Wer lesen kann…

…ist klar im Vorteil. Lesen heißt aber nicht nur die Worte aneinanderreihen können, sondern der Reihe an Wörtern auch einen Zusammenhang zu geben und ein Verständnis zu entwickeln, was diese Wortreihen einem sagen wollen. Aber nicht nur die Wortreihen sind relevent, sondern auch Satzzeichen, Zeilenumbrüche und Absätze. Ja, meist bedeutet ein Zeilenumbruch, dass jetzt ein neuer Absatz kommt, indem thematisch etwas Neues angeschnitten wird.

Dies scheint den Damen und dem Herren von Pinkstinks.de (und broadly.com) nicht ganz bewusst zu sein. Mit einem doch leicht abwertenden Kommentar versehen verlinkten sie einen Beitrag von broadly.com (Archiv).

(Archiv)

Nach dieser Einleitung die ich gebracht habe, fokussiere ich mich natürlich zuerst einmal auf den zweiten Satz von Pinkstinks.de: „aber #etwasdownfühlen ist für Männer wohl nicht zumutbar.“

Das steht im Bezug zu dem Artikel von Broadly. Ließt man sich diesen Artikel durch, dann wird ersteinmal verglichen zwischen den Problemen die die Anti-Baby Pille mit sich bringt und der neuen hormonellen Verhütungsmethode bei Männern. Dabei gibt es Stimmungsschwankungen, was „ziemlich nach dem [klingt], was Frauen seit Jahrzehnten durchmachen“.

Nun ist Stimmungsschwankungen aber ein sehr dehnbarer Begriff. Es kann von bipolaren Verhaltensstörungen (manisch-depressive Verhaltensstörung z.B.) bis zu einem leichten Wechsel alles gemeint sein. Auch die Art der Stimmung kann unterschiedlich sein. Wenn man die ganze Zeit zwischen „Ich will jetzt sofort Sex“ und „ich hab das Gefühl nie wieder Sex haben zu wollen“ schwankt oder zwischen radikalem Hass auf die Welt und unbedingter Liebe auf die Welt schwankt, dann kann das belastend sein. Auch wenn man merkt, dass man sich selbst nicht mehr motivieren kann bestimmte Dinge zu tun, was einem vorher möglicherweise problemlos möglich war, kann man das durchaus nachvollziehen – shit needs to be done… .  Stimmungsschwankung ist ersteinmal nur ein Begriff, der eine Veränderung beschreibt. Wie stark diese ist und in welcher Form sie auftritt muss genauer spezifiziert werden.

20 Männer brachen die Studie vorzeitig ab. Von diesen 20 waren es sechs die wegen Stimmungsänderung (welcher Art und Intensität unbekannt) abbrachen. Weitere 8 schieden ebenfalls wegen Stimmungsänderungen aus. Wobei hier ebenfalls nicht klar ist welcher Art und Intensität diese Stimmungsschwankungen gewesen sind und wie sich diese von den vorherigen sechs abgrenzen.

Und dann kommt ein Zeilenumbruch (ergo: neues Thema) mit einem Absatz der erklärt, dass die Studie laut WHO dennoch ein Erfolg ist. Dann ein neuer Zeilenumbruch mit neuem Absatz, wo einer der Autoren dieser Untersuchung zu Wort kommt und der WHO zustimmt.

Und hier wirds interessant.

Auch wenn die Studie aufgrund der Nebenwirkungen behindert wurde, sagt Anderson, „haben viele der Teilnehmer nur von sehr leichten Nebenwirkungen berichtet und es sind auch nicht besonders viele aus der Studie ausgeschieden.“ Das heißt, obwohl es Bedenken gab, haben sich diese letztendlich als ziemlich harmlos entpuppt. Einige Teilnehmer gaben lediglich an, dass sie sich „etwas down fühlten.“

Denn hier steht nicht, dass die Studienteilnehmer, die die Studie abgebrochen haben wegen „sich etwas down fühlen“ die Studie abgebrochen haben. Tatsächlich steht hier nichts darüber, warum die Studienteilnehmer die Studie abgebrochen haben.

Fangen wir mal am Anfang an:
Die Studie wurde auf Grund der Nebenwirkungen behindert, wobei viele der Teilnehmer nur von sehr leichten Nebenwirkungen berichteten. Viele heißt nicht alle. Es gibt also eine Gruppe von Teilnehmern die entweder keine Nebenwirkungen hatte oder stärkere Nebenwirkungen. Also entweder besteht diese Gruppe entweder aus nur aus Leuten komplett ohne Nebenwirkungen, nur stärkere Nebenwirkungen oder (mMn am wahrscheinlichsten) einem Mix aus Teilnehmer ohne Nebenwirkungen und mit stärkeren Nebenwirkungen. Keine Nebenwirkungen hätten die Studie aber wohl kaum behindert.

Nun macht hier Broadly einen Verständnisfehler, der den von Pinkstinks erklären aber keinesfalls entschuldigen kann, denn Broadly schließt aus „viele Teilnehmer“ und „leichte Nebenwirkungen“, dass die Bedenken nur harmlos sind und begründen dass damit, dass „einige“ (nichtmehr viele) Teilnehmer, sich „etwas down fühlten“. Dieser Fehler ist aber derartig offensichtlich, dass man sich Fragen muss, wieso das den Leuten bei Broadly und Pinkstinks nicht aufgefallen ist.

Diese Teilnehmer sind die mit den leichten Nebenwirkungen. Wohlkaum die mit den schweren Nebenwirkungen. Also die, die mit ziemlicher Sicherheit die sind, die die Studie abbrachen.

Wir können uns natürlich auch einfach mal die Daten anschauen die Broadly so schön in ihrem Artikel verlinkt hat.

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Ob diese sechs wohl die erstgenannten bei der Stimmungsänderung waren? Da wo Art und Intensität nicht genauer spezifiziert wurde? Ich meine, dass ein massiver Anstieg des Sexualtriebs durchaus Probleme nach sich ziehen kann dürfte nicht überraschen. Vor allem nicht, wenn die Partnerin, dass nicht will. Auch bei einer Depression bzw. schweren depressiven Verstimmungen ist das durchaus nachzuvollziehen. Und wenn es um die Reizbarkeit geht, dann kann man sich ja eigentlich nur wünschen, dass Personen, die das Produkt benutzt haben, es absetzen. Auch wenn wir und Aggression angucken, kann man es sogar bei der „moderaten“ Form verstehen, dass Leute das nicht wollen. Wir haben es hier eindeutig nicht nur mit „etwas down fühlen“ zu tun, sondern mit durchaus auch schweren Stimmungsbeeinträchtigungen, die einem selbst oder auch anderen schaden können. Man darf dabei nämlich auch nicht vergessen, dass alle Teilnehmer in stabilen Beziehungen waren und das mit Sicherheit auch bleiben wollten.

Ich möchte übrigens noch was aus dem deutschen Ärzteblatt zitieren:

Nur 20 Männer brachen die Studie vorzeitig ab. Bei einigen Männern kam es jedoch zu schweren Nebenwirkungen, die ein übergeordnetes Komitee der WHO im März 2011 bewog, die Studie vorzeitig abzubrechen, während die studieninterne Prüfkommission wenige Wochen zuvor keine Einwände gegen eine Fortsetzung der Studie hatte.

Zu den Gründen für den Studienabbruch zählte vor allem eine schwere Depression, die bei einem Teilnehmer auftrat und wahrscheinlich auf die Hormone zurückzuführen war. (Ein weiterer Mann nahm sich das Leben, was jedoch auf persönliche Probleme zurückgeführt wurde). Hinzu kam eine Paracetamol-Überdosierung, die laut Festin eventuell mit der Hormoneinnahme in Verbindung stand, sowie eine Tachykardie infolge eines paroxysmalen Vorhofflimmerns mit möglichem Zusammenhang zu den Hormonspritzen.

Und dann erinnern wir uns an den Pinkstinks-Tweet:

: „Etwas down fühlen“ vs die Nebenwirkungen der Pille. aber ist für Männer wohl nicht zumutbar.

Ja, das sind die Leute, die uns erklären wollen wie sexistisch doch Werbung ist… Ganz ehrlich Pinkstinks: Löscht Euch.

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Ein Gedanke zu “Wer lesen kann…

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