Agora – Hypatia von Alexandria

Der Film Agora ist einer meiner Lieblingsfilme überhaupt. Warum? Wenn ich das mal sagen könnte. Der Film ist gleichermaßen Kritik an religiösen Eiferern und ein Plädoyer für Wissenschaft, Philosophie und Humanismus.

Der Film dreht sich um die Mathematikerin, Philosophin und Astronomin Hypatia von Alexandria. Ist jedoch recht frei im Umgang mit ihrem tatsächlichen Leben. Vor allem, weil man über dieses Leben kaum etwas weiß.

Interessanterweise bin ich bei meinem Versuch diesen Blogeintrag mit etwas mehr Hintergrundwissen zu unterfüttern auf folgendes gestoßen (Wikipedia):

Eine Einschätzung von Hypatias philosophischen, mathematischen und astronomischen Leistungen ist angesichts der sehr ungünstigen Quellenlage spekulativ und problematisch. Christian Lacombrade betont, dass Hypatia ihren Nachruhm den Umständen ihres Todes verdanke, nicht ihrem Lebenswerk. Eine Gegenposition zu dieser skeptischen Einschätzung ihrer Bedeutung ist in der feministischen Forschung anzutreffen, wo sich insbesondere Henriette Harich-Schwarzbauer mit ihrer 1997 in Graz vorgelegten Habilitationsschrift Hypatia von Alexandria. Die Testimonien zur alexandrinischen Philosophin profiliert hat. Im feministischen Diskurs werden die antiken Texte zu Hypatia unter dem Gesichtspunkt der Genderforschung interpretiert. Ihr Schicksal erscheint als Beispiel dafür, „wie man mit der weiblichen Intellektualität und wie man mit weiblicher Autorschaft umzugehen pflegte“. So wie Hypatias Leichnam zerstückelt wurde, so sei auch ihre Lebensleistung durch die Überlieferung zerstückelt worden. „Sie der Vergessenheit zu überantworten, war Kalkül.“

Es ist unbestritten, dass Hypatia Kontakte zu vielen wichtigen Menschen in Alexandria hatte (u.A. dem Statthalter aber auch dem Bischof von Ptolemais). Sie hat Mathematik, Philosophie und Astronomie betrieben und war damit hoch angesehen, es ist nahezu sicher, dass sie auch unterrichtete. Und das als Frau in der damaligen Zeit. Und das über einen längeren Zeitraum. Hypathia ist ungefähr 60 Jahre alt geworden. Einen Großteil davon wird sie in ihrer Funktion als Lehrerin, Mathematikerin… zugebracht haben.

Dementsprechend muss man wohl dem Herrn Lacombrade wiedersprechen: Ihr Lebensleistung war mit relativer Sicherheit außergewöhnlich. Dass ihr Tod einen derartigen Nachruhm einbrachte, in diesen kritischen Zeiten religiösen Machtsrebens und unhumanen Verhaltens zeugt davon, dass sie eine bedeutende Person war, die viel Wertschätzung und hohes Ansehen erlangt hatte.

Dementsprechend ist das Zitat von Frau Harich-Schwarzbauer auch eher … nichtssagend … , denn offensichtlich ging man mit der weiblichen Intellektualität und der weiblichen Autorenschaft ganz gut um. Vor allem wenn man bedenkt, das (laut Wikipedia) ihr Lehrer möglicherweise der Sohne der Philosophin Sosipatra gewesen sein könnte.

Dass Hypatia umgebracht und zerstückelt wurde kann nicht zwangsläufig auf ihre Weiblichkeit, sondern vielmehr auf ihren Einfluss zurückgeführt werden. Sie war eine Person des öffentlichen Interesses. Über Stadt- und Landesgrenzen hinaus war sie bekannt. Sie hatte mächtige Freunde in der christlichen Kirche im Adel und bei bekennenden nicht-Christen. Sie derartig niederträchtig umzubringen war ein Zeichen der Macht in einem Machtkampf zwischen Kirche und Staat. Es war ein empfindlicher Schlag gegen den Statthalter Alexandrias. Das gleiche Schicksal hätte mit relativer Sicherheit auch einen Mann in ihrer Position ereilt.

Dass allerdings ein solcher Mord sie der Vergessenheit überantworten würde, bzw. dies einkalkuliert war, ist – na sagen wir mal – scheiße dämlich. Es kann doch kein Mensch wirklich glauben, dass eine Person mit diesem Ansehen, mit diesen Kontakten, auf bestialische Weise umgebracht wird und dies dann nicht bekannt wird. Dass ein solcher Mord einer ohnehin schon außergewöhnlichen Person nur noch mehr Aufmerksamkeit bringt, steht außer Frage. Und ich behaupte, dass dies auch der christliche Mob damals wusste. Ich glaube sogar, dass sie das nicht nur wussten, sondern diese zusätzliche Aufmerksamkeit sogar einkalkulierten. Getreu dem Motto: „Schaut her, wir können die Vertraute des Statthalters ermorden und der kann uns gar nichts. Wir haben hier das Szepter in der Hand!“

Auch das über ihre Lehren und ihre Arbeit wenig bis gar nichts überliefert ist, ist nicht verwunderlich. Immerhin gab es damals durchaus Dinge wie Bücherverbrennungen usw. . In Zeiten religiöser und ideologischer Eiferer wird als erstes das kritische Denken und die Wissenschaft angegriffen.

Aber davon abgesehen: Es sind rund 1500 Jahre seit damals vergangen. Bibliotheksbrände und Zeit fordern ihre Opfer.

Zudem wissen wir nicht einmal, ob sie jemals etwas schriftlich veröffentlicht hat. Möglicherweise, war die Schärfe ihres Geistes und ihre Lehre das, was sie berühmt machte und nicht ihre Forschung.

 

 

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