Artikelsammlung: 27.11.2016

Geschlechterallerlei:

Jungs & Mädchen:

Mammonmagazin:

kuckucksvater:

man tau

Videos:

Advertisements

Angst vor dem weiblichen Urteil

Ich war vor etwa drei Wochen auf einer Geburtstagsfete und dort haben wir uns natürlich auch über Politik und das Weltgeschehen unterhalten. Unter anderem natürlich auch über Islamisten, Selbstmordattentäter usw. .

Dabei wurden auch die üblichen Witze gerissen. „72 Jungfrauen? Da muss man auf die Ewigkeit aber ganz schön haushalten.“ – „72 Jungfrauen heißt auch 72 Schwiegermütter. – Und niemand hat gesagt, dass die Jungfrauen hübsch sind.“

Daraufhin fragte eine Freundin, warum Männer eigentlich so auf Jungfrauen stehen würden. Wir waren uns relativ schnell einig, dass das auf die anwesenden Männer nicht zu traf.

Dennoch ist es unzweifelhaft, dass die Jungfräulichkeit auf viele Männer einen gewissen Reiz ausübt. Wir hatten mehrere Erklärungsansätze die alle vielleicht zu einem gewissen Grad zutreffen bzw. bei individuellen Männern zutreffen. So haben wir kurz darüber philosophiert, ob es Männer gibt, die einfach „der Erste“ sein wollen. Und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es diese Sorte Mann bestimmt gibt. Wir haben überlegt, dass die Jungfräulichkeit einer Frau vor diesem Geschlechtsakt natürlich auch ein Indikator dafür ist, dass ein möglicherweise entstehendes Kind tatsächlich auch das seine ist (wo dann die Frage wäre wie man die Jungfräulichkeit beweisen will. Und nein, das Jungfernhäutchen oder Hymen ist dafür kein eindeutliger Indikator.)

Womit aber alle anwesenden Männer als Erklärung konform gingen war folgende: Sie hat keinen Vergleich.

Sie kann nicht vergleichen ob Du besser oder schlechter warst als jemand davor. Tatsächlich fand ich die Erklärung sogar sehr naheliegend, denn das ist tatsächlich etwas, was mir auch hin und wieder Sorgen gemacht hat mit einer neuen Freundin. Oder anders ausgedrückt: Bin ich gut genug für diese Frau im Vergleich zu anderen Männern?

Ich denke diese Angst davor nicht den Ansprüchen der Frau zu genügen ist etwas, das viele Männer in sich tragen.

Mir ist dieses Gespräch wieder eingefallen, als ich heute Nachmittag die SE von Herr der Ringe gesehen habe. Im ersten Teil gibt es dort eine Szene, in der alle im Wirtshaus sind. Als sie sich von der  Wirtin Rosie verabschieden sagt einer der Gäste zu ihr: „Good night, sweet maiden of the golden ale.“ Woraufhin Sam etwas erbost vor sich hin brummelt (was ich schlicht nicht verstehe 😉 und darauf dann Frodo antwortet: „Don’t worry Sam. Rosie knows an idiot when she sees one.“ Worauf Sam mit einem wenig begeisterten Blick antwortet „Does she?“

Ich finde diese Szene eigentlich sehr bezeichnend und drückt glaube ich ziemlich gut aus, wie sich viele Männer gegenüber ihren angebeteten Frauen fühlen. Sie haben Angst vor einem negativen Urteil – Angst vor Zurückweisung.

 

Random Thoughts: Berlin Special

Da ich ja nun aus Berlin zurück bin, möchte ich ein paar Gedanken und Impressionen dazu zum Besten geben.


Attraktivität Berlins

Um es mal freundlich zu sagen: Berlin ist eine der häßlichsten Städte die ich kenne. Und das Schlimme ist, dass ich jedes mal aufs Neue davon überrascht bin WIE häßlich Berlin ist. Dieses Siffloch. Aber der Irish Pub „Murphys“ ist gut. (Und für meine Leserinnen: Da arbeitet ein richtig hübscher Barkeeper 😉 )


#aufschrei

Warum zum Geier findet man diesen gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeitshashtag im Deutschen Technikmuseum?

IMG_1316.JPG

IMG_1317.JPG


Currywurst:

Wenn es etwas gibt was Berliner nicht können, dann ist das Currywurst. Ich habe acht (8!) verschiedene Currywurststände ausprobiert. Inklusive dreien von dieser Liste . Ich meine: Sollten Berliner das nicht können? Immerhin wurde die Currywurst doch in Berlin erfunden.


Spielwiese:

Es gibt einen Laden in Berlin, der sich „Die Spielwiese“ nennt. Das konzept ist, dass man pro Stunde die man da ist etwas bezahlt und da dann Spiele spielen kann mit einem Getränk dabei. Man kann da auch Spiele kaufen oder leihen. Hat was.


Pergamon Museum:

Es ist zwar schade, dass im Augenblick nur ein Flügel des Pergamonmuseums geöffnet hat, aber dieser alleine hat sich schon gelohnt. Das Ischtar Tor ist ja mal unheimlich beeindruckend und die Exponate schon sehr erlesen. ich bin begeistert.

Artikelsammlung 20.11.2016

Ab morgen kommen wieder regelmäßige Blogeinträge (also täglich). Heute erst einmal nur eine kleine Sammlung von Artikeln, Blogbeiträgen und Videos. Übrigens: Ich verlinke hierbei eigentlich nie nach genderama, weil vermutliche alle meine Leser diesen Blog auch lesen und es dort primär eine Linksammlung ist, mit nur kurzem Kommentar. Dennoch sei der Blog von Arne Hoffmann wärmstens empfohlen.


Sebastian Wessels über #TheRedPillMovie

Jungs & Mädchen: Die Angst vor der Wahrheit 1

Jungs & Mädchen: Die Angst vor der Wahrheit 2

Jungs & Mädchen: Die Angst vor der Wahrheit 3

Geschlechterallerlei: Hillary Clintons Niederlage

Geschlechterallerlei: Von der Bewegung zum Apparat

Geschlechterallerlei: Warum ich auch Cicero applaudiere

Geschlechterallerlei: Warum ich den Nachdenkseiten applaudiere

Geschlechterallerlei: Laurie Penny

Emannzer: Frank Walter Steinmeier

Aufschrei: Sheconomy

Interview mit Jörg Kachelmann

 

Videos:

Mammonmagazin Safespace #023

Mammonmagazin: Safespace #024

TL;DR: Male Birth Control

Rob Dyke: Why would you put that on the Internet #113

Studie Brulé: Interview Cassie Jaye

MrWissen2Go: Wie links ist Deutschland

Bleilo: Selbstgerechte Gerechtigkeitskrieger

Rubin Report: Jordan Peterson

 

Feministen rasten aus: Die Pille für den Mann ist da

Ich bin über Genderama an einen Blogeintrag von Jochen König geraten und von dort aus zu einem Beitrag vom Ficko – Magazin. (Archiv)

Dieser Blogeintrag behandelt den Film „The Red Pill“, den ich auch gestern schon besprochen habe. Daher muss ich wieder zwei Dinge vorwegschieben:

1.: Ich bin finanziell in den Film involviert, aber Erfolg oder Misserfolg haben keinen Einfluss auf mein Bankkonto.

2.: Der Text wird Spoiler beinhalten, wer den Film also noch sehen möchte, sollte nicht weiter lesen.


 

Der oben verlinkte Text trieft nur so von Polemik. Das wäre an sich überhaupt kein Problem, währe da nicht der Slogan des Magazins: „ Magazin für gute Sachen. Und gegen schlechte „. Ich wage zu behaupten, dass eine polemische Filmbesprechung eher etwas Negatives ist, also etwas Schlechtes. Wem nützt bei einer Filmbesprechung polemisches Verhalten? Was nützt es Fakten zu unterschlagen und Aussagen zu verdrehen? Das hilft weder einer Diskussion noch hilft es den Film akkurat zu beschreiben.

Wie ich von „Polemik“ zu „Fakten unterschlagen“ und „Aussagen verdrehen“ komme? Das zieht sich durch den gesamten Beitrag des Ficko-Magazins, was auch der Grund ist, warum ich diesen Blogpost schreibe.

Es ist die Red Pill, die rote Pille, die alles überstrahlende WAHR-to-the-HEIT! Ich hatte bis gestern nichts von diesem Konzept gehört, das eine Pille die alles verändernde Wahrheit, die Wahrheit, die Wahrheit darstellen könnte. Jetzt kenne ich aber die wahre Geschichte. Wie bei Matrix! Du weißt schon, „WAKE UP SHEEPLE!“ Ich fühle mich ermutigt, damit an die Öffentlichkeit zu treten, obwohl mir alle nur Böses wollen.

Nun vermutlich wollen Dir alle nur etwas „Böses“ weil Du das Konzept immer noch nicht verstanden hast. Die Rote Pille gibt Dir nicht die Wahrheit. Sie zeigt Dir nicht die Wahrheit. In „the Matrix“ entkoppelt sie Dich vom System der Matrix. ‚Doch was die Matrix ist, ist schwer zu beschreiben. Jeder muss sie selbst erleben.‘ Du verstehst? Die Pille ist nur dafür da zu entkoppeln, von außerhalb auf das System zu schauen um dann die Wahrheit herauszufinden – oder halt auch nicht. Wenn Männerrechtler also von „taking the red pill“ reden, dann reden sie davon, sich von der in der öffentlichen Sichtweise zu entkoppeln. Einer Sichtweise, die stark feministisch geprägt ist und oftmals auch nicht dem wissenschaftlichen Wissensstand entspricht.

Jochen König hat mich vor ein paar Wochen gefragt, ob ich ihn zur Vorführung des Films „The red pill“ begleiten wollen würde, der in Maskulistenkreisen (das sind die, die Feministinnen oder zumindest Feminismus hassen, von „Feminazis“, „Genderwahn“ usw. reden, sobald man erwähnt, dass es sinnvoll wäre, eine gerechte Welt für alle Menschen zu haben) und auf rechtspopulistischen Webseiten gehypet wurde.

Es ist schon erstaunlich, dass kaum ein feministischer Artikel auskommt, ohne Männerrechtler irgendwie in die rechte Ecke stellen zu wollen. Ja es gibt politisch rechte Männerrechtler. Die gibt es. Es gibt aber auch linke Männerrechtler. Einer der bekanntesten maskulistischen Blogs ist der oben genannte Blog Genderama – ein linker Blog.

Ehrlich, ich bin es leid.

Aber kommen wir mal zu dem, was in der Klammer steht. Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber auch glaube nicht, dass alle Maskulisten Feminismus hassen. Ein Hinweis darauf wäre der Film gewesen, in dem mindestens einmal sehr deutlich gesagt wurde, dass sehr viele Feministen und Feministinnen gar kein Problem sind. Aber extrem viele von denen in Machtpositionen. Das geht auch mir so. Ein bekanntes Beispiel für eine Feministin die ich sehr gerne höre, deren Debatten und Reden ich mir gerne anschaue ist Christina Hoff Sommers.

Es gibt keine Feministin (und auch keinen Feministen) die ich hasse. Es gibt einige die ich ziemlich… verabscheuungswürdig finde. Aber hassen tue ich keine Feministin. Ich hasse aber Feminismus und ganz besonders intersektionalen Feminismus. Diese Strömung schreibt Menschen auf Grund von Geburtsmerkmalen (wie Hautfarbe und Geschlecht) Privilegien und Marginalisierungen zu UND rechtfertigt damit eine Ungleichbehandlung auch vor dem Gesetz. Und das ist nichts anderes als Rassismus und Sexismus. Und sowas hasse ich in der Tat, denn das ist ungerecht. Es wird den individuellen Problemen der Menschen nicht gerecht.

Und dann noch „sobald man erwähnt, dass es sinnvoll wäre, eine gerechte Welt für alle Menschen zu haben“. Brennst Du eigentlich? Hast Du nicht den großen Block im Film mitbekommen in dem es um Väterrechte ging? Hast Du nicht mitbekommen, dass da ein Mann war, der sich um die Gesundheit seines Sohnes gekümmert hat, während die Mutter seines Sohnes das nicht getan hat (Stichwort: Übergewicht)? Hast Du nicht mitbekommen, dass außer der Mutter, alle (inklusive dem Sohn und den Ärzten) diesen Zustand für schädlich hielten und das Gericht dazu gesagt: „Vater, Du darfst Deinen Sohn nicht mehr wiegen.“ Ist das in Deinen Augen gerecht? Ich hoffe, dass Du das nicht als gerecht empfindest. Was ist mit dem Vater, der sein Kind immer betreut hat und wo die Mutter das Kind zur Adoption freigegeben hat, ohne sein Wissen? Gerecht? Auf die mindestens drei anderen Beispiele gehe ich mal nicht näher ein.
Was ist mit Erin Pizzey, der Frau die das erste moderne Frauenhaus gegründet hat und gesagt hat, dass 62 der ersten 100 Frauen die sie betreute mindestens so gewalttätig waren wie ihre Männer. Ich meine, man sieht sogar Videomaterial aus der damaligen Zeit wo es eine Frau sogar unumwunden zugibt. Und trotzdem hat die feministische Bewgung alles daran gesetzt, Männern keine Hilfe bei häuslicher Gewalt zukommen zu lassen, obwohl sie es gekonnt hätten. Was ist mit dem Duluth-Model, dass davon ausgeht, dass Männer die Täter sind. Das Modell, dass teilweise – wie auch im Film erwähnt – in Gesetzen verankert ist. Gerecht? Wohl kaum.

Darf ich Dich also daran erinnern, dass diese Ungerechtigkeiten von Männerrechtlern angesprochen wurden? Erdreiste Dich nie wieder zu sagen: „Oh, wir wollen nur eine gerechte Welt für alle.“

Der Titel bezieht sich auf die oben erwähnte rote Pille bei Matrix und ist seit ein paar Jahren ein Codewort für weinerliches Aufstampfen, dass Männer von Frauen unterdrückt werden.

Der Link ist ja der Burner schlechthin. Er befasst sich mit dem Redditforum „The Red Pill“. Tja tut mir leid, aber in den letzten Minuten des Filmes wird darauf eingegangen, dass dieses Redditforum nichts mit der Männerrechtsbewegung zu tun hat. Wenn Du aufgepasst hättest, hättest Du es gewusst.

Zudem hat NIEMALS einer der Männerrechtler in dem Film gesagt, dass Frauen Männer unterdrücken. Das individuelle Frauen individuelle Männer unterdrücken ist klar. Auch andersherum. Auch klar. Aber als Gruppen? Nope. Sagt da auch keiner im Film.

Weil sich für Deutschland kein professioneller Vertrieb fand (in den USA wohl auch nicht), wurde ein Crowdfunding angelegt, das mit 86 Unterstützern (waren wohl wirklich keine Frauen drunter) erfolgreich war, sodass der Film gestern Abend in Hohenschönhausen gezeigt werden konnte. Update: Der Film selbst wurde auch über ein Crowdfunding finanziert, das vor allem aus der Männerrechtsszene bezahlt wurde. So viel also zur „unabhängigen Berichterstattung“. Lest diesen Text für eine Einschätzung des Werks, wenn ihr euch den Rest hier sparen wollt.

Tatsächlich wurde der Film mehr von Meinungsfreiheits-Aktivisten bezahlt. Aber ok. Konntest Du nicht wissen, weil Du es nicht pünktlich geschafft hast und die Ansprache von S. Wessels verpasst hast – und dich auch vorher nicht informiert hast.

Ich habe keine Zeit gehabt, mich richtig vorab zu informieren und wegen Bahnproblemen kamen wir zu spät, die ersten paar Minuten haben wir verpasst. Neben Jochen war auch noch FICKO-Kollege Marius dabei. Im Eingangsbereich vom Kinosaal stand ein Karton mit ca. 50 Exemplaren eines Buchs, das in weinerlichem Tonfall „Deutschlands Frauen schaffen ihre Männer ab“ heißt und auch in diesem an Sarrazin angelehnten Titel wieder die Nähe des Antifeminismus zu rechtspopulistischen bis komplett nazigetränkten Ideenwelten abbildet.

Von dem Titel eines Buches auf seinen Inhalt zu schließen, ist wie von der Hautfarbe oder dem Geschlecht auf den Charakter zu schließen. Geht nur sehr bedingt. Übrigens finde ich, dass „Feministen schaffen Geschlechterrollen ab“ die Nähe zum Antisemitismus und zu rechtspopulistischen bis komplett nazigetränkten Ideenwelten abbildet. Ich meine, die weinen darüber rum, dass Geschlechterrollen total schädlich sind und so.

Ich fragte anschließend, wer diese Bücher, die verschenkt wurden, eigentlich bezahlt, der Veranstalter schien etwas peinlich berührt bzw. nicht ganz gewillt, das auf seine Kappe zu nehmen und meinte, der Autor hätte wohl nicht alle Bücher verkauft und würde sie nun eben verschenken.

Und was sagt der Autor dazu? War er da? Etwas weiter nachgeforscht?

Der Saal war mit ca. hundert Leuten (fast nur Männer[DID YOU JUST ASSUME MY GENDER?!?!?!]) ziemlich voll, wir fanden nur noch in der ersten Reihe Platz. Der Film erzählt ein bisschen geschickt die Story der bisher immer „total feministischen“ Regisseurin Cassie Jaye, die sich im Laufe des Films vom Feminismus abwendet und die Anliegen der Männerrechtsaktivisten immer besser versteht und sie auch schließlich teilt.

Sie hat sich als Feministin betrachtet, das ist richtig. Als „total feministisch“ hat sie sich aber denke ich eher nicht beschrieben. Es sei denn, Du möchtest damit hereinnehmen, dass sie einen Dokumentarfilm über LGBT Rechte gemacht hat. Dann wäre sie aber auch erwiesenermaßen „total feministisch“.

Anliegen wie „Der Feminismus unterdrückt die Männer“, „Wieso gibt es keine Männerhäuser!?!?!?“, „Männer haben mehr Arbeitsunfälle und bringen sich häufiger um, also werden Männer vom Feminismus unterdrückt“.

Zu „Zitat“ eins: Ziemlich vereinfacht ausgedrückt, aber das ist schon nicht ganz falsch. Allerdings sagt der Film das über zwei Stunden aus, weshalb da natürlich einiges an Argumentationsführung fehlt. Und nur so zur Info „Feminismus“ ungleich „Frauen“.

Zu „Zitat“ zwei: Das ist schon ein wichtiges Anliegen, vor allem vor dem Hintergrund des oben erwähnten Duluth-Models, dass, wie der Film auch wiedergibt, in diversen Staaten der USA ins Gesetz geschrieben ist. Das ist ein feministisches Modell und ein Modell, dass der Wissenschaft widerspricht. Etwas, das auch im Film angesprochen wird. Die Zahlen des CDC werden im Film sogar gezeigt. Das ist eine offizielle Studie des Gesundheitsministeriums. Die Zahlen zeigen eine annähernde Gleichverteilung der Opfer häuslicher Gewalt auf die beiden Geschlechter. Bei reiner physischer Gewalt sind sogar Männer häufiger Opfer. Es ist also ein berechtigtes Anliegen zu fragen, warum es in den USA knapp 2000 Frauenhäuser und nur ein Männerhaus gibt. Warum in manchen Staaten, dass Duluth-Model noch im Gesetz verankert ist. Warum sich öffentliche Kampagnen fast nur gegen häusliche Gewalt gegen Frauen richten. Warum es keine Hilfsangebote für Männer gibt. Warum man „seine Schuld“ eingestehen muss um überhaupt irgendwelche Hilfe zu bekommen, wenn man als Mann Opfer von häuslicher Gewalt ist.

Zu „Zitat“ drei: Das ist nicht wirklich richtig. Keiner hat gesagt, dass die erhöhte Anzahl an Arbeitsunfällen ein zeichen der Unterdrückung des Feminismus ist. Es wurde zwar gesagt, dass Feministen sich darüber beschweren, dass nicht so viele Frauen in Top Positionen sind, aber kaum ein Feminst sagt, dass auch mehr Frauen in diese unangenehmen/gefährlichen Jobs sollen. Warren Farrell sagte, dass viele Männer diese Jobs nicht machen, weil sie das unbedingt wollen, sondern weil sie ihre Familien versorgen müssen und wollen. Hier war kein Bezug zu Feminismus.

Erst bei der erhöhten Suizidrate lässt sich ein Bezug abstrahieren, wenn man bedenkt, dass viele der Gründe für die Ungerechtigkeiten (Väterrechte, häusliche Gewalt) die zu einem Suizid führen, durch feministische Argumentation und Intervention überhaupt erst entstehen, bzw. mögliche Lösungen durch selbige verhindert werden.

Was es mit ihrem Feminismus bisher so auf sich hatte, wird leider nicht ganz klar, sie behauptet einfach, bisher Feministin gewesen zu sein, erzählt dabei von ihren vorigen Versuchen, als Schauspielerin zu reüssieren und wie sie die Rollen, die ihr dort angeboten wurden, immer unterkomplex und uncool fand, das Wort Sexismus fällt nicht, wenn ich mich nicht falsch erinnere.

Nun, abgesehen von dem oben genannten Film über LGBT Rechte hat sie auch eine Dokumentation über Sexualerziehung gemacht. Und zudem hat sie sich wohl auch selbst als Feministin bezeichnet, was ja wohl so ziemlich die einzieg Aufnahmebedingung ist. Zudem hat sie die Schauspielerei aufgegeben, weil sie diese Rollen scheiße fand und darauf reduziert wurde. Also ist sie daraus ausgebrochen und hat stattdessen angefangen „die Geschichten zu erzählen, die ich erzählen wollte“. Gibt es eigentlich irgendetwas „feministischeres“?

Man wird über den Film den Eindruck nicht ganz los, dass es vor allem darum geht, die Konvertierung spektakulärer zu gestalten, da eine Zustimmung zu Männerrechtsaktivismus von einer Feministin vorgetragen natürlich mehr Gewicht erhält.

Da muss ich zu einem gewissen Grad tatsächlich zustimmen. Ihr eigener Wandel nimmt einen nicht unwesendlichen Teil des Filmes ein. Ob das ganze jetzt gemacht wurde um „spektakulärer“ zu sein, oder ein tatsächlicher Wandel ist, vermag ich nicht zu sagen. Alle Indikationen die ich habe zeigen aber einen tatsächlichen Wandel.

Zu Beginn geht es jedoch nach dem Einstieg auch vor allem darum, wie schwer es Männer heutzutage haben. Ich saß im Saal und fühlte mich verarscht. Einengende Rollenstereotypen werden schon seit Jahrzehnten gerade von feministischer Seite kritisiert.

Ich bin mir jetzt gerade nicht sicher, aber zu Beginn des Filmes wurde Feminismus doch noch gar nicht thematisiert oder? Sei es drum: Selbst wenn es so wäre, dass gesagt wurde, dass Männer es schwer hätten wegen des Feminismuses und der Feminismus einengende Rollenstereotypen kritisiere, dann muss man sich doch die Frage stellen, warum diese Männerrechtler das so empfinden? Also warum kommen sie zu dem Schluß, dass Feminismus da nicht hilft? (Tip: Schau Dir den Film „The Red Pill“ an)

Die Männer auf der Leinwand, organisiert in ihrem Kampf gegen die feministische Weltverschwörung, beschweren sich darüber, dass sie nie ihre Gefühle zeigen dürfen, sie weinen und sie werden rasend, wenn ihnen Unrecht widerfährt. Wo genau ist da nun das Argument gegen Feminismus?

Feministen bezeichnen Männer die über ihre Probleme reden als „weinerlich“ oder als „Jammerlappen“. Wenn sie es tun, werden sie direkt in die rechte Ecke geschoben, was gerade für politisch Linke wie mich, nun sagen wir mal, eher abwertend ist.

Im Lauf der fast zwei Stunden wird Cassey Jaye sich immer mehr selbst in Frage stellen. Sie trifft verschiedene Vertreter_innen durchaus auch mal diverser Standpunkte, es wird jedoch selten bis nie irgendetwas ernsthaft eingeordnet, hinterfragt oder belegt.

Stimmt, es wird nie Videomaterial gezeigt. Es werden nie Statistiken gezeigt. Es wird nie etwas hinterfragt… Da kann man wirklich nur mit dem Kopf schütteln. Der Film ist ein einziges großes Hinterfragen. Mit Videomaterial, mit Statistiken, mit Bezug auf Gesetzen usw. . Ich habe auch gestern schon angemerkt, dass manches etwas kurz geraten ist. Zugegeben. Aber der Film dauerte trotzdem schon zwei Stunden.

Als im Anschluss an die hässliche Geschichte einer Trennung eines Männerrechtlers von seiner Frau, die ihn seiner Erzählung nach überlistet hatte, um schwanger zu werden, eine US-Talk-Show im Stil von Jerry Springer gezeigt wird, wo die Moderatorin das Publikum fragt, ob die gerade befragte Frau ihren Mann ebenfalls hereinlegen solle, um schwanger zu werden, johlt das Publikum begeistert. Das ist also euer Argument, ja? Irgendeine gescriptete Fernsehshow, die dafür gemacht ist, aus der Vorführung ihrer Gäste Empörung und ähnliche Aufmerksamkeit zu generieren soll als Argument herhalten, wofür genau eigentlich? Alle Frauen sind perfide Lügnerinnen, wie das im Reddit-Subforum „The red pill“ die allgemeine Überzeugung ist? Naja, geht so.

Nein, es soll ein weiterer Beleg dafür sein, dass Männer in eine Vaterschaft gezwungen werden können ohne dass sie dieses eigentlich wollen und dass dies sogar scheinbar gesellschaftlich akzeptiert ist.

Ich will jetzt nicht den ganzen Film Punkt für Punkt wiedergeben, teilweise ist man sich nicht sicher, ob man lachen oder weinen soll, so falsch werden hier Argumente aufgeführt wie z.B. ein Männer immer wieder in den Schlund der Niedertracht drückendes System.

Was ist daran falsch? Der Film belegt im Fall von Väterrechtsangelegenheiten und häuslicher Gewalt ziemlich eindeutig ein niederträchtiges System.

Manchmal werden auch ganz reale, tatsächliche Probleme gezeigt, aber gerade da gilt noch viel öfter: Ja, all das wird von vielen Feminist_innen seit Jahren gesagt. Und zwar handfest, mit Wissenschaft und so, nicht nur irgendwelche Verschwörungsblogs, die sich gegenseitig ihre falschen Zahlen hin- und herschieben.

Ja? Ich hoffe Du meinst nicht die Gender Studies mit der „Wissenschaft“.

Aber vielleicht hilft es ja, in Kürze darauf hinzuweisen: Ja, Feminismus ist für alle gut. Nein, Feminismus heißt nicht für alle dasselbe, es gibt eine große Bandbreite von Ideen.

Ich bin an den Punkt geraten, wo ich denke, dass wir unterschiedliche Filme gesehen haben. Feminismus ist also für alle gut ja? Wie kann es dann sein, dass Feministen verhindert haben, dass Erin Pizzey auch Hilfen für Männer anbietet? Wie kann es sein, dass Feministen das Duluth-Model entwickelt haben, dass die Täterschaft alleine beim Mann sieht? Wie kann es dann sein, dass Feministen wie du Männer, die über ihre Probleme reden, als Jammerlappen, weinerlich oder rechtspopulistisch beschreibst. Du bist das beste Beispiel dafür, dass Feminismus eben nicht gut für alle ist.

Und Feminismus ist nicht für „alle das selbe“? Sag das den gendermainstreaming Leuten. Sag das den Leuten die das Bundesgleichstellungsgesetz verabschiedet und gefordert haben.

Bildet euch, um sie kennenzulernen und dann in Zukunft wirklich differenziert argumentieren zu können. Wann immer jemand von seiner/ihrer Ablehnung des Feminismus anfängt, frage ich mittlerweile immer, wessen Ideen das genau meint.

Die Sache ist die: Bis auf wenige Ausnahmen habe ich noch nie eine Feministin oder einen Feministen erlebt, der die ganzen Angelegenheit differenziert und geschlechtergerecht betrachtet. Natürlich gibt es diese Ausnahmen. Aber eher selten.

Ganz konkret, welche fünf Autor_innen, welche Strömungen, welche Argumente lehnt ihr ab? Ganz vielleicht ist es dabei sogar sinnvoll, sich mit Leuten zu befassen, die sich selbst als Feminist_innen bezeichnen und nicht primär den alle paar Wochen wieder durchs Feuilleton gejagten Leuten zuzuhören, die Feminismus erst einmal falsch verstehen oder auch falsch verstehen wollen, dann falsch darstellen und schließlich ihr Missverständnis ablehnen.

Na das mach ich doch. Deshalb komme ich ja zu dem Schluss, dass Feminismus scheiße ist.

Ich frage ja auch nicht Jürgen Elsässer, wenn ich eine Geschichte der jüdischen Diaspora suche, wieso also Jan Fleischhauers Dekreten bei Fragen zum Feminismus ernsthaftes Gewicht schenken?

Nur weil ich kritisch gegenüber etwas bin heißt es nicht, dass ich uninformiert bin. Das kann natürlich sein, dafür bist Du ja das beste Beispiel, mit Deinem ständigen Bezug zum „Red Pill“ Reddit Forum, obwohl dies nichts mit der Männerrechtsbewegung zu tun hat.

Ja, es gibt ein großes Problem mit Rollenbildern, das gilt für Frauen wie für Männer wie auch für alle Leute, die gar keine Lust haben, das Spielchen mitzumachen. Und ja, das heißt, dass Männer sich Gedanken darüber machen müssen, denn auch Männer sind Teil dieser Welt.

Und wenn sie sich Gedanken darüber machen und nicht als Zahlhans oder Geldautomaten dienen wollen (Stichwort: Väterrechte) und nicht nur als Gewalttäter dargestellt werden wollen (Stichwort: häusliche Gewalt), dann kommt Mister Super-Feminist vom Ficko-Magazin an und bezeichnet sie als Jammerlappen. So kanns gehen.

Und ja, oft genug ist es auch für Männer extrem scheiße, einem total verengten Bier-Fußball-Fleisch-Saufen-Autos-Ideal nachzurennen, weil sie sonst als unmännlich, als „Mädchen“ (schlecht), als schwul usw. gelten. Das ist scheiße und das muss sich ändern.

Das ist ein Ideal für Männer? In was für einer Welt lebst Du denn?

Nur: Es ändert sich bereits. Und zwar, weil feministische Ideen erfolgreich sind. Es gab dieses Jahr zum ersten Mal in der Geschichte der CDU eine kleine Diskussion um den Sexismus in der Partei.

Meinst Du das Gedöns mit Jenna Behrends? Ja eine tolle „Diskussion“. Eine Frau, die bei mehreren anderen Politikern halb auf dem Schoß saß, selbst Gerüchte über Affairen die sie gehabt hat/haben soll in die Welt gesetzt hat, wird von einem Mann als „große süße Maus“ bezeichnet und beklagt sich dann über Sexismus gegen Frauen in der Partei. Der Partei, die eine eigene Abteilung für frauenspezifische Sachen hat (Frauenunion) aber nicht für Männer. Einer Partei, die eine Frauenquote hat und die eine Jenna Behrends in einen als sicher geltenden Lisztenplatz gewählt hat, obwohl sich diese selbst keine andere Erklärung geben konnte, als dass sie eine Frau ist. Wenn sich hier feministische Ideen durchsetzen, ist es ein weiterer Beleg für die Einseitigkeit und Schädlichkeit des Feminismus. Systemisch ist schon alles zu Gunsten von Frauen gestrickt und dann wird auch noch der soziale Druck erhöht, dass alles, auch eine – zugegeben – unpassende Wortwahl dazu führen kann, dass Leute unter Feuer geraten. Das ist kein „gerechtes“ System, das ist ein faschistoides System.

Das ist für diese Partei wirklich eine Sensation. Es ändert sich etwas. Feminismus wirkt. Ganz arg langsam, mit vielen Rückschlägen, aber es wird gesamtgesellschaftlich besser, sogar in der Partei, die gegen die Kriminalisierung der Vergewaltigung in der Ehe war. Die gegen die Legalisierung von Abtreibungen war, wo Männer über Frauen und ihren Körper herrschten und das als ihr natürliches Recht sahen.

Stimmt. Eine 180° Kehrtwende. ‚Hmm, wir haben es da so richtig verbockt. Gut, dann machen wir es wieder gut, dass wir es in die andere Richtung richtig verbocken.‘

All diese Veränderungen würden nicht passieren, wenn sich nicht trotz aller absurden Verdrehungen eines Don Alphonso auch oft genug die Vernunft durchsetzen würde.

Du findest es vernünftig, dass „große süße Maus“ eine derartige „Debatte“ ausgelöst hat? Vernünftig wäre es gewesen ihr zu sagen, dass sie erwachsen werden soll und mal ihr Verhalten reflektieren soll.

Es wird aber sicher nicht weitergehen, wenn die Antwort auf den Abbau von Sonderrechten für Männer in Filmen wie diesem besteht.

Welches Sonderrecht haben denn Männer? Hmm? Meinst Du das Sonderrecht, dass die Genitalien von Männern verstümmelt werden dürfen, die von Mädchen aber nicht? Wurde im Film übrigens auch thematisiert. In Deutschland sind dazu die passenden Gesetze §226a StGB und §1631d BGB.

Nenn doch, verdammt noch mal, ein Sonderrecht das Männer haben. Findest keins? Wundert mich nicht. Es gibt nämlich keins.

Oder in Forderungen der AfD, die in Demos wie dieser hier kulminieren. Seht es ein, ihr habt verloren, Menschen wollen sich heutzutage nicht mehr von ewiggestrigen Jammerlappen vorschreiben lassen, wie sie ihr eigenes Leben gestalten zu haben.

Darum wird Feminismus auch immer unbeliebter. Weil sich die Menschen von ewiggestrigen Jammerlappen wie euch nicht vorschreiben lassen wollen, wie sie ihr Leben zu leben haben.

Hier noch Jochen Königs Perspektive auf den Abend, er hat auch noch mehr zum Film selbst geschrieben. Es überrascht nun zudem nicht sonderlich, dass ich beim Googlen zum Film auf diesen Text in empörtem Tonfall gestoßen bin, der sich im Guardian vor einem Jahr darüber beschwert, dass der Film kritisiert wird. Was für ein elendes Gejammer. Schlimm schlimm, diese Kritik, die armen Männerrechtler!

Nur dass dieser Artikel nicht nur die Kritik beschreibt, die sie abbekommen hat, sondern auch, dass für einen solchen Film nicht einmal Gelder zur Verfügung stehen bzw. zur Verfügung gestellt werden. Hätteste gewusst, wenn Du den Artikel gelesen hättest.

Hauptquelle des Textes ist dann auch noch Breitbart,[…]

Naja und ihre Kickstarter Seite und wehuntedthemammoth. Aber hey… Wen interessieren schon Fakten…

[…]das rechtspopulistische, rassistische, homophobe, sexistische usw. Lügenportal von Stephen Bannon, frischernannter Chefstratege von Donald Trump und expliziter Anhänger der Idee von White Supremacy, der Vorherrschaft der „weißen Rasse“. Da kommt zusammen, was zusammengehört. Hat jemand Mario Barth gesagt?

Also der homosexuelle Milo Yiannopoulos schreibt für Breitbart, dem homophoben Lügenportal und veröffentlicht dort ein Interview mit einer feministischen Filmemacherin (die auch schon einen Film über LGBT Rechte gemacht hat), die für ihren Dokumentationsfilm keine finanzielle Unterstützung bekommen hat, weil er sich mit Männerproblemen bzw. Männerrechtlern befasst (diese Sexisten die Frauen alles vorenthalten wollen). Sie wird dort zitiert und dieses Zitat wird dann im Guardian übernommen.

Ist natürlich ein einormes Problem, dass ein Schwuler in einem schwulenfeindlichen Lügenportal eine schwulenfreundliche Filmemacherin zitiert und dieses Zitat übernommen wird. Noch polemischeren Bullshit konntest Du Dir nicht ausdenken oder.

Man merkt einfach, dass Dich der Inhalt nicht interessiert, dass Dich nicht interessiert, was jemand sagt. Dich interessiert nur, wer es gesagt hat. Du solltest von diesem Lagerdenken umgehend Abstand nehmen.

 

The Red Pill Movie

Gestern war die Deutschlandpremiere der Dokumentation über die Männerrechtsbewegung. Bevor ich damit beginne, möchte ich drei Dinge vorweg schieben.

1.: Vielen Dank nochmal an Sebastian Wessels, der mit der Organisation diese Premiere erst möglich gemacht hat und ein – in meinen Augen – sehr interessantes Statement gebracht hat. Sinngemäß: „Ich bin kein Aktivist, ich bin Wissenschaftler. Das ist der Grund warum ich der Wissenschaft den Rücken gekehrt habe.“

2.: Dies ist eine Filmkritik, deshalb ist mit Spoilern zu rechnen. Wobei das vielleicht falsch ausgedrückt ist. Alles was ich sagen möchte, nimmt vieles vorweg, was in dem Film wichtig ist. Deshalb: Wer den Film noch sehen möchte, sollte hier nicht mehr weiterlesen. Es sei nur soviel gesagt: Es lohnt sich (siehe 3.).

2.1: Alle Zitate sind aus dem Gedächtnis, ich bitte das also zu verzeihen, wenn sie nicht 100% akkurat sind. Sie sind aber sinngemäß richtig.

3.: Ich denke ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, aber soll gerade hier noch einmal Erwähnung finden. Ich habe 50€ bei der Kickstarterkampagne ausgegeben, damit der Film produziert werden kann und ich habe 25€ ausgegeben, damit die Deutschlandpremiere starten konnte. Ich bin also finanziell beteiligt. Allerdings würde auch ein vollkommenes Ignorieren des Filmes mir keinen direkten Nachteil bringen und das andere Extrem (7,x Mrd unterschiedliche Zuschauer weltweit) würde mir auch keinen Vorteil bringen.

Jetzt wo wir das aus dem Weg haben, beginnen wir mit der eigentlichen Filmkritik. Ach ja eins noch: Es herrschte allgemeine Enttäuschung, dass gegen den Film nicht vor Ort protestiert wurde… 😉

Inhaltsangabe:

Wie bereits allen meinen Lesern bekannt sein dürfte, geht es bei der Dokumentation über die Männerrechtsbewegung. Um genauer zu sein, um die Männerrechtsbewegung in den USA und Kanada. Es werden zwar auch Männerrechtler aus Indien kurz näher beleuchtet, allerdings nur für wenige Sekunden. Ebenfalls wird kurz eine Ungerechtigkeit in Frankreich erwähnt.

Die Dokumentation beginnt damit, dass Cassie Jaye (Regisseurin) sich selbst vorstellt. Ihr Werdegang in der Filmindustrie und ihr Weg in die Dokumentationsfilmbranche. Sie erklärt, wie sie auf den Gedanken gekommen ist über die „Rape Culture“ einen Dokumentarfilm zu machen und wie sie dabei auf A Voice For Men gestoßen ist. Eine Art Collage entsteht, wo Überschriften von AVfM zu sehen sind und Textausschnitte, unterlegt mit den Worten: „Ich konnte die Artikel oft nur bis zur Hälfte lesen. Es gab nur eine begrenzte Anzahl an „Bitch“, „Slut“… die ich in einer bestimmten Zeit lesen konnte. Dennoch kam ich immer wieder zurück und las weiter.“

Danach wird der Filmname eingeblendet.

Es folgen dann die Interviews mit Männerrechtlern und Feministen. Immerwieder unterbrochen von dem persönlichen Videotagebuch von Cassie Jaye aber auch mit den Statistiken auf die sich Männerrechtler beziehen.

Es werden Probleme wie häusliche Gewalt, Familenrecht/Väterrechte aber auch Berichterstattung über Opfer eingehender besprochen. Andere Probleme werden mehr oder weniger kurz angerissen wie z.B. die hohe Todesrate bei Männern auf der Arbeit, die hohe Suizidrate (diese findet sich jedoch bei anderen Problemen oft wieder) und die kürzere Lebenserwartung.

Beim Thema häusliche Gewalt zeigt sie die Statistik vom CDC (PDF S. 48) in der Männer tatsächlich häufiger Opfer von physischer Gewalt wurden als Frauen. Zudem noch einen Interviewpartner der von einem Freund berichtet, der immer das Haus verlassen hat, wenn seine Frau ausflippte, damit ihn die Nachbarn sehen konnten und er nicht beschuldigt werden konnte. Ebenso einen anderen Interviewpartner, der berichtete, dass man ihm geraten habe das Haus zu verlassen, wenn sie ihn schlägt, weil man ihn sonst verhaften würde, wenn sie sich den Fingernagel dabei abbrechen würde. Gleichzeitig zeigt sie aber auch, wie in der Öffentlichkeit damit umgegangen wird. Sie zeigt, dass nahezu überall nur von weiblichen Opfern die Rede ist und Männer allenfalls als Täter vorkommen. Auch zeigt sie das Missverhältnis von Frauen und Männerhäusern in den USA und erklärt das Duluth-Model und das dieses Modell es in manchen Staaten der USA in die Gesetze geschafft hat.

Als es um das Thema Väterrechte geht, zeigt sie mehrere Interviewpartner und Geschichten zu den unterschiedlichsten Bereichen, wo es an den Väterrechten mangelt. Sie alle aufzuzählen wäre zu viel. Aber es wird gut durch Cassie Jaye zusammengefasst, die zwei Flowcharts zu diesem Thema gemacht hat und die auch in der Dokumentation gezeigt werden.
Diese Flowcharts befassen sich mit den Möglichkeiten, die Frauen bzw. Männer haben im Bezug auf Reproduktion und zeigen sehr anschaulich, dass die Wahlfreiheit des Mannes bei der Wahl welches Verhütungsmittel gewählt werden sollte endet. Alles andere ist die Entscheidung der Frau.

Das dritte große Thema war die Darstellung von Opfern in den Medien vor allem am Beispiel von Boko Haram und #BringBackOurGirls. Sehr eindrucksvoll zeigt sie die einzelnen Artikel die vorher über Boko Haram und ihre Gräueltaten geschrieben wurden. Oftmals ist nur von „people“ (Menschen) oder „students“ (Studenten/Schüler) die Rede. Aber durchaus auch von „boys“ (Jungen) oder „male students“ (männliche Studenten). Doch bei keinem dieser Artikel (die teilweise lebendiges Verbrennen behandelten) gab es einen internationalen Aufschrei. Erst als die Mädchen entführt wurden gab es eine riesen Kampagne. Karen Straughan zieht ein sehr schlüssiges Fazit dazu (sinngemäß): „Hätten wir uns mehr für das Leiden der Jungs interessiert, könnten diese Mädchen vielleicht noch friedlich in ihrem Schlafsaal schlafen.“

Relativ zum Schluss geht sie noch einmal auf die Unterschiede zwischen dem Redditforum „The Red Pill“, der MGTOW-Szene und den MRAs ein. In etwa so zusammengefasst:

  • MRAs wollen das System ändern
  • The Red Pill will das System für sich ausnutzen
  • MGTOW wollen das System verlassen.

 

Befürchtungen:

Bevor ich den Film sah hatte ich mehrere Bedenken, die jedoch alle mehr oder weniger ausgeräumt wurden. Leider wurde ich so mit Reviews, Tweets usw. zubombardiert, dass ich, obwohl ich versucht habe nichts davon zu lesen, vorher schon wusste, wie der Film ungefähr sein würde und welches Ergebnis sich ergeben würde. Dennoch verblieben mehrere dieser Bedenken.

1.: Die Auseinandersetzung mit den provokanten Beiträgen auf A Voice for Men

Ich befürchtete, dass eine solche Auseinandersetzung nicht stattfinden würde. Dies würde natürlich der differenzierten bzw. balancierten Betrachtung der Männerrechtsbewegung entgegenstehen, denn auch diese Artikel sind teil dieser Bewegung.
Stattdessen kam der erste Bezug darauf direkt in den ersten Sekunden des Filmes. Es wird deutlich gezeigt, dass dies keine entspannte Lektüre ist und dass dort viel Wut mitschwingt. Später im Film sagt Paul Elam/wird er zitiert: „Mit all diesem Wissen. Wie kann man da nicht wütend sein?“
An einer anderen Stelle setzt sie sich mit dem Artikel auseinander, der den „Bash a violent bitch month“ etabliert?… eingeführt?… vorgeschlagen?… genannt! hat. Beschreibt aber ausdrücklich, dass dies ein Satireartikel auf einen Jezebel Artikel ist. In diesem schreiben die Redakteurinnen dieses offen feministischen Magazins, dass sie selbst Täterinnen häuslicher Gewalt sind – und dass sie es teilweise auch lustig finden.

2.: Die Abgrenzung von PUAs und MGTOWs zu MRAs

Dies geschah mehr zum Schluss des Filmes und wurde nur sehr kurz abgehandelt. meiner Meinung nach etwas zu kurz, auch wenn das wesentliche gesagt wird. PUAs und MGTOWs sind keine MRAs. Merkt euch das liebe Netzfrauen.org – Feministinnen. Es wird auch ziemlich am Anfang klar gestellt, dass „taking the Red Pill“ Bezug auf eine Szene aus „The Matrix“ nimmt und nicht mit dem Reddit Forum in Verbindung steht.

3.: Männerrechtsprobleme und Männerrechtler

Ich befürchtete, dass die Balance zwischen den Problemen die Männerrechtler ansprechen und der Männerrechtsbewegung als solcher nicht gelingen würde. Also dass Cassie Jaye auf eines dieser Dinge zu sehr den Fokus legen würde. Man kann natürlich Männerrechtler nicht beschreiben ohne die Probleme die sie ansprechen zu beschreiben. Andererseits kann man aber auch Probleme die Männer betreffen gut beschreiben, ohne dass man einen MRA zu Wort kommen lässt. Natürlich ist diese Gefahr bei einer Dokumentation über Männerrechtler gering, aber immer noch möglich.

Tatsächlich ist durch die Interviews mit Feministen wie „Big Red“, Kathrine Spillar und Michael Kimmel eine zweite Perspektive auf die MRAs gekommen. Das war hoch interessant, vor allem, da das Interview mit „Big Red“ erst gezeigt wurde, nachdem sie auch bei Protesten zu sehen ist. Dort kann man ihr vielleicht diverse Verhaltensweisen und Ausdrücke wegen der „Hitze der Situation“ nachsehen, aber selbst in dem Interview ist sie… um es vorsichtig auszudrücken… vollkommen durchgeknallt.

Immer wieder behaupten Feministen in den gezeigten Interviews Dinge, die Männerrechtler angeblich fordern (Zeit zurückdrehen, Frauenhäuser dicht machen usw.) wozu Cassie Jaye sagt, dass sie genau diese Dinge nie von Männerrechtlern gehört hat, eher im Gegenteil. Dies beantwortet auch die aufgeworfene Frage, warum so viele Männerrechtler anti-feministisch eingestellt sind. Feministen blockieren auf verschiedenstem Wege eine Diskussion der Fakten.

 

Kritik des Films:

Der Film ist, finde ich sehr gut gemacht und zusammen geschnitten worden. Zwischendurch wurde der Film immer mal etwas entschleunigt, durch Highwayfahrten. Also wo das Kamerabild nur den Highway eingefangen hat, oder die Landschaft aus dem Autofenster heraus. Dies hat mich zwar nicht wirklich gestört, hätte aber meines Erachtens nach ruhig weniger häufig eingesetzt werden können. Dennoch hat mir @HotSolanum den Hinweis gegeben, dass wir natürlich in der Materie drin sind und für uns da nicht viel Neues drin war, diese Szenen aber für Menschen, die nicht mit der Thematik vertraut sind, sehr hilfreich sind, um das Gesehene zu verarbeiten. Aus der Perspektive betrachtet machen diese Szenen natürlich Sinn. Und ich denke auch, dass dies ein sehr wichtiger Punkt ist. Der Film ist nicht für Männerrechtler. Er ist für die Masse gemacht.

Man kann dem Film auch keine fehlende Balance vorwerfen, da er durchaus auch die Gegenposition zu Wort kommen lässt und auch die verbalen Tiefschläge der MRAs beschreibt. Nun könnte man behaupten, dass mit der Auswahl der Gegenposition zu diesen MRAs nur Verrückte ausgewählt wurden (wie „Big Red“). Allerdings stellen sich Kathrine Spillar (Executive Editor Ms.magazine; co-founder Feminist Majority Foundation) und Michael Kimmel (Autor, Soziologe, Professor) nicht viel besser an und diese sind schon feministische Schwergewichte.

An keiner Stelle des Filmes fühlte ich mich gelangweilt. Es ist ein guter Mix aus Interviews, Statistiken, Video Tagebuch, Highwayszenen, Nachrichtenausschnitten und vor allem Live-Szenen. Es ist anschaulich und nachvollziehbar gestaltet.

Alle Dinge, die ich zu bemängeln hätte, hätten auch mehr Zeit gefordert, die dieser knapp zwei Stunden Film nicht mehr hätte aufbringen können. Ich hätte mir mehr Tiefe bei den Väterrechten gewünscht oder auch (wie oben schon gesagt) mehr Zeit für die Abgrenzung zu PUAs und MGTOWs. Auch hätte ich liebend gerne ein Interview mit Camille Paglia oder (noch lieber) Christina Hoff Sommers gesehen. Letztere, weil sie eine nicht so verrückte Feministin ist. Aber auch ein geschichtlicher Rückblick auf die Männerrechtsbewegung fehlt vollständig. Also seit wann gibt es diese Bewegung. Was gab es vorher für Themen, was jetzt usw. .

Nun muss ich also abschließen: Eine gute Dokumentation über die Männerrechtsbewegung. Für MRAs nicht viel Neues, aber trotzdem interessant und kurzweilig zu schauen. Der Film behandelt Kernthemen der Männerrechtsbewegung genug um zu begreifen worum es geht. Die Themen hätten aber durchaus auch mehr Zeit und vielleicht eine eigene Dokumentation verdient. Mit wenigen Abstrichen, die man aber durch Dauer des Films und Zielpublikum entschuldigen und begründen kann, also ein rundum gelungener Film über die Männerrechtsbewegung und Männerprobleme.

Als Vorletztes möchte ich noch gesondert (ja, nach dem Fazit) auf die Videotagebücher eingehen. Natürlich kann Cassie Jaye nicht alles Material zeigen, aber die wenigen Ausschnitte die gezeigt wurden (und ich hatte den Eindruck, dass auch das ein oder andere Voice-Over aus den Videotagebüchern stammt), haben sehr anschaulich wiedergegeben, wie sich ihre persönliche Einstellung ändert. Diese Videotagebücher machen den Film nicht nur zu einer Dokumentation über die Männerrechtsbewegung, sondern auch zu einer Dokumentation darüber, wie sie die Rote Pille schluckt.

Und als letztes muss ich noch einmal auf Sebastian Wessels zurückkommen. Nicht nur, dass er die Deutschlandpremiere organisiert hat, er hat auch die Untertitel für diesen Film gemacht. Ich neige dazu immer die Untertitel zu lesen, bekomme dann aber nicht so viel vom Film mit, weshalb ich mich – gerade bei englischsprachigen Filmen – immer dazu zwingen muss, nicht die Untertitel zu lesen. Dennoch wandern meine Augen immer mal wieder dahin zurück. Ich habe also nur kurze Eindrücke von den Untertiteln bekommen. Diese waren aber durchaus gut und dies wurde mir auch nachher von anderen Zuschauern bestätigt.