Feministen rasten aus: Die Pille für den Mann ist da

Ich bin über Genderama an einen Blogeintrag von Jochen König geraten und von dort aus zu einem Beitrag vom Ficko – Magazin. (Archiv)

Dieser Blogeintrag behandelt den Film „The Red Pill“, den ich auch gestern schon besprochen habe. Daher muss ich wieder zwei Dinge vorwegschieben:

1.: Ich bin finanziell in den Film involviert, aber Erfolg oder Misserfolg haben keinen Einfluss auf mein Bankkonto.

2.: Der Text wird Spoiler beinhalten, wer den Film also noch sehen möchte, sollte nicht weiter lesen.


 

Der oben verlinkte Text trieft nur so von Polemik. Das wäre an sich überhaupt kein Problem, währe da nicht der Slogan des Magazins: „ Magazin für gute Sachen. Und gegen schlechte „. Ich wage zu behaupten, dass eine polemische Filmbesprechung eher etwas Negatives ist, also etwas Schlechtes. Wem nützt bei einer Filmbesprechung polemisches Verhalten? Was nützt es Fakten zu unterschlagen und Aussagen zu verdrehen? Das hilft weder einer Diskussion noch hilft es den Film akkurat zu beschreiben.

Wie ich von „Polemik“ zu „Fakten unterschlagen“ und „Aussagen verdrehen“ komme? Das zieht sich durch den gesamten Beitrag des Ficko-Magazins, was auch der Grund ist, warum ich diesen Blogpost schreibe.

Es ist die Red Pill, die rote Pille, die alles überstrahlende WAHR-to-the-HEIT! Ich hatte bis gestern nichts von diesem Konzept gehört, das eine Pille die alles verändernde Wahrheit, die Wahrheit, die Wahrheit darstellen könnte. Jetzt kenne ich aber die wahre Geschichte. Wie bei Matrix! Du weißt schon, „WAKE UP SHEEPLE!“ Ich fühle mich ermutigt, damit an die Öffentlichkeit zu treten, obwohl mir alle nur Böses wollen.

Nun vermutlich wollen Dir alle nur etwas „Böses“ weil Du das Konzept immer noch nicht verstanden hast. Die Rote Pille gibt Dir nicht die Wahrheit. Sie zeigt Dir nicht die Wahrheit. In „the Matrix“ entkoppelt sie Dich vom System der Matrix. ‚Doch was die Matrix ist, ist schwer zu beschreiben. Jeder muss sie selbst erleben.‘ Du verstehst? Die Pille ist nur dafür da zu entkoppeln, von außerhalb auf das System zu schauen um dann die Wahrheit herauszufinden – oder halt auch nicht. Wenn Männerrechtler also von „taking the red pill“ reden, dann reden sie davon, sich von der in der öffentlichen Sichtweise zu entkoppeln. Einer Sichtweise, die stark feministisch geprägt ist und oftmals auch nicht dem wissenschaftlichen Wissensstand entspricht.

Jochen König hat mich vor ein paar Wochen gefragt, ob ich ihn zur Vorführung des Films „The red pill“ begleiten wollen würde, der in Maskulistenkreisen (das sind die, die Feministinnen oder zumindest Feminismus hassen, von „Feminazis“, „Genderwahn“ usw. reden, sobald man erwähnt, dass es sinnvoll wäre, eine gerechte Welt für alle Menschen zu haben) und auf rechtspopulistischen Webseiten gehypet wurde.

Es ist schon erstaunlich, dass kaum ein feministischer Artikel auskommt, ohne Männerrechtler irgendwie in die rechte Ecke stellen zu wollen. Ja es gibt politisch rechte Männerrechtler. Die gibt es. Es gibt aber auch linke Männerrechtler. Einer der bekanntesten maskulistischen Blogs ist der oben genannte Blog Genderama – ein linker Blog.

Ehrlich, ich bin es leid.

Aber kommen wir mal zu dem, was in der Klammer steht. Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber auch glaube nicht, dass alle Maskulisten Feminismus hassen. Ein Hinweis darauf wäre der Film gewesen, in dem mindestens einmal sehr deutlich gesagt wurde, dass sehr viele Feministen und Feministinnen gar kein Problem sind. Aber extrem viele von denen in Machtpositionen. Das geht auch mir so. Ein bekanntes Beispiel für eine Feministin die ich sehr gerne höre, deren Debatten und Reden ich mir gerne anschaue ist Christina Hoff Sommers.

Es gibt keine Feministin (und auch keinen Feministen) die ich hasse. Es gibt einige die ich ziemlich… verabscheuungswürdig finde. Aber hassen tue ich keine Feministin. Ich hasse aber Feminismus und ganz besonders intersektionalen Feminismus. Diese Strömung schreibt Menschen auf Grund von Geburtsmerkmalen (wie Hautfarbe und Geschlecht) Privilegien und Marginalisierungen zu UND rechtfertigt damit eine Ungleichbehandlung auch vor dem Gesetz. Und das ist nichts anderes als Rassismus und Sexismus. Und sowas hasse ich in der Tat, denn das ist ungerecht. Es wird den individuellen Problemen der Menschen nicht gerecht.

Und dann noch „sobald man erwähnt, dass es sinnvoll wäre, eine gerechte Welt für alle Menschen zu haben“. Brennst Du eigentlich? Hast Du nicht den großen Block im Film mitbekommen in dem es um Väterrechte ging? Hast Du nicht mitbekommen, dass da ein Mann war, der sich um die Gesundheit seines Sohnes gekümmert hat, während die Mutter seines Sohnes das nicht getan hat (Stichwort: Übergewicht)? Hast Du nicht mitbekommen, dass außer der Mutter, alle (inklusive dem Sohn und den Ärzten) diesen Zustand für schädlich hielten und das Gericht dazu gesagt: „Vater, Du darfst Deinen Sohn nicht mehr wiegen.“ Ist das in Deinen Augen gerecht? Ich hoffe, dass Du das nicht als gerecht empfindest. Was ist mit dem Vater, der sein Kind immer betreut hat und wo die Mutter das Kind zur Adoption freigegeben hat, ohne sein Wissen? Gerecht? Auf die mindestens drei anderen Beispiele gehe ich mal nicht näher ein.
Was ist mit Erin Pizzey, der Frau die das erste moderne Frauenhaus gegründet hat und gesagt hat, dass 62 der ersten 100 Frauen die sie betreute mindestens so gewalttätig waren wie ihre Männer. Ich meine, man sieht sogar Videomaterial aus der damaligen Zeit wo es eine Frau sogar unumwunden zugibt. Und trotzdem hat die feministische Bewgung alles daran gesetzt, Männern keine Hilfe bei häuslicher Gewalt zukommen zu lassen, obwohl sie es gekonnt hätten. Was ist mit dem Duluth-Model, dass davon ausgeht, dass Männer die Täter sind. Das Modell, dass teilweise – wie auch im Film erwähnt – in Gesetzen verankert ist. Gerecht? Wohl kaum.

Darf ich Dich also daran erinnern, dass diese Ungerechtigkeiten von Männerrechtlern angesprochen wurden? Erdreiste Dich nie wieder zu sagen: „Oh, wir wollen nur eine gerechte Welt für alle.“

Der Titel bezieht sich auf die oben erwähnte rote Pille bei Matrix und ist seit ein paar Jahren ein Codewort für weinerliches Aufstampfen, dass Männer von Frauen unterdrückt werden.

Der Link ist ja der Burner schlechthin. Er befasst sich mit dem Redditforum „The Red Pill“. Tja tut mir leid, aber in den letzten Minuten des Filmes wird darauf eingegangen, dass dieses Redditforum nichts mit der Männerrechtsbewegung zu tun hat. Wenn Du aufgepasst hättest, hättest Du es gewusst.

Zudem hat NIEMALS einer der Männerrechtler in dem Film gesagt, dass Frauen Männer unterdrücken. Das individuelle Frauen individuelle Männer unterdrücken ist klar. Auch andersherum. Auch klar. Aber als Gruppen? Nope. Sagt da auch keiner im Film.

Weil sich für Deutschland kein professioneller Vertrieb fand (in den USA wohl auch nicht), wurde ein Crowdfunding angelegt, das mit 86 Unterstützern (waren wohl wirklich keine Frauen drunter) erfolgreich war, sodass der Film gestern Abend in Hohenschönhausen gezeigt werden konnte. Update: Der Film selbst wurde auch über ein Crowdfunding finanziert, das vor allem aus der Männerrechtsszene bezahlt wurde. So viel also zur „unabhängigen Berichterstattung“. Lest diesen Text für eine Einschätzung des Werks, wenn ihr euch den Rest hier sparen wollt.

Tatsächlich wurde der Film mehr von Meinungsfreiheits-Aktivisten bezahlt. Aber ok. Konntest Du nicht wissen, weil Du es nicht pünktlich geschafft hast und die Ansprache von S. Wessels verpasst hast – und dich auch vorher nicht informiert hast.

Ich habe keine Zeit gehabt, mich richtig vorab zu informieren und wegen Bahnproblemen kamen wir zu spät, die ersten paar Minuten haben wir verpasst. Neben Jochen war auch noch FICKO-Kollege Marius dabei. Im Eingangsbereich vom Kinosaal stand ein Karton mit ca. 50 Exemplaren eines Buchs, das in weinerlichem Tonfall „Deutschlands Frauen schaffen ihre Männer ab“ heißt und auch in diesem an Sarrazin angelehnten Titel wieder die Nähe des Antifeminismus zu rechtspopulistischen bis komplett nazigetränkten Ideenwelten abbildet.

Von dem Titel eines Buches auf seinen Inhalt zu schließen, ist wie von der Hautfarbe oder dem Geschlecht auf den Charakter zu schließen. Geht nur sehr bedingt. Übrigens finde ich, dass „Feministen schaffen Geschlechterrollen ab“ die Nähe zum Antisemitismus und zu rechtspopulistischen bis komplett nazigetränkten Ideenwelten abbildet. Ich meine, die weinen darüber rum, dass Geschlechterrollen total schädlich sind und so.

Ich fragte anschließend, wer diese Bücher, die verschenkt wurden, eigentlich bezahlt, der Veranstalter schien etwas peinlich berührt bzw. nicht ganz gewillt, das auf seine Kappe zu nehmen und meinte, der Autor hätte wohl nicht alle Bücher verkauft und würde sie nun eben verschenken.

Und was sagt der Autor dazu? War er da? Etwas weiter nachgeforscht?

Der Saal war mit ca. hundert Leuten (fast nur Männer[DID YOU JUST ASSUME MY GENDER?!?!?!]) ziemlich voll, wir fanden nur noch in der ersten Reihe Platz. Der Film erzählt ein bisschen geschickt die Story der bisher immer „total feministischen“ Regisseurin Cassie Jaye, die sich im Laufe des Films vom Feminismus abwendet und die Anliegen der Männerrechtsaktivisten immer besser versteht und sie auch schließlich teilt.

Sie hat sich als Feministin betrachtet, das ist richtig. Als „total feministisch“ hat sie sich aber denke ich eher nicht beschrieben. Es sei denn, Du möchtest damit hereinnehmen, dass sie einen Dokumentarfilm über LGBT Rechte gemacht hat. Dann wäre sie aber auch erwiesenermaßen „total feministisch“.

Anliegen wie „Der Feminismus unterdrückt die Männer“, „Wieso gibt es keine Männerhäuser!?!?!?“, „Männer haben mehr Arbeitsunfälle und bringen sich häufiger um, also werden Männer vom Feminismus unterdrückt“.

Zu „Zitat“ eins: Ziemlich vereinfacht ausgedrückt, aber das ist schon nicht ganz falsch. Allerdings sagt der Film das über zwei Stunden aus, weshalb da natürlich einiges an Argumentationsführung fehlt. Und nur so zur Info „Feminismus“ ungleich „Frauen“.

Zu „Zitat“ zwei: Das ist schon ein wichtiges Anliegen, vor allem vor dem Hintergrund des oben erwähnten Duluth-Models, dass, wie der Film auch wiedergibt, in diversen Staaten der USA ins Gesetz geschrieben ist. Das ist ein feministisches Modell und ein Modell, dass der Wissenschaft widerspricht. Etwas, das auch im Film angesprochen wird. Die Zahlen des CDC werden im Film sogar gezeigt. Das ist eine offizielle Studie des Gesundheitsministeriums. Die Zahlen zeigen eine annähernde Gleichverteilung der Opfer häuslicher Gewalt auf die beiden Geschlechter. Bei reiner physischer Gewalt sind sogar Männer häufiger Opfer. Es ist also ein berechtigtes Anliegen zu fragen, warum es in den USA knapp 2000 Frauenhäuser und nur ein Männerhaus gibt. Warum in manchen Staaten, dass Duluth-Model noch im Gesetz verankert ist. Warum sich öffentliche Kampagnen fast nur gegen häusliche Gewalt gegen Frauen richten. Warum es keine Hilfsangebote für Männer gibt. Warum man „seine Schuld“ eingestehen muss um überhaupt irgendwelche Hilfe zu bekommen, wenn man als Mann Opfer von häuslicher Gewalt ist.

Zu „Zitat“ drei: Das ist nicht wirklich richtig. Keiner hat gesagt, dass die erhöhte Anzahl an Arbeitsunfällen ein zeichen der Unterdrückung des Feminismus ist. Es wurde zwar gesagt, dass Feministen sich darüber beschweren, dass nicht so viele Frauen in Top Positionen sind, aber kaum ein Feminst sagt, dass auch mehr Frauen in diese unangenehmen/gefährlichen Jobs sollen. Warren Farrell sagte, dass viele Männer diese Jobs nicht machen, weil sie das unbedingt wollen, sondern weil sie ihre Familien versorgen müssen und wollen. Hier war kein Bezug zu Feminismus.

Erst bei der erhöhten Suizidrate lässt sich ein Bezug abstrahieren, wenn man bedenkt, dass viele der Gründe für die Ungerechtigkeiten (Väterrechte, häusliche Gewalt) die zu einem Suizid führen, durch feministische Argumentation und Intervention überhaupt erst entstehen, bzw. mögliche Lösungen durch selbige verhindert werden.

Was es mit ihrem Feminismus bisher so auf sich hatte, wird leider nicht ganz klar, sie behauptet einfach, bisher Feministin gewesen zu sein, erzählt dabei von ihren vorigen Versuchen, als Schauspielerin zu reüssieren und wie sie die Rollen, die ihr dort angeboten wurden, immer unterkomplex und uncool fand, das Wort Sexismus fällt nicht, wenn ich mich nicht falsch erinnere.

Nun, abgesehen von dem oben genannten Film über LGBT Rechte hat sie auch eine Dokumentation über Sexualerziehung gemacht. Und zudem hat sie sich wohl auch selbst als Feministin bezeichnet, was ja wohl so ziemlich die einzieg Aufnahmebedingung ist. Zudem hat sie die Schauspielerei aufgegeben, weil sie diese Rollen scheiße fand und darauf reduziert wurde. Also ist sie daraus ausgebrochen und hat stattdessen angefangen „die Geschichten zu erzählen, die ich erzählen wollte“. Gibt es eigentlich irgendetwas „feministischeres“?

Man wird über den Film den Eindruck nicht ganz los, dass es vor allem darum geht, die Konvertierung spektakulärer zu gestalten, da eine Zustimmung zu Männerrechtsaktivismus von einer Feministin vorgetragen natürlich mehr Gewicht erhält.

Da muss ich zu einem gewissen Grad tatsächlich zustimmen. Ihr eigener Wandel nimmt einen nicht unwesendlichen Teil des Filmes ein. Ob das ganze jetzt gemacht wurde um „spektakulärer“ zu sein, oder ein tatsächlicher Wandel ist, vermag ich nicht zu sagen. Alle Indikationen die ich habe zeigen aber einen tatsächlichen Wandel.

Zu Beginn geht es jedoch nach dem Einstieg auch vor allem darum, wie schwer es Männer heutzutage haben. Ich saß im Saal und fühlte mich verarscht. Einengende Rollenstereotypen werden schon seit Jahrzehnten gerade von feministischer Seite kritisiert.

Ich bin mir jetzt gerade nicht sicher, aber zu Beginn des Filmes wurde Feminismus doch noch gar nicht thematisiert oder? Sei es drum: Selbst wenn es so wäre, dass gesagt wurde, dass Männer es schwer hätten wegen des Feminismuses und der Feminismus einengende Rollenstereotypen kritisiere, dann muss man sich doch die Frage stellen, warum diese Männerrechtler das so empfinden? Also warum kommen sie zu dem Schluß, dass Feminismus da nicht hilft? (Tip: Schau Dir den Film „The Red Pill“ an)

Die Männer auf der Leinwand, organisiert in ihrem Kampf gegen die feministische Weltverschwörung, beschweren sich darüber, dass sie nie ihre Gefühle zeigen dürfen, sie weinen und sie werden rasend, wenn ihnen Unrecht widerfährt. Wo genau ist da nun das Argument gegen Feminismus?

Feministen bezeichnen Männer die über ihre Probleme reden als „weinerlich“ oder als „Jammerlappen“. Wenn sie es tun, werden sie direkt in die rechte Ecke geschoben, was gerade für politisch Linke wie mich, nun sagen wir mal, eher abwertend ist.

Im Lauf der fast zwei Stunden wird Cassey Jaye sich immer mehr selbst in Frage stellen. Sie trifft verschiedene Vertreter_innen durchaus auch mal diverser Standpunkte, es wird jedoch selten bis nie irgendetwas ernsthaft eingeordnet, hinterfragt oder belegt.

Stimmt, es wird nie Videomaterial gezeigt. Es werden nie Statistiken gezeigt. Es wird nie etwas hinterfragt… Da kann man wirklich nur mit dem Kopf schütteln. Der Film ist ein einziges großes Hinterfragen. Mit Videomaterial, mit Statistiken, mit Bezug auf Gesetzen usw. . Ich habe auch gestern schon angemerkt, dass manches etwas kurz geraten ist. Zugegeben. Aber der Film dauerte trotzdem schon zwei Stunden.

Als im Anschluss an die hässliche Geschichte einer Trennung eines Männerrechtlers von seiner Frau, die ihn seiner Erzählung nach überlistet hatte, um schwanger zu werden, eine US-Talk-Show im Stil von Jerry Springer gezeigt wird, wo die Moderatorin das Publikum fragt, ob die gerade befragte Frau ihren Mann ebenfalls hereinlegen solle, um schwanger zu werden, johlt das Publikum begeistert. Das ist also euer Argument, ja? Irgendeine gescriptete Fernsehshow, die dafür gemacht ist, aus der Vorführung ihrer Gäste Empörung und ähnliche Aufmerksamkeit zu generieren soll als Argument herhalten, wofür genau eigentlich? Alle Frauen sind perfide Lügnerinnen, wie das im Reddit-Subforum „The red pill“ die allgemeine Überzeugung ist? Naja, geht so.

Nein, es soll ein weiterer Beleg dafür sein, dass Männer in eine Vaterschaft gezwungen werden können ohne dass sie dieses eigentlich wollen und dass dies sogar scheinbar gesellschaftlich akzeptiert ist.

Ich will jetzt nicht den ganzen Film Punkt für Punkt wiedergeben, teilweise ist man sich nicht sicher, ob man lachen oder weinen soll, so falsch werden hier Argumente aufgeführt wie z.B. ein Männer immer wieder in den Schlund der Niedertracht drückendes System.

Was ist daran falsch? Der Film belegt im Fall von Väterrechtsangelegenheiten und häuslicher Gewalt ziemlich eindeutig ein niederträchtiges System.

Manchmal werden auch ganz reale, tatsächliche Probleme gezeigt, aber gerade da gilt noch viel öfter: Ja, all das wird von vielen Feminist_innen seit Jahren gesagt. Und zwar handfest, mit Wissenschaft und so, nicht nur irgendwelche Verschwörungsblogs, die sich gegenseitig ihre falschen Zahlen hin- und herschieben.

Ja? Ich hoffe Du meinst nicht die Gender Studies mit der „Wissenschaft“.

Aber vielleicht hilft es ja, in Kürze darauf hinzuweisen: Ja, Feminismus ist für alle gut. Nein, Feminismus heißt nicht für alle dasselbe, es gibt eine große Bandbreite von Ideen.

Ich bin an den Punkt geraten, wo ich denke, dass wir unterschiedliche Filme gesehen haben. Feminismus ist also für alle gut ja? Wie kann es dann sein, dass Feministen verhindert haben, dass Erin Pizzey auch Hilfen für Männer anbietet? Wie kann es sein, dass Feministen das Duluth-Model entwickelt haben, dass die Täterschaft alleine beim Mann sieht? Wie kann es dann sein, dass Feministen wie du Männer, die über ihre Probleme reden, als Jammerlappen, weinerlich oder rechtspopulistisch beschreibst. Du bist das beste Beispiel dafür, dass Feminismus eben nicht gut für alle ist.

Und Feminismus ist nicht für „alle das selbe“? Sag das den gendermainstreaming Leuten. Sag das den Leuten die das Bundesgleichstellungsgesetz verabschiedet und gefordert haben.

Bildet euch, um sie kennenzulernen und dann in Zukunft wirklich differenziert argumentieren zu können. Wann immer jemand von seiner/ihrer Ablehnung des Feminismus anfängt, frage ich mittlerweile immer, wessen Ideen das genau meint.

Die Sache ist die: Bis auf wenige Ausnahmen habe ich noch nie eine Feministin oder einen Feministen erlebt, der die ganzen Angelegenheit differenziert und geschlechtergerecht betrachtet. Natürlich gibt es diese Ausnahmen. Aber eher selten.

Ganz konkret, welche fünf Autor_innen, welche Strömungen, welche Argumente lehnt ihr ab? Ganz vielleicht ist es dabei sogar sinnvoll, sich mit Leuten zu befassen, die sich selbst als Feminist_innen bezeichnen und nicht primär den alle paar Wochen wieder durchs Feuilleton gejagten Leuten zuzuhören, die Feminismus erst einmal falsch verstehen oder auch falsch verstehen wollen, dann falsch darstellen und schließlich ihr Missverständnis ablehnen.

Na das mach ich doch. Deshalb komme ich ja zu dem Schluss, dass Feminismus scheiße ist.

Ich frage ja auch nicht Jürgen Elsässer, wenn ich eine Geschichte der jüdischen Diaspora suche, wieso also Jan Fleischhauers Dekreten bei Fragen zum Feminismus ernsthaftes Gewicht schenken?

Nur weil ich kritisch gegenüber etwas bin heißt es nicht, dass ich uninformiert bin. Das kann natürlich sein, dafür bist Du ja das beste Beispiel, mit Deinem ständigen Bezug zum „Red Pill“ Reddit Forum, obwohl dies nichts mit der Männerrechtsbewegung zu tun hat.

Ja, es gibt ein großes Problem mit Rollenbildern, das gilt für Frauen wie für Männer wie auch für alle Leute, die gar keine Lust haben, das Spielchen mitzumachen. Und ja, das heißt, dass Männer sich Gedanken darüber machen müssen, denn auch Männer sind Teil dieser Welt.

Und wenn sie sich Gedanken darüber machen und nicht als Zahlhans oder Geldautomaten dienen wollen (Stichwort: Väterrechte) und nicht nur als Gewalttäter dargestellt werden wollen (Stichwort: häusliche Gewalt), dann kommt Mister Super-Feminist vom Ficko-Magazin an und bezeichnet sie als Jammerlappen. So kanns gehen.

Und ja, oft genug ist es auch für Männer extrem scheiße, einem total verengten Bier-Fußball-Fleisch-Saufen-Autos-Ideal nachzurennen, weil sie sonst als unmännlich, als „Mädchen“ (schlecht), als schwul usw. gelten. Das ist scheiße und das muss sich ändern.

Das ist ein Ideal für Männer? In was für einer Welt lebst Du denn?

Nur: Es ändert sich bereits. Und zwar, weil feministische Ideen erfolgreich sind. Es gab dieses Jahr zum ersten Mal in der Geschichte der CDU eine kleine Diskussion um den Sexismus in der Partei.

Meinst Du das Gedöns mit Jenna Behrends? Ja eine tolle „Diskussion“. Eine Frau, die bei mehreren anderen Politikern halb auf dem Schoß saß, selbst Gerüchte über Affairen die sie gehabt hat/haben soll in die Welt gesetzt hat, wird von einem Mann als „große süße Maus“ bezeichnet und beklagt sich dann über Sexismus gegen Frauen in der Partei. Der Partei, die eine eigene Abteilung für frauenspezifische Sachen hat (Frauenunion) aber nicht für Männer. Einer Partei, die eine Frauenquote hat und die eine Jenna Behrends in einen als sicher geltenden Lisztenplatz gewählt hat, obwohl sich diese selbst keine andere Erklärung geben konnte, als dass sie eine Frau ist. Wenn sich hier feministische Ideen durchsetzen, ist es ein weiterer Beleg für die Einseitigkeit und Schädlichkeit des Feminismus. Systemisch ist schon alles zu Gunsten von Frauen gestrickt und dann wird auch noch der soziale Druck erhöht, dass alles, auch eine – zugegeben – unpassende Wortwahl dazu führen kann, dass Leute unter Feuer geraten. Das ist kein „gerechtes“ System, das ist ein faschistoides System.

Das ist für diese Partei wirklich eine Sensation. Es ändert sich etwas. Feminismus wirkt. Ganz arg langsam, mit vielen Rückschlägen, aber es wird gesamtgesellschaftlich besser, sogar in der Partei, die gegen die Kriminalisierung der Vergewaltigung in der Ehe war. Die gegen die Legalisierung von Abtreibungen war, wo Männer über Frauen und ihren Körper herrschten und das als ihr natürliches Recht sahen.

Stimmt. Eine 180° Kehrtwende. ‚Hmm, wir haben es da so richtig verbockt. Gut, dann machen wir es wieder gut, dass wir es in die andere Richtung richtig verbocken.‘

All diese Veränderungen würden nicht passieren, wenn sich nicht trotz aller absurden Verdrehungen eines Don Alphonso auch oft genug die Vernunft durchsetzen würde.

Du findest es vernünftig, dass „große süße Maus“ eine derartige „Debatte“ ausgelöst hat? Vernünftig wäre es gewesen ihr zu sagen, dass sie erwachsen werden soll und mal ihr Verhalten reflektieren soll.

Es wird aber sicher nicht weitergehen, wenn die Antwort auf den Abbau von Sonderrechten für Männer in Filmen wie diesem besteht.

Welches Sonderrecht haben denn Männer? Hmm? Meinst Du das Sonderrecht, dass die Genitalien von Männern verstümmelt werden dürfen, die von Mädchen aber nicht? Wurde im Film übrigens auch thematisiert. In Deutschland sind dazu die passenden Gesetze §226a StGB und §1631d BGB.

Nenn doch, verdammt noch mal, ein Sonderrecht das Männer haben. Findest keins? Wundert mich nicht. Es gibt nämlich keins.

Oder in Forderungen der AfD, die in Demos wie dieser hier kulminieren. Seht es ein, ihr habt verloren, Menschen wollen sich heutzutage nicht mehr von ewiggestrigen Jammerlappen vorschreiben lassen, wie sie ihr eigenes Leben gestalten zu haben.

Darum wird Feminismus auch immer unbeliebter. Weil sich die Menschen von ewiggestrigen Jammerlappen wie euch nicht vorschreiben lassen wollen, wie sie ihr Leben zu leben haben.

Hier noch Jochen Königs Perspektive auf den Abend, er hat auch noch mehr zum Film selbst geschrieben. Es überrascht nun zudem nicht sonderlich, dass ich beim Googlen zum Film auf diesen Text in empörtem Tonfall gestoßen bin, der sich im Guardian vor einem Jahr darüber beschwert, dass der Film kritisiert wird. Was für ein elendes Gejammer. Schlimm schlimm, diese Kritik, die armen Männerrechtler!

Nur dass dieser Artikel nicht nur die Kritik beschreibt, die sie abbekommen hat, sondern auch, dass für einen solchen Film nicht einmal Gelder zur Verfügung stehen bzw. zur Verfügung gestellt werden. Hätteste gewusst, wenn Du den Artikel gelesen hättest.

Hauptquelle des Textes ist dann auch noch Breitbart,[…]

Naja und ihre Kickstarter Seite und wehuntedthemammoth. Aber hey… Wen interessieren schon Fakten…

[…]das rechtspopulistische, rassistische, homophobe, sexistische usw. Lügenportal von Stephen Bannon, frischernannter Chefstratege von Donald Trump und expliziter Anhänger der Idee von White Supremacy, der Vorherrschaft der „weißen Rasse“. Da kommt zusammen, was zusammengehört. Hat jemand Mario Barth gesagt?

Also der homosexuelle Milo Yiannopoulos schreibt für Breitbart, dem homophoben Lügenportal und veröffentlicht dort ein Interview mit einer feministischen Filmemacherin (die auch schon einen Film über LGBT Rechte gemacht hat), die für ihren Dokumentationsfilm keine finanzielle Unterstützung bekommen hat, weil er sich mit Männerproblemen bzw. Männerrechtlern befasst (diese Sexisten die Frauen alles vorenthalten wollen). Sie wird dort zitiert und dieses Zitat wird dann im Guardian übernommen.

Ist natürlich ein einormes Problem, dass ein Schwuler in einem schwulenfeindlichen Lügenportal eine schwulenfreundliche Filmemacherin zitiert und dieses Zitat übernommen wird. Noch polemischeren Bullshit konntest Du Dir nicht ausdenken oder.

Man merkt einfach, dass Dich der Inhalt nicht interessiert, dass Dich nicht interessiert, was jemand sagt. Dich interessiert nur, wer es gesagt hat. Du solltest von diesem Lagerdenken umgehend Abstand nehmen.

 

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9 Gedanken zu “Feministen rasten aus: Die Pille für den Mann ist da

  1. „aber auch glaube nicht, dass alle Maskulisten Feminismus hassen.“

    Das ist auch nicht so, die Männer sind da ganz klar gespalten in dieser Sache:

    Es gibt Maskulisten, die träumen von einem erneuerten Feminismus und glauben an sein humanistisches Potential. Diese Maskulisten glauben, daß Feminismus eine Frauenloby ist.
    Andere Maskulisten – zu denen ich mich auch zähle – halten Feminismus für antihumanistisch und sogar faschistisch. Sie sind Antifeministen. Diese Maskulisten glauben, daß Feminismus keine Frauenloby ist.
    Wiederum andere sind neutral und einige, aber nicht alle dieser Neutralen bezeichnen sich selbst lediglich als Nicht-Feministen. Diese Maskulisten sind gespalten in der Frage, ob Feminismus eine Frauenloby ist.

    Einigkeit besteh darüber, daß Maskulismus eine humanistische Bewegung ist, die sich für Menschenwürde und Menschenrechte interessiert. Daher interessieren sich Maskulisten auch für die Menschenrechte der Frauen, das hat mit dem Geschlecht nichts zu tun.

    Einigkeit besteht auch darüber, daß der Feminismus sich noch nie für Männer und ihre Menschenrechte oder Menschenwürde interessiert hat. Es gibt aber seid neustem einen Trend, zu behaupten, daß Feminismus sich für Männerrobleme wie Suizidrate oder Lebenserwartung interessiert, während Männerrechtler – nicht etwa Maskulisten – die Diskussion über Männerprobleme nur benutzen würden, um ihre Frauenfeindlichkeitkeit in die Gesellschaft zu tragen.

    Wie das inhaltlch möglich sein soll, weiß icn leider nicht. Vielleicht wird es ja als frauenfeindlich angesehen, daß Männer ebenfalls reproduktive Rechte haben wollen.

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  2. „Diese Strömung schreibt Menschen auf Grund von Geburtsmerkmalen (wie Hautfarbe und Geschlecht) Privilegien und Marginalisierungen zu UND rechtfertigt damit eine Ungleichbehandlung auch vor dem Gesetz.“

    Das stimmt. Der intersektionale Feminismus will Gruppenrechte. Solche Gruppenrechte kennen wir z.B. aus dem vormodernen Frankreich des Sonnenkönigs und seit den 1990iger werden auch vom Multikulturualismus wieder Gruppenrechte gefordert. Für diese Forderung gibt es verschiedene Begründungen. Soweit ich das absehen kann, benutzen die intersektionalen Feministen den Postkolonialismus zur Begründung.

    https://jungsundmaedchen.wordpress.com/2016/11/12/was-ist-multikulturalismus/

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  3. Ich denke, man sollte nicht allzu viel Zeit und Energie darauf verwenden, die Fieberfantasien anderer Leute zu korrigieren, weil das einfach ein Fass ohne Boden ist. Wenn jemand behauptet, der Film würde nichts belegen, dann weiß ich nicht, ob das einfach eine Lüge oder wirklich eine verzerrte Wahrnehmung besorgniserregenden Ausmaßes ist; aber wenn das jedenfalls dessen Standpunkt ist, bringt es nichts, zu argumentieren. Er müsste die Belege angreifen oder eigene dagegenhalten, aber einfach zu behaupten, es wären keine da, ist schlicht falsch.

    Trotzdem kurz zu der Szene mit den Büchern. Ich bin nicht „nicht ganz“ oder dreiviertel gewillt, irgendwas auf meine Kappe zu nehmen oder nicht. Ich kenne das Buch nicht und habe die Verteilaktion nicht organisiert, hielt es aber auch nicht für nötig, den Autor daran zu hindern. Als ich angesprochen wurde, war mir nicht klar, dass da jemand nach Munition sucht, sonst hätte ich das wohl klarer gesagt.

    Beim Konzept der roten Pille geht es um den Ausbruch aus einem Glaubenssystem, das die Wahrnehmung und das Denken verzerrt. Der Sozialpsychologe Jonathan Haidt gibt dieser sehr realen Beobachtung in seinem Buch „The Righteous Mind“ ein wissenschaftliches Fundament. Eine Art Kurzfassung davon findet man hier: https://vimeo.com/19822295

    Gefällt 1 Person

    • Die Verwunderung über den Bücherstapel wäre dem Autor erspart geblieben, wäre er pünktlich erschienen. Dieser hatte sich vor dem Film vorn zu erkennen gegeben und die Bücher zur freien Mitnahme erklärt. Es wirkte, zumindest auf mich, eindeutig, dass der Autor und sein Buch keine direkte Verbindung zur Veranstaltung hatte.
      Dass daraus dann irgendwie versucht wird, die Kinobesucher bzw. Veranstalter in Meinungssippenhaft zu nehmen, finde ich irgendwie bezeichnend.

      Zum Artikel:
      Mir ist schon beim Titel fast das Lesen vergangen, das Wort „ausrasten“ ist die denkbar verkehrteste Beschreibung für die Stimmung an diesem Abend. Im Gegenteil, die Atmosphäre war entspannt, die Leute eher ruhig und zurückhaltend, Partystimmung geht anders.

      Im Film wird mehrmals angesprochen, wie die Menschen, die ihre Probleme artikulieren, beleidigt, verachtet und marginalisiert werden und exakt so wird im Artikel reagiert – die Ironie sieht der Auto wohl nicht.

      Und dann wird es wieder gespielt, das Feminismuspudding-an-die-Wand-nagel-Spiel:
      Feminismus hat dir nicht geholfen? Da hilft nur mehr Feminismus.
      Du hast dich mal als Feministin bezeichnet und nun nicht mehr? Du warst nie eine echte, nur eine in Anführungszeichen.
      Du kannst nicht behaupten, Feminismus nicht zu mögen, denn es gibt so viele Strömungen, dass da jeder unterkommt, dabei bleibe ich aber immer schön vage, denn sonst nächster Punkt:
      Du lehnst xy-Feminismus ab? Das sind keine echten Feministen.

      Gefällt 1 Person

  4. Pingback: Warum unsere Kultur die rote Pille braucht - Red Pill Berlin

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