Gottes Moral

Ich habe vor einiger Zeit mir diverse Debatten von Sam Harris, Richard Dawkins und Christopfer Hitchens mit diversen Gläubigen unterschiedlicher Konfessionen angesehen.

Darunter war eine wo es um Moral ging.

Diese Debatte hat mich damals schon auf einen ganz speziellen (und wahrscheinlich landläufig bekannten) Gedanken gebracht.

Und zwar folgendes:

Laut Aussage des Christen ist es so, dass Gott uns in die Pflicht nimmt uns moralisch zu verhalten. Und was Gott uns befiehlt ist das moralischste, was es gibt, denn Gott ist die personifizierte Liebe und Güte.

Nun sagt der christliche Glaube, dass man, wenn man Gottes Geboten folgt, zur Belohnung ins Paradis kommt. Und wenn nicht, dann kommt wahlweise einfach nur nicht rein oder in die Hölle (je nach Glaubensströmung).

Nun stellt sich mir folgende Frage: Wenn Gott die personifizierte Liebe und Güte ist, müsste er dann nicht ein Interesse daran haben, dass sich alle Menschen liebevoll und gütig verhalten. Müsste er nicht ein Interesse daran haben, dass die Menschen ihm folgen?

Nun gibt es aber eine Menge Menschen, die nicht an diesen Gott glauben. Z.B. im Hinduismus oder Buddhismus. Dann gibt es Menschen, die anders an diesen Gott glauben als das Mainstreamchristentum. Allein wenn man schon die Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten betrachtet, aber auch Juden und Moslems, kommen auf sehr Unterschiedliche Wege, wie man Gott dient und sich moralisch verhält.

Und dann gibt es noch die Atheisten. Die aktiv versuchen, Religion von öffentlicher Einflussnahme fern zu halten.

Wäre es nicht in Gottes Interesse Liebe und Güte nach seinen Maßstäben zu verbreiten? Wäre es nicht in seinem Interesse sich zu zeigen und die Menschen auf den „richtigen“ Pfad zu führen? Soviele Skeptiker wie es gibt. Soviele Glaubensrichtungen und Religionen, wie es gibt.

Warum hat er sich angeblich nur einzelnen offenbart und nicht großen Menschenmassen. Wenn er Allmächtig ist, warum nimmt er dann nicht Form an um sich zu zeigen. Warum überzeugt er die Menschen nicht selbst von seiner Existenz. Warum produziert er nicht nachprüfbare Beweise.

Es müsste doch in seinem Interesse sein, alle zu überzeugen, damit sie sich liebevoll und gütig, damit sie sich moralisch verhalten. Es müsste doch auch in seinem Interesse sein, dass möglichst alle Menschen ins Paradis kommen.

Es scheint mir so, dass, wenn es einen Gott gibt, ihm das scheiß egal ist. Aber dann ist er auch nicht anbetungswürdig.

 

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3 Gedanken zu “Gottes Moral

  1. Da gibt es so eine Legende (ich glaub, ich hab sie das erste mal in der Südost-Türkei gehört; in einem kleinen Bergdorf von einem Hodscha ohne große theologische Ausbildung) – die das Verhältnis von Gott und den von ihm erschaffenen Menschen so treffend beschreibt:

    Als Gott meinte, am 5. Tag seine Schöpfung vollendet zuhaben, kam der Satan auf ihn zu, und meinte zu ihm, dass Gott es sich doch zu einfach gemacht habe.

    „Alle deine Geschöpfe, Pflanzen, Tiere, Engel und Geistwesen, hast du so geschaffen, dass sie nicht anders können, als sich Dir und Deinen Regeln zu unterwerfen. Damit sind sie nicht frei. Sie müssen Dir also glauben und sie müssen dir gehorchen, weil sie nicht anders können.

    Wenn du denkst, dass deine Schöpfung perfekt ist, solltest du den Mut haben, ein Wesen zu schaffen, dem es möglich ist, dich und deine Regeln und deine Schöpfung in Zweifel zu ziehen. Erst dann wirst du sehen, ob deine Schöpfung vollkommen ist. Zeig, dass Du kein Feigling bist!“

    Und so hängte Gott noch einen sechsten Tag dran und erschuf den freien Menschen…

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    • Naja. Die Geschichte hat natürlich viele Haken, auch wenn sie die meines Wissens gängige Apologetik wiedergibt. Der Entscheidende dürfte sein, dass es ja nicht um Freiheit geht, sondern nur ums Zeigen.
      Wenn ich meinem Kind erkläre, dass die bunten Tabs unter der Spüle giftig sind, schränke ich damit zwar streng genommen auch ein bisschen seine Freiheit ein, sie für leckere Bonbons zu halten, aber das gilt gemeinhin als nicht so schlimm.

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  2. Ohne ein besonders gläubiger bzw. bibelfester Christ zu sein, fallen mir gleich mehrere Bibelstellen ein, die durchaus darauf schließen lassen, dass es eher um einen Schöpfergott, denn um einen nach wie vor ins Leben der Menschen eingreifenden, womöglich strafenden Gott geht.

    1. Die Vertreibung aus dem Paradies, nachdem Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis *von Gut und Böse“ gegessen hatten.
    2. Die Geschicht von Jona und dem bzw. im Wal

    Meiner Meinung nach geht es in der Bibel und somit auch im christlichen Glauben um die Emanzipation des Menschen, um sein Erwachsen werden und um die Übernahme von Verantwortung für seine eigenen (Nicht-)Taten.

    Das Vertragen von Strafe/Gnade auf nach dem Tod entspricht meiner Meinung nach einer seit Anbeginn der Menschheit existierenden Frage, was NACH dem Tod kommt.

    Wie ich finde passend dazu gibt es einen kurzen, knackigen Beitrag (ca. 4 min): https://www.youtube.com/watch?v=5zdL9UEvsj4

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