Feministinnen und das finstere Mittelalter

Die taz schreibt, dass Feministinnen möchten, dass wir ins finstere Mittelalter zurückkehren. Sie wollen Hexenprozesse und Mobmentalität zurück. Und auch Menschenrechte scheinen ihnen nicht so wichtig zu sein.

Doch vorher eine total ernstgemeinte Triggerwarnung: Dieser Beitrag enthält böse Worte und könnte Feministinnen in ihrem Selbstverständnis erschüttern. Ich war so richtig wütend über diesen TAZ-Artikel.

Der Fall Gina-Lisa Lohfink

#TeamGinaLisa ist ein Erfolg

Feministinnen solidarisieren sich mit dem Model Gina-Lisa Lohfink. Das hat für Verwirrung gesorgt. Dabei ist die Reaktion nur folgerichtig.

Korrekt und wir werden sehen, warum.

Am 1. Juni bricht Lohfink bei einer Gerichtsverhandlung zusammen. Es geht um einen Strafbefehl, gegen den Lohfink Berufung eingelegt hatte. Sie soll 24.000 Euro wegen einer Falschbeschuldigung zahlen.Der Prozess dreht sich um Videoaufnahmen aus dem Jahr 2012, die zwei Männer und Lohfink zeigen. Bei was sie da zu sehen sind, darüber diskutiert mittlerweile fast jedes Medium – von der Gala bis zur FAZ. Es kursieren Ausschnitte, in denen Lohfink mehrmals „Hör auf“ sagt.

Nein tut er nicht. Er dreht sich nicht um Videoaufnahmen, er dreht sich um die mögliche Falschbeschuldigung. Die Videoaufnahmen sind Teil der Beweise, wie auch Chatlogs und Zeugenaussagen. Dieses kurze 2 Minuten Videoschnipsel ist OFFENSICHTLICH zusammengeschnitten. Es gibt also mehr Material und das wurde auch bei der Verhandlung wegen Vergewaltigung begutachtet, wenn man den Medienberichten glauben darf. Und dies scheint zusammen mit Chatlogs, Zeugenaussagen und was weiß ich sonst noch für Beweisen auszureichen, um Anklage wegen Falschbeschuldigung zu erheben. Also nicht nur, dass das Gericht anhand der Beweislage sagt: Wir können es nicht genau determinieren ob eine Vergewaltigung vergelegen hat – NEIN – es ist eher so, dass das Gericht festgestellt hat, dass genug Beweise dahingehend vorliegen, dass es einvernehmlicher Sex war. Womit sich Frau Lohfink strafbar gemacht hätte.

Die Falschbeschuldigung sei, dass sie während des vorherigen Prozesses die Vermutung äußerte, man habe ihr K.-o.-Tropfen ins Getränk getan. Julia Schramm, Feministin und Publizistin, fasste als Erste auf Twitter zusammen: „Frau wird vergewaltigt, es wird gefilmt und dem Boulevard angeboten und die Staatsanwältin erhebt Anklage gegen sie.“ Danach twittert sie: #teamginalisa. Nadia Shehadeh griff das auf ihrem Blog „Shehadistan“ und dem Blog der „Mädchenmannschaft“ auf, immer mehr Solidaritätsbekundigungen folgten.

Frau Julia Schramm hat in ihrer Zusammenfassung einige wichtige Details vergessen:

1.: Es wurde zuerst Anklage gegen die Filmdreher erhoben.

2.: Im Zuge dessen hat Frau Lohfink BEHAUPTET vergewaltigt worden zu sein.

3.: Diese Vorwürfe stellten sich vor Gericht als Substanzlos heraus.

4.: Danach wurde Frau Lohfink angeklagt.

Dass Frau Schramm diese wichtigen Details „vergisst“ in ihrer Zusammenfassung und Frau Lohfink als Opfer darstellt, ist – frech.

Natürlich kann die Justiz hier einen oder mehrere Fehler gemacht haben. Vielleicht auch die Sachverständigen. Alles möglich. Und ich bin gerne bereit, wenn neue Beweise auftauchen und sie entsprechend gesichtet werden, meine Meinung zu ändern. Aber wie jetzt die Beweislage ist, wurde Frau Lohfink nicht vergewaltigt und wird als mögliche Straftäterin zu Recht vor Gericht gezerrt.

Wieviele Solidaritätsbekundungen Frau Lohfink auch immer bekommen mag. Das ist mir relativ egal. Mich interessiert, was passiert ist und was sich nachprüfen lässt. Auf Grund der Beweise soll das Gericht entscheiden. Es sollte so objektiv wie möglich passieren.

 

Das #TeamGinaLisa steht. Es steht so sichtbar, dass stern.de-Chefredakteur Philipp Jessen schreibt: „Die weibliche Solidarität denkt nicht in Schubladen. Und genau das zeigt die Stärke des jungen, deutschen Feminismus.“ Schwesig tritt in den nächsten Tagen dem Hashtag bei, Heiko Maas treibt die Reform des Sexualstrafrechts weiter voran – mit dem Grundsatz „Nein heißt nein“.

An dieser Stelle habe ich mich entschlossen einen Blogeintrag zu schreiben. „Weibliche Solidarität denkt nicht in Schubladen“. Hier geht es darum einer Frau vorbehaltlos geglaubt wird, weil sie eine Frau (obacht Schublade) ist. Die Beweislage interessiert nicht. Was zählt ist: Die Frau hat behauptet ein Vergewaltigungsopfer zu sein, also ist sie eins, also muss sie unterstützt werden.

Es tut mir Leid, dass der „weiblichen Solidarität“ so sagen zu müssen, aber wenn die Solidarität Narrativ über Fakten stellt, dann hat diese Solidarität in einem sozialen, demokratischen freiheitlich-liberalen Rechtsstaat nichts verloren.

Denn – gues what – auch angeklagte Personen haben Rechte, auch der Staat hat Rechte. Und wenn die Beweislage darauf hindeutet, dass Frau Lohfink versucht hat die Justiz zu missbrauchen, dann verdammte Axt, muss dieser möglichen Straftat eben nachgegangen werden.

Wie sieht ein Opfer aus?

„Hör auf heißt hör auf“ muss es im Fall Lohfink heißen, egal wie sie aussieht. Das ist Konsens unter sich sonst durchaus gegenüberstehenden Lagern. Auch die Emma ist im #TeamGinaLisa. Feministinnen wissen, wie gefährlich die Beurteilung einer Frau nach ihrem Äußeren sein kann. Deshalb hielten viele schon vor fünf Jahren auf dem Slutwalk in Berlin Sprüche wie diesen hoch: My dress is not a yes. Mein Kleid ist keine Einladung.

„Hör auf“ kann vieles heißen. Es ist die Frage zum Beispiel worauf sich das „Hör auf“ bezieht. Auf den Sex? Auf die Videoaufnahme? Auf das Atmen? Das sie anschauen? Hör auf mit Ton aufzunehmen?

„Feministinnen wissen wie gefährlich…“ Ist euch jemals in den Sinn gekommen, dass alle anderen das auch wissen? Ist euch jemals der Gedanke gekommen, dass – im Gegensatz zu Feministinnen – alle anderen wissen, dass auch eine Frau lügen kann? Oder eine falsche Aussage machen kann?

Schade, dass ich Feministinnen mit ihrer weiblichen Solidarität das so sagen muss, aber das #NICHTteamginalisa denkt nicht in Schubladen sondern sucht Beweise. (An dieser Stelle ein aus vollem Herzen gepostetes #ProRechtsstaat.)

Anlass der Slutwalks war die Aussage eines Polizisten in Kanada, der meinte, junge Frauen sollten sich nicht „wie Schlampen“ anziehen, wenn sie sich nicht der Gefahr einer Vergewaltigung aussetzen wollten. Dieser Satz lässt sich weiter drehen: Wer nicht vergewaltigt werden möchte, solle sich bitte schön auch nicht betrinken.

Und hier zeigt wie selten – verzeihung – dämlich die Autorin ist.

Es geht darum die Wahrscheinlichkeit einer Vergewaltigung zu reduzieren. Es wird immer wiederliche, abstoßende Spinner geben, die das einen Scheiß interessiert, aber wenn du partout nicht vergewaltigt werden willst, dann gibt es Maßnahmen die du ergreifen kannst. Unter anderem, dich nicht wie eine Schlampe anzuziehen und nicht zuviel zu trinken (was nebenbei generell ein guter Ratschlag ist). Grundsätzlich ist es so: Je sicherer du sein willst, desto mehr Freiheiten musst du aufgeben.

Wir sehen das auch im Kampf gegen den Terror, wo immer mehr Rechte beschnitten werden, die Bevölkerung abgehört wird usw. um mehr Sicherheit zu bekommen.

Kann man wirklich so naiv und dumm sein, dass nicht zu begreifen. Niemand hat gesagt, zieh dich nicht schlampig an und trink keinen Alkohol mehr. Dieser Polizist sagte: Du hast die Wahl.

Ein User schreibt auf Twitter: „Die größte Schlampe der Welt will auf einmal vergewaltigt worden sein. #iskla #unnötigeraufwand #teamginalisa“. Da ist eine, die in ihrer Kleiderwahl freizügig ist, die Pornos gedreht hat, sich die Brüste vergrößern ließ und in dieser Nacht getrunken hat. Geben Frauen mit Pegel und Ausschnitt ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung ab? Es geht um die Fragen: Wie sieht ein Vergewaltigungsopfer aus? Und wie verhält es sich richtig?

Interessant, dass kein Link zu dem Twitteruser dabei ist. Ich reiche euch den mal nach. Wir wollen ja nicht, dass man euch unterstellt, euch Tweets aus dem A**** zu ziehen.

Zu den Fragen: Nein; unterschiedlich; es geht sofort zur Polizei und zeigt eine Vergewaltigung an. Nicht erst das Video im Internet und dann irgendwann später die Vergewaltigung.

JEDOCH spielt ihre vorherige Lebensweise und ihre Kleiderwahl durchaus eine Rolle. Wenn nämlich zum Beispiel eine Aussage nicht eindeutig ist (also A oder B bedeuten kann) aber das Built-Up zu dieser Situation A sagt, dann ist das schon relevant. Dazu gehört halt auch, wie sich ein Mensch gibt und was ein Mensch in der Vergangenheit gewollt hat. Gerade bei Vergewaltigung ist das ein wichtiger Aspekt. Denn der Sexualakt an sich ist nicht strafbar. Sonst wäre jede Person die schon einmal Sex hatte ein/e Straftäter/in. Hier ist es wichtig, wie sich die Personen entscheiden. Wenn eine Person nicht zustimmt -> Vergewaltigung. Wenn beide zustimmen -> Sex. Dazu muss ich aber wissen, DASS die andere Person will, oder das nicht will.

Nun können Menschen aber nicht Gedanken lesen. Deshalb muss die Person, die kein Interesse an Sex hat, das auch deutlich machen. Mit Betonung auf deutlich. Nicht einmal das kleine, zusammengeschnippselte ca. 2 Minuten Video zeigt deutlich, was sie mit „Hör Auf“ meint. Man kann daraus annehmen, dass der Sex gemeint ist. Allerdings scheint das der Öffentlichkeit nicht zugängliche Videomaterial eher auf das Filmen denn auf den Sex hinzudeuten.

Der Schock steht vor der Erkenntnis

Diese Fragen bleiben wichtig. Egal, wie der Prozess ausgeht. Dass darüber jetzt gesprochen wird, ist ohne #TeamGinaLisa nicht denkbar. Es hat die geballte Kraft der Feministinnen im Netz gebraucht, um den Blick auf das Schicksal einer Frau zu lenken, die sonst in links-intellektuellen Kreisen verlacht wird. „So eine“ sei das eben, wie eine Journalistin auf Facebook schrieb.

Oh, politisches Lagerdenken?

Aber Spaß beiseite. Es wird hier so dargestellt, als wenn es etwas Gutes wäre, dass wir jetzt darüber reden. Ist es aber nicht.

Es ist nicht gut, dass wir dem #TeamGinaLisa erklären müssen, dass Beweise relevant sind. Es ist nicht gut, dass wir dem #TeamGinaLisa erklären müssen, dass wir im Zweifel für die Angeklagten entscheiden (auch für Gina-Lisa Lohfink). Es ist nicht gut, dass wir soetwas einem „Team“ erklären müssen, zu dem sich der Bundesjustizminister und die Bundesfamilienministerin bekannt hat. Es ist nicht gut, dass wir darüber reden müssen, dass Menschenrechte wichtig sind. Es ist nicht gut, dass wir sagen müssen, dass Hexenverbrennungen falsch waren. Und es ist auch nicht gut, dass wir im Jahr 2016 nach über 100 Jahren Feminismus Feministinnen noch immer erklären müssen, dass die Entscheidungen, die ein Mensch trifft auch (positive wie negative) Konsequenzen haben kann.

Wenn wir solche Dinge einem Kind erklären müssen. Klar macht Sinn, aber wir haben es hier mit erwachsenen Menschen in teils sehr mächtigen Positionen zu tun.

Am letzten Wochenende berichtete der Spiegel, dass sich Lohfink eine Nacht nach der besagten erneut mit einem der mutmaßlichen Täter traf. Auf Spiegel Online fühlt sich Jan Fleischhauer bestätigt, dass das #TeamGinaLisa die Ausgeburt hysterischer „SchnellrichterInnen“ sei, für die der Wahrheitsgehalt der Aussagen Lohfinks keine Rolle spiele.

Also nachdem das #teamginalisa alle Beweise ignoriert hat, sachliche Argumente ignoriert hat und sich über die Konsequenzen ihres Geblubbers keine Gedanken gemacht hat, wundern sich noch Leute darüber, dass Feministinnen als „hysterische Schnellrichterinnen“ wahrgenommen werden.

Wenn du lange und hart an einem Ruf arbeitest bekommste ihn halt auch irgendwann.

Entscheidungen von Gerichten werden immer wieder in Frage gestellt. Natürlich sind Medien nicht dafür da, zu verurteilen. Aber sie sind ein Korrektiv. Wir würden in keiner Demokratie leben, wenn Urteile nicht kritisierbar wären. Gerade in einem Fall, in dem eine Frau wegen vermeintlicher Falschaussage verurteilt wird, nachdem sie eine Vergewaltigung angezeigt hat, liegt ein öffentliches Interesse. Denn das Signal, das bei Opfern ankommt, ist fatal: Wenn du anklagst, rechne mit einer Gegenklage.

An dieser Stelle ein aus vollem Herzen kommendes FICK DICH „denk nochmal drüber nach“ an die Autorin. Sie wird also wegen einer „vermeintlichen Falschaussage“ verurteilt, weil sie eine Vergewaltigung angezeigt hat? Scheint die Beweislage nicht eher zu sein, dass sie vermeintlich Vergewaltigt wurde? Scheint die Beweislage nicht eher zu sein, dass sie falsch ausgesagt hat?

Natürlich hat sie damit recht, dass man Urteile in Frage stellen darf. Natürlich hat sie recht, dass dies möglich sein muss. Absolut. Aber wenn du Kritik äußern willst, dann basiere diese VERDAMMT NOCH MAL AUF FAKTEN!

Welchen VERDAMMTEN Beweis hat hier die Autorin vergebracht. Nicht einen einzigen. Die Kritik am Urteil beruht darauf, dass einer Frau nicht geglaubt wird.

Aber warum wird der Frau nicht geglaubt? Weil die Beweise etwas anderes sagen als das, was sie aussagt.

Tja, liebe Feministinnen, wird sind schon weiter als ihr. Wir sind nämlich der Meinung, dass Frauen alles so gut könne wie Männer. Und dazu gehört auch lügen. Und weil wir mit der Emanzipation schon 1000x weiter sind als ihr, glauben wir – gerade in der Justiz – Menschen nicht einfach so, sondern stellen Fragen, versuchen objektiv Beweise zu finden usw. . Ich habe keine Ahnung ob es den Feministinnen schon aufgefallen ist, aber wir leben nicht mehr im Mittelalter.

Es liegt im öffentlichen Interesse, dass Sie, Frau Gottschalk, NIE WIEDER publizieren.Sie verdrehen die Fakten, lassen wichtige Informationen weg UND interpretieren auch noch einen Bullshit in die Halbwahrheiten hinein, dass man kotzen könnte.

Das Signal, dass bei Opfern ankommt ist folgendes: Wenn Du ein Opfer bist, wirst Du entsprechend behandelt und wenn Du das Opfer einer Falschbeschuldigung bist, dann helfen wir auch dir. Das ist ein sehr, sehr, sehr gutes Signal und ich freue mich sehr darüber. Frau Lohfink ist Opfer davon geworden, dass man einen Film veröffentlicht hat, der sie in einer sehr privaten Situation zeigt. Und die Täter wurden verurteilt. Frau Lohfink hat sie – entsprechend der Beweise – falsch der Vergewaltigung/der Anwendung von K.O. Tropfen beschuldigt und sie hat ihre Strafe erhalten. Eigentlich ist dieses durchaus gerechte Verhalten ein Grund zur Freude – es sei denn natürlich, dass man nicht an einem freiheitlich-liberalen demokratischen Rechtsstaat interessiert ist.

Zitat: „Feministinnen solidarisieren sich mit dem Model Gina-Lisa Lohfink. Das hat für Verwirrung gesorgt. Dabei ist die Reaktion nur folgerichtig.“

Jetzt wissen wir was ihr wollt, ihr scheiß totalitären Arschlöcher.

Die Spiegel-Recherchen belegen nichts. Viele Frauen beschreiben, wie sie erst nach Tagen verstehen, dass etwas passiert ist, das nicht okay war. Für jede Frau, die eine solche Erfahrung macht, steht der Schock vor der Erkenntnis. Viele Frauen haben mit ihrem Vergewaltiger weiterhin Kontakt – etwa, weil er ihr Ehemann ist.

Das was Du hier hinrotzt belegt auch nichts. Ob eine Frau erst nach Tagen versteht, was passiert ist, welchen Schock sie erlitten hat, ob sie weiterhin Kontakt hat, ist alles nicht irrelevant, denn es sind Indizien. Verurteilt wirst Du aber nicht wegen Indizien sondern wegen Beweisen. Zum Beispiel den 11 Videodateien oder den Chatlogs.

„Vergewaltigung gibt es nicht“

Der Stern zitiert Lohfink aus einem Vernehmungsprotokoll von 2012: „Vergewaltigung, das ist so ein großes Wort. Wie nennt man das, wenn man Sex nicht will?“ Ja, Vergewaltigung ist ein großes Wort. In feministischen Diskursen wird häufig von Consent, von Einverständnis, gesprochen. Wenn eine Frau etwa Ja zum Sex sagt – aber nicht zur Penetration ohne Kondom. Oder: Ja zum Sex, aber Nein zur Filmaufnahme.

Ohhhh, schön von „Vergewaltigung“ auf „Consent“ rübergeschwenkt. Nur weil „Consent“ fehlt ist es keine Vergewaltigung. Ich könnte hier natürlich ein Beispiel von außerhalb des sexuellen Bereiches geben, aber ich lass das mal. Wenn ich mit meiner Freundin Sex habe, kann ich davon ausgehen, dass sie das will. Wir sind in einer Beziehung, wir hatten schon mehrfach Sex. Wenn ich jetzt nochmal den Sexualakt einleite, kann ich davon ausgehen, dass sie das will BIS sie mir etwas anderes zu verstehen gibt.

Vor allem bist Du, dumme Autorin, hier das erste Mal mit einer Punktlandung angekommen. Die Beweise legen ein „Ja zum Sex“ und ein „Nein zur Filmaufnahme nahe“. Interssanterweise ist es genau das, was auch zur Verurteilung der beiden Täter (Veröffentlichung der nicht einvernehmlichen Filmaufnahme) und der Täterin (Falschbeschuldigung nicht einvernehmlichen Sex durchgeführt zu haben) geführt hat.

Die Spiegel-Recherchen machen das diffuse Bild noch undurchsichtiger. Willkommen in der weiblichen Lebensrealität 2016. Eine Realität, in der es kein Verhalten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gibt, kein Opferverhalten oder einen Kleidungsstil, der eine Tat wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher macht.

Willkommen in der weiblichen Lebensrealität 2016 – eine Lebensrealität, die nicht einfach ist. Schätzchen, wir nicht-Feministen wissen das schon seit Jahrtausenden. Und da wir euch Wissenstechnisch weit voraus sind, lass mich Dir noch was sagen: Die männliche Lebensrealität ist auch nicht leicht.

WTF? In der weiblichen Lebensrealität 2016 gibt es kein Verhalten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss? Kein Opferverhalten?

Mach Dich nicht lächerlich. Natürlich verhält man sich irgendwie unter Drogen- oder Alkoholeinfluss. Das heißt aber nicht, dass man für dieses Verhalten nicht verantwortlich ist. Stell Dir vor jemand fährt Deine Kinder (so du denn welche hast) im besoffenen Kopp über den Haufen. Sollten wir die Person nicht zur Verantwortung ziehen?

Sollte ein vermeintliches Opfer alles tun dürfen (inklusive z.B. Beweise vernichten)? Wie erkennen wir ob die Person tatsächlich ein Opfer ist?

Aber ja, es gibt Kleidungsstile, die eine Tat wahrscheinlicher machen. Wenn du in einem T-Shirt und ohne sonstige Kleidung rumläufst und auf dem T-Shirt steht: Fuck me everywhere, dann würde das eine Tat begünstigen.

Auch eine sexy Kleidung begünstigt eine Tat. Es ist nunmal erwiesen, dass Menschen die sexuell erregt sind eher etwas unmoralisches tun würden (z.B. Lügen oder auch Sex erzwingen -> Vergewaltigen) als Menschen die nicht sexuell erregt sind.

Mithu Sanyal sagte 2012 im Missy Magazine: „Vergewaltigung gibt es nicht.“ Sie meinte damit, dass es die Vergewaltigung, wie wir sie uns vorstellen, selten bis nie gibt.

Was sie meint ist egal. Das Klischee von Vergewaltigung existiert sehr wohl und das nicht nur „selten bis nie“. Was ist denn das Klischee? Was denn das, was sich Leute vorstellen? Der Fremde, der die arme Frau aus in den Busch zerrt und dann vergewaltigt.

Mithu Sanyal scheint von dem Thema nicht mal grundlegendes Wissen zu haben. Zum Beispiel sagt die Polizei NRW, dass ca. 1/3 aller Taten von komplett Fremden begangen wurden (was ja wohl dem Klischee entspricht).
Fremdtäter: 1/3
Opfer und Täter kannten sich vor der Tat absolut nicht.

Das ergänzt durch ein weiteres drittel flüchtige Vorkontakte:
Bekannte Täter: 2/3
Flüchtige Vorkontakte und Beziehungstaten, d.h. Opfer und Täter kannten sich schon vor der Tat. […]
2/3 aller Täter waren den Opfern vor der Tat bekannt, von allen ausgewerteten Delikten warenes zu 49% flüchtige Vorkontakte (326 Taten) und zu 51% Beziehungstaten (332 Taten).

Also anders ausgedrückt: in 2/3 aller Fälle ist das Täter/die Täterin dem Opfer nicht oder nur flüchtig bekannt (also z.B. „Bei Vorkontakten, die in der Kneipe / Disco entstanden„). Ziemlich klischeemäßig oder?

Tatort: „In 35% der Fälle war die Tatörtlichkeit der öffentliche Raum ( Straße 34%, Park und Parkplatz je 20% ).

Oder um das Klischee einfach mal ganz stumpf zu zitieren:

Tatörtlichkeit Park
Von den 1042 ausgewerteten Taten fanden 88 Taten (8%) im Park statt.
Die Täter waren in 50 Fällen Fremde (57%).
Der Tatzeitraum lag in über ¾ aller Fälle zwischen 16.00 und 07.00 Uhr.
In ¾ aller Fälle der Sexuellen Nötigung im Park leisteten die Opfer Gegenwehr, davon wiederum in ¾ der Fälle auch erfolgreich.

Juristische Klarheit muss ab dem 27. Juni das Amtsgericht Tiergarten in Berlin bringen. Dass parallel dazu vor dem Gericht das Protestbündnis #TeamGinaLisa demonstriert, ist genauso wichtig.Die Botschaft ist: Selbst wenn dir keiner glaubt, gibt es einen Haufen Feministinnen, die hinter dir stehen. In einer Zeit, in der die meisten Frauen Vergewaltigungen nicht anzeigen – aus Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird –, ist dieses Zeichen wichtig und bitter nötig.

Genau, dass das #TeamGinaLisa parallel protestiert ist wichtig, denn die Botschaft ist: wir wollen die Hexenprozesse zurück und Mobmentalität. Denn seid euch gewiss: Feministinnen stehen hinter dir, egal was die Beweise sagen, denn sie stehen dir bei, weil du eine Frau bist (und das ganz ohne Schubladendenken).

Aber ich stimme Dir zu, wiederliche, menschenverachtende Autorin. Dieses Zeichen ist wichtig und bitter nötig. Die Menschen müssen wissen mit was für einem ekelerregenden Abschaum man es zu tun bekommt, wenn man sich mit Feministinnen einlässt.

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Margarete Stokowskis Fragezeichen

Margarete Stokowski hat eine Reihe an Fragen in ihrer Kolumne (Archiv) herausgegeben, die ich – ganz Gentleman – gerne beantworte.

Wie ist es möglich, in einer Zeit, in der wir täglich mit Verbrechen konfrontiert sind, die aus Hass entstanden sind, Zustände zu kritisieren, ohne selbst des Hasses verdächtigt zu werden?

Als Männerrechtler stelle ich mir regelmäßig diese Frage. Wie ist es möglich, dass, wenn ich kritisiere, dass man in Deutschland Jungs die Genitalien verstümmeln darf, ich als rechtsradikaler, frauenfeindlicher, homophober Islamophob bezeichnet werde?

Ist die Unterscheidung zwischen Wut und Hass etwas, was vielen Menschen fremd ist?

Ich denke, denn die Grenzen sind sehr fließend. Um einen signifikanten Unterschied dem geneigten Leser (und auch der geneigten Leserin) zu vermitteln: Wut bezieht sich auf ein temporäres Ereignis und klingt mit der Zeit ab, während Hass länger anhält.

Z.B. kann ich wütend auf mich sein, weil ich mich falsch verhalten habe. Dafür muss ich mich aber noch lange nicht hassen. Wenn ich dieses Verhalten aber trotz besseren Wissens immer wieder zeige (z.B. Faulheit), kann ich mich dafür hassen, bzw. dieses Charaktermerkmal an mir.

Ist Wut überhaupt etwas, was sich artikulieren lässt ohne wie ein Panzer zu klingen?

Ja, ich gebe da das Stichwort: Kalte Wut.

Wenn man einmal als wütend verstanden wurde, kann man beim nächsten Mal als entsetzt, traurig, verstört, beunruhigt, belustigt, gelangweilt verstanden werden? Oder auch mal nicht emotional? Fragend, zum Beispiel?

Ja, natürlich. Die Frage ist, ob dies Deine Intention ist und wie Du dies rüberbringst, damit der andere diese Intention versteht. Zu einem Missverständnis gehören immer zwei.

Kann man als wütend verstanden werden und zugleich als fragend, im selben Moment? Oder in dem direkt danach?

Ja (s.o.).

Wie ist es möglich, durch ein Megafon zu flüstern?

Das ist problemlos möglich, aber ob das Megafon jetzt eine Lautstärke von 100 dB 4x verstärkt oder von 5 dB. Es wird immer 4x verstärken. Wenn Du willst, dass das Megafon nicht verstärkt, schalte es aus und flüster dann dadurch.

Ist folgende Idee von Kritik vorstellbar? Wenn ich sage, ich will genau andersrum sein als dieser Typ, der mit einer Fackel im Hintern zu einer Fußballfeier ging und diese dann anzündete – genau andersrum, weil Pyrotechnik aus seinem Hintern zu holen und damit Menschen zu verletzen genau das Gegenteil von Kritik ist, wenn Kritik etwas ist, was das Licht der Öffentlichkeit versucht auf Stellen zu lenken, an denen gerade die Sonne nicht scheint? Etwas, das sich um die Geste schert, wenn sie Kunst ist, aber ansonsten eben nicht als Geste gedeutet werden will? Weil sie nichts aus dem Hintern holt, sondern auf etwas zeigt, meinetwegen mit beiden Händen?

Kritik ist ersteinmal sachneutral. Kritik ist nicht per se immer negativ. Es gibt durchaus auch positive Kritiken.

Kritik ist aber nicht das genaue Gegenteil von „Pyrotechnik aus dem Hintern holen und damit Menschen […] verletzen“. Denn wie man zum Beispiel an Anita Sarkeesian sehen kann, ist sie eine so genannte Popkulturkritikerin. Sie zieht sich auch regelmäßig, sinngemäß, Dinge aus dem Hintern und wird dafür gefeiert.
Diese Misrepräsentationen der Games (und ihrer Spieler) hat viele Leute extrem verletzt. Zumal sie so, ziemlich direkt, als transphob, homophob, Sexisten und was weiß ich sonst noch bezeichnet wurden.

Und sie hat damit nicht einmal das Licht der Öffentlichkeit auf  eine Stelle gelenkt, wo die Sonne nicht scheint.

Gibt es die Möglichkeit, Begriffe aus anderen Sprachen zu verwenden, ohne zu klingen wie eine klugscheißende Nervensäge oder wie ein ideologisch verblendeter Mensch, der alles mit einem Begriff erklären will?

Wenn Du ALLES mit einem Begriff erklären willst, dann musst Du davon ausgehen, dass Du ein ideologisch verblendeter Mensch bist. Vollkommen egal ob dies nun ein Fremdwort ist oder nicht (Patriarchat, Gott, Zionismus als Beispiele).

Es gibt natürlich Begriffe aus anderen Sprachen die viel griffiger sind (Sport im Vergleich zu Leibesertüchtigung z.B.) und mit ihrer Kürze mehr aussagen, als es in der eigenen Sprache möglich ist.

Jedoch stellt sich auch hier wieder die Frage, wie Du etwas rüberbringst, denn das kann entscheidend bei der Frage sein, ob Du als klugscheißende Nervensäge oder als kluger Mensch rüberkommst.

Wenn etwas, das ich sage, wie Hass klingt, an welcher Stelle zwischen den getippten und den wahrgenommenen Worten entsteht dieser Klang?

Das ist sehr schwierig zu sagen. Manchmal sind es einzelne Worte, die diesen Klang vorgeben, manchmal die Aussage. Frag Dich mal selbst: Wann werden Facebookposts für dich fremdenfeindlich? Wann drücken sie Hass aus? Wann Hetze? An welcher Stelle werden diese für Dich Hass?

Ist es vielleicht die Stelle, wo alle über einen Kamm geschoren werden? Oder die Stelle, wo alle dieser Gruppen „in Sippenhaft“ genommen werden?

Ist es möglich, alltägliche Dinge zu kritisieren ohne unterstellt zu bekommen, dass man provozieren will?

Klar, wenn Du sie für Dich alleine im stillen Kämmerlein kritisierst oder gegenüber Leuten, wo Du weißt, dass sie Dir zustimmen.

Aber ist der Sinn von Kritik nicht eine gewisse Provokation? Möchtest Du nicht eine Änderung provozieren, möchtest Du nicht jemanden dazu herausfordern/provozieren sich oder das Kritisierte zu ändern?

Gibt es Menschen über fünf Jahre, die denken, dass Provokation an sich wertvoll ist?

Eine ganze Menge. Ich möchte Dir folgende Youtube Playlist der Oxford Union ans Herz legen. Dabei speziell die Videos von Brendan O’Neill und Shami Chakrabarti.

Provokation ist elementar wichtig um einen gesellschaftlichen Aushandlungsprozess in Gang zu setzen. Wären Homosexuelle heute in Deutschland nicht weitestgehend sicher, wenn sie nicht provoziert hätten? Hätte es eine Reformation des Christentums gegeben, wenn Martin Luther nicht provoziert hätte?

Ist es möglich, solche Fragen zu stellen ohne dass sie wie rhetorische Fragen klingen?

Wie etwas klingt liegt im Regelfall beim Sender, der Empfänger interpretiert.

Ist Hetze so alltäglich geworden, dass sie Kritik geschluckt hat?

Ich befürchte ja. Einen großen Anteil daran haben Menschen, die jede Form der Kritik an – zum Beispiel dem Islam – als islamophob und rassistisch verschrien haben. Auch Kritik am Feminismus, bzw. eines Teiles seiner Akteure wird immer wieder als Hetze ausgelegt.

„Musste“ Jo Cox sterben, was ist das für ein „müssen“, was für ein Bild von Unausweichlichkeit wird da gezeichnet?

Ich weiß, dass es nicht das ist was Du meinst, aber das ist das einzige, was absolut sicher ist. Sterben müssen wir alle mal.

Allerdings bezieht sich Deine Frage vermutlich eher auf „Musste Jo Cox sterben?“ wobei dies hier rhetorisch zu verstehen ist. Bei der Frage „Warum musste Jo Cox sterben?“ ist eher gemeint, „Warum meinte der Attentäter, dass Jo Cox sterben musste?“.

Gibt es eine Variante der Ernsthaftigkeit, die radikal ist, ohne als wahnsinnig wahrgenommen zu werden?

Ernsthaftigkeit kann nicht radikal sein. Radikale Standpunkte können ernsthaft vertreten werden, jeder Mensch kann ernsthaft radikal sein.

Du wirst aber, egal wie ernsthaft du einen Standpunkt vertrittst und egal wie wenig wahnsinnig die überwältigende Mehrheit der Gesellschaft dies für nicht wahnsinnig betrachtet, immer jemanden finden, der das als wahnsinnig bezeichnet.

Ist Selbstgerechtigkeit der Grundton, der ab einer bestimmten Reichweite immer mitschwingt?

Nein. Nur bei Leuten, die sich der Kritik an ihnen und ihren Tätigkeiten nicht stellen und ihre Handlungen nicht reflektieren.

Fühlen sich Menschen schneller verachtet in einer Zeit, in der Sicherheiten verloren gehen und ist dieses Gefühl der Versuch sich vermeintlicher Fronten sicher zu werden?

Ich wüsste nicht ob das Gefühl verachtet zu werden korreliert mit Zeiten in denen Sicherheit verloren geht. Es sei denn natürlich Sicherheiten gehen für Dich verloren, weil Du verachtet wirst wie es zum Beispiel bei der jüdischen Bevölkerung in Deutschland während des Holocausts der Fall war.

Wenn Du Dich aber verachtet fühlst, dann wirst Du Dich automatisch fragen, von wem Du verachtet wirst und warum und was Du tun kannst. Letztendlich bleiben Dir ja nur zwei Möglichkeiten: Entweder im Ansehen der Verachtenden Person/Gruppe zu steigen durch Leistungen, die diese Person/Gruppe wertschätzt – oder halt eben Fronten zu ziehen und diese Person/Gruppe zu bekämpfen.

Nehmen wir mal wieder einige Feministinnen zur Hand. Diese glauben, dass unsere „patriarchale, kapitalistische Gesellschaft“ Frauen verachtet und unterdrückt. Als Grund führen sie oftmals ihr Frausein an. Und sie haben sich entschieden, dieses Patriarchat zu zerschlagen.

Warum fühlen sich Menschen, die das Konzept der „Microaggression“ ablehnen oder lachhaft finden, von bestimmten Begriffen selbst so schnell angegriffen?

Im Rahmen meiner immerfortwährenden Reflexion meiner selbst ist mir aufgefallen, dass ich mich besonders angegriffen fühle, wenn jemand mir sagt: „Aber du bist ja ein heterosexueller, weißer CIS-Mann aus Deutschland, du bist so privilegiert, du kannst da nicht mitreden.“ Damit wird meine Meinung, meine Erfahrung heruntergebuttert, weil ich heterosexuell bin (diese scheiß heterophoben Flachpfeifen), weiß bin (diese Rassistenschweine), CIS bin (diese cisphoben Dummschwätzer) und ein Mann bin (diese sexistischen Kackbratzen). Eine Meinung ist aber meiner Meinung nach nicht mehr oder weniger wert, nur weil ich das „passende“ Geschlecht oder die „passende“ Rasse habe. Ich fühle mich dann auf Grund meiner Rasse, meines Geschlechtes usw. herabgesetzt – verachtet.

Microaggressions sind aber ein ganz anderes Kaliber. Da geht es um fragen wie „Wo kommst Du her?“ oder ein überraschtes „Du kannst aber gut Deutsch sprechen.“zu einem Menschen mit Migrationshintergrund. Hier geht es um Aussagen, in denen zwar durchaus Bemerkt wird, dass jemand anders ist, dies aber nicht herabwürdigt.

Ist es schon Provokation, das zu fragen?

Nein. Wäre die Gegenfrage: „Hast Du Dich jemals gefragt, ob Microaggressions (μ-aggressions) im Vergleich zu dem, wovon sich die anderen beleidigt fühlen nicht wirklich nur 0,000001fache Aggressionen sind?“ Provokation?

Ist es Allgemeinwissen, dass es verschiedene Konzepte von Männlichkeit innerhalb einer Gesellschaft geben kann?

Ja. Es ist die Frage, welche Du als für Dich „richtig“ erachtest.

Ist das eine Zumutung, weil es so weit weg von den Selbstbildern ist oder eine Zumutung weil es doch so offensichtlich ist?

Was ist eine Zumutung? Verschiedene Konzepte von Männlichkeit? Eine Zumutung wird das erst, wenn andere von dir erwarten ein bestimmtes Konzept einzunehmen und du das nicht möchtest. Wenn man dir etwas aufzwingt, was du nicht willst. Zum Beispiel wenn du als Mann gerne Beschützer und Versorger spielst und eher nicht so gerne den Haushalt machst (also dieses klassische Rollenmodell vertrittst) und irgendwelche Leute mit Einfluss in Politik und Medien lauthals verlangen, dass du doch gefälligst 50% des Haushaltes zu machen hast.

Oder der genau umgekehrte Fall: Du machst gerne den Haushalt und bist gerne zu Hause und hast gar nicht so die Lust jeden Tag acht Stunden zu arbeiten und andere erwarten von dir, dass du für deine Familie versorgst.

Oder wenn dir ständig Leute vorhalten, dass du ein potenzieller Gewalttäter bist, weil du ein Mann bist, dies aber überhaupt nicht der Fall ist, weil du einer der friedfertigsten Menschen bist. Wenn dir also Leute ein Konzept von gewalttätiger Männlichkeit überstülpen (bzw. dich mitverantworlich machen) wollen, weil sie dem Problem selektiver Wahrnehmung zum Opfer gefallen sind, dann ist auch das eine Zumutung. Vor allem wenn du ein sehr friedfertiger Mensch bist (was körperliche Auseinandersetzungen angeht).

Ist Respekt etwas, was nicht mehr vorausgesetzt wird?

Leider nein. Wenngleich ich mich gerne mit Dir über Deinen Begriff von Respekt unterhalten würde. Es scheint nämlich mittlerweile sehr unterschiedliche Ansichten davon zu geben, was Respekt ist.

Gab es das mal, dass das ein Grundwert war?

Allumfassend? Meines Wissens nach nicht. Aber ich glaube das ist auch eher eine geschichts-philosophische Frage.

Muss man jedes Mal einzeln sagen, wen man respektiert, auch wenn es alle sind?

Nein. Muss man nicht. Es sei denn natürlich man sagt nur, dass man alle respektiert, aber die Handlungen deuten in eine andere Richtung.