Was der Gender Pay Gap impliziert

Ich habe vor einiger Zeit schon einmal über den Gender Pay Gap (GPG) gesprochen und dabei primär über die Berufswahl gesprochen.

Vorher erst einmal ein kleines Rechenspiel, basierend auf dieser Grafik vom Statistischen Bundesamt:

bruttostundenverdienst

Der Bruttostundenverdienst der Männer von 18,81€ währe also die Basiszahl, also 100%. Der Bruttostundenverdienst der Frauen von 14,62€ die Vergleichszahl. Ergo:

14,62        X                                           1462
18,81  =  100    oder aufgelöst: X = 18,81 = ca. 77,72 %

100% – 77,72% = 22,28%

daraus folgt: Der Verdienstunterschied beträgt nach diesen Zahlen von 2010 ca. 22,28% Nun sind 0,95€ jedoch durch Beruf und Branche zu erklären.

0,95        Y                                            95   
18,81 = 100   oder aufgelöst   Y= 18,81 = ca. 5,05 %

Das heißt: 5,05 Prozentpunkte der 22,28 % Unterschied sind durch Berufswahl und Branche begründet. Das ist etwas mehr als ein Fünftel des gesamten Gaps.

Also schon ein recht signifikanter Teil.


Ich habe beim letzten Mal argumentiert, dass Geld ein wichtiger Faktor in unserem Leben ist und Somit bei der Berufswahl auch eine Rolle spielt.

Wenn sich also Frauen für diese weniger gut bezahlten Jobs entscheiden, obwohl sie wissen müssten, dass sie weniger gut bezahlt sind, dann gibt es zwei Möglichkeiten:
1.: Frauen sind tendenziell dumm
2.: Frauen haben andere Möglichkeiten an Geld zu kommen
Da ich ersteres ehrlich gesagt für ziemlich absurd halte, ich das aber dennoch nicht ohne Belege ausschließen möchte, sei gesagt, dass Männer und Frauen in etwa gleich hohe IQ Werte hatten. An mangelnder Intelligenz kann es also nicht liegen.
Es muss also für Frauen andere möglichkeiten geben an Geld zu kommen. Also zum Beispiel Ehemänner oder unterhaltspflichtige Väter.
Diesmal möchte ich andere Implikationen, besprechen. Ich wäre natürlich nicht so vermessen zu behaupten, dass unsere Sozialisation keinen Einfluss auf unser Verhalten hat. Das wäre vor dem Hintergrund unterschiedlicher Kulturen weltweit, aber auch von Subkulturen oder „Szenen“ eine nicht haltbare Behauptung. Also spielt Sozialisation sehr wohl eine Rolle.
Wenn jetzt also auf Seiten der Feministen argumentiert wird, dass diese Unterschiede in Berufs- und Branchenwahl sozial konstruiert sind UND das der GPG ein Problem ist, dann impliziert das eine ganze Menge.
Zum Beispiel impliziert das, dass Eltern ihren Töchtern nicht beibringen, dass Geld in unserer Gesellschaft wichtig ist. Der selbe Vorwurf wird auch dem Betreuungspersonal und den Lehrkräften in Schulen und Kindergärten gemacht. Es wird diesen Leuten vorgeworfen, dass sie ihre Töchter/die Mädchen nicht auf das Leben vorbereiten.
Das impliziert auch, dass wir als Gesellschaft Jungs das beibringen. Denen wird das nämlich irgendwie in gemischtgeschlechtlichen Kindergartengruppen und Klassenzimmern beigebracht ohne das die Mädchen das mitbekommen. Dem Sohn wird beigebracht, dass Geld wichtig ist, der Tochter jedoch nicht.
Es impliziert auch, das Firmen nicht genug Frauen anwerben und nicht proaktiv genug sind, diese in die „männerdominierten“ Berufe zu bekommen. Das impliziert, dass Mädchen trotz Girls Days und hunderten von Fotos, wo Frauen überrepräsentiert abgebildet sind im Vergleich zum prozentualen Beschäftigungsverhältnis, nicht ausreichend dahin „sozial konstruiert“ werden, solche Berufe zu wählen.
Es impliziert, dass der Staat nicht genug für Frauenförderung tut. Also Frauenförderpläne, Frauenförderungs- (verschleiert als Gleichstellungs-) gesetze und ein Frauenministerium sind nach feministischerArgumentation der „sozialen Konstruktion“ nicht ausreichend.
Zudem impliziert das, wie oben bereits zitiert, dass Frauen tendenziell dumm sind. Denn es sagt nichts anderes aus, als dass Frauen entweder zu dumm sind um zu kapieren, dass Geld wichtig ist oder aber, das Frauen das sehr wohl verstehen, aber zu dumm sind um ihre sozial konstruierte Berufswahl zu hinterfragen und das zu machen, was mehr Geld einbringt.

Die Alternative wäre natürlich, dass Frauen tendenziell nicht zu dumm dafür sind, dass Eltern ihren Kindern beibringen, wie sie selbstständig und eigenverantwortlich werden, dass die Firmen mehr als genug tun um Frauen in diese Berufe zu bekommen und der Staat mehr macht als ihm eigentlich zusteht (Diskriminierung auf Grund von Geburtsmerkmalen ist halt ein Menschenrechtsverstoß).
Wenn der Versuch durch soziale Konstruktion – durch Medien, Präsentation der Firmen, Gesetze und Erziehung – mehr Mädchen/Frauen in besser bezahlte Berufe zu bekommen, derartig scheitert (der GPG stagniert seit Jahren), dann muss die Frage sein, ob es nicht eine andere Erklärungsmöglichkeit gibt.
Zum Beispiel könnte, wenn wir bei der sozialen Konstruktion bleiben, ein Mädchen/eine Frau lernen, dass sie sich darauf verlassen kann durch andere Quellen einen Ausgleich für den verringerten Verdienst zu erhalten. Wie zum Beispiel den Ehemann oder den Staat. Somit würde sie von vorneherein lernen, dass sie es nicht so sehr nötig hat, dass ihr gewählter Beruf gut bezahlt wird. Sie kann damit mehr Fokus auf ihre Interessen legen.
Eine andere Möglichkeit währe, dass es genetische Prädispositionen gibt, die diese Unterschiede in der Berufswahl herbeiführen.

So oder so finde ich die Verteilung des GPGs sehr interessant (man beachte nicht die Farbverwechslung Grün und Gelb in den Neuen Bundesländern):
220801-st-original.jpg
Und vergleichen wir diese Karte mit der Zufriedenheitskarte
bale-american-psycho-ac_5158294-original-imagegallery_standard
…kommt eine erstaunliche Korrelation zum Vorschein.
Nun impliziert eine Korrelation natürlich noch keinen Kausalzusammenhang. Klickt man aber weiter da rum, zum Beispiel Glücksverteilung nach Geschlechtern, dann stellt man fest, dass Frauen insgesamt leicht glücklicher sind und die unglücklichsten Frauen in den neuen Bundesländern sind. Tatsächlich sind sowohl bei Männern als auch bei Frauen die Neuenbundesländer auf den Plätzen 14 -19 vertreten. (Die alten Bundesländer wurden nicht nur nach Bundeslandgrenzen aufgeteilt, die neuen jedoch schon.) Zudem ist das Einkommen in den westlichen Bundesländern deutlich höher, als das der östlichen Bundesländer.
Können wir daraus schlussfolgern, dass die relative finanzielle Sicherheit im Westen (höheres Durchschnittseinkommen) uns mehr möglichkeiten bietet uns frei zu entfalten und diese freie Entfaltung einen Einkommensunterschied begünstigt?
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Ein Gedanke zu “Was der Gender Pay Gap impliziert

  1. Pingback: Soziale Konstruktion | stapelchipsblog

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