#Rasenmähergegensexismus und Selbstreflektion

In der sozialistischen Tageszeitung „Neues Deutschland“ erschien am 11. Januar 2017 ein Artikel über den Twitter-Hashtag #RasenmäherGegenSexismus von Elsa Koester (Archiv).

In diesem Artikel sind meines Erachtens mehrere Fehler enthalten. Der zweitgröbste – und mittlerweile wirklich nervigste – ist der Fehler Männerrechtler als „Maskulinisten“ zu bezeichnen. Das ist, wie auch schon hunderttausende Male von diversen Menschen angemerkt, falsch. Es müsste Maskulist heißen und es wäre wirklich mal langsam an der Zeit, dass dies bei den Feministen ankommt.

Der gröbste ist jedoch der, dass die Autorin nicht mit dem Twitterer gesprochen hat. Es ist kein Problem diesen zu erreichen. Ich habe das auch geschafft und konnte ihm einige Fragen stellen. Daher kann ich hier seine Meinungen als auch meine Meinungen wunderbar wiedergeben.

Twitter ist eine komische Sache. Plötzlich ist der da, auf Platz zwei: Der Hashtag #RasenmähergegenSexismus. Worum es geht, wird nach einem ersten Blick auf die vielen Tweets nicht so richtig klar. OK, man merkt: Hier tummeln sich irgendwie Sexisten und Maskulinisten, um sich über Antisexismus, Feminismus, über transgeschlechtliche Menschen und über Genderpolitik im Allgemeinen lustig zu machen.

Nun es machen sich auch Antisexisten über „Antisexismus“, Feminismus und über Genderpolitik lustig. Tatsächlich ist Antisexismus der Auslöser des Ganzen gewesen. Oder besser gesagt: Das Veräppeln oder Trollen von Sexisten.

(Archiv)

Das hier ist der Auslösertweet. Das feministische Magazin „Edition F“ sucht eine/n Praktikanten/in und wird darauf hingewiesen, dass Männer in deren Redaktion unterrepräsentiert sind. Das wäre ja nun bei Feministen, die „Geschlechterparität“ bzw. „Gleichstellung“ bzw. „Gleichberechtigung“ wollen eigentlich ein vollkommen legitimer Hinweis. Vor allem, weil ein solches Magazin natürlich mit gutem feministischen Beispiel vorangehen sollte. Nun ist der Hinweis natürlich nicht gerade freundlich formuliert. Wie Teresa Brücker ja auch direkt anmerkt. Sexist genannt zu werden ist eine Beleidigung. Das Dumme ist nur, dass genau diese Rhetorik auch gerne von Feministen angewendet wird. ‚Frauen sind nicht gleich repräsentiert? Das ist institutionalisierter Sexismus!‘ ‚Frauen sind in MINT-Fächern immer noch unterrepräsentiert vertreten? Sexistische Strukturen!‘ „Transparenz alleine reicht nicht, um die verkrusteten sexistischen Strukturen in der Arbeitswelt aufzubrechen“.

Dies ist übrigens meine Interpretation gewesen, die Diplomrasenmäher bestätigte:

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»#Rasenmähergegensexismus ist erst der Anfang. Intersektional müssen wir auch #TRANSMÄHER* mitnehmen: die zum Mopped umgebauten Rasenmäher!«, steht da zum Beispiel. Das Sternchen ist ein Seitenhieb auf eine bestimmte Form des Genderns, das neben Männern und Frauen auch Transgeschlechtliche einbeziehen will, etwa bei Rasenmäher*innen.

Hihihi, Rasenmäherinnen… Es gibt nur DER Rasenmäher. Rasenmäher haben kein anderes Geschlecht. Es gibt keine transgeschlechtlichen Rasenmäher… Aber sowas kann schon mal passieren, wenn man sich keine Gedanken macht. Ich sehe das Frau Koester nach. Aber ich würde sagen: Auch hier vollkommen zurecht veräppelt.

Viele der Tweets richten sich außerdem gegen das feministische Online-Magazin »editionf« und gegen dessen Redaktionsleiterin Teresa Bücker. »Aufruf an die #Rasenmäherarmy!!! Belästigt diese Frau mit dem Hashtag #RasenmähergegenSexismus«, dieser Tweet scheint ganz am Anfang der Hasswelle zu stehen[1]. Geschickt wurde er von dem Account »Diplomrasenmäher«. Was aber ist der Anlass für diese Hetze?

Nun, ich habe wie gesagt einfach mal gefragt und folgende Antwort bekommen:

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Warum so viele andere „hetzten“? Ich denke, dass viele Menschen mittlerweile die Nase voll haben vom Feminismus. Auf der einen Seite sagen Feministen, dass sie gegen Sexismus wären, fordern aber gleichzeitig geschlechtsspezifische Sonderrechte wie die Frauenquote. Dann wird davon geredet, dass Frauen unterdrückt wären, weil z.B. jede 3. Frau Opfer von Gewalt wird. Aber was ist denn dann mit Männern? Diese werden deutlich häufiger Opfer von Gewalt. Der Wehrdienst, den sehr viele Männer mitmachen mussten, bringt es mit sich, dass man als Mann im Zweifel zum Kriegsdienst gezwungen werden kann. §1631d BGB erlaubt ausdrücklich die Genitalverstümmlung… Verzeihung „Beschneidung“ von Jungs. Sind Männer also die UnterdrücktenPlus? Wenn man das aber anbringt bekommt schnell so antworten wie ‚Ach du mit deinem Whataboutism‘ oder ‚Das ist a nur derailing‘.

Im Männerrechtsbereich gibt es noch viele Probleme. Allein schon bei den Gesetzesfassungen. Wie oben genannt der §1631d BGB und im Vergleich dazu §226a StGB, der weibliche Genitalverstümmlung verbietet. Andere Paragraphen, die nicht geschlechtsneutral sind, sind z.B. Art. 12a unseres Grundgesetzes, Art 6(4) GG, §185 StGB und das Bundesgleichstellungsgesetz. Es ist sehr bemerkenswert, dass man, wenn man sowas anbringt als „reaktionär-konservative Männerrechtler“ bezeichnet wird.

Wenn ich eine Ideologie oder Bewegung habe, die für sich in Anspruch nimmt für Gleichberechtigung/Gleichstellung/Geschlechtergerechtigkeit zu sein und sich lieber mit #Breitmachmacker beschäftigt, als mit Gesetzen, die tatsächlich diskriminieren und sogar noch neue Gesetze fordern, die ebenfalls diskriminieren, dann muss man sich nicht wundern, wenn der Widerstand gegen eine solche Bewegung wächst. Und da die meisten Menschen Sexismus (und Rassismus) verabscheuen – und ich meine wirklich verabscheuen – werden solche Leute auch gerne mal… unfreundlich… behandelt. Diese „Hetze“ ist eine Hetze gegen den Sexismus der Feministen. Es geht darum Feministen zu ärgern. Und es scheint, als wenn viele Leute der Ansicht sind, dass sie es sich redlich verdient haben mit ihrer sexistischen Politik.

Auch die Redakteurin Bücker kann sich keinen Reim darauf machen, was der Hashtag genau aussagen soll. Sie habe den Ursprung der Hasswelle nicht gefunden, sagt die Feministin gegenüber »nd« – vermutet dahinter aber gut vernetzte sexistische Trolle, die das am Mittwoch verabschiedete Gesetz zur Lohngerechtigkeit zum Anlass nehmen, das feministische Magazin und Feministinnen ins Visier zu nehmen.

Ich habe oben schon die Erklärung gegeben, die der konkrete Auslöser war (durch Diplomrasenmäher bestätigt). Ich befürchte sie werden das als Unsinn abtun, aber ich kann Sie nur darum bitten ihr eigenes Verhalten und das ihrer Bewegung mal zu reflektieren. Stehen Sie wirklich für das was sie behaupten zu stehen oder tun sie es nicht? Müssten sie nicht auch für Geschlechterparität sorgen, wenn Männer unterrepräsentiert sind, wenn sie Geschlechterparität fordern wo Frauen unterrepräsentiert sind? Sind ihre Methoden alles gleich als sexistisch, konservativ, reaktionär, wasauchimmer zu bezeichnen, wirklich der richtige Weg? Kann es nicht vielleicht auch vollkommen unschuldige Motive und Hintergründe für Dinge geben, die ihnen auf den ersten Blick missfallen? Kann es nicht vielleicht sein, dass ihre „reaktionär-konservativen“ Gegner die Dinge tun, die sie tun, weil sie glauben, dass es das Richtige ist? Weil sie glauben, dass sie etwas Gutes tun? Weil sie glauben, dass man nicht auf Grund eines Geburtsmerkmales diskriminieren sollte? Sie können sich sicher sein, die meisten Menschen glauben von sich, gut zu sein.

»Maskulinisten sind in den sozialen Medien sehr gut vernetzt. Da sind einzelne gut in der Lage, von sich aus einen Shitstorm loszutreten«, erklärt Bücker.

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Maskulinisten sind reaktionär-konservative Männerrechtler. Eine so große Twitterflut wie heute habe sie jedoch noch nicht erlebt. Gut und gerne 500 Hass-Trolle habe sie an einem Tag blockieren müssen. Auf Twitter schickt sie eine Kritik an der langsamen Löschpolitik des Unternehmens hinterher: »Spätestens dann, wenn ein Hass-Troll-Hashtag auf der 1 trendet, merkt man, dass Twitter in Deutschland kein Team mehr hat.«

Und das ist genau wieder der Punkt, den Diplomrasenmäher kritisiert (wie auch viele andere). Viele Feministen sind nicht bereit für eine Konversation, wo gleich der Blockbutton rausgehauen wird. Ich bin von Leuten geblockt, mit denen ich nie interagiert habe. Warum? Was soll das? Oder andererseits bin ich von Leuten nach oder während einer Diskussion geblockt worden, obwohl ich keine Schimpfworte oder Beleidigungen verwendet habe. Frau Bücker hatte Diplomrasenmäher nach ~3 Tweets blockiert. Und hier wird die langsame Löschtaktik kritisiert? Bitte geht’s noch? Trollen ist Satire/Humor. Gerne auch mit einer Prise Sarkasmus oder Zynismus. Und das muss erlaubt sein, ohne gleich gelöscht zu werden. Und ja, ich weiß, jetzt wird auf zig Tweets verwiesen die total schlimm sind… Lesen Sie sich aber doch erst mal bei Gelegenheit die (chronologisch) ersten, sagen wir mal 200 Tweets durch und lachen sie herzhaft. Das ist derart eindeutiges humoristisches trollen, dass man das wohl kaum als Hetze bezeichnen kann. Aber auch wenn Stichprobenartig mal weitersucht, findet man kaum bis gar keine Hetztweets. Natürlich gibt es diese (vergleiche auch [1]), aber warum das eine Großlöschaktion seitens Twitter zur Folge haben sollte, ist nicht nur schleierhaft, sondern absolut absurd. Ich möchte fast behaupten, dass sie mit der Kritik an ihrer Bewegung nicht zurechtkommen und diese Kritik gelöscht sehen wollen anstelle eine Selbstreflektion zu wagen (diese ist bei der durchschnittlichen Feministin allerdings auch äußerst schmerzhaft).

Die Trolle nutzen als Aufhänger für ihre Tweets ein Foto, das »editionf« vergangene Woche zur Bewerbung eines freien Praktikumsplatzes gepostet hat. Das Bild zeigt die Redaktion. Darauf sind viele Frauen zu sehen – und nur eine Person, die als männlich zu identifizieren ist. Das scheint Maskulinisten ordentlich provoziert zu haben.

Nein, es ist, wie oben schon beschrieben, der Doppelstandart, den Feministen gerne anlegen. Sind Frauen unterrepräsentiert, dann ist das Sexismus und Diskriminierung. Sind Männer hingegen unterrepräsentiert ist alles ok.

Auf Twitter geht dieses Foto nun mit angeblichen Löhnen versehen herum, die die einzelnen Redakteur*innen verdienen sollen. Teresa Bücker werden 4000 Euro im Monat zugeschrieben, ihren weiblichen Kolleginnen jeweils 3000 Euro, dem männlichen Kollegen gerade einmal 450 Euro.

Und? Stimmen diese Einschätzungen so grob? Also jetzt mal ohne Spaß. Ich denke zwar nicht, aber das wäre doch wirklich mal interessant gewesen, zumindest eine Tendenz zu beschreiben. Warum nicht mit gutem Beispiel vorangehen? Neben den Löhnen dann auch noch die Position dazu (wegen der Vergleichbarkeit) und gut ist.

Anlass für diese Fotomontage ist vermutlich das am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossene Gesetz zur Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern. Es sieht vor, dass Frauen in Firmen ab 200 Mitarbeitern Auskunft darüber einfordern können, was ihre männlichen Kollegen in gleichwertiger Position verdienen. Unternehmen ab 500 Mitarbeitern sollen zudem verpflichtet werden, betriebliche Maßnahmen zur Herstellung von Lohngleichheit einzuführen.

Auch wenn ich weiß, dass hier auf die Fotomontage eingegangen wird, möchte ich doch erwähnen, dass Diplomrasenmäher (der als einziger namentlich erwähnt wird) dieses Gesetz nicht als Hintergrund seiner Tweets hatte:

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Die LINKE hatte das Gesetz als unzureichend kritisiert. »Transparenz alleine reicht nicht, um die verkrusteten sexistischen Strukturen in der Arbeitswelt aufzubrechen«, sagte die frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Cornelia Möhring, dem »nd«. Den Maskulinisten scheint aber selbst dieses Informationsrecht zu weit zu gehen.

Ich bin selbst „Maskulist“ und halte dieses Gesetz für eine gar nicht mal schlechte Idee. Denn der Punkt ist folgender: Feministen glauben, dass die Unterschiede in Gehalt und Führungspositionen auf Sexismus beruhen. Sie nehmen eine Diskriminierung von Frauen an und fordern daher als „Ausgleich“ entsprechende Gesetze wie die Frauenquote. Diese beseitigen aber nicht die möglicherweise vorhandene Diskriminierung. Sie fügen eine weitere hinzu. Um die Diskriminierung effektiv bekämpfen zu können, muss man den vermeintlich Geschädigten die Möglichkeit geben, Beweise zu sammeln. Dies wird mit diesem Gesetz möglich. Es ist zwar extrem unausgereift, aber in meinen Augen ein eher guter Schritt. [2]

Teresa Bücker nimmt den Aufruhr gelassen. Twitter erlaube es schließlich, Hashtags zu blockieren. So ist es auch für Feminist*innen möglich, einen ruhigen Tag in den sozialen Medien zu verbringen.

Ich würde mich tatsächlich fragen, was ich falsch mache, wenn ich täglich mit so etwas konfrontiert bin. An irgendeinem Punkt muss man sich doch mal fragen, warum die Leute so auf mich reagieren. Und vielleicht, nur vielleicht, liegt es ja an mir.

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[1]

Falls jemand sich wundert, dass dieser Tweet nicht zu finden ist. Er wurde gelöscht, da Diplomrasenmäher der Ansicht war, dass dieser Tweet ihm rechtliche Probleme bereiten könnte.

Ich habe ihn später gefragt ob dies der einzige Grund war, worauf er folgendes Antwortete:

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Der Tweet in dem sich Diplomrasenmäher distanziert ist dieser:


[2] Hier stand vorher: „Dumm ist natürlich nur, dass mal wieder nur Frauen dieses Sonderrecht haben sollen…“

Das ist falsch. Das Auskunftsrecht gilt für Männer und Frauen. Siehe hier.