E-Mail an ein Frauenhaus

Ich habe, vor fast vier Monaten eine umfassende E-Mail an die Leiterin unseres örtlichen Frauenhauses geschickt. Ich habe bisher noch keine Antwort erhalten. Betonen möchte ich direkt hier im Vorwort, dass ich keine Antwort verlangt habe.

Ich möchte diese E-Mail nun veröffentlichen. Mache aber, zum einen aus Doxing Gründen, zum anderen, weil ich nicht den Eindruck eines Prangers erwecken will, alle Orts-bezogenen Daten unkenntlich.

Zudem möchte ich vermeiden, dass sich, sollte die betreffende Leiterin des Frauenhauses zufällig aus unerfindlichen Gründen über diesen Blogpost stolpern, diese Leiterin genötigt / gezwungen fühlt zu antworten.

Ich habe an manchen Stellen der Wahrheit über meinen Kenntnisstand etwas Spielraum gegeben, damit ich der Leiterin des Frauenhauses nicht vor den Kopf stoße, bzw. es ihr leichter fällt zu antworten.


 

Sehr geehrte <Leiterin des örtlichen Frauenhauses>

 

Ich schreibe Ihnen diese E-Mail aus einem persönlichen Interesse am Thema häusliche Gewalt. Es gab ein – für mich – besonderes Ereignis, dass mich auf dieses Thema brachte.

 

<An Karneval vergangenen Jahres in meiner Heimatstadt> drängte ich mich zwischen ein Paar, dass sich stritt. Er hatte ein äußerst aggressives Auftreten und bedrängte sie. Dadurch, dass ich dazwischen ging und auch eine Streife des DRK hinzukam, ließ sich die Situation zum Glück schnell deeskalieren.

Die Leute des DRK machten ihr sehr deutlich, dass sie sie nicht alleine lassen würden und nahmen sie mit ins DRK-Heim. Sie bat mich mitzukommen. Wir konnten sie gemeinsam überzeugen Anzeige zu erstatten.

In diesem Gespräch gab es zwei Bemerkungen, die mich sehr aufmerksam machten. Zum einen war dies einer der Mitarbeiter, der ihr unmissverständlich zu verstehen gab, dass er, wenn sie dieser Gewalt keinen Riegel vorschiebt, wieder eine Frau – nämlich sie – ins Krankenhaus fahren müsse, was er tunlichst vermeiden wolle.

Es stellte sich mir im Nachhinein die Frage wie prävalent häusliche Gewalt eigentlich ist. Wie viele Fälle gibt es pro Jahr? Wie viele Frauen (und Männer s.u.) sind von häuslicher Gewalt betroffen?

 

Die andere Bemerkung war von ihr, denn sie gab relativ unumwunden zu, dass sie ihm an diesem Tag schon mehrfache eine Ohrfeige gegeben habe. Auch erzählte sie, dass es in der Vergangenheit mehrfach zu Gewalt gekommen war. Sowohl ihr gegenüber als auch ihm gegenüber.

Ich fand dies ungewöhnlich, war ich doch eigentlich der Auffassung, dass häusliche Gewalt primär etwas ist, dass von Männern an Frauen ausgeübt wird.

 

Sie erzählte außerdem, dass es zu massiven Beleidigungen seinerseits ihr gegenüber gekommen sei. Auch bemerkte ich, dass er ihr gegenüber ein äußerst manipulatives Verhalten zeigte. So lass sie eine WhatsApp Nachricht vor, die sinngemäß sagte, dass er mit ihrer Mutter telefoniert habe und sie jetzt zu Hause Ärger von ihrer Mutter kriegen würde. Sie glaubte ihm dies sofort, zumal ihre Mutter nicht ans Telefon gegangen war, als sie versuchte sie zu erreichen um von ihr abgeholt zu werden. Es stellte sich glücklicherweise heraus, dass die Mutter lediglich nicht in der Nähe des Telefons war und später erreicht werden konnte.

Auch erzählte sie, dass es während einer sehr schwierigen Phase im Leben ihrer Eltern zu Gewalt von ihrem Vater zur Mutter kam.

 

Ich arbeite <in einer örtlichen Einrichtung der Behindertenhilfe>. Als ich in den Akten unserer BewohnerInnen etwas nachlesen wollte fiel mir auf, dass mehrere dieser BewohnerInnen ebenfalls Opfer von Gewalt durch die Eltern geworden sind. Aus den Erzählungen der Bewohner weiß ich, dass einige von ihnen auch als Kinder geschlagen wurden oder sie von der Öffentlichkeit ferngehalten (versteckt) wurden. Bei den älteren Bewohnern kann ich manche dieser Verhaltensweisen durchaus noch mit damals üblichen Erziehungsmethoden und den „üblichen“ Umgang mit Menschen mit Behinderungen begründen (keinesfalls entschuldigen), aber bei den jüngeren Bewohnern nicht. Ebenso gibt es einige Verhaltensweisen, die ich nicht einmal so begründen kann. So wurde eine Person zum Beispiel von der Mutter regelmäßig mit einer Reitgerte verprügelt.

 

Dies brachte mich dazu, mich zurückzuerinnern, was für Gespräche ich während meines Zivildienstes <und Praktika in diversen regionalen Einrichtungen der Behindertenhilfe> mit den Betreuten zu diesem Thema geführt hatte. Menschen mit Behinderungen sind bei manchen Themen, die man normalerweise eher nicht mit jedem „dahergelaufenen“ Praktikanten/Auszubildenden führt, sehr offen. Rückblickend fiel mir auch hier auf, dass es dort einige Fälle gab, wo Gewalt von einem Elternteil oder beiden gegen das Kind ausgeübt wurde. Auch kann ich mich an einen Fall erinnern, wo eine Frau die ich betreut habe schon einmal von einem Ex-Freund misshandelt wurde.

 

Was mich hierbei dann auch wieder stutzig gemacht hat ist, dass es hier auch eine nicht unerhebliche männliche Opfergruppe und weibliche Tätergruppe gab, was, wie auch der von mir oben geschilderte Fall, eher konträr zu dem läuft, was ich vorher zu wissen glaubte. Ich habe mich seitdem immer mal wieder im Internet auf die Suche nach Informationen gemacht, diese sind aber oftmals widersprüchlich.

 

Es fängt zum Beispiel bei der Definition von häuslicher Gewalt an.

Wikipedia: ( https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4usliche_Gewalt )

Häusliche Gewalt bezeichnet Gewalttaten zwischen Menschen, die in einem Haushalt zusammenleben. Unter den Oberbegriff der häuslichen Gewalt fallen deshalb nicht nur Gewalt in Paarbeziehungen (vor, während und nach einer Trennung), sondern auch Gewalt gegen Kinder, Gewalt von Kindern gegenüber ihren Eltern, Gewalt zwischen Geschwistern und Gewalt gegen im Haushalt lebende ältere Menschen.

 

Hier wird klar formuliert, dass häusliche Gewalt zwischen allen Personen eines Haushaltes auftreten kann.

 

Polizei: ( http://www.polizei-beratung.de/opferinformationen/haeusliche-gewalt.html )

Häusliche Gewalt umfasst alle Formen physischer, sexueller und/oder psychischer Gewalt zwischen erwachsenen Personen in häuslicher Gemeinschaft, ohne Rücksicht auf ein spezielles, sie verbindendes Rechtsverhältnis (z.B. Ehe, Partnerschaft), auf das Geschlecht, die sexuelle Orientierung oder das Alter. Da es sich um Übergriffe handelt, die aus der Beziehung „häusliche Gemeinschaft“ resultieren, ist der Ort des Geschehens unbeachtlich. In den häufigsten Fällen ist jedoch die Wohnung Tatort. Aber auch Bereiche, die außerhalb der Wohnung liegen, z.B. Kindereinrichtungen, Straße, Geschäfte und Arbeitsstellen, können Tatort sein.

 

Hier wird die häusliche Gewalt auf erwachsene Personen reduziert.

 

UN: ( http://www.unric.org/de/pressemitteilungen/4860 )

Unter häuslicher Gewalt versteht man Angriffe auf Frauen in ihrem Zuhause und innerhalb ihrer Familie.

 

In diesem Fall werden Männer und Kinder als Opfer häuslicher Gewalt gar nicht berücksichtigt.

 

Auch was die Verteilung der Opfer auf die Geschlechter angeht gibt es widersprüchliche Angaben.

So gibt zum Beispiel das CDC (Centers for Desease Control and Prevention – quasi das Gesundheitsamt der USA) an, dass sich die Zahlen in den Aufschlüsselungen von häuslicher Gewalt zwar unterscheiden (Frauen häufiger Opfer von sexueller Gewalt und Stalking, Männer häufiger Opfer von psychischer Gewalt), aber jeweils ähnlich sind und auch insgesamt nahezu gleich sind. ( http://www.cdc.gov/violenceprevention/pdf/nisvs_report2010-a.pdf (ab PDF-Seite 47)). Auch die Forscher Murray A. Strauss, Richard J. Gelles und Suzanne K. Steinmetz fanden in einer Metastudie ein vergleichbares Ergebnis (Behind Closed Doors: Violence in the American Family (1980); Einführung: http://pubpages.unh.edu/~mas2/Behind%20Closed%20Doors%20-%20new-intro-06-Web.pdf PDF-Seite 3). Dies wird im deutschsprachigen Raum gestützt durch zum Beispiel Dr. Allan Guggenbühl ( http://web.de/magazine/gesundheit/gewalt-jugendbeziehungen-maedchen-taeterinnen-haeufig-tabu-30652666 )

Auch dass Mädchen deutlich öfter zu Tätern werden als Jungen, war für Sie nichts Neues?

Das bestätigt nur, was andere Studien – etwa aus Amerika – schon belegt haben. Im privaten Nahraum geht Gewalt öfter von Frauen aus als von Männern. Doch Frauen oder Mädchen als Täterinnen sind häufig noch ein Tabu. Man spricht meist nur vom Klischee der gewalttätigen Männer.

 

Oder auch Gerhard Amendt: ( http://www.brigitte.de/frauen/gesellschaft/frauenhaeuser-gerhard-amendt-1031207/ )

Gerhard Amendt: Warum sagen Sie Frauen und Kinder?

BRIGITTE.de: Weil sie in den allermeisten Fällen die Opfer von Gewalt sind.

Gerhard Amendt: Für diese Behauptung werden sie keine wissenschaftlichen Beweise finden. […]

 

Und Erin Pizzey: ( https://www.freitag.de/autoren/sidney-davenport/grunderin-der-frauenhausbewegung-schreibt-erschutternde-biographie )

„Von den ersten hundert Frauen, die durch unsere Türen kamen, waren 62 genauso gewalttätig wie die Männer, die sie hinter sich gelassen hatten. Ich musste der Tatsache ins Auge sehen, dass den Männern immer die Schuld an Gewalt in einer Familie gegeben werden würde, dass man falsche Beschuldigungen geben sie erheben würde und dass man immer allein den Frauen glaubte.“

 

Dagegen sprechen zum Beispiel die Polizeilichen Kriminalstatistiken ( http://www.bka.de/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/2014/2014Standardtabellen/pks2014StandardtabellenOpferUebersicht.html Tabelle 931)

 

die Polizei NRW ( http://www.mgepa.nrw.de/mediapool/pdf/emanzipation/frauen/hausliche_Gewalt_IM_NRW.pdf )

Gewalt im sozialen Nahraum ist ein Phänomen, von dem ganz überwiegend Frauen und Kinder als Opfer betroffen sind. Nach einer UNO-Studie hat jede dritte Frau in Deutschland Gewalt erfahren.

 

und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bzw. die Europäische Grundrechteagentur ( http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/gleichstellung,did=73010.html ). Wobei hier kein Vergleich stattfindet aber dieses Verhältnis suggeriert wird.

 

Was mich nun interessiert sind mehrere Dinge. Zum einen die oben genannten Fragen:

  • Wie prävalent ist häusliche Gewalt?
  • Wie viele Fälle gibt es pro Jahr (in Deutschland / <Heimatort> & Umgebung)?
  • Wie viele Frauen und Männer sind von häuslicher Gewalt betroffen?
  • Wie häufig sind unter den von ihnen betreuten Frauen, Frauen, die ebenfalls Gewalt angewendet haben?
  • Kommen auch Frauen zu ihnen, die Täterin geworden sind und ihren Rat suchen, wie sie aggressives Verhalten / Gewalt unterbinden können, so dass sie nicht mehr zur Täterin werden?
  • Kommen Männer zu ihnen, die als Täter oder auch als Opfer Hilfe suchen?
  • Wenn ja, wie helfen sie TäterInnen, bzw. wohin leiten sie diese weiter?
  • Wie helfen sie männlichen Opfern, die nicht nur Beratung, sondern auch Schutz suchen?
  • Die niedrigsten Zahlen die ich zu männlichen Opfern häuslicher Gewalt gefunden habe war 10%, es gibt aber deutschlandweit knapp 400 Schutzeinrichtungen für Frauen und 2 für Männer. Wie erklären sie sich den Unterschied an Bedarf (10% und mehr der Opfer) und Einrichtungen (ca. 0,5%) und, warum scheinen die Männerhäuser keine staatliche Unterstützung zu bekommen (vgl. https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument?Id=MMD16%2F5047|1|0 Frage 4)?
  • Ich bin immer wieder über Alterslimits für Jungen gestoßen (z.B. 14 Jahre: http://www.frauenhaus-gera.de/f_kinder.html ). Gibt es ein solches auch im Frauenhaus <Heimatort>?
  • Im selben Frauenhaus findet sich auch die Aussage, dass Männer keinen Zutritt haben ( http://www.frauenhaus-gera.de/f_wozu.html ). Ist dies auch bei Ihnen so?
  • Wenn ja, wie handhaben sie Reparaturen z.B. bei Wasserrohrbrüchen oder beschädigten Fenstern? Würde nicht eine männliche, hilfsbereite, friedfertige Person ein neues/anderes Rollenmodell für die Kinder geben?
  • Wäre es nicht unverantwortlich einen 14-jährigen zu einem vermutlich gewalttätigen Mann zurückzuschicken bzw. diesen 14-jährigen von der Mutter zu trennen? Wir sprechen hier immerhin von einem Kind, dass dann mehr oder weniger alleine in einer fremden Umgebung nach einem möglicherweise traumatischen Erlebnis zurechtkommen muss.
  • Sie leisten neben der Schutzfunktion und der Betreuung im Alltag auch Beratung im Umgang mit der Situation. Sind sie auch in irgendeiner Form im therapeutisch tätig, um die Gewalterfahrungen zu verarbeiten? (Ist das ggf. mit „in einer geschützten Atmosphäre neue Lösungswege finden“ gemeint?)
  • Ich bin bei meiner Informationssuche gelegentlich über das Wort „parteilich“ gestolpert (z.B.: http://www.aviva-berlin.de/aviva/content_Buecher_Juedisches%20Leben.php?id=1425219 Professionalität und Parteilichkeit sind kein Widerspruch. In vielen Berufen ist Parteilichkeit für die Klientel Voraussetzung. Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen, Berater und Beraterinnen, Therapeuten und Therapeutinnen haben Partei für ihre Klientel zu ergreifen.; http://www.fhf-rostock.de/fileadmin/media/Dokumente_fuer_Service/CORAktuell_18_2008.pdf Als ausschlaggebend dafür, ob eine Praxis parteilich im feministischen Sinne genannt wird, sind die patriarchatskritischen, gesellschaftsverändernden Ziele der Arbeit und die persönliche Haltung der Mitarbeiterinnen zu Mädchen und Frauen anzusehen. Parteilichkeit ist eine Haltung, die aus einer Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse hervorgeht. ).

Bei einer parteilichen Arbeitsweise sehe ich die Gefahr, dass die Erfahrungen als Täterin (vgl. z.B. den „Karnevalsfall“ am Anfang meiner E-Mail) nicht oder nur unzureichend in der Aufarbeitung der Geschehnisse Beachtung finden. Im Vergleich zu der Gefahr, dass bei einer rein sachlichen Analyse, diese schutzsuchende Person sich vor den Kopf gestoßen fühlt bzw. sie das Gefühl bekommt für die ihr zugefügte Gewalt verantwortlich gemacht zu werden, ist das immer noch marginal (weshalb ich eine parteiliche Arbeitsweise durchaus in Ordnung finde). Dies wirft aber trotzdem die Frage auf: Wenn sie ebenfalls eine parteiliche Herangehensweise in ihrem Konzept haben, wie gehen sie mit der Gefahr um, dass der Eigenanteil einer Frau an der Gewalt unter den Tisch fallen könnte?

  • Was sagen sie zu dem Ansatz von Gerhard Amendt die gesamte Familie ins Boot zu holen und Ehe- und Familienberatungsstellen einzurichten um eine Konfliktlösung voranzutreiben und den Familienfrieden wiederherzustellen? (Hierbei ignorieren wir mal das mit dem „Frauenhäuser sind Orte des Männerhasses“ und das „Frauenhäuser schließen“.)
  • Viele Frauenhäuser im angloamerikanischen Raum arbeiten unter der Verwendung des Duluth- Models ( http://www.theduluthmodel.org/about/index.html ), dass davon ausgeht, dass Männer die primären Täter sind und häusliche Gewalt dazu benutzt wird um die Partnerin zu dominieren und zu kontrollieren (Believes that battering is a pattern of actions used to intentionally control or dominate an intimate partner and actively works to change societal conditions that support men’s use of tactics of power and control over women.). Arbeiten sie auch mit diesem Modell und wenn ja, welche Modelle und Ansätze wählen sie, wenn klar ersichtlich wird (z.B. durch ihre eigenen Berichte), dass die betroffene Frau massiv zur Eskalation beigetragen hat (durch massive Beleidigungen oder eigene Gewaltanwendung)?
  • Wie gehen sie mit Frauen um, die Opfer durch ihre Mutter/Tochter wurden oder Schutz vor ihrer weiblichen Lebenspartnerin suchen, sofern sie das Duluth-Model ebenfalls verwenden?
  • In einigen der hier gegebenen Links wird gesagt, dass die Kinder, die häusliche Gewalt sehen und erleben, dieses Verhalten auch später (bei eigenen Partnern und Kindern) zeigen. Wenn dem so ist, würden Jungen und Mädchen dies nicht gleichermaßen lernen?
  • Welche Methoden und Ansätze setzen sie ein, um die Kinder vor solch einer Zukunft als GewalttäterIn zu schützen?

 

Zu guter Letzt möchte ich noch auf meinen persönlichen Arbeitsbereich, den Bereich der Behindertenhilfe zu sprechen kommen.

  • Wie hoch ist die Anzahl der Opfer unter Menschen mit Behinderungen? Ich habe dazu keinerlei Zahlen gefunden (Weibernetz e.V. http://www.weibernetz.de/gewalt.html spricht von 80% der Frauen mit Behinderung, wie sieht es aber bei Männern aus?).
  • Wie gehen sie als Frauenhaus mit den spezifischen Bedürfnissen von Frauen mit Behinderungen um (z.B. pflegerische Erfordernisse, Aufenthaltsbestimmungsrecht und Gesundheitssorge der/des gesetzlichen Betreuerin/-ers, männliche gesetzliche Betreuer (sofern Männer bei ihnen nicht zugelassen sind))?
  • Sind sie proaktiv im Auffinden von Opfern häuslicher Gewalt, gerade in Bezug auf Frauen mit Behinderungen, die sich nicht eigenständig in ihren Schutz begeben können (z.B. bei bettlägerigen Frauen oder Frauen mit geistigen Behinderungen, die kein Verständnis vom Konzept Frauenhaus haben bzw. kein Wissen darum)?

 

Ich bin mir bewusst, dass einige dieser Fragen äußerst kritisch sind und suggerieren, dass ich Ihre Arbeitsweise in Zweifel ziehe. Ich möchte Ihnen versichern, dass dies nicht der Fall ist. Ein kritisches Hinterfragen trägt zwar grundsätzlich – meiner Meinung nach – zur Verbesserung bei, jedoch ist dies nicht die Intention meiner Mail. Der Wust an teils widersprüchlichen Informationen zu diesem Thema verwirrt mich etwas und ich würde diese Dinge gerne klären. Ich bin der Ansicht, dass Sie eine wichtige Arbeit leisten, die mit ziemlicher Sicherheit schon das ein oder andere Leben gerettet hat.

 

Natürlich könnte ich es einfach bei meiner Verwirrung belassen und Ihnen nicht ihre kostbare Zeit stehlen, aber es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb ich Interesse an diesem Thema habe. Ich werde in naher Zukunft ein Psychologie Studium beginnen und möchte mich später auf die Gewaltforschung spezialisieren, um im Bereich der Behindertenhilfe bei der Deeskalation von Gewaltsituationen zu helfen, Opfer zu Begleiten aber auch therapeutischer Arbeit mit TäterInnen zu leisten. Daher würde mich eine Antwort von Ihnen besonders freuen. Es würde mir einen ersten fachlichen Einblick gewähren. Auch würde ich mich freuen, wenn Sie mir eine Kopie ihres Konzeptes zukommen lassen könnten, da dieses sicherlich schon einen Großteil der Fragen beantwortet.

 

Zu guter Letzt möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich die von Ihnen erhaltenen Informationen natürlich in der Zukunft berücksichtigen werde und es dazu kommen kann, dass ich wissenschaftliche Papiere schreiben werde. Würden sie mir gestatten Ihre Antwort ganz oder in Teilen zu zitieren und zu veröffentlichen (im Rahmen einer solchen Arbeit)?

 

Mit freundlichem Gruß

<Stapel Chips>

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s