierten, die alles in den Arsch geschoben bekommen), aber immerhin hat mich ein anderer Mann (also auch ein absolut privilegierter, alles-in-den-Arsch-geschoben-Bekommer) getröstet. Das ist ja quasi, als wenn er mir den Job zwar nicht gegeben hätte, aber dafür mir monatlich das doppelte Gehalt bis an mein Lebensende monatlich überweist.‘

Denkst du eigentlich noch drüber nach was du schreibst?

Wer mich alt nennt, sagt, dass ich aus einer Zeit komme, in der Männer es noch leichter hatten als heute, und ich finde diesen Hinweis wichtig.

Von uns beiden bist du der einzige der dich alt nennt. Und von uns beiden bist du der einzige, der ernsthaft glaubt, dass Männer es früher einfacher hatten.

In einer Welt, in der Weiße seit Jahrhunderten die Macht haben, kann es per Definition keinen »umgekehrten Rassismus« geben

Der Gedanke, dass man wegen seiner Privilegien Vorteile hatte und hat, ist unheimlich, weil dieser Gedanke die eigene Lebensleistung in Frage zu stellen scheint:

Er scheint ja nicht nur die Lebensleistung in Frage zu stellen, er macht das direkt. Diese Zuschreibung von Privileg auf Basis von Geburtsmerkmalen sagt nichts anderes, als dass du WEIL du dieses oder jenes Geburtsmerkmal hast, keine so hohe Lebensleistung hast wie jemand der in vergleichbarer Position ist, aber diese Merkmale eben nicht hat. Deine individuelle Leistung verschwindet hinter der (fehlerhaften) Annahme über das Kollektiv.

Eigentlich, so hat es Sophie Passmann gerade schön formuliert, müsste man sich doch als Mann immer fragen, ob man einen Job nur bekommen hat, weil man ein Mann ist, und nicht wegen der Qualifikation.

Womit du dann bestätigt hättest, dass dieses Privilegiengequassel eine Infragestellung der eigenen Lebensleistung wäre.

Warum ist es so schwierig, das einzusehen?

Weil es eine Aufforderung dazu ist etwas zu tun was man aus irgendwelchen Gründen eigentlich machen sollte und keine Argumentation oder Tatsachenbehauptung.

Es gibt beeindruckende soziologische Forschung darüber, wie schwer es Gruppen und einzelnen fällt, ihre Privilegien wahrzunehmen.

Vor allem dann, wenn diese Privilegien Geburtsmerkmalen zugeschrieben werden, die nichts mit dem Geburtsmerkmal zu tun haben.

Von den Schlüssen, die man daraus ziehen müsste, ganz zu schweigen. Besonders deutlich wird das nun bei der Hautfarbe und den Vorteilen, die sie einem verschafft. Die Soziologin Robin DiAngelo hat ein wunderbares Buch über dieses Thema geschrieben, das es leider noch nicht auf Deutsch gibt: Es heißt White Fragility, also »weiße Zerbrechlichkeit« oder »weiße Empfindlichkeit« und handelt davon, warum Weiße so große Schwierigkeiten haben, über Rassismus zu reden.

Genau, weil wir Deutschen (mehrheitlich weiß) natürlich NIE über Rassismus reden, weil wir NIE die Grausamkeiten des zweiten Weltkrieges und des Holocausts benennen. Und natürlich benennen wir auch NIE, dass Rassismus eine der Ursachen dieser Grausamkeiten war. Frau DiAngelo ist offensichtlich nicht gerade der hellste Stern am Firmament. Aber das haben Rassisten halt so an sich. Sie sind scheiße dämlich.

Diese Schwierigkeiten beginnen mit einem Missverständnis und damit, dass wir uns von einer alten Vorstellung von Rassismus verabschieden müssen.

Komma weil? Warum müssen wir uns davon verabschieden? Ich würde ja so argumentieren, dass eine veraltete Vorstellung von Rassismus ist, dass Rassismus nur von Weißen ausgehen kann, wobei wir heutzutage wissen, dass auch Menschen anderer Hautfarben die gleichen Handlungen aus den gleichen Motiven durchführen, die bei einem Weißen als „Rassismus“ bzw. „rassistisch“ bezeichnet werden würden. Da wir Nicht-Rassisten aber Menschen aller Hautfarben nach den gleichen Standards bewerten, muss auch für Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe gelten, dass diese Handlungen rassistisch sind.

Im Allgemeinen definieren wir Rassismus als, wie DiAngelo schreibt, diskriminierende Handlungen, die von »bösen« oder »unmoralischen« Individuen absichtlich begangen werden. Auf Grundlage dieser Definition werden weiße Männer wütend und rufen »rassistisch!«, wenn man sie »weiße Männer« nennt und sagt, sie hätten an diesem oder jenem Ort nichts zu suchen, etwa in den Kommentaren unter »MeTwo«-Twitter-Erfahrungsberichten.

Also basierend auf dieser allgemeinen Definition haben diese weißen Männer also vollkommen Recht. Und da es sich bei den als rassistisch kritisierten Texten um absichtlich geschrieben Texte von Menschen handelt die andere Menschen auf Grund ihrer Hautfarbe bzw. ihres Geschlechtes verurteilen (gemeinhin Rassisten/Sexisten oder auch ekelhafte/böse/menschenverachtende Wichser genannt) ist ihre Wut auch berechtigt. Es ist schön, dass es so viele alte, weiße Männer gibt, die mit Wut auf Rassismus reagieren. Das zeigt, dass wir als Gesellschaft auf einem guten Weg sind.

Fachlich aber ist diese Definition völlig überholt und, wie wir in unseren Debatten täglich sehen, schädlich. Weil sie leugnet, dass Rassismus nicht die Verirrung einzelner, sondern eine der Grundlagen unserer Gesellschaft ist.

Bitte was? Rassismus ist eine der Grundlagen unserer Gesellschaft? Artikel 3 Absatz 3 Satz 1 unseres Grundgesetzes:

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

Kein einziges Land dieser Welt hat so viel gegen Rassismus getan wie Deutschland. Bis vor wenigen Jahren war Deutschland eines der weltweit angesehensten Länder. Es galt (und gilt) als eines der weltoffensten Länder dieses Planeten. Die halbe Welt hat uns ob unserer offenen Migrationspolitik für durchgeknallt erklärt. Aber Rassismus ist eine Grundlage unserer Gesellschaft… alles klar.

Versteh mich nicht falsch. Rassismus ist und war immer ein Problem in Deutschland, aber ihn als Grundlage unserer Gesellschaft zu erklären…

Alter Verwalter. Du hast dich noch weiter von der Realität entfernt als es Reichsbürger tun.

DiAngelo legt dar, wie die Soziologie Rassismus definiert: als strukturelles System, in dem weiße Menschen »soziale und institutionelle Macht über people of color« haben.

Clever. Eine neutrale Definition über das Verhalten von Individuen stumpf umzudefinieren in eine einseitige Betrachtung von Systemen.

Du hattest also vorhin Recht: Es gibt ein Missverständnis. Und zwar zwischen Menschen die der deutschen Sprache mächtig sind und rassistischen Soziologen die eine vollkommen behämmerte Definition von Rassismus verwenden.

Warum zum Geier sollten wir eine neutrale Definition gegen diesen geistigen Abfall eintauschen? Diese Definition beschreibt ja nicht einmal Handlungen. Sie beschreibt ein System. Und solange weiße Menschen (nicht einmal alle oder die meisten, sondern nur ein paar) soziale und institutionelle Macht über POC (nicht einmal alle oder die meisten, sondern nur ein paar) haben, ist das System Rassismus. Und weil das System dann Rassismus ist, bist du als Weißer – vollkommen ungeachtet deiner individuellen Verhaltensweisen – ebenfals Rassist.

Unsere Gesellschaft beruht auf dieser ungleichen Machtverteilung, von den Bildungs-, Job- und Wohnungschancen, der politischen Repräsentation, der Wohlstandsverteilung, der Strafverfolgung bis hin zum medialen Echo auf »MeTwo«.

Fangen wir bei dem einfachsten an.

Macht wird nicht verteilt.

Mit der Erststimme bei unseren Bundestagswahlen wählen wir unsere Repräsentanten in Person und mit der Zweitstimme unsere Repräsentanten in Parteiform. Also kann hier jeder Wahlberechtigte seine politischen Repräsentanten selbst wählen (oder sogar selbst zu einem solchen werden). Ich wüsste nicht, dass es hier irgendwelche Einschränkungen bzgl. der Rasse oder des Geschlechtes gibt.

Die Bildungschancen von Menschen mit Migrationshintergrund sind oftmals tatsächlich schlechter, denn sie müssen oft neben dem eigentlichen Unterrichtsstoff auch eine neue Sprache lernen. Zudem werden im Heimatland erworbene Qualifikationen hier oft nicht anerkannt, so dass man hier noch einmal Zeit aufwenden muss um eine entsprechende Qualifikation zu erwerben und verliert so Zeit. Das kann dir allerdings auch als weißer US-Amerikaner passieren.

Da die Qualifikationen oft nicht anerkannt werden und die Bildung schlechter ist, sind natürlich auch die Jobchancen schlechter. Auch für den weißen US-Amerikaner.

Zudem ist es einfacher eine Wohnung zu bekommen, wenn man ein geregeltes Einkommen hat (musste ich bei meinen Mietwohnungen übrigens immer nachweisen) und die Kaution problemlos hinterlegen kann, was natürlich ohne Job schwieriger ist.

Was ich damit sagen will: Viele der Probleme bedingen sich (einen Job zu bekommen wenn man Obdachlos ist, ist auch nicht gerade einfach) und sind nicht rassen- oder geschlechtgebunden. Natürlich gibt es individuelle Fälle in denen gegen Individuen diskriminiert wurde, weil sie eine bestimmte Hautfarbe haben. Ganz unzweifelhaft. Aber die Behauptung, dass unsere Gesellschaft darauf beruht grenzt an geistiger Umnachtung.

Und nicht nur das: Jeder weiße Mensch ist hierzulande in dem unausgesprochenen Bewusstsein aufgewachsen, dass weiß zu sein die Norm ist, und dass alle anderen anders sind.

Nein echt? Du meinst, dass in einem Land, in dem weit überwiegend weiße Menschen wohnen, bemerken die Leute, dass es normal ist weiß zu sein und das Menschen, die von diesem Normalzustand abweichen anders sind? Kannste mir nich erzählen. Das ist ja fast so als wenn Menschen bemerken, dass es normal ist eine Nase im Gesicht zu haben und auch bemerken, dass keine oder zwei Nasen zu haben anders ist.

Was für eine bahnbrechende Erkenntnis.

Wir Weißen konnten uns erlauben, den Rassismus um uns herum nicht wahrzunehmen, weil wir nie unter ihm zu leiden hatten.

Konnten wir ja auch nicht, denn Rassismus ist ja ein strukturelles System in dem weiße, POC unterdrücken oder so.

Spaß beiseite. Hör auf mit deinem Kollektivistenscheiß. Du hast nicht den Hauch einer Ahnung über die individuellen Erfahrungen der einzelnen Menschen, die „weiß“ sind. Es mag dir entgangen sein, aber wir Deutschen reisen ganz gerne. Glaubst du nicht, dass einigen von uns im Ausland schon mal rassistisch begegnet wurde (Heil Hitler Begrüßungen z.B. [mir 2x passiert] oder man uns Individuen, die wir damals noch nicht geboren waren, unterstellt,  die Schuld am Holocaust zu tragen und deshalb angefeindet werden). Mal ernsthaft jetzt. Hast du dich derartig weit von der Realität verabschiedet, dass du so einen grenzdebilen Müll von dir gibst?

Natürlich, wir haben NIE den Rassismus um uns herum wahr genommen. Deshalb sind auch nicht die Alliierten (bestehend aus primär „weißen“ Staaten) in Deutschland einmarschiert um den Genozid zu stoppen. Es hat in den USA nie eine Bürgerrechtsbewegung gegeben um die Trennung zwischen Schwarzen und Weißen zu beenden und den Rassismus zu bekämpfen. Und natürlich waren NIE Weiße daran beteiligt. Und Weiße, die sich solidarisch oder sogar nur neutral gegenüber Schwarzen gezeigt haben wurden auch nie vom KKK als Rassenverräter gejagt.

Und auch nie wurden, wie in Südafrika, Weiße von ihren Ländereien vertrieben, weil sie weiß sind.

Nein, natürlich. Du hast vollkommen Recht. Weiße mussten nie unter Rassismus leiden und sie haben ihn auch nie wahrgenommen (weil Weiße, anders als POC, keine Empathie haben – oder so).

Den Stress, im eigenen Alltag immer erstmal über die Hautfarbe, die Sprache oder auch nur den Namen definiert zu werden, kennen wir nicht.

Ich mag mich täuschen, aber ich denke, dass diese Definition über Hautfarbe/Sprache/Name das ist, was die „alten, weißen Männer“ so aufregt, die so wütend unter den Artikeln kommentieren.

Aus diesem Grund ist dann eben auch der immer wieder aufgewärmte Vorwurf unsinnig, als Weißer verbal angegriffen zu werden sei Rassismus.

Selbst wenn wir tatsächlich solche rassistischen Erfahrungen nie gemacht hätten, wie du angenommen hast, dann wäre dies halt das erste Mal. Und daher immer noch Rassismus.

Mag sein, dass das ein feindseliger Akt ist. Aber Feindseligkeit ist kein Rassismus.

Ähm ja. Stimmt. Feindseligkeit ist kein Rassismus. Feindseligkeit wegen der Hautfarbe ist Rassismus.

In einer Welt, in der Weiße seit Jahrhunderten die Macht haben und die Spielregeln bestimmen, kann es per Definition keinen »umgekehrten Rassismus« geben.

Wir leben aber nicht in „seit Jahrhunderten“ sondern im jetzt. Und ob wir die Spielregeln bestimmen oder nicht sagt nichts darüber aus ob eine Handlung oder Aussage rassistisch ist oder nicht.

Aber ich stimme dir zu. Es kann per Definition keinen umgekehrten Rassismus geben, denn die Definition ist neutral. Die gleiche (feindselige) Handlung aus dem gleichen Motiv (Hautfarbe) ist Rassismus. Punkt aus Ende.

Es hieße, die europäische Geschichte auf den Kopf zu stellen oder zu leugnen.

Nein, es hieße die Definition von Rassismus zu kennen und anzuwenden, und nicht irgendeine Worthülse einer daher gelaufenen Soziologin die mal eben allen nicht-weißen für rassistisches Verhalten die Absolution erteilt. Hör auf Rassisten zu decken.

Diese Sichtweise mag man von vornherein ablehnen. Man kann aber auch darüber reden und etwas daraus lernen.

Zum Beispiel, dass man alle Menschen nach den gleichen Standards messen sollte und nicht auf Basis ihrer Hautfarbe unterschiedliche anlegen sollte. Aber das würde ja bedeuten kein Rassist zu sein, und das geht natürlich gar nicht.

Das wäre unendlich viel besser, als die Rassismus-Erfahrungen anderer abzustreiten und sich aufzuregen, wenn man wegen seiner uninformierten Kommentare Gegenwind bekommt.

Sorry, aber DU hast Weißen kollektiv Rassismuserfahrungen abgesprochen. Und wenn sie diese benennen, nennst du sie uninformiert, weil sie eine gänge Definition von Rassismus verwenden und nicht eine Eigendefinition einer Doktorin der Soziologie aus einem Buch, dass noch nicht einmal in der deutschen Sprache (die wir ja hier verwenden) erhältlich ist. War doof ne? Merkste selber.

»Weiße Zerbrechlichkeit«, das trifft sehr gut, was passiert, wenn alte weiße Männer sich dagegen wehren, alte weiße Männer genannt zu werden.

Sie wehren sich dagegen als Kollektiv behandelt zu werden. Sie wehren sich dagegen, dass sie als Individuen nicht anerkannt werden. Sie wehren sich gegen eure verf***te Dämonisierung. Sie wehren sich gegen Rassismus.

Es tut weh, weil es sich ungerecht anfühlt, für etwas angegriffen zu werden, das man sich nicht ausgesucht hat, und was ja per se auch nichts Schlechtes ist, und deshalb reagiert man empfindlich und zerbrechlich und beleidigt zurück, von oben nach unten.

Moment, wie war das? Ich zitiere mal von weiter oben: „ […] und die jetzt an den kleinen und großen Schaltstellen der Macht angekommen sind (etwa jener, hier für Geld seine Meinung schreiben zu können)“. Also du bist in einer Position der Macht und erzählst etwas über alte, weiße Männer. Und alte, weiße Männer finden es scheiße darauf reduziert zu werden und reagieren entsprechend – von oben? nach unten?.

Jetzt mal ehrlich. Glaubst wirklich allen ernstes, dass all die Männer, die empfindlich auf solche Artikel und Aussagen reagieren, in höheren/mächtigeren Positionen sind?

Es ist schon merkwürdig, dass du es, obwohl du es sogar sagst, offensichtlich nicht verstehst, in was für einer Position du (als Individuum) bist. Und wie sehr du von oben herab über andere redest und urteilst – weil sie geboren wurden wie sie geboren wurden. Du weißt NICHTS über diese Menschen. Nichts du scheiß sexistisches Rassistenschwein.

Ja, keiner von uns hat es sich ausgesucht, alt, weiß und ein Mann zu sein. Aber jeder einzelne sucht sich aus, ob er weiter auf Kosten anderer davon profitieren möchte.

Der Pfad zur Erlösung:

1.: Erkenne, dass du moralisch verwerflich gehandelt hast.

2.: Erkenne, dass du komplett unten durch wärst, wenn du deine individuelle Schuld anerkennen würdest.

3.: Tue einfach so ob alle anderen auch diese moralische Verwerflichkeit begangen hätten.

4.: Prangere das Problem an und schließe dich mit ein, so hast du deine Schuld öffentlich gemacht ohne im Fokus der Sühne stehen zu müssen. (Protipp: Senke demütig das Haupt)

5.: Stelle alle vor eine Wahl ob sie deine Schuld übernehmen und du fein raus bist oder deine Schuld mit sühnen (und du damit fein raus bist)

6.: Lass Dich dafür feiern, dass das erkannt hast.

Vorteile aufgeben ist schwierig, und ich bin überzeugt, die meisten meiner Privilegien sehe ich nicht mal, oder ich lüge mir in die Tasche.

Vor allem siehst du die nicht, die du dir erarbeitet hast und du siehst welche, wo keine sind.

Aber man muss auch nicht so tun, als würde man daran zerbrechen.

Tut ja auch keiner. Die Leute sind wütend, weil sie rassistisch angegangen werden. Und wir hatten uns mal darauf geeinigt gegen Rassismus vorzugehen und Menschen als Individuen zu betrachten.

Es ist nichts Schlechtes, ein alter weißer Mann zu sein.

Und doch gibt es zig Artikel darüber wie schlecht doch der alte, weiße Mann in diesem, jenen oder allen Bereichen ist und das er im Sinne der Diversity ausgetauscht gehört.

Im Gegenteil. Es war eben immer überproportional gut, im Sinne von: buchstäblich vorteilhaft.

Einfach mal von einer moralischen Wertung in eine funktionale Wertung wechseln. Klassiker.

Über diese Vorteile und wie wir sie abgeben können, müssen wir reden.

Nun, ich würde vorschlagen, du kündigst einfach deinen Job, verschenkst deine Wohnung an eine woman of colour verteilst dein Geld an nicht-weiße und lebst fortan auf der Straße oder, um sicher zu gehen, dass dich dein Weiß-Sein nicht wieder mit lästigen Vorteilen bedenkt, könntest du dir eine schwarze Haut tätowieren lassen.

Und das geht nur, wenn wir die Dinge und uns beim Namen nennen.

Ich nenne dich: Rassistenschwein.

Black Buffy – The Modern Reboot Slayer

!! Dieser Beitrag enthält Spoiler !!

Eine meiner Lieblingsserien, wenn nicht gar DIE Lieblingsserie von mir, ist Buffy (Comics nie gelesen -> Wissen vom Inhalt nur über Wikipedia; Angel nur sporadisch gesehen). Mein Wissen über das „Buffyverse“ ist also auf die eigentliche Serie beschränkt.

Es soll nun einen Reboot geben mit einer dunkelheutigen Hauptdarstellerin in der heutigen Zeit. Ich habe unterschiedliche Artikel dazu gelesen, die in Tonart und Informationsgehalt durchaus unterschiedliche Sachen sagten. Allerdings sind drei Fakten gleich geblieben: Reboot, heutige Zeit, dunkelhäutige Hauptdarstellerin.

Reboot

Ich schaue mir die Buffy Serie immernoch gerne an (wobei sie momentan meist eher im Hintergrund läuft). Was die Serie in meinen Augen ausgemacht hat war, dass neben der guten Schauspielleistung die erzählten Geschichten mehrere Ebenen hatten.

Vordergründig war die kleine, zierliche Blondine die auf unterschiedliche Art unterschiedliche Monster erlegen musste, während sie gleichzeitig versuchte, ein möglichst normales Leben zu führen in einer Welt, die Dämonen und Vampire zwar wahrnimmt, aber nicht Wahrhaben will. Dass Buffy eine zierliche kleine Blondine war, war ja durchaus Absicht, denn das entspricht ja durchaus dem cineastischen Archetypen des Monsterfilm-Opfers, was hier bewusst umgedreht werden sollte

Doch stehen die diversen Dämonen und auch übernatürlichen Phänomene auch für Schwierigkeiten des Lebens, für psychische Krankheiten und das erwachsen werden. Auch Beziehungen werden eingehend behandelt in ihren unterschiedlichen Formen behandelt (Fun Fact: Buffy war die erste Serie, die eine lesbische Beziehung zeigte).

Die gesamte Serie startet damit, dass Buffy ihre Verantwortung ablehnt, spannt den Bogen darüber, dass sie diese akzeptiert, später lernt damit umzugehen, Kontrolle über die Regeln zu erhalten um dann gegen Ende der Serie die Regeln vollkommen auf den Kopf zu stellen.

Doch genau hier liegt das Problem des Reboots. Die Buffy-Serie hat eine riesige Palette all dieser Themen schon sehr gut behandelt und bearbeitet. Ein Reboot müsste die Charakterentwicklung von vorne starten und interessant gestalten ohne dabei Buffys Charakterentwicklung zu ähnlich zu sein. Wobei gleichzeitig eine Vielfalt an neuen Themen behandelt werden müssten, die bisher noch nicht besprochen wurden. Jägerinnen sterben in der Regel jung, weshalb bei der Charakterentwicklung erneut typische „erwachsen werden Geschichten“ behandelt werden müssten. Damit ist die Zahl der zu behandelnden Themen schon arg limitiert. Andererseits ist Joss Whedon ein hervorragender Geschichtenerzähler.

Einfacher wäre das Ganze natürlich, wenn man nicht einfach alles neu erzählt, sondern auf dem Vorhandenen aufbaut. So hat Willow am Ende der 7. Staffel alle potentiellen Jägerinnen zu Jägerinnen gemacht. D.h. man könnte zum Beispiel beliebig zwischen unterscheidlichen Jägerinnen auf der Welt wechseln. Was sowohl kulturelle Unterschiede beleuchten könnte, als auch eine Vielfalt unterschiedlicher Charaktere beschreiben könnte.

Der Reboot hat natürlich den Vorteil (oder auch Nachteil, je nachdem wie man es sieht), dass er nicht auf die Geschehnisse (in den Comics, der Originalserie, Angel) Rücksicht nehmen muss. So kann Sunnydale noch existieren, die Jäger-Squads sind nicht existent, es gibt nur eine Jägerin usw. .

Die heutige Zeit

Ich finde es durchaus interessant Buffy in die heutige Zeit zu verlegen. Wo Willow die einzige in der Scooby-Gang war die internetaffin war, bietet sich in der heutigen Zeit eine größere Möglichkeit für Charaktere nützlich zu sein ohne Superkräfte zu haben. In der Serie waren dies nur Giles, Xander (zwischenzeitlich Anya) und Dawn.Wobei Giles als Wächter über profundes Wissen und auch (aus Trainingsgründen) Kampftechniken verfügte und Anya aufgrund ihrer jahrhundertelangen Dämonen-Erfahrung über viel Hintergrundwissen verfügte. Heute ist die Fähigkeit Google zu bedienen doch recht weit verbreitet.

Andere Möglichkeiten, wie nicht-superkraft-Charaktere nützlich sein könnten sind Fähigkeiten im variantenreichen 3D-Druck oder schlicht Drohnennutzung (zur Aufklärung).

Dies sind nützliche Sachen die durchaus ein normaler Mensch positiv in die Gruppe einbringen kann.

Dunkelhäutige Hauptdarstellerin

Geht es um die dunkelhäutige Hauptdarstellerin gab es unterschiedliche Artikel. Manche haben geschrieben, dass Wert darauf gelegt wurde, dass die Hauptdarstellerin eine dunkle Hautfarbe hat, andere hingegen ließen es so erscheinen, als wenn diese Schauspielerin nur zufällig dunkelhäutig sei.

Setzen wir den Fall, dass dies nur zufällig so ist, dann habe ich damit überhaupt kein Problem. Es gab schon dunkelhäutige Jägerinnen (Nikki Wood, Kendra Young) und es wird nie ein Zweifel daran gelassen, dass Jägerinnen überall auf der Welt berufen werden können ( z.B. tötet Spike eine chinesische Jägerin).

Nehmen wir aber den Fall, dass gezielt eine dunkelhäutige Schauspielerin gewählt wurde, muss ich etwas weiter ausholen.

Sarah Michelle Gellar wurde als kleine, zierliche Blonde gecastet um den cineastischen Stereotyp des Monsterfilm-Opfers entgegenzuwirken. Hier wurde also auch durchaus auf die Optik geachtet. Und da man Blondinen eher selten bei nicht-weißen findet, war die Hauptdarstellerin nahezu zwangsläufig auch weiß. Ihr Casting stellt eine gewisse Kritik an cineastische Stereotype dar.
Ich kenne allerdings keinen cineastischen Stereotyp des Monsterfilms der eine dunkelhäutige Hauptdarstellerin rechtfertigen würde weil sie dunkelhäutig ist. Wobei es natürlich andere Stereotype gibt, die cineastisch immerwieder wiederholt werden, die man durch die Charakterzeichnung kritisieren kann. Z.B. könnte die neue Buffy/Jägerin weder R’n’B noch Hip Hop hören, aber dafür voll auf bayrische Volksmusik stehen – oder eben Metal oder Rock oder so.

Eine dunkelhäutige Hauptdarstellerin zu wählen weil sie dunkelhäutig ist ohne irgend einen weiteren Hintergrund wäre allerdings meiner Ansicht nach grundlegend verkehrt. Es wäre nur ein weiterer Baustein in der Identitätsideologie basierend auf der Hautfarbe (im Volksmund auch „Rassismus“ genannt).

Doch wie gesagt: Joss Whedon ist ein guter Geschichtenerzähler. Was uns zum letzten Punkt bringt den ich besprechen möchte.

Joss Whedon und Buffy – SJWs und SJW-Kritik

Joss Whedon ist Feminist und oftmals äußert er sich auch SJW-mäßig.

Während der gesamten Buffyserie ist durchaus als feministische Serie angelegt gewesen und es wird immer wieder Bezug auf SJW Themen genommen.

Buffy ist als Frau eine starke Kämpferin und Anführerin, sie ist eine Heldin. Wobei Joss Whedon nicht den Fehler macht, sie zu einer Marry Sue zu machen. Sie hat bis zum Ende der Serie Fehler, sie trifft falsche Entscheidungen, sie kann nicht alles, sie braucht Freunde, sie muss trainieren, sie muss üben, sie muss lernen.

Es gibt eine Folge wo ein Indianer-Geist Rache für die Grausamkeiten nehmen will, die seinem Stamm durch die Einwanderer angetan wurden. Wobei Willow und Buffy die Erbschuld als Weiße auf sich nehmen, sich schuldig fühlen und das Verhalten des Geistes entschuldigen wollen (*1), sehen Giles und Spike das anders. Wobei Giles sich darauf fokussiert, dass der Geist ihnen JETZT Schaden zufügt/sie töten will und alle Schuldgefühle jetzt nichts bringen (zumal Buffy, Willow etc. eh nichts für die damaligen Geschehnisse können), sowie darauf, dass keine Aussöhnung möglich ist. Spike hingegen macht klar, dass die damaligen Geschehnisse ein typischer Lauf der Geschichte sind.

Als Willow zur Hexengruppe an der Uni geht – wo auch Tara (*2) ihren ersten Auftritt hat – mockiert sie sich nachher über „Frauenpower, Menstruationsblödsinn, blabla“ (Gedächtniszitat;-) ).

In der ersten Staffel kommt es zu folgendem (sinngemäßen) Dialog
Giles: „Emily Dickinson ist sehr begabt für eine…“
Buffy: „… eine Frau?“
Giles: „… für eine Amerikanerin.“

Einerseits macht sich die Originalserie durchaus über manche Auswüchse des Feminsmus und des SJW-Tums lustig, andererseits werden durchaus feministische und SJW-Themen aufgegriffen. Gut verpackt wie in der Originalserie kann das durchaus gut funktionieren.

 

Ich bin gespannt, was die Serie so mit sich bringen wird. Ich befürchte das Schlimmste, aber… Joss Whedon ist ein guter Geschichtenerzähler.


(*1) Ich finde die Darstellung von Willows und Buffys Verhalten in dieser Folge etwas überzeichnet, da sie weder vorher noch nachher auch nur annähernd in diese Verhaltensweise verfallen. Ich habe allerdings keine Ahnung ob diese Überzeichnung Absicht ist um die Absurdität des Verhaltens in dieser Situation zu zeigen, oder ob das ernst gemeinter moralischer Konflikt gedacht war.

(*2) Hervorragende Charakterdarstellung durch Amber Benson von der verschüchterten, ängstlichen jungen Frau, die durch Freunde und Beziehung aufblüht zur selbstbewussteren Frauen, die dennoch immer wieder verunsichert wird.

 

Väterrechte

Ich wurde kürzlich darum gebeten mehr über die Rechte von Vätern zu sprechen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich selbst dort sehr wenig Erfahrungen und Kenntnisse habe. Ich kann höchstens von Anekdoten aus meinem (teils entfernten) Bekanntenkreis sprechen.

Es gibt andere Blogs/Websites die sich damit intensiver und fachlich korrekter auseinander setzen. Z.B. Kuckucksvater und man-tau.

Jetzt ist es natürlich so, dass ich an anderer Stelle schon angemerkt habe, dass mich Artikel 6 (4) unseres Grundgesetzes schon etwas irritiert.

(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.

Warum nur jede Mutter? Warum nicht auch jeder Vater? Auch Väter können alleinerziehend sein.

Kommen wir mal zu meinen Anekdoten. Aus meinem Verwandtenkreis habe ich tatsächlich kein einziges Beispiel aus dem ich etwas erzählen könnte. Mein Patenonkel ist zwar alleinerziehend gewesen, allerdings weil seine Frau verstorben ist. Zudem war das jüngste Kind bereits 17 Jahre alt. Hier hat sich väterrechtlich nicht viel getan. Eben dieses Kind – ein Sohn – hat eine Tochter mit seiner Ex-Freundin zusammen. Und diese gescheiterte Beziehung ist ein gutes Beispiel dafür, dass trotz gescheiterter Beziehung die gemeinsame Erziehung der Kinder immer noch gut funktionieren kann.

Ähnlich sieht es auch bei meiner Schichtleitung aus. Sie hat drei Kinder ungefähr in meinem Alter und sie Lebt seit mittlerweile ~15 Jahren getrennt und geschieden von ihrem Ex-Mann. Auch hier hat die gemeinsame Erziehung wunderbar funktioniert.

Ich kenne allerdings auch andere Fälle.


Während meiner Ausbildung zum Heilerziehungspfleger (meine 2. Ausbildung) war ich mit einem jungen Mann in der Klasse,  der sehr hart um das Umgangsrecht mit seinem Sohn kämpfen musste. Er hatte das Glück, dass die Eltern der Mutter (er und die Mutter waren beide zum Zeitpunkt der Geburt des Sohnes unter 18) sehr vernünftig waren und positiv auf die Mutter eingewirkt haben und auch bei Jugendamtterminen durchaus mal Partei für meinen Ausbildungskollegen ergriffen haben, wenn irgendwelche Aussagen zu viel sachzwangreduzierte Ehrlichkeiten enthielten. Auch haben die Eltern darauf bestanden, dass mein Ausbildungskollege den gemeinsamen Sohn regelmäßig sieht.

Das Problem war/ist, dass die Mutter bei nichtehelichen Kindern ersteinmal das alleinige Sorgerecht hat und das ein Vater das Sorgerecht erst beantragen muss oder gemeinsam mit der Mutter eine gemeinsame Sorgerechtserklärung abgeben muss.

Diese hatte die Mutter verweigert und in dem Gerichtsverfahren vor dem Familiengericht hatte sie versucht das Sorgerecht meines Ausbildungskollegen anzufechten. Sie hat dies aber irgendwann fallen gelassen und das gemeinsame Sorgerecht akzeptiert.

Ich habe ihn nach unserer Ausbildung aus den Augen verloren, allerdings war die gemeinsame Erziehung bis zum Ende unserer Ausbildung noch im vollen Gange und es gab auch keine Probleme mit Besuchen o.Ä.. Da ich mit ihm zusammen ein paar Projekte gemacht habe, bin ich auch mit seiner Exfreundin in Kontakt gekommen, die ein paar der Sachen bestätigte – wobei ich sie natürlich nicht ausgefragt habe.


Über den Fall einer Mitauszubildenden weiß ich nicht sonderlich viel. Sie hat ebenfalls einen Sohn mit einem Mann den sie… nicht sonderlich wertschätzt. Auch hier ein uneheliches Kind. Sie hat einmal gesagt (sinngemäß): „Von dem Versager will ich kein Geld, ich will keine Unterstützung und auch keinen Kontakt.“ Allerdings war es wohl auch so, dass er keinen Kontakt zu ihr oder dem Sohn haben wollte. Ob das stimmt, weiß ich nicht.


Der dritte und letzte Fall aus meiner Heilerziehungspflegerausbildung ist ein Mitauszubildender um die 50. Dieser hat ebenfalls einen unehelichen Sohn. Zur damaligen Zeit war das allerdings noch ein no-go, weshalb er die Mutter heiratete. Die Beziehung ging allerdings schnell in die Brüche und er konnte nur ein Besuchsrecht für jedes zweite Wochenende erwirken. Dieses wurde allerdings oft unterbunden, indem das Kind (angeblich) bei Freunden/der Oma war oder angeblich krank war.

Das dies nicht stimmte ist natürlich immer schnell aufgeflogen, weil beim nächsten Besuch Fragen kamen, wie es denn bei der Oma oder bei dem Freund war bzw. es dem Sohn besser ginge usw. . Oder halt eben umgekehrt, wenn der Sohn fragte, warum mein Ausbildungskollege beim letzten Mal nicht da war.

Als die Mutter darauf angesprochen wurde, wurde dieses Verhalten noch extremer bis mein Ausbildungskollege seinen Sohn nicht mehr sehen durfte. Unterstützung vom Jugendamt gab es keine. Man schrieb meinem Ausbildungskollegen, dass sie als Mutter das entscheiden müsse und dass dies das Jugendamt auch nichts angehen würde, da dem Kind kein Schaden zugefügt werden würde. Der Begriff, den mein Ausbildungskollege diesbezüglich verwendete war glaube ich „eine grausame, nicht enden wollende Ohnmacht“.

Ich habe meinem Ausbildungskollegen bei einem Umzug geholfen und bin dabei auf die bestimmt 30 Aktenordner gestoßen, die alle mit Sorgerecht oder Jugendamt betitelt waren. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, dass er ein Kind hat und habe da mal arglos nachgefragt. Mit Unterstützung durch die Unterlagen hat er mir dann die Geschichte erzählt.


In dem halben Jahr, indem ich als Monteur gearbeitet habe, hatte ich für eine Woche einen Kollegen, der mitten in einem Scheidungskrieg steckte, indem auch die gemeinsamen drei Kinder involviert waren. Ich habe lediglich zwei SMS gelesen, in denen sie ihm damit drohte ihn zu beschuldigen sie geschlagen und getreten zu haben. Ob er das wirklich getan hat weiß ich nicht und was letztendlich aus dem Streit wurde vermag ich nicht zu sagen.


In meiner ersten Ausbildung (zum Industrieelektroniker) hatte ich einen Ausbildungskollegen der ein Jahr älter war als ich (also er war zu dem Zeitpunkt 18). Auch hier kenne ich nur seine Version der Geschichte. Es war wohl so, dass er auf einer Party mit einer Bekannten Sex hatte. Da er kein Kondom dabei hatte, sie ihm aber versicherte die Pille zu nehmen, hat er sich wohl recht wenige Gedanken dazu gemacht. Einige Zeit später teilte sie ihm dann mit, dass sie schwanger wäre und das Kind behalten wolle. Er hingegen wollte das Kind nicht und teilte ihr dies auch mit (das habe ich tatsächlich in einem Telefongespräch in der Pause mitgehört). Nach der Geburt wollte sie von ihm Unterhalt haben und hat dies auch rechtlich erwirkt (wobei das bei unserem Ausbildungsgehalt wohl eher erstmal vom Staat bezahlt wurde). Nach etwas über einem Jahr hat sie dann einem Vaterschaftstest zugestimmt, der dann zum Leitwesen meines Ausbildungskollegen ihn als Vater bestätigte.

Wie sich das weiterentwickelt hat weiß ich allerdings nicht.


Die folgende Geschichte kenne ich nur aus zweiter Hand und ist deshalb mit besonderer Vorsicht zu lesen:

Der Ex-Freund einer Arbeitskollegin hatte aus einer früheren Beziehung zwei (erneut uneheliche) Kinder und war alleinerziehender Vater. Er hatte sehr große Probleme das Sorgerecht zu erwirken, da er mit Falschbeschuldigungen überschüttet wurde (z.B. dass das eine Kind das Resultat einer Vergewaltigung durch ihn wäre, dass er gewalttätig wäre usw.). Einige dieser Anschuldigungen konnten wohl wiederlegt werden, so dass er letztendlich das Sorgerecht erhielt.

Nachdem die Kinder nach einem Besuch nicht mehr zurück zur Mutter wollten, weil diese oft stark alkoholisiert war und dann gewalttätig wurde, hat er versucht das alleinige Sorgerecht zu erwirken. Dieses Verfahren muss sich wohl, obwohl die Kinder diese Anschuldigungen gegen die Mutter wiederholten und obwohl es mehrfach eindeutige medizinische Beweise für wiederholte Gewalthandlungen gab über vier Jahre hingezogen haben – in denen die Kinder noch bei der Mutter lebten.


 

Ich habe mich bemüht, die Beweise für die einzelnen Fälle zu nennen, da solche Fälle immer sehr emotional sind und ja jeder gerne in seiner Geschichte gut darsteht. Zudem kenne ich vielfach natürlich nur die eine Version der Geschichte.

Der Tag der Geschlechter-Empathielücke

Am 23. Juni 2018 erschien im Alternativlos-Aquarium der Hinweis darauf, dass am heutigen 11. Juli 2018 der erste Tag der Geschlechter-Empathielücke begangen werden soll.

Und, als Profi der ich bin, habe ich direkt vergessen etwas vorzubereiten. Dennoch möchte ich es mir nicht nehmen lassen zu diesem Tag noch etwas zu schreiben. Etwas passendes habe ich im Jahre 2016 schon einmal geschrieben, als ich über Emma Watsons UN Rede zu #HeForShe gesprochen habe. Dies noch einmal zusammengefasst:

Frau Watson findet, dass Feminismus zu oft ein Synonym für Männerhass geworden ist. Dies müsse aufhören. Sie listet danach einige Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern auf (nach Benachteiligungen für das jeweilige Geschlecht sortiert):

XX:

  • Sie wurde „bossy“ (bestimmend / rechthaberisch) genannt
  • Sie wurde von einigen Medien sexualisiert als sie gerade mal 14 war
  • Mit 15 haben ihre Freundinnen angefangen nicht mehr in den Sportteams mitzumachen um nicht zu muskulös zu werden
  • Sie deutet an, dass sie nicht wie ihr männliches Äquivalent bezahlt wird (und sagt dies später noch über alle Frauen)
  • Sie deutet an, dass sie keine Entscheidung über ihren eigenen Körper treffen kann
  • Sie deutet an, dass Frauen nicht in der Politik vertreten sind
  • Sie deutet an, dass sie nicht den selben Respekt bekommt, wie Männer
  • Sie deutet an, dass Mädchen (in unserer Gesellschaft) von ihren Eltern weniger geliebt werden
  • Sie deutet an, dass Schulen Mädchen benachteiligen
  • Sie deutet an, dass Mentoren Mädchen/Frauen nicht so hoch einschätzen, weil sie mal Kinder bekommen könnten
  • Sie behauptet, dass die Töchter, Schwestern und Mütter der Männer unter Vorurteilen leiden
  • 15,5 millionen Mädchen werden in den kommenden 16 (jetzt nur noch 12) Jahren als Kinder verheiratet
  • Sehr viele afrikanische Mädchen haben keine (vernünftige) Schulbildung

XY:

  • Mit 18 konnten meine Freunde ihre Gefühle nicht mehr ausdrücken (wiederholt das später noch zwei Mal mit der Ergänzung, dass das männliche Stereotyp daran schuld sei)
  • Sie sieht, dass der Einfluss ihres Vaters seitens der Gesellschaft weniger wert geschätzt wird
  • Sie sagt, dass Suizid die größte Todesursache von Männern zwischen 20 und 49 im vereinigten Königreich ist
  • Sie behauptet, dass Jungs nicht die Erlaubnis haben verletzlich und menschlich zu sein

Man sollte nun annehmen, dass bei all den Problemen die Frauen so (angeblich) haben, wie schlechtere Bezahlung, schlechtere Schulbildung, weniger Vertrauen in ihr Können und Vorurteile,  Frauen deutlich größere Probleme hätten, dass ihre Suizidrate höher wäre. Ist sie aber nicht.

Schauen wir uns an, welche Probleme Männer laut Emma Watson haben: Ihr Einfluss als Väter wird nicht wertgeschätzt, sie können ihre Gefühle nicht ausdrücken (wegen Geschlechterstereotypen), sie haben eine sehr hohe Suizidrate.

Nun ist ja nicht so, dass nicht ausgedrückte Gefühle Ursache von Suiziden sind (wenn gleich diese den Suizid begünstigen) sondern die Probleme. Und zur Erklärung reicht hier ganz bestimmt nicht aus, dass Väter in ihrer Funktion nicht ausreichend gewertschätzt werden.

In dieser Rede wo Frau Watson anekdotische Evidenz, wiederlegte Statistiken (GPG, Schulbildung in Großbritanien) und Behauptungen neben echten Problemen (Kinderehen, Schulbildung in Afrika) einreiht um die Probleme von Frauen größer erscheinen zu lassen, benennt sie kaum Probleme die Männer haben. In dieser Rede, wo sie dazu aufruft (scheinbar) gemeinsam gegen Ungleichberechtigung anzutreten, spricht sie die Probleme von Männern nicht an. Sie nimmt sie nicht wahr oder möchte sie nicht wahrnehmen.

Aber nicht nur das, sie deutet mehrfach an, dass die Schuld für viele der Probleme von Männern und Frauen bei Männern liegt und dass Männer aggressiv und kontrollierend seien.

Und zu guter letzt fordert sie #HeForShe -> Er für Sie. Nachdem sie also die Probleme von Frauen künstlich aufgeblasen hat, die von Männer nur in geringem Maße geäußert hat und die Schuld für einen Großteil dieser Probleme bei Männern verordnethat, bittet sie jetzt auch noch Männer (die, die sich sehr häufig selbst töten) darum auch noch die Probleme der Frauen zu lösen. Ich meine: Was liegt näher als denjenigen mehr Probleme aufzuhalsen, die eh schon unter der Last ihrer eigenen Probleme häufiger zusammenbrechen.

Ihr muss doch aufgefallen sein, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Sie ist ja nicht dumm. Aber vielleicht fehlt ihr einfach nur die Empathie für Männer.

 

Sie erwähnt in ihrer Rede auch Hillary Clinton. Und ich fühlte mich an ein Zitat von ihr erinnert:

„Women have always been the primary victims of war. Women lose their husbands, their fathers, their sons in combat.“

(Hillary Clinton, 17. November 1998, El Salvador)

Das natürlich Männer ihre Brüder/Väter/Söhne/Freunde… auch verlieren – geschenkt.

Das natürlich Männer diejenigen sind, die ihr Leben und ihre körperliche wie auch geistige Gesundheit verlieren – geschenkt.

Auch hier wird ein erheblicher Mangel an Empathie gegenüber dem Leid von Männern deutlich.

 

Diese Aussage ist besonders vor dem Datum interessant an dem der heutige Tag der Geschlechter-Empathielücke begangen wird. Heute vor 23 Jahren gab es das größte Kriegsverbrechen seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Das Massaker von Srebrenica. Ein Genozid dem mehr als 7000 Jungen und Männer zum Opfer fielen. Systematisch abgeschlachtet.

Danke für Deine Perspektive Hillary.

Frauen entscheiden sich anders – alle anderen sind schuld

Frauen scheuen die Börse. Weil sie so erzogen wurden.“  von orange (dem bento-Verschnitt des Handelsblattes).

[Seitenangaben als Seite des PDF Dokumentes zur leichteren Suche. Nicht die unten rechts angegebene Seitenzahl]


Angst vor Aktien: Beim Geldanlegen gehen Frauen weniger Risiken ein als Männer, zeigt eine aktuelle Studie. Unsere Autorin hat Gründe gesucht – und fand sie in der Vergangenheit.

Lassen wir mal das schlechte Deutsch außen vor (die Autorin Luisa Kuhn ist Praktikantin und hat gerad erst ihr Abitur hinter sich), obwohl es auch für den Jugendableger des Handelsblattes eigentlich unwürdig ist und stellen uns der drängenden Frage die hoffentlich im Artikel beantwortet wird: Hat sie noch weiter gesucht?

Stell dir vor, du kaufst Aktien von einer Firma, die Bonbons herstellt. Die Kunden lieben diese Bonbons, deshalb verdient die Firma immer mehr Geld und der Wert deiner Aktien steigt. Doch plötzlich meldet das Gesundheitsamt: Die wichtigste Zutat der Bonbons von der Firma kann schon in kleinsten Mengen krankmachen. Im nächsten Moment sind deine Aktien wertlos und dein Geld ist weg.

So etwas kann dir passieren, wenn du dein Geld an der Börse anlegst. Wenn du nicht gerade in ein völlig unbekanntes Unternehmen investierst, ist es aber schon sehr unwahrscheinlich. Trotzdem haben viele Menschen Angst vor Aktien. Eine aktuelle Studie zeigt: Vor allem Frauen fürchten Risiken beim Geldanlegen.

Erst einmal finde ich es gut, dass der Link zur Übersicht über die Studie verlinkt wurde (hier der Archivlink). Diese Studie gibt allerdings nicht nur wieder das Frauen weniger zu finanziellen Risiken neigen (S. 8 PDF) sondern auch allgemein weniger risikoaffin sind (S. 26 PDF). Ob man dies jetzt gleich als Angst oder Furcht betiteln muss, sei dahingestellt. Aber es ist bei Feministen durchaus gängig irgendwelche Gegebenheiten mit (starken) Gefühlen zu verknüpfen – ungeachtet der Möglichkeit, dass durchaus rationale Gründe hinter solchen Gegebenheiten stecken können.

Geldanlage: Frauen haben mehr Angst vor Risiko. Aber warum?

Der Finanzprofessor Martin Weber von der Universität Mannheim hat für die Direktbank ING Diba gut 9000 Menschen zu ihrem Verhalten bei der Geldanlage befragt. Ergebnis: Nur 15 Prozent der Frauen legen ihr Geld in Fonds, Anleihen, Aktien oder Zertifikaten an, statt es nur auf dem Bankkonto liegen zu lassen. Bei Männern sind es 22 Prozent.

(S. 11 PDF) Das ist nicht ganz richtig. Denn in der Studie ist davon die Rede von männlichen und weiblichen Kompetenzpersonen. Dies wird definiert als „Diejenige Person, die nach Auskunft der Haushaltsangehörigen den besten Überblick über die Finanzen des Haushalts hat.“ (S. 24 PDF)

Das heißt ja nicht, dass sie alleine entscheiden. Tatsächlich sagen uns die PDF Seiten 5 und 6, dass meist gemeinsam entschieden wird. Ich denke mir natürlich, dass diese Kompetenzperson häufiger das letzte Wort hat und/oder solche Finanzgeschäfte vorschlägt, aber das belegt die Studie nicht hinreichend.

Richtig müsste es also heißen, dass 15% der weiblichen Kompetenzpersonen (wKP) und 22% der männlichen Kompetenzpersonen (mKP), meist in Rücksprache mit Partner oder Partnerin – sofern sie den so jemanden haben – ihr (gemeinsames) Geld in Fonds, Anleihen, Aktien oder Zertifikate anlegen.

Deshalb ist der Blick auf Singles / Alleinerziehende viel sinnvoller ,wenn man die Geschlechter getrennt voneinander in ihrer Anlage-Risikobereitschaft betrachten will, da hier keine gemeinsame Entscheidung getroffen wird, die das Ergebnis verwässert. Hier sind es nämlich 15% der wKP und 17% der mKP (vgl. S. 11 PDF). Immer noch eine höhere Bereitschaft von Männern solche Anlagen zu machen, aber geringer als im Gesamtergebnis. Aber ein 2%-Punkte Unterschied macht natürlich weniger her, als ein 7%-Punkte Unterschied.

Zudem ist, wie der Artikel ja auch gegen Ende hin mitteilen wird, das Anlegen in Fonds usw. nicht zwangsläufig besser. Warum dieser Unterschied also ein Problem darstellen soll? Man weiß es nicht. Oder möchte es die Feministin in der Autorin nicht wahrhaben, dass Frauen vielleicht tatsächliche vorsichtiger sind und weniger Risikoaffin?

Warum scheuen weibliche Anleger das Risiko mehr als männliche? Die Studie zeigt: Frauen sind insgesamt ängstlicher, auch wenn’s nicht ums Geld geht. Das könnte ein möglicher Grund sein – aber der scheint doch sehr allgemein.

Das ist absolut korrekt. Ich finde es sehr interessant wie hier eines der Ergebnisse der Studie einfach so weggewischt wird. Tatsächlich zeigen die Seiten 12 und 13 des PDFs, dass Risikobereitschaft DER ausschlaggebende Faktor ist. Wenn Frauen also weniger Risikoaffin sind – sowohl im Allgemeinen als auch im Finanzwesen – dann ist natürlich nicht nur ein möglicher Grund, sondern ein Grund. Natürlich kann es noch mehr Gründe geben, aber diesen mit „das scheint doch recht allgemein“ abzutun ist auch nicht so wirklich redlich. Aber auch das ist wieder relativ typisch in der feministischen Argumentation: Es wird ein Unterschied zwischen den Geschlechtern ausgemacht, der tatsächlich ein guter Grund ist. Da dies aber nicht sein darf, wird er weggewischt. Getreu dem Motto: Was kümmern mich die Fakten, ich habe ein Narrativ zu verbreiten.

Eine Umfrage der Postbank zeigt einen anderen: Frauen finden Finanzen langweilig.

Die Zahl der weiblichen Befragten, die sich überhaupt nicht mit Finanzthemen beschäftigt, verdoppelte sich fast – von 15 Prozent in 2015 auf knapp 29 Prozent in 2017. – Postbank

Aber woher kommt das Desinteresse? Lange Zeit waren Finanzen per Gesetz Männersache. Bis 1957 durften Frauen in Deutschland nicht einmal ein eigenes Konto eröffnen. Wer soll Wertpapiere kaufen, wenn er nicht mal ein Konto besitzt?

Erst einmal ist es reichlich vermessen jetzt auf 1957 zurückzugreifen. Das ist 61 Jahre her, glaubt die Autorin wirklich, dass Frauen in 61 Jahren nicht gelernt haben ein Konto zu führen? Vollkommen ungeachtet der Tatsache, dass die meisten in Deutschland lebenden Frauen zu dieser Zeit noch nicht gelebt haben und von Kindesbeinen an ein Konto hatten. Und natürlich auch vollkommen ungeachtet der Tatsache, dass auch vor 1957 Frauen Konten hatten. Hier wird, typisch feministisch, die Frau als unfähiges, nicht lernfähiges Wesen dargestellt. Und wenn es schon in dieser Zeit nichts gibt, woran man es festmachen kann, dann geht man halt Jahrzehnte zurück.

Die Frage bleibt: Was hat ein Gesetz, das 1957 aufgehoben wurde, mit einer Verdoppelung des Desinteresses bei Frauen zum Thema Finanzen im Zeitraum von 2015 bis 2017 zu tun?

Abgesehen davon: 48% der Haushalte aus der Studie des Finanzprofessors haben eine wKP in Sachen Finanzen (S. 5 PDF). Selbst wenn Frauen das Ganze langweilig finden, sind sie dennoch die, die das Ganze ausüben und auch oft nicht alleine, sondern mit ihrem Partner zusammen.

Bis 1974 durften Frauen nur mit der Zustimmung ihres Ehegatten arbeiten gehen. Finanzielle Unabhängigkeit? Fehlanzeige! Es liegt nahe, dass manche Großmütter und sogar manche Mütter die Folgen dieser rückständigen Regeln heute noch immer in sich tragen – und, wenn auch unbewusst – an ihre (Enkel-)Töchter weitergeben.

Auch das ist mittlerweile 44 Jahre her. Und auch hier wieder: Nur weil sie die Zustimmung brauchten, heißt es nicht, dass sie nicht arbeiten gingen. Noch Anfang letzten Jahrhunderts haben wir 4-jährige Kinder arbeiten geschickt, weil sie unter die Maschinen krabbeln konnten oder in die niedrigen Kohleflöze kamen. Seit Beginn der Menschheitsgeschichte haben Kinder im Haushalt / in der Sippe / beim Geld verdienen mitgeholfen, weil man es sich nicht erlauben konnte, wenn ein Mitglied der Gesellschaft nicht produktiv war. Dies galt selbstverständlich auch für Frauen. Das jemand nicht produktiv war ging gar nicht. Frauen gingen arbeiten. Sie mussten arbeiten gehen. Die gesamte Familie war davon abhängig, dass alle ihren Teil beigetragen haben. Keiner war finanziell unabhängig – über Jahrhunderte. Und die kurze Zeit der Menschheitsgeschichte, wo das nicht nötig war, soll jetzt dafür verantwortlich sein, dass bei Frauen im Zeitraum von zwei Jahren ein signifikanter Anstieg des Desinteresses an Finanzen festgestellt werden konnte. Klingt absolut logisch. Jetzt mal ehrlich? Denken Feministen eigentlich auch mal nach?

Abitur: Mädchen wählen andere Prüfungs-Fächer als Jungs

Dazu passt, dass es bei den beliebtesten Abiturfächern immer noch große Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt: Jungs rechnen, Mädchen sprechen. Und auch in den MINT-Studiengängen waren die Frauen mit 30 Prozent zuletzt deutlich schwächer vertreten, obwohl sie die besseren Schulabschlüsse machen. Initiativen wie der Girls‘ Day könnten helfen, alte Rollenbilder zu überwinden.

Wir reden hier über Abiturienten und Studenten. Über Menschen die überdurchschnittlich intelligent sind und eine recht gute Bildung genossen haben. Wir reden über Menschen, die in dem Alter sind, indem sie sich von ihren Eltern abnabeln, ihre eigenen Wege finden und auch anders sein wollen. Wir reden von jungen Menschen, die wählen was sie interessiert.

Und wenn Frauen sich trotz besserer Bildung (aka bessere Schulabschlüsse) nicht für die MINT-Fächer entscheiden, könnte es dann nicht vielleicht – nur so als Hypothese von jemandem der die Entscheidungen von Frauen respektiert – dass Frauen tendenziell die MINT-Fächer nicht machen wollen?

Jetzt mal ehrlich. Kann man noch deutlicher die Entscheidung von Frauen in Frage stellen, als es die Autorin tut? IHR passt nicht, wie sich Frauen entscheiden. SIE empfindet es als falsch, dass sich Frauen so entscheiden und deshalb MUSS etwas falsch gelaufen sein. Die Frauen sind dahingehend manipuliert worden muss man wissen.

Ach so… alte Rollenbilder sind nicht zwangsläufig schlechte Rollenbilder. Also warum sollte man alte Rollenbilder überwinden sollen?

Und es gibt noch einen Grund: Laut einer Umfrage der Kinder-Medien-Studie bekommen Mädchen im Schnitt weniger Taschengeld als gleichaltrige Jungs.

Nein. Sie bekommen weniger Taschengeld und Geldgeschenke (Geburtstagsgeschenke, Weihnachtsgeschenke, Ostergeschenke…). Also Taschengeld + Geldgeschenke = verfügbares Geld.

Das ändert natürlich nichts an der Grundaussage, dass Mädchen weniger Geld zur Verfügung haben, aber man darf halt nicht unterschlagen, dass es halt eben auch die Möglichkeit gibt, dass sich Mädchen z.B. teurere Sachgeschenke wünschen und die Eltern das ausgleichen, indem sie den Jungen mehr Barschaft geben. Das wiederum dürfte unter Geschwistern dann auch kein Geheimnis sein. Bei mir (Obacht anekdotische Evidenz) war es so, dass meine Eltern immer gesagt haben: Wir gehen bis zu einem gewissen Geschenkwert einkaufen. Und wenn sich die Geschenkwerte zu weit bei den Sachen unterscheiden bekommt die Person mit dem günstigeren Geschenk noch etwas Geld dazu.

Auch kann ich mir vorstellen, dass es Eltern gibt, die das Taschengeld kürzen, wenn ein Hobby besonders teuer ist. Reiten ist nun mal teurer als durch den Wald toben.

Diese Ungerechtigkeit zieht sich vom Spielzimmer bis ins Büro: Im Schnitt verdienen Frauen in Deutschland 21 Prozent weniger als Männer!

Also erst einmal ist ein Unterschied keine Ungerechtigkeit. Das kann natürlich sein, muss aber nicht. Meine Schwester und ich hatten immer gleich viel Taschengeld (im entsprechenden Alter) und ich wage mich mal aus dem Fenster zu lehnen und behaupte, dass andere Eltern das ähnlich handhaben und den Kindern gleich viel Taschengeld geben, wobei sich natürlich im Durchschnitt aller Kinder Unterschiede ergeben können, da es sich ja um unterschiedlichste Familien handelt, die hier zusammengerührt werden.

Zu dem GPG sei nur gesagt „verdienen“. Zudem möchte ich noch einen alten Text von mir verlinken: Was der GPG impliziert.

Wer weniger Geld hat, kann auch weniger riskant anlegen. Zu diesem logischen Schluss kommt auch die ING Diba-Studie der Universität Mannheim.

Richtig. Deshalb war meine Unterscheidung zwischen Paaren (gemeinsames Einkommen, GPG irrelevant) und Singles/Alleinerziehenden auch so wichtig. Wir erinnern uns aber, dass hier der Unterschied nur zwei Prozentpunkte war.

Im Internet finden sich zunehmend Initiativen, die Frauen Mut machen, ihre Geldanlagen selbst zu regeln. Die Direktbank Comdirekt will mit ihrem Portal „Finanzheldinnen“ Frauen für Finanzfragen begeistern (und als Kundinnen gewinnen). Angeboten werden eine kostenlose Infohotline (natürlich von Frau zu Frau) und verschiedene Veranstaltungen.

Außerdem informieren die „Finanzheldinnen“ Frauen in einem Blog über Geldfragen. Dazu zählen Tipps, wie man am besten mit dem Partner über Geld redet. Wenn Sparfuchs und Lebemann aufeinandertreffen, könne das zu Streit führen. „Wir wollen Tabus aufbrechen! Es ist wichtig, über Geld zu reden, da bei diesem Thema noch viel Informationsbedarf besteht“, erklärt Sabine Schoon von Comdirect, die das Portal gegründet hat.

Na? Wieviel Geld hast Du dafür bekommen?

Spaß beiseite. Wenn sich Frauen weniger für Finanzen interessieren, wie die Postbank herausgefunden haben will, dann ist dieses Angebot zwar nett gemeint, hilft aber dennoch nur denen, die sich dafür interessieren. Zudem regeln Frauen ja ihre Geldanlagen selbst, nur eben anders als Männer.

Zur Erinnerung: Frauen stellen 48% der Kompetenzpersonen und legen ihr Geld weniger in Fonds etc. an als Männer. Deshalb gibt es die Finanzheldinnen, die Frauen Mut machen sollen, ihre Finanzen selbst zu regeln (was sie ja schon tun) und sie informieren und begeistern soll (s.o.).

Geldanlage: Sind Männer erfolgreicher als Frauen?

Mehr Risiko beim Geldanlegen ist aber nicht zwangsläufig besser. Im Gegenteil: Manchmal kann es sich auch auszahlen, weniger auf Aktien und Fonds und mehr auf festverzinsliche Anlagen wie Anleihen oder Festgeld zu setzen.

Denn, auch das zeigt die Studie von Uni Mannheim und ING Diba: Wie erfolgreich Männer und Frauen zuletzt bei der Geldanlage waren, hing von der Börse ab: Steigen die Kurse (wie im Jahr 2017), gewannen die Männer, weil sie einen größeren Teil ihres Geldes in Aktien investierten. In schwierigen Zeiten (wie Anfang 2018) zahlte es sich aus, auf Nummer sicher zu gehen: Diesmal lagen die Anlegerinnen vorn, sie machten weniger Verlust.

Was die Frage aufwerfen würde, wo denn jetzt das Problem eigentlich ist, wenn Männer und Frauen unterschiedlich Geld anlegen.

Monika Müller arbeitet als Finanzcoach. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Frauen ihr Geld durchaus riskanter anlegen würden. Es komme aber häufig zu Missverständnissen, weil Bankberater ihre Risikobereitschaft unterschätzten. Auch Medien trügen zu diesem falschen Bild bei, indem sie die Vorurteile übernehmen.

Ach natürlich, Die Frau kann ihre Risikobereitschaft nicht rüberbringen oder sagen, was sie will und schuld daran sind die Bankberater (und Bankberaterinnen) weil die nicht in den Kopf der Frauen gucken können und die Medien, die das Vorurteil übernehmen, dass die Studie des Finanzprofessors ja so schön bestätigt.

Expertin Müller betont deshalb: „Menschen können gut einschätzen, wie risikobereit sie sind. Frauen sind nicht so unsicher, wie es scheinen mag.“

Geringe Risikobereitschaft ist nicht gleichzusetzen mit Unsicherheit.


Mir ist allerdings etwas sehr Interessantes aufgefallen. Es sind nur wenige Prozentpunkte und daher kaum der Rede wert, allerdings bietet es sich hier gerade an.

Bei Paaren ist mir aufgefallen, dass – wenn ein Mann die Person ist, die den besten Überblick über die Finanzen des Haushaltes hat – häufiger gemeinsam entschieden wird (79% im Vergleich zu 71% bei Frauen als Kompetenzperson). D.h., obwohl die Männer nach gemeinsamer Meinung mehr Ahnung haben und wir ja doch in einem Patriarchat leben, lassen sie Frauen mehr mitbestimmen, als Frauen Männer mitbestimmen lassen. Frauen treffen doppelt so oft alleine die Finanzentscheidungen wie Männer.

Auch akzeptieren mKP häufiger getrennte Kassen als wKP (9% vs 7%). D.h. obwohl Einigkeit darüber herrscht, dass der Mann den besseren Überblick über die Finanzen hat, ist dieser eher bereit die Frau mitbestimmen oder gar alleine bestimmen zu lassen, als eine wKP.

Es ist fast so, als wenn die mKP ihre Partnerinnen mehr teilhaben lassen wollen als es wKP wollen.

 

Was bin ich doch naiv (zu #Grundgesetz) Epilog – Von der deutschen Logik

Epilog – von der deutschen Logik

Artikel 3 des Grundgesetzes ist sehr eindeutig geschrieben. Es ist klar als Grundrecht beschrieben, dass jedem (individuellen) Menschen zusteht. Alle aufgeführten „Rechtfertigungen“ für eine Quotenregelung oder das Bundesgleichstellungsgesetz halten den angeführten Prämissen nicht stand. Wenn die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung nur die tatsächliche Chancengleichheit und nicht die Ergebnisgleichheit anstrebt, dann verbieten sich Quoten jeder Art, da sie eine Entscheidung auf Basis des Geschlechtes anstreben, womit die Chancengleichheit nicht mehr gegeben ist. Gleichzeitig ist eine Quotenregelung auch ein Angleichen der Ergebnisse, dass sich nach der Prämisse verböte. Ganz im Besondern im Bezug auf die im Bundesgleichstellungsgesetz enthaltene Quote, die sich explizit auf gleiche Ergebnisse (50%) bezieht.

Auch unter dem Gesichtspunkt der Beseitigung bestehender Nachteile können solche Gesetze nicht zulässig sein, da sie

  1. unterschiedliche Lebensverhältnisse herbeiführen, indem sie unterschiedliche Regeln setzen, womit eine solche Regelung der Angleichung der Lebensverhältnisse entgegensteht.
  2. eine gesellschaftliche Benachteiligung nach sich ziehen, da die Strahlkraft einer solchen Regelung andere Benachteiligungen vermeintlich rechtfertigen kann
  3. eine rechtliche Benachteiligung schaffen und nicht beheben.

Hierbei ist besonders zu erwähnen, dass die Gewichtung auf die Nachteile von Frauen in sich schon ein Nachteil von Männern ist, deren Benachteiligungen damit nicht die gleiche Aufmerksamkeit erhalten.

Zu diesem in sich nicht logischen Konglomerat kommen noch die Bestätigungen der Absurdität solcher Quoten und Gleichstellungsgesetze durch Art.3 Abs.3 S.1 der sowohl eine Bevorzugung als auch Benachteiligung verbietet. Und in dem Punkt Geschlecht auch durch die Juristen-Auslegung absolut obsolet wäre, wenn er durch den Art.3 Abs.2 S.2 außer Kraft gesetzt werden würde. Dabei beschreibt dieser Satz doch ein wertvolles Grundrecht (objektives Werturteil). Somit kann dieser Satz in Bezug auf das Geschlecht gar nicht durch Art.3 Abs.2 S.2 außer Kraft gesetzt werden und muss parallel dazu existieren. Unter diesem Gesichtspunkt kann dieser Satz auch nur eine Konkretisierung des vorher gesagten darstellen.

Zudem sieht der gesamte Artikel 3 keinen Gesetzesvorbehalt vor, der den Gesetzgeber zu einer Einschränkung des Rechtes auf Gleichberechtigung bzw. eine Aushebelung des Bevorzugungs- und Benachteiligungsverbotes berechtigen würde.

Gestützt wird dies weiterhin durch Art.33 Abs.1-3. Die allesamt meine Vorannahme noch einmal bestätigen. Besonders Abs.2 ist interessant, da hier von „gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amte“ die Rede ist. Das steht in direktem Widerspruch zu der Quotenregelung (unterschiedlicher Zugang) und den Gleichstellungsbeauftragten, die nur Frauen sein dürfen.

 

Nach Beseitigung aller Logiklücken bleibt also folgendes zu sagen:

Das Grundrecht auf Gleichberechtigung beschreibt in Artikel 3 Absatz 2 Satz 2 und Artikel 3 Absatz 3 Satz 1, dass auf die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung hinzuwirken ist, wobei keine neuen Diskriminierungen entstehen darf. Ungleiche Rechte sind so zu ändern, dass bestehende Nachteile beseitigt werden und keine neuen geschaffen werden.

 

Beispiel: Die Genitalverstümmlung von weiblichen Personen (Mädchen und Frauen) ist nach §226a StGB verboten und wird mit einer Freiheitsstrafe belegt.

Die Genitalverstümmlung von nichteinsichts- und urteilsfähigen Jungen ist hingegen nach §1631d BGB erlaubt. Hier liegt der Nachteil bei den Jungen, da diesen das Recht auf Religionsfreiheit, sexuelle Selbstbestimmung, freie Entfaltung, Gleichberechtigung und das Recht auf körperliche Unversehrtheit genommen wird.

Es ist also nicht zulässig jetzt auch die Genitalverstümmlung von weiblichen Personen zu erlauben, da dadurch die Nachteile der Jungen nicht beseitigt werden (und für die weiblichen Personen neue geschaffen werden). Daher ist es Auftrag des Staates die Genitalverstümmlung von Jungs ebenfalls unter Strafe zu stellen.

 

Juristen können vielleicht Jura, aber Deutsch können sie nicht und Logik schon mal gar nicht.

Was bin ich doch naiv (zu #Grundgesetz) Akt IV – Weil sie die Aufzählung nicht beherrschten wurde er in die Gaskammer geschickt

Akt IV – Weil sie die Aufzählung nicht beherrschten wurde er in die Gaskammer geschickt

„I. Die speziellen Gleichheitsrechte des Abs.3 S.1

(ohne Geschlecht) „

Warum ohne Geschlecht? Klar sind wir in den vorherigen Akten schon darauf eingegangen, aber gerade vor der gleich folgenden Begründung für die Existenz dieses Satzes ist hier eine genauere Betrachtung doch erforderlich?

„1. Bedeutung, Verpflichtete, Abgrenzung

  1. a) Bedeutung und Verpflichtete.

Art.3 Abs.3 S.1 wurde v.a. auf Grund der Verfolgung und Benachteiligung von Minderheiten im Nationalsozialismus, insb. der Personen jüdischer Abstammung, in das GG aufgenommen […] und steht in engem Zusammenhang mit dem Grundsatz der Menschenwürde […].“

Also Moment, nur damit ich das richtig verstehe. Dieser Teil des Grundrechtes wurde eingeführt um zu vermeiden, dass so etwas wie der Holocaust noch einmal stattfindet. Dieser Teil, der neben Rasse, Abstammung, Religion usw. auch das Geschlecht aufführt wurde eingeführt um zu verhindern, dass systematisches Verfolgen und maschinenartiges Abschlachten von Menschen verhindert wird. Und unser Rechtssystem inklusive des Bundesverfassungsgerichtes, hat entschieden, dass man darauf mal gepflogen sch***** kann? Ehrlich jetzt?

„Eine ähnliche, teils weitere und teils engere Vorschrift findet sich in Art.14 EMRK. Die Gewährleistung des Art.3 Abs.3 S.1 enthält ein Grundrecht sowie eine objektive Wertentscheidung […]. Die Rspr. neigte zu einer äußerst restriktiven Deutung des Grundrechts […], weshalb seine praktische Bedeutung gering war […]. Seit einiger Zeit zeichnen sich Änderungen ab […].“

Ok, also ein Grundrecht und eine objektive Wertentscheidung. Nun stellen Grundrechte Abwehrrechte gegen den Staat dar. Ein Bundesgleichstellungsgesetz verstößt aber gegen Art.3 Abs.2 S.2 indem es eine rechtliche Diskriminierung herbeiführt und (aus dem selben Grund) gegen Art.3 Abs.3 S.1. . Frage: Warum sollte ein Bundesgleichstellungsgesetz und die darin enthaltene Quote also nochmal zulässig sein?

Zugegeben, was „objektive Wertentscheidungen“ sein sollen musste ich googeln. Wenn ich dem Internet (und damit der Uni Trier) glauben schenken darf, dann sagt eine objektive Werteentscheidung, dass ein bestimmter Wert wertvoll ist. Hier also das niemand auf Grund des Geschlechtes bevorzugt oder benachteiligt werden darf.

„Was den Verpflichteten des Grundrechts angeht, so bindet Art.3 Abs.3 S.1 alle Träger öffentlicher Gewalt […]. Insbesondere wird der Privatrechtsgesetzgeber gebunden […].“

Und warum nicht bei dem Geschlecht?

„b) Abgrenzung zu anderen Verfassungsnormen.

Das Grundrecht des Abs.3 S.1 hat als spezielles Gleichheitsrecht Vorrang vor Art.3 Abs.1 […]. Das Diskriminierungsverbot wegen des Geschlechts in Abs.3 S.1 konkurriert dagegen mit Abs.2 […].“

Also eigentlich konkurriert das nicht. Es ergänzt – oder besser noch – konkretisiert das wunderbar.

„Zu Art.33 Abs.1 steht Art.3 Abs.3 S.1 in Idealkonkurrenz (Rn.1 zu Art.33),“

Der besagte Passus ist: „Jeder Deutsche hat in jedem Lande die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.“ Auch nachdem ich mich jetzt so lange mit dem Art.3 beschäftigt habe sehe ich hier keine Konkurrenz, sondern mehr eine Bestätigung meiner vorherigen Annahmen.

„desgleichen zu Art.33 Abs.2 […],“

Der besagte Passus ist: „Jeder Deutsche hat nach seiner Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amte.

Das klingt fast so wie: Diskriminiere nicht auf Basis des Geschlechtes, sondern mache es basierend auf Eignung usw. .

 „während Art.33 Abs.3 als Spezialvorschrift Vorrang haben dürfte […].“

Naja, ließt sich so, als wenn das nur eine weitere Bestätigung dessen ist, was schon in Art. 3 Abs.3 S.1 steht.

„2. Schutzbereich, insb. Grundrechtsträger

Ein eigenständiger sachlicher Schutzbereich, der von der Grundrechtsbeeinträchtigung klar abgrenzbar ist, lässt sich bei Art.3 Abs.3 S.1 kaum ausmachen […]. Bedeutsam ist aber der personale Schutzbereich. Träger des Grundrechts sind alle natürlichen Personen. Darüber hinaus sollen auch juristische Personen und Personenvereinigungen Grundrechtsträger sein können […], was aber nur bei der Diskriminierung wegen des Glaubens oder religiöser sowie politischer Anschauungen zutrifft […]. Die anderen Merkmale sind höchstpersönlicher Natur […].

Zudem kann nur die Person das Grundrecht geltend machen, die als Merkmalsträger benachteiligt wird […].“

Alle natürlichen Personen außer Männer versteht sich! Oh man, da packste dir annen Kopp. Wissen Juristen eigentlich was eine Aufzählung ist?

„3. Ungleichbehandlungen

  1. a) Ungleichbehandlung nach bestimmten Merkmalen.

Die Beeinträchtigung des Grundrechts setzt eine Ungleichbehandlung, also eine unterschiedliche Behandlung vergleichbarer Sachverhalte […] durch einen Grundrechtsverpflichteten […] voraus, und zwar durch die gleiche Stelle […].“

Also zum Beispiel bei Quotenregelungen und Bundesgleichstellungsgesetz.

„Die Ungleichbehandlung muss in Abhängigkeit von bestimmten Merkmalen des Grundrechtsinhabers […] erfolgen. Art.3 Abs.3 S.1 enthält ein (grundsätzliches) Anknüpfungsverbot […].“

Außer wenn es um Männer und Frauen, also das Geschlecht, geht. Das hat aus irgendeinem Grund eine Sonderstellung in dieser Aufzählung…

„Die Ungleichbehandlung hängt etwa vom Vorliegen eines der Merkmale ab, wenn bestimmte politische Vereine gegenüber anderen benachteiligt werden, nicht jedoch wenn alle politischen Vereine benachteiligt oder bevorzugt werden oder wenn eine Regelung ihrer Struktur nach zu Lasten aller politischen Auffassungen geht […].

Die Ungleichbehandlung in Abhängigkeit von einem der aufgeführten Merkmale liegt zunächst vor, wenn die Maßnahme auf das Merkmal (rechtlich) abhebt (direkte Ungleichbehandlung).“

Also z.B. wenn da steht, dass eine Frau bevorzugt eingestellt werden muss?

„Dabei dürfte allein relevant sein, ob der Grundrechtsverpflichtete darauf abhebt, nicht ob das Merkmal tatsächlich gegeben ist. Abs.3 S.1 kommt aber auch in Fällen indirekter Ungleichbehandlung […] zum Tragen, wenn zwar nicht an eines der problematischen Merkmale angeknüpft wird, das verwandte Differenzierungskriterium aber i.E. immer oder in den meisten Fällen auf eine Verwendung des Merkmals hinausläuft […].“

Also wie bei der Geschlechterquote in Aufsichtsräten, wo Menschen einen Job nicht bekommen, weil sie ein bestimmtes Geschlecht haben?

„b) Die einzelnen Merkmale.

Die Merkmale des Abs.3 S.1 kennzeichnet, dass „auf deren Vorhandensein oder Fehlen der Einzelne keinen oder nur einen begrenzten Einfluss nehmen kann“ […]“

Wie Geschlecht, Rasse, Abstammung.

„oder dass der Betroffene auf deren Vorhandensein wegen des Schutzes bestimmter Freiheitsgrundrechte keinen Einfluss nehmen muss.“

Wie religiöse oder politische Anschauung,

„Der Katalog der Merkmale wird als abschließend angesehen, so dass eine analoge Anwendung ausscheidet […]. Im Einzelnen werden folgende Merkmale geschützt:
1. aa) Das Geschlecht ist einmal bei der Ungleichbehandlung von Männern und Frauen betroffen. Insoweit ist auch Abs.2 einschlägig […], weshalb darauf bereits eingegangen wurde […]. Art.3 Abs.3 S.1 dürfte zudem eine Ungleichbehandlung von Hermaphroditen erfassen und insoweit über Art.3 Abs.2 hinausgehen. Zudem wird eine Ungleichbehandlung wegen des Wechsels des Geschlechts erfasst, was für Transsexuelle von Bedeutung ist.“

Und damit schließen wir das Drama in vier Akten. Es folgt noch der Epilog.