Selbstbewusstsein von frischen Eltern

Ich habe gestern in der „Psychologie Heute“ (43. Jahrgang Heft 9) einen Beitrag gelesen mit der Überschrift „Baby klaut Mama das Selbstvertrauen„.

Der Artikel befasst sich mit einer Studie der Psychologen um Wiebke Bleidorn mit dem Namen „Stability and Change in self-esteem during the transition to parenthood“.

Diese Studie wurde wie folgt aufgebaut. 187 frisch verheiratete Paare wurden über 5 Jahre begleitet. Innnerhalb dieser 5 Jahre gab es insgesamt 5 Termine, in denen die Männer und Frauen Angaben zu ihrem Selbstbewusstsein machen sollten.

Von den 187 Paaren wurden 132 zum ersten Mal Eltern (in diesem Zeitraum von 5 Jahren) und 55 Paare blieben (in dieser Zeit) kinderlos.

Bei (werdenden) Müttern zeigte sich tendenziell folgendes Muster: In den beiden Jahren vor der Geburt des Kindes stieg das Selbstbewusstsein immer stärker an und zwar zeitweise deutlich höher als das von kinderlosen Frauen. Den Höchststand hatte das Selbstbewusstsein direkt vor der Niederkunft. Danach sackte dieser Wert förmlich in sich zusammen. In den folgenden beiden jahren sank das Selbstbewusstsein immer weiter – bis unter den Ausgangswert zu Beginn der Ehe. Bei Frauen, die Kinderlos blieben, blieb das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stabil.

Bei Vätern zeigte sich prinzipiell ein ähnliches Muster: Bis zur Entbindung stieg ihr Selbstbewusstsein, danach sank es ab. Allerdings nicht so massiv wie bei ihren Partnerinnen; sie pendeln sich etwa auf dem Niveau des Ehebeginns ein.

[Hervorhebung nicht im Original]

Interessant ist nun die mögliche Erklärung, die die Forscher vermuten:

Möglicherweise […] leiden Frauen besonders unter den massiven Veränderungen, die ein Kind für das Leben seiner Eltern mit sich bringt.

Ich betone hier, dass, laut Artikel, dies keine wissenschaftliches Ergebnis ist, sondern nur eine Vermutung der Forscherin. Ich könnte mir auch andere Erklärungen vorstellen, die ich (neben der von der Forscherin als Möglichkeit präsentierten) zur Diskussion stellen möchte.

  • Ein derartigig gesunkenes Selbstbewusstsein sorgt dafür, dass die Frau bei dem Kind bleibt, da sie sich weniger andere (neue) Aufgaben zutraut und so gewährleistet wird, dass sich jemand um das Kind kümmert
  • Die Frau erkennt, dass Dinge die sie vorher für Wichtig gehalten hat, tatsächlich gar nicht so wichtig sind und sie zweifelt daher an ihrem Lebensstil bevor sie das Kind hatte
  • Sie möchte bei ihrem Kind bleiben, stellt sich aber die Frage, ob das gesellschaftlich akzeptiert wird und gewollt wird. Und ob das überhaupt möglich ist. Das „Vollzeitmutter / Hausfrau – Modell“ gilt heutzutage als veraltet und rückständig. Die Rentenansprüche sinken drastisch, wenn man zu lange von der Arbeit fern bleibt und, je länger man nicht arbeiten geht, desto schwieriger ist der Wiedereinstieg. Kann es sein, dass das Selbstbewusstsein sinkt, weil der Wunsch nach dem „bei dem Kind bleiben“ mit der gesellschaftlichen Erwartung wieder arbeiten zu gehen kollidiert und/oder den wirtschaftlichen Problematiken, die sich aus einer Entscheidung für den Verbleib zu Hause ergeben. Bzw., dass das Absinken des Selbstbewusstseins aus diesem Zweifel und inneren Konflikt entsteht.
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