Feministinnen und das finstere Mittelalter

Die taz schreibt, dass Feministinnen möchten, dass wir ins finstere Mittelalter zurückkehren. Sie wollen Hexenprozesse und Mobmentalität zurück. Und auch Menschenrechte scheinen ihnen nicht so wichtig zu sein.

Doch vorher eine total ernstgemeinte Triggerwarnung: Dieser Beitrag enthält böse Worte und könnte Feministinnen in ihrem Selbstverständnis erschüttern. Ich war so richtig wütend über diesen TAZ-Artikel.

Der Fall Gina-Lisa Lohfink

#TeamGinaLisa ist ein Erfolg

Feministinnen solidarisieren sich mit dem Model Gina-Lisa Lohfink. Das hat für Verwirrung gesorgt. Dabei ist die Reaktion nur folgerichtig.

Korrekt und wir werden sehen, warum.

Am 1. Juni bricht Lohfink bei einer Gerichtsverhandlung zusammen. Es geht um einen Strafbefehl, gegen den Lohfink Berufung eingelegt hatte. Sie soll 24.000 Euro wegen einer Falschbeschuldigung zahlen.Der Prozess dreht sich um Videoaufnahmen aus dem Jahr 2012, die zwei Männer und Lohfink zeigen. Bei was sie da zu sehen sind, darüber diskutiert mittlerweile fast jedes Medium – von der Gala bis zur FAZ. Es kursieren Ausschnitte, in denen Lohfink mehrmals „Hör auf“ sagt.

Nein tut er nicht. Er dreht sich nicht um Videoaufnahmen, er dreht sich um die mögliche Falschbeschuldigung. Die Videoaufnahmen sind Teil der Beweise, wie auch Chatlogs und Zeugenaussagen. Dieses kurze 2 Minuten Videoschnipsel ist OFFENSICHTLICH zusammengeschnitten. Es gibt also mehr Material und das wurde auch bei der Verhandlung wegen Vergewaltigung begutachtet, wenn man den Medienberichten glauben darf. Und dies scheint zusammen mit Chatlogs, Zeugenaussagen und was weiß ich sonst noch für Beweisen auszureichen, um Anklage wegen Falschbeschuldigung zu erheben. Also nicht nur, dass das Gericht anhand der Beweislage sagt: Wir können es nicht genau determinieren ob eine Vergewaltigung vergelegen hat – NEIN – es ist eher so, dass das Gericht festgestellt hat, dass genug Beweise dahingehend vorliegen, dass es einvernehmlicher Sex war. Womit sich Frau Lohfink strafbar gemacht hätte.

Die Falschbeschuldigung sei, dass sie während des vorherigen Prozesses die Vermutung äußerte, man habe ihr K.-o.-Tropfen ins Getränk getan. Julia Schramm, Feministin und Publizistin, fasste als Erste auf Twitter zusammen: „Frau wird vergewaltigt, es wird gefilmt und dem Boulevard angeboten und die Staatsanwältin erhebt Anklage gegen sie.“ Danach twittert sie: #teamginalisa. Nadia Shehadeh griff das auf ihrem Blog „Shehadistan“ und dem Blog der „Mädchenmannschaft“ auf, immer mehr Solidaritätsbekundigungen folgten.

Frau Julia Schramm hat in ihrer Zusammenfassung einige wichtige Details vergessen:

1.: Es wurde zuerst Anklage gegen die Filmdreher erhoben.

2.: Im Zuge dessen hat Frau Lohfink BEHAUPTET vergewaltigt worden zu sein.

3.: Diese Vorwürfe stellten sich vor Gericht als Substanzlos heraus.

4.: Danach wurde Frau Lohfink angeklagt.

Dass Frau Schramm diese wichtigen Details „vergisst“ in ihrer Zusammenfassung und Frau Lohfink als Opfer darstellt, ist – frech.

Natürlich kann die Justiz hier einen oder mehrere Fehler gemacht haben. Vielleicht auch die Sachverständigen. Alles möglich. Und ich bin gerne bereit, wenn neue Beweise auftauchen und sie entsprechend gesichtet werden, meine Meinung zu ändern. Aber wie jetzt die Beweislage ist, wurde Frau Lohfink nicht vergewaltigt und wird als mögliche Straftäterin zu Recht vor Gericht gezerrt.

Wieviele Solidaritätsbekundungen Frau Lohfink auch immer bekommen mag. Das ist mir relativ egal. Mich interessiert, was passiert ist und was sich nachprüfen lässt. Auf Grund der Beweise soll das Gericht entscheiden. Es sollte so objektiv wie möglich passieren.

 

Das #TeamGinaLisa steht. Es steht so sichtbar, dass stern.de-Chefredakteur Philipp Jessen schreibt: „Die weibliche Solidarität denkt nicht in Schubladen. Und genau das zeigt die Stärke des jungen, deutschen Feminismus.“ Schwesig tritt in den nächsten Tagen dem Hashtag bei, Heiko Maas treibt die Reform des Sexualstrafrechts weiter voran – mit dem Grundsatz „Nein heißt nein“.

An dieser Stelle habe ich mich entschlossen einen Blogeintrag zu schreiben. „Weibliche Solidarität denkt nicht in Schubladen“. Hier geht es darum einer Frau vorbehaltlos geglaubt wird, weil sie eine Frau (obacht Schublade) ist. Die Beweislage interessiert nicht. Was zählt ist: Die Frau hat behauptet ein Vergewaltigungsopfer zu sein, also ist sie eins, also muss sie unterstützt werden.

Es tut mir Leid, dass der „weiblichen Solidarität“ so sagen zu müssen, aber wenn die Solidarität Narrativ über Fakten stellt, dann hat diese Solidarität in einem sozialen, demokratischen freiheitlich-liberalen Rechtsstaat nichts verloren.

Denn – gues what – auch angeklagte Personen haben Rechte, auch der Staat hat Rechte. Und wenn die Beweislage darauf hindeutet, dass Frau Lohfink versucht hat die Justiz zu missbrauchen, dann verdammte Axt, muss dieser möglichen Straftat eben nachgegangen werden.

Wie sieht ein Opfer aus?

„Hör auf heißt hör auf“ muss es im Fall Lohfink heißen, egal wie sie aussieht. Das ist Konsens unter sich sonst durchaus gegenüberstehenden Lagern. Auch die Emma ist im #TeamGinaLisa. Feministinnen wissen, wie gefährlich die Beurteilung einer Frau nach ihrem Äußeren sein kann. Deshalb hielten viele schon vor fünf Jahren auf dem Slutwalk in Berlin Sprüche wie diesen hoch: My dress is not a yes. Mein Kleid ist keine Einladung.

„Hör auf“ kann vieles heißen. Es ist die Frage zum Beispiel worauf sich das „Hör auf“ bezieht. Auf den Sex? Auf die Videoaufnahme? Auf das Atmen? Das sie anschauen? Hör auf mit Ton aufzunehmen?

„Feministinnen wissen wie gefährlich…“ Ist euch jemals in den Sinn gekommen, dass alle anderen das auch wissen? Ist euch jemals der Gedanke gekommen, dass – im Gegensatz zu Feministinnen – alle anderen wissen, dass auch eine Frau lügen kann? Oder eine falsche Aussage machen kann?

Schade, dass ich Feministinnen mit ihrer weiblichen Solidarität das so sagen muss, aber das #NICHTteamginalisa denkt nicht in Schubladen sondern sucht Beweise. (An dieser Stelle ein aus vollem Herzen gepostetes #ProRechtsstaat.)

Anlass der Slutwalks war die Aussage eines Polizisten in Kanada, der meinte, junge Frauen sollten sich nicht „wie Schlampen“ anziehen, wenn sie sich nicht der Gefahr einer Vergewaltigung aussetzen wollten. Dieser Satz lässt sich weiter drehen: Wer nicht vergewaltigt werden möchte, solle sich bitte schön auch nicht betrinken.

Und hier zeigt wie selten – verzeihung – dämlich die Autorin ist.

Es geht darum die Wahrscheinlichkeit einer Vergewaltigung zu reduzieren. Es wird immer wiederliche, abstoßende Spinner geben, die das einen Scheiß interessiert, aber wenn du partout nicht vergewaltigt werden willst, dann gibt es Maßnahmen die du ergreifen kannst. Unter anderem, dich nicht wie eine Schlampe anzuziehen und nicht zuviel zu trinken (was nebenbei generell ein guter Ratschlag ist). Grundsätzlich ist es so: Je sicherer du sein willst, desto mehr Freiheiten musst du aufgeben.

Wir sehen das auch im Kampf gegen den Terror, wo immer mehr Rechte beschnitten werden, die Bevölkerung abgehört wird usw. um mehr Sicherheit zu bekommen.

Kann man wirklich so naiv und dumm sein, dass nicht zu begreifen. Niemand hat gesagt, zieh dich nicht schlampig an und trink keinen Alkohol mehr. Dieser Polizist sagte: Du hast die Wahl.

Ein User schreibt auf Twitter: „Die größte Schlampe der Welt will auf einmal vergewaltigt worden sein. #iskla #unnötigeraufwand #teamginalisa“. Da ist eine, die in ihrer Kleiderwahl freizügig ist, die Pornos gedreht hat, sich die Brüste vergrößern ließ und in dieser Nacht getrunken hat. Geben Frauen mit Pegel und Ausschnitt ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung ab? Es geht um die Fragen: Wie sieht ein Vergewaltigungsopfer aus? Und wie verhält es sich richtig?

Interessant, dass kein Link zu dem Twitteruser dabei ist. Ich reiche euch den mal nach. Wir wollen ja nicht, dass man euch unterstellt, euch Tweets aus dem A**** zu ziehen.

Zu den Fragen: Nein; unterschiedlich; es geht sofort zur Polizei und zeigt eine Vergewaltigung an. Nicht erst das Video im Internet und dann irgendwann später die Vergewaltigung.

JEDOCH spielt ihre vorherige Lebensweise und ihre Kleiderwahl durchaus eine Rolle. Wenn nämlich zum Beispiel eine Aussage nicht eindeutig ist (also A oder B bedeuten kann) aber das Built-Up zu dieser Situation A sagt, dann ist das schon relevant. Dazu gehört halt auch, wie sich ein Mensch gibt und was ein Mensch in der Vergangenheit gewollt hat. Gerade bei Vergewaltigung ist das ein wichtiger Aspekt. Denn der Sexualakt an sich ist nicht strafbar. Sonst wäre jede Person die schon einmal Sex hatte ein/e Straftäter/in. Hier ist es wichtig, wie sich die Personen entscheiden. Wenn eine Person nicht zustimmt -> Vergewaltigung. Wenn beide zustimmen -> Sex. Dazu muss ich aber wissen, DASS die andere Person will, oder das nicht will.

Nun können Menschen aber nicht Gedanken lesen. Deshalb muss die Person, die kein Interesse an Sex hat, das auch deutlich machen. Mit Betonung auf deutlich. Nicht einmal das kleine, zusammengeschnippselte ca. 2 Minuten Video zeigt deutlich, was sie mit „Hör Auf“ meint. Man kann daraus annehmen, dass der Sex gemeint ist. Allerdings scheint das der Öffentlichkeit nicht zugängliche Videomaterial eher auf das Filmen denn auf den Sex hinzudeuten.

Der Schock steht vor der Erkenntnis

Diese Fragen bleiben wichtig. Egal, wie der Prozess ausgeht. Dass darüber jetzt gesprochen wird, ist ohne #TeamGinaLisa nicht denkbar. Es hat die geballte Kraft der Feministinnen im Netz gebraucht, um den Blick auf das Schicksal einer Frau zu lenken, die sonst in links-intellektuellen Kreisen verlacht wird. „So eine“ sei das eben, wie eine Journalistin auf Facebook schrieb.

Oh, politisches Lagerdenken?

Aber Spaß beiseite. Es wird hier so dargestellt, als wenn es etwas Gutes wäre, dass wir jetzt darüber reden. Ist es aber nicht.

Es ist nicht gut, dass wir dem #TeamGinaLisa erklären müssen, dass Beweise relevant sind. Es ist nicht gut, dass wir dem #TeamGinaLisa erklären müssen, dass wir im Zweifel für die Angeklagten entscheiden (auch für Gina-Lisa Lohfink). Es ist nicht gut, dass wir soetwas einem „Team“ erklären müssen, zu dem sich der Bundesjustizminister und die Bundesfamilienministerin bekannt hat. Es ist nicht gut, dass wir darüber reden müssen, dass Menschenrechte wichtig sind. Es ist nicht gut, dass wir sagen müssen, dass Hexenverbrennungen falsch waren. Und es ist auch nicht gut, dass wir im Jahr 2016 nach über 100 Jahren Feminismus Feministinnen noch immer erklären müssen, dass die Entscheidungen, die ein Mensch trifft auch (positive wie negative) Konsequenzen haben kann.

Wenn wir solche Dinge einem Kind erklären müssen. Klar macht Sinn, aber wir haben es hier mit erwachsenen Menschen in teils sehr mächtigen Positionen zu tun.

Am letzten Wochenende berichtete der Spiegel, dass sich Lohfink eine Nacht nach der besagten erneut mit einem der mutmaßlichen Täter traf. Auf Spiegel Online fühlt sich Jan Fleischhauer bestätigt, dass das #TeamGinaLisa die Ausgeburt hysterischer „SchnellrichterInnen“ sei, für die der Wahrheitsgehalt der Aussagen Lohfinks keine Rolle spiele.

Also nachdem das #teamginalisa alle Beweise ignoriert hat, sachliche Argumente ignoriert hat und sich über die Konsequenzen ihres Geblubbers keine Gedanken gemacht hat, wundern sich noch Leute darüber, dass Feministinnen als „hysterische Schnellrichterinnen“ wahrgenommen werden.

Wenn du lange und hart an einem Ruf arbeitest bekommste ihn halt auch irgendwann.

Entscheidungen von Gerichten werden immer wieder in Frage gestellt. Natürlich sind Medien nicht dafür da, zu verurteilen. Aber sie sind ein Korrektiv. Wir würden in keiner Demokratie leben, wenn Urteile nicht kritisierbar wären. Gerade in einem Fall, in dem eine Frau wegen vermeintlicher Falschaussage verurteilt wird, nachdem sie eine Vergewaltigung angezeigt hat, liegt ein öffentliches Interesse. Denn das Signal, das bei Opfern ankommt, ist fatal: Wenn du anklagst, rechne mit einer Gegenklage.

An dieser Stelle ein aus vollem Herzen kommendes FICK DICH „denk nochmal drüber nach“ an die Autorin. Sie wird also wegen einer „vermeintlichen Falschaussage“ verurteilt, weil sie eine Vergewaltigung angezeigt hat? Scheint die Beweislage nicht eher zu sein, dass sie vermeintlich Vergewaltigt wurde? Scheint die Beweislage nicht eher zu sein, dass sie falsch ausgesagt hat?

Natürlich hat sie damit recht, dass man Urteile in Frage stellen darf. Natürlich hat sie recht, dass dies möglich sein muss. Absolut. Aber wenn du Kritik äußern willst, dann basiere diese VERDAMMT NOCH MAL AUF FAKTEN!

Welchen VERDAMMTEN Beweis hat hier die Autorin vergebracht. Nicht einen einzigen. Die Kritik am Urteil beruht darauf, dass einer Frau nicht geglaubt wird.

Aber warum wird der Frau nicht geglaubt? Weil die Beweise etwas anderes sagen als das, was sie aussagt.

Tja, liebe Feministinnen, wird sind schon weiter als ihr. Wir sind nämlich der Meinung, dass Frauen alles so gut könne wie Männer. Und dazu gehört auch lügen. Und weil wir mit der Emanzipation schon 1000x weiter sind als ihr, glauben wir – gerade in der Justiz – Menschen nicht einfach so, sondern stellen Fragen, versuchen objektiv Beweise zu finden usw. . Ich habe keine Ahnung ob es den Feministinnen schon aufgefallen ist, aber wir leben nicht mehr im Mittelalter.

Es liegt im öffentlichen Interesse, dass Sie, Frau Gottschalk, NIE WIEDER publizieren.Sie verdrehen die Fakten, lassen wichtige Informationen weg UND interpretieren auch noch einen Bullshit in die Halbwahrheiten hinein, dass man kotzen könnte.

Das Signal, dass bei Opfern ankommt ist folgendes: Wenn Du ein Opfer bist, wirst Du entsprechend behandelt und wenn Du das Opfer einer Falschbeschuldigung bist, dann helfen wir auch dir. Das ist ein sehr, sehr, sehr gutes Signal und ich freue mich sehr darüber. Frau Lohfink ist Opfer davon geworden, dass man einen Film veröffentlicht hat, der sie in einer sehr privaten Situation zeigt. Und die Täter wurden verurteilt. Frau Lohfink hat sie – entsprechend der Beweise – falsch der Vergewaltigung/der Anwendung von K.O. Tropfen beschuldigt und sie hat ihre Strafe erhalten. Eigentlich ist dieses durchaus gerechte Verhalten ein Grund zur Freude – es sei denn natürlich, dass man nicht an einem freiheitlich-liberalen demokratischen Rechtsstaat interessiert ist.

Zitat: „Feministinnen solidarisieren sich mit dem Model Gina-Lisa Lohfink. Das hat für Verwirrung gesorgt. Dabei ist die Reaktion nur folgerichtig.“

Jetzt wissen wir was ihr wollt, ihr scheiß totalitären Arschlöcher.

Die Spiegel-Recherchen belegen nichts. Viele Frauen beschreiben, wie sie erst nach Tagen verstehen, dass etwas passiert ist, das nicht okay war. Für jede Frau, die eine solche Erfahrung macht, steht der Schock vor der Erkenntnis. Viele Frauen haben mit ihrem Vergewaltiger weiterhin Kontakt – etwa, weil er ihr Ehemann ist.

Das was Du hier hinrotzt belegt auch nichts. Ob eine Frau erst nach Tagen versteht, was passiert ist, welchen Schock sie erlitten hat, ob sie weiterhin Kontakt hat, ist alles nicht irrelevant, denn es sind Indizien. Verurteilt wirst Du aber nicht wegen Indizien sondern wegen Beweisen. Zum Beispiel den 11 Videodateien oder den Chatlogs.

„Vergewaltigung gibt es nicht“

Der Stern zitiert Lohfink aus einem Vernehmungsprotokoll von 2012: „Vergewaltigung, das ist so ein großes Wort. Wie nennt man das, wenn man Sex nicht will?“ Ja, Vergewaltigung ist ein großes Wort. In feministischen Diskursen wird häufig von Consent, von Einverständnis, gesprochen. Wenn eine Frau etwa Ja zum Sex sagt – aber nicht zur Penetration ohne Kondom. Oder: Ja zum Sex, aber Nein zur Filmaufnahme.

Ohhhh, schön von „Vergewaltigung“ auf „Consent“ rübergeschwenkt. Nur weil „Consent“ fehlt ist es keine Vergewaltigung. Ich könnte hier natürlich ein Beispiel von außerhalb des sexuellen Bereiches geben, aber ich lass das mal. Wenn ich mit meiner Freundin Sex habe, kann ich davon ausgehen, dass sie das will. Wir sind in einer Beziehung, wir hatten schon mehrfach Sex. Wenn ich jetzt nochmal den Sexualakt einleite, kann ich davon ausgehen, dass sie das will BIS sie mir etwas anderes zu verstehen gibt.

Vor allem bist Du, dumme Autorin, hier das erste Mal mit einer Punktlandung angekommen. Die Beweise legen ein „Ja zum Sex“ und ein „Nein zur Filmaufnahme nahe“. Interssanterweise ist es genau das, was auch zur Verurteilung der beiden Täter (Veröffentlichung der nicht einvernehmlichen Filmaufnahme) und der Täterin (Falschbeschuldigung nicht einvernehmlichen Sex durchgeführt zu haben) geführt hat.

Die Spiegel-Recherchen machen das diffuse Bild noch undurchsichtiger. Willkommen in der weiblichen Lebensrealität 2016. Eine Realität, in der es kein Verhalten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gibt, kein Opferverhalten oder einen Kleidungsstil, der eine Tat wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher macht.

Willkommen in der weiblichen Lebensrealität 2016 – eine Lebensrealität, die nicht einfach ist. Schätzchen, wir nicht-Feministen wissen das schon seit Jahrtausenden. Und da wir euch Wissenstechnisch weit voraus sind, lass mich Dir noch was sagen: Die männliche Lebensrealität ist auch nicht leicht.

WTF? In der weiblichen Lebensrealität 2016 gibt es kein Verhalten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss? Kein Opferverhalten?

Mach Dich nicht lächerlich. Natürlich verhält man sich irgendwie unter Drogen- oder Alkoholeinfluss. Das heißt aber nicht, dass man für dieses Verhalten nicht verantwortlich ist. Stell Dir vor jemand fährt Deine Kinder (so du denn welche hast) im besoffenen Kopp über den Haufen. Sollten wir die Person nicht zur Verantwortung ziehen?

Sollte ein vermeintliches Opfer alles tun dürfen (inklusive z.B. Beweise vernichten)? Wie erkennen wir ob die Person tatsächlich ein Opfer ist?

Aber ja, es gibt Kleidungsstile, die eine Tat wahrscheinlicher machen. Wenn du in einem T-Shirt und ohne sonstige Kleidung rumläufst und auf dem T-Shirt steht: Fuck me everywhere, dann würde das eine Tat begünstigen.

Auch eine sexy Kleidung begünstigt eine Tat. Es ist nunmal erwiesen, dass Menschen die sexuell erregt sind eher etwas unmoralisches tun würden (z.B. Lügen oder auch Sex erzwingen -> Vergewaltigen) als Menschen die nicht sexuell erregt sind.

Mithu Sanyal sagte 2012 im Missy Magazine: „Vergewaltigung gibt es nicht.“ Sie meinte damit, dass es die Vergewaltigung, wie wir sie uns vorstellen, selten bis nie gibt.

Was sie meint ist egal. Das Klischee von Vergewaltigung existiert sehr wohl und das nicht nur „selten bis nie“. Was ist denn das Klischee? Was denn das, was sich Leute vorstellen? Der Fremde, der die arme Frau aus in den Busch zerrt und dann vergewaltigt.

Mithu Sanyal scheint von dem Thema nicht mal grundlegendes Wissen zu haben. Zum Beispiel sagt die Polizei NRW, dass ca. 1/3 aller Taten von komplett Fremden begangen wurden (was ja wohl dem Klischee entspricht).
Fremdtäter: 1/3
Opfer und Täter kannten sich vor der Tat absolut nicht.

Das ergänzt durch ein weiteres drittel flüchtige Vorkontakte:
Bekannte Täter: 2/3
Flüchtige Vorkontakte und Beziehungstaten, d.h. Opfer und Täter kannten sich schon vor der Tat. […]
2/3 aller Täter waren den Opfern vor der Tat bekannt, von allen ausgewerteten Delikten warenes zu 49% flüchtige Vorkontakte (326 Taten) und zu 51% Beziehungstaten (332 Taten).

Also anders ausgedrückt: in 2/3 aller Fälle ist das Täter/die Täterin dem Opfer nicht oder nur flüchtig bekannt (also z.B. „Bei Vorkontakten, die in der Kneipe / Disco entstanden„). Ziemlich klischeemäßig oder?

Tatort: „In 35% der Fälle war die Tatörtlichkeit der öffentliche Raum ( Straße 34%, Park und Parkplatz je 20% ).

Oder um das Klischee einfach mal ganz stumpf zu zitieren:

Tatörtlichkeit Park
Von den 1042 ausgewerteten Taten fanden 88 Taten (8%) im Park statt.
Die Täter waren in 50 Fällen Fremde (57%).
Der Tatzeitraum lag in über ¾ aller Fälle zwischen 16.00 und 07.00 Uhr.
In ¾ aller Fälle der Sexuellen Nötigung im Park leisteten die Opfer Gegenwehr, davon wiederum in ¾ der Fälle auch erfolgreich.

Juristische Klarheit muss ab dem 27. Juni das Amtsgericht Tiergarten in Berlin bringen. Dass parallel dazu vor dem Gericht das Protestbündnis #TeamGinaLisa demonstriert, ist genauso wichtig.Die Botschaft ist: Selbst wenn dir keiner glaubt, gibt es einen Haufen Feministinnen, die hinter dir stehen. In einer Zeit, in der die meisten Frauen Vergewaltigungen nicht anzeigen – aus Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird –, ist dieses Zeichen wichtig und bitter nötig.

Genau, dass das #TeamGinaLisa parallel protestiert ist wichtig, denn die Botschaft ist: wir wollen die Hexenprozesse zurück und Mobmentalität. Denn seid euch gewiss: Feministinnen stehen hinter dir, egal was die Beweise sagen, denn sie stehen dir bei, weil du eine Frau bist (und das ganz ohne Schubladendenken).

Aber ich stimme Dir zu, wiederliche, menschenverachtende Autorin. Dieses Zeichen ist wichtig und bitter nötig. Die Menschen müssen wissen mit was für einem ekelerregenden Abschaum man es zu tun bekommt, wenn man sich mit Feministinnen einlässt.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Feministinnen und das finstere Mittelalter

  1. I do accept as true with all of the concepts you have offered in your post. They’re really convincing and will definitely work. Still, the posts are very brief for beginners. May you please extend them a little from next time? Thanks for the post. dbdefdgdbefdfaac

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s