Flirten mit der taz

Ich habe kürzlich erneut eine Umfrage gemacht – und ganz demokratisch bei der Vorauswahl das Video als Antwortoption ausgelassen. Es geht um den Artikel „Debatte Sexismus: Flirtfreiheit des Mannes“ von Sibel Schick (Archiv).

Ich werde dabei nicht wie üblich alles zitieren, weil ein altes Düsseldorfer Altbier mir heute tatsächlich den Schädel sprengt.

Eigentlich gibt es eine große Auswahl an Orten, um in Kontakt mit anderen Menschen zu kommen: Fitnessstudio, Arbeitsumfeld, politisches Engagement – überall, wo sich Menschen befinden, können sich romantische Verhältnisse entwickeln – nicht nur in Clubs und Bars. Denn: Nur weil eine Frau allein in einer Bar sitzt oder in einem Club tanzt, ist sie nicht unbedingt offen für Angebote.

Was ich aber erst herausfinde, wenn ich den Kontakt aufnehme.

Dasselbe gilt auch für andere Geschlechter:

Korrekturvorschläge:

  • Dasselbe gilt auch für das andere Geschlecht:
  • Dasselbe gilt auch für Männer:

Menschen wollen und müssen nicht ständig und überall daran erinnert werden, ein Geschlecht zu haben, ein sexuelles Wesen zu sein.

Ob dieses Individuum das aber (gerade) möchte oder (gerade) will finde ich aber erst heraus, wenn ich Kontakt aufnehme.

Die Angesprochenen haben das Recht, so zu reagieren, wie sie möchten.

Nein, haben sie nicht. Nur weil jemand Kontakt auf nimmt, ist das kein Persilschein dafür sich wie ein Arschloch oder gar gewalttätig zu verhalten.

Sie haben das Recht, von dem Flirtversuch zu halten, was sie halten möchten. Da bleibt euch eins: in Ruhe lassen.

Was ist, wenn ich versuchen möchte das gerade zu biegen was ich möglicherweise verbockt habe um doch noch eine Beziehung zu ermöglichen?

Frauen* kennen es gut: Wenn sie mit Männern* in einem Club sind und diese mal kurz verschwinden, findet ein Tanzwettbewerb um sie herum statt. Die Begleitung merkt das nicht mal: Sobald sie wieder zurück sind, verschwinden diese Antänzer.

Ist das eine neuere Entwicklung? Ich bin seit ~10 Jahren nicht mehr in Clubs gewesen aber damals war ich immer (auch) mit Frauen da und es gab nie auch nur den Hauch von Beschwerden.

Vor allem war es immer so voll, dass man „Zurückkehrende“ meistens erst bemerkt hat, wenn sie einem auf die Schulter getippt haben. Ich weiß nicht wie die Zeiten sich geändert haben, aber ein „sich so verkrümeln, dass die begleitenden Männer es nicht mitbekommen“ war schliecht nicht möglich. Aber gut. Als 31 jähriger, alter, weißer Mann bin ich natürlich vollkommen unqualifiziert dazu was zu sagen.

Dasselbe gilt auch auf der Straße: Unterwegs mit einem Mann*, wird die Frau* nicht blöd angemacht. Sobald sie allein ist, schon.

Das glaube ich schon eher. Wobei auch Frauen angemacht werden, die in Begleitung von Männern sind. Und Frauen nicht angemacht werden, wenn sie alleine sind.

Und was soll eigentlich dieser bescheuerte Stern?

Natürlich können auch in Clubs romantische Beziehungen beginnen. Hier ist es ganz wichtig festzustellen, ob die Person, die angetanzt oder angesprochen wird, ein deutliches Interesse zeigt. Das lässt sich ganz leicht feststellen: Ignoriert dich die Person, vermeidet Augen- und Körperkontakt, dann hat sie keine Lust. Was macht man dann? Man lässt die Person in Ruhe. Alles, was darüber hinaus passiert, ist sexuelle Belästigung.

Erstmal wäre festzustellen, ob sie auf Dich nicht reagiert, weil sie dich nicht bemerkt hat. Again: vielleicht hat sich das in den letzten 10 Jahren geändert, aber damals war es in Clubs meistens laut und eng.

Wenn du festgestellt hast, dass sie tatsächlich keinen Kontakt zu dir sucht, dann solltes man situationsbedingt aufhören. Aber, nur weil ich mit jemandem spreche, ist das KEINE sexuelle Belästigung.

Nein heißt nein

Heißt nein wirklich immer nein? Ja.

Nein.

Es gibt so etwas wie paraverbale Kommunikation und nonverbale Kommunikation. Bei der paraverbalen Kommunikation sind Betonung, Lautstärke und Tonfall der gesprochenen Worte relevant. Ironie und Sarkasmus sind dafür sehr populäre Beispiele. Jetzt ist es natürlich nciht einfach sowas schriftlich darzustellen, aber ich versuchs:

„Neeeeeeiiiiin, es gibt natürlich KEINE Möglichkeit wo nein etwas anderes als nein bedeuten könnte. Gibts nich.“

Dazu Frau Anne breakpoint Nühm auch mal was geschrieben (Archiv).

Dazu gibt es dann auch die nonverbale Kommunikation. Also Körpersprache, Mimik Schrift, Stummfilm, Bilder zum Beispiel.

Wenn verbale Kommunikation und paraverbale bzw. nonverbale Kommunikation nicht übereinstimmen, dann spricht man von „inkongruenten Botschaften“. Dazu habe ich bereits einmal einen Blogpost geschrieben, den ich hier nochmal wärmstens ans Herz legen möchte (Archiv). Den relevanten Teil mit Beispielen findet man unter Punkt 2. (Aus dem Buch „wie generiere ich Klicks“ von S. Chips)

Das Bild, das wir von romantischen Fiktionen vermittelt bekommen, in denen der Mann nach dem Nein der Frau hartnäckig bleibt, bis er sie endlich überzeugt – das müssen wir verlernen.

Ich konnte mir hier das Lachen nicht verkneifen. Hat meinen Kopfschmerzen gut getan – die sind jetzt präsenter als zuvor. Dir ist schon klar, dass Frauen diese Filme tendenziell eher gucken und die meisten Männer diese Filme eher nicht gucken und wenn, dann eher aus Zuneigung zu der Frau. Das wiederum passiert aber meistens erst lange nach der ersten Kontaktaufnahme…

Es ist wichtig, die sexuelle Belästigung nicht nur aus der Perspektive zu betrachten, was sich der Mann erlauben darf und wie weit er geht. Die „Flirtfreiheit des Mannes“ ist hier nicht der einzige Gesichtspunkt.

Stimmt. Frauen können natürlich genauso sexuelle Belästigen.

Wichtiger sind die Grenzen der Person, der das Angebot gemacht wird.

Versteh ich nicht. Die Grenzen der Person, der das Angebot gemacht wird, sind der Punkt wie weit die anbietende Person gehen darf ohne das es der Person der das Angebot gemacht wird unangenehm wird. Aber sexuelle Belästigung ist ein Straftatbestand (§184i StGB). Die Sache ist, dass die Grenzen einer – um bei deinem Beispiel zu bleiben – Frau durchaus sein können: Kannst mir an den Hintern fassen, mein Gesicht streicheln, aber nicht an meine Brüste gehen. Oder: Du darfst mir die Hand auf die Hüften legen, eng mit mir tanzen, dabei sogar deine Hüfte an meine schmiegen (so von wegen antanzen und so).

Aber all dies kann auch schon den Straftatbestand der sexuellen Belästigung erfüllen. Aber gesprochene Worte erfüllen diesen Straftatbestand definitiv nicht. Und das ist auch verdammt gut so.

Wiederholung: An einem normalen Tag können insbesondere Frauen* von mehreren Menschen blöd angemacht werden.

*sight*

kann man das noch schwammiger ausdrücken?

normalen Tag – An einem unnormalen Tag ist es nur ein Mensch oder gar keiner?

können – klar kann das passieren. Muss aber nicht.

blöd angemacht – Es mag vielleicht in deinem Dunstkreis anders sein, aber in meinem erzkonservstiven Fleckchen Erde gilt “ Was guckstn so doof“ auch als blöd anmachen.

Wenn sie Nein sagen, dann meinen sie es auch so. Und wenn sie jede*n einzelne*n mehrmals Nein sagen müssen, wird aus dem Flirtversuch Unterdrückung.

Nein (siehe oben) und nein. Und jetzt muss ich mal ein bisschen ranten.

IHR SCHEISS WICHSER. Juden wurden im dritten Reich unterdrückt, Sklaven wurden (und werden) unterdrückt. Wagt es nicht euch mit dem auf eine Stufe zu stellen.

Kommt mir nicht mit „Mehr als einmal nein sagen müssen ist Unterdrückung“. Ihr seid geistig grenzdebile verzogene Wohlstandsgören, die in ihrem Leben nie was schlimmeres erleben mussten, als dass sie einmal in ihrem Leben nicht sofort das bekommen haben was sie wollten. „Unterdrückung“. Total. Das Problem was ihr habt ist Realitätsverlust.

Noch ein Hinweis: Anbaggern ist kein Kompliment. Punkt.

Doch. Rufzeichen.

Die Geschlechtsorgane an wildfremden Menschen zu reiben oder sie zu begrabschen ist ausnahmslos immer sexuelle Belästigung und kein Kompliment.

Wie oben schon erwähnt ist das nicht ausnahmslos immer der Fall. DEINE Grenzen sind nicht automatisch die Grenzen von anderen Menschen. Dazu noch die Stichpunkte: Swingerpartys / Gangbangpartys und schwuppdiwupp wissen wir, dass Du vollkommenen Unsinn redest.

Wenn wir uns hier einig sind, können wir weitermachen:

Können wir auch so. Ich bin nicht so kleinkariert, dass ich glaube, nur weil Du die meiste Zeit unter geistiger Umnachtung leidest, dass Du nicht auch mal wache Momente haben könntest. Ein blindes Huhn findet…

Wenn jemand nicht angebaggert werden möchte, dann möchte er es einfach nicht. Da ist keine Diskussion notwendig, weil das keine Debatte ist.

Siehste. War doch gar nicht so schwer. Dir muss aber bewusst sein, dass dies individuelle befindlichkeiten sind, die vom Gegenüber, der Situation, der Tageszeit, dem Zeitpunkt im weiblichen Zyklus und dem Alkoholpegel abhängen können. Und um herauszufinden, ob jemand von dir angebaggert werden möchte, musst du die Person anbaggern.

Ein Eingriff in die persönlichen Grenzen ist psychologische Gewalt.

Der Begriff den Du suchst ist „psychische Gewalt“. Und nein ist es nicht – also nicht zwangsläufig.

Aber ganz ehrlich. Ich habe kein Bock mehr dir die Komplexität menschlichen Sozialverhaltens zu erklären. Mein Kopf brummt vom 7 Jahre alten Altbier und Dein soziopathisches Geschreibsel bereitet mir seelische Schmerzen. Für Menschen wie Dich gibt es professionelle Hilfe.

Ich rate Dir einfach mal über folgendes Zitat aus Deiner Speicherplatzverschwendung ernsthaft nachzudenken:

Jemandem dann auch noch zu sagen, er habe das Ganze als Kompliment zu verstehen, ist schlichter Faschismus: „Sei doch froh, dass ich überhaupt Interesse an dir habe“ heißt: „Lass dir alles gefallen, was ich mit dir anstellen möchte.“ Außerdem – wann habt ihr denn das letzte Mal jemandem ein Kompliment gemacht? Gehört das überhaupt zum Alltag in Deutschland?

Heterosexuelle Männer, die Datingapps nutzen, erzählen häufig, dass die Interaktion in der Regel nur auf die Initiative des Mannes hin erfolgt. Ein Grund dafür ist möglicherweise, dass es Frauen* schon früh beigebracht wird, so wenig offensiv zu sein wie möglich. So schwierig zu haben zu sein, wie es geht – das soll ihren Wert bestimmen.

Dabei verstärkt das nur die Ver­gewaltigungskultur: Ein nicht ernst genommenes Nein kann schwere Folgen haben. Da hilft es allen Geschlechtern zu versuchen, über die patriarchalen Strukturen hinauszuwachsen.

Man kann es Menschen schon ansehen, wenn sie Lust haben, in Kontakt zu treten. Wenn man es sehen und wahrhaben will, ist es überhaupt nicht schwierig. Wenn einem aber nur die eigenen Bedürfnisse wichtig sind und die von dem Gegenüber egal, dann sollte man auch nicht rumheulen, wenn man die Sache beim richtigen Namen nennt – nämlich sexuelle Belästigung.

 

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Demokratie

Nach „Das Spinnenetz der Demokratie“ möchte ich mal wieder was über Demokratie schreiben.

Kürzlich hatte ich schon einmal einen Tweet gefunden, in dem sich beklagt wurde, dass in unserem Land mal wieder Frauen unterrepräsentiert seien. Bei diesem Tweet handelt es sich um einen des WDR 360, einer „Anstalt des öffentlichen Rechts“ ( Archiv ). Dieser Tweet verlinkt auf das Video eines Interviews mit Teresa Bücker des feministischen Magazins „Edition F“.

Einige Zitate daraus:

Interviewer: Und mit ihr spreche ich gerade über folgendes Problem: 30,7%. So niedrig war der Frauenanteil im Bundestag das letzte Mal, als ich fünf Jahre alt war. Nämlich 1998.

Ich frage mich: Wie ist sowas im Jahr 2017 möglich.

 

Interviewer: Das erklärt zwar, warum der Anteil von Frauen in der Politik so niedrig ist, aber nicht, warum der Anteil genau dieses Jahr, so niedrig ist.

 

Philipp: Zum einen hat es sicherlich damit zu tun, dass Fr… äh… Parteien im Moment erfolgreich sind, die sich nicht so sehr für Frauenrechte einsetzen oder nicht so aktiv für Frauenrechte einsetzen.

 

Interviewer: Stattdessen kamen viele Politiker über ein Direktmandat in den Bundestag. Der Großteil von ihnen is männlich.

Wie zum Beispiel Steffen Bilger. Ich kann ihn auch hier im Hauptstadtstudio treffen und gleich fragen, was mit den Landeslisten und der CDU überhaupt schief gelaufen ist [im Bezug auf den niedrigen Frauenanteil den die CDU im Bundestag hat].

 

Steffen Bilger: Wir haben es jetzt in meinen sechs Jahren Amtszeit geschafft, dass wir bei allen drei Nominierungen die es da gab immer 50% Frauen aufgestellt haben im Reißverschlußverfahren – ganz ohne vorgeschriebene Quote – sondern weil alle erkannt haben: `Wir müssen da etwas machen!`

Nur haben wir jetzt ja bei der Bundestagswahl das Problem, dass die Union fast nur direkt gewählte Abgeordnete hat. Das heißt, die vielen Frauen auf den Listen helfen gar nicht so sehr das auszugleichen.

 

Kerstin Griese: Denn ohne Quote klappts anscheinend nicht, mit dem höheren Frauenanteil.

 

Interviewer [paraphrasierend]: Was soll diese Diskussion? Was ist denn daran so schlimm, dass es mehr Männer im Bundestag gibt?

[normal] Das hat aber Gründe. Der Bundestag sollte ein Abbild der Gesellschaft sein und kein exklusiver Club. Egal ob mit oder ohne Quote.

[…]

Oder habt ihr andere Ideen, wie man das Problem lösen kann.


Jetzt bin ich wieder über einen gestolpert ( Archiv ):

In 2 Ländern sind Frauen entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil vertreten. Herzlichen Glückwunsch.

Danach ein Link auf einen Artikel der Süddeutschen Zeitung ( Archiv ). Darin finden sich ebenfalls ein paar merkwürdige Aussagen:

Frauenanteil: Deutschland stürzt im internationalen Vergleich ab

 

Der Frauenanteil im Bundestag ist so gering wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Knapp 31 Prozent der Abgeordneten sind weiblich – so wenig wie zuletzt 1998. Der Frauenanteil des vergangenen Bundestags lag bei 37 Prozent. Im internationalen Vergleich stürzt die Bundesrepublik von Platz 22 auf Platz 45 ab, im Vergleich mit anderen EU-Ländern von Platz sieben auf Platz zwölf.

 

Der Einzug der AfD und die Rückkehr der FDP ins Parlament erklären die niedrige Quote. Diesen beiden Fraktionen gehören 145 Männer an, aber nur 29 Frauen.


Man merkt an diesen drei Beispielen (Video, Tweet und Artikel), dass der Frauenanteil als zu gering, als Problem angesehen wird. Die Rhetorik suggeriert genau das, bzw. sagt es direkt. „Das Problem“, „stürzt ab“ oder „exklusiver Club“.

Man muss an dieser Stelle wohl erklären, dass es in Deutschland so etwas wie freie, gleiche und geheime Wahlen gibt. Dass wir eine – obacht – repräsentative (!) Demokratie haben. D.h. Alle Bürger des Landes haben ab einem bestimmten Alter das gleiche Recht zu wählen oder nicht zu wählen (aktives Wahlrecht, keine Wahlpflicht). Egal ob Mann oder Frau. Und sie haben auch das gleiche Recht sich wählen zu lassen (passives Wahlrecht). Ebenfalls egal ob Mann oder Frau. Jeder Mensch darf die Person bzw. Partei wählen, die er für richtig hält. Und richtig geil: Du bist niemandem darüber Rechenschaft schuldig. Also von Wegen „exklusiver Club“.

Das ist Demokratie. Und dabei kann halt rauskommen, dass der Frauenanteil eben nicht 50% ist. Und weil es eine REPRÄSENTATIVE Demokratie ist, in der die Bevölkerung ihre Repräsentanten in Person (Direktmandate, Erstsstimme) und Partei (Mehrheitsverhältnis, Zweitstimme) selbst wählt.

Wenn jetzt also eine Partei durch die Zweitstimme Anspruch auf X Plätze hat und X auch zufällig nahezu gleich der Anzahl der Direktmandate ist, dann ist das überhaupt nichts „schief gelaufen“.

Jetzt zu sagen, dass der Frauenanteil ein Problem ist, weil die Prozentzahl nicht gleich dem Anteil an Frauen in der Bevölkerung ist, ist nichts anderes als zu sagen: Demokratie ist scheiße, das Volk weiß nicht was es tut.

Ganz im Ernst, ihr stellt die Demokratie in Frage. Ihr solltet euch was schämen.

Ich möchte übrigens anmerken, dass Frau Bücker (eine Feministin), die einzige war, die durchaus auch die Verantwortung – um nicht zu sagen „Schuld“ – bei Frauen gesehen hat.

 

Random Thoughts Nr 7

Ich hatte auf Twitter angekündigt heute und morgen früh an einem Video zu arbeiten. Das habe ich aber spontan verschoben, weil ich Onkel geworden bin und gefeiert habe. In also leicht angetrunkenem Zustand möchte ich ein paar kleine Gedanken loswerden.


1.: Nazi Vergleiche

Ich habe in meinem vorherigen Blogpost das Bundesgleichstellungsgesetz als „Nürnberger Geschlechtergesetz“ bezeichnet. In Anlehnung – offensichtlich – an die Nürnberger Rassengesetze des dritten Reiches. Prompt wurde ich natürlich darauf hingewiesen, dass Nazivergleiche nicht unbedingt zweckdienlich sind. Und das stimmt. Ich halte Nazivergleiche in einer normalen Diskussion für vollkommen unangebracht. Das ist so ein Diskussionskiller.

Aber ich muss auch gestehen, dass ich es Leid bin. Ich wurde schon so oft als Faschist, Nazi, rechter Spinner oder Ewiggestriger bezeichnet, dass ich darauf keine Rücksicht mehr nehme.

Wenn jemand meint, das Bundesgleichstellungsgesetz zu verteidigen, dass direkt gegen Männer diskriminiert. Dann ist dieser Mensch jemand, der die Diskriminierung auf Grund von Geburtsmerkmalen fordert.

Wenn jemand meint, die Quote zu verteidigen, dann verteidigt er eine Regelung / ein Gesetz, dass dazu geschaffen wurde in bestimmten Situationen gegen Menschen auf Grund von Geburtsmerkmalen zu diskriminieren.

Feministen behaupten, dass Frauen gesamtgesellschaftlich so benachteiligt sind, dass sie nicht in Führungspositionen kommen und es dank der „gläsernen Decke“ zu wenig Frauen in Führungsposition gibt – also dass feministische Äquivalent zu „Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg“.

Der intersektionale Feminismus ist nichts anderes als eine erweiterte Rassentheorie. Dort werden verschiedene Merkmale (teils Geburtsmerkmale) in marginalisiert und priviligiert unterteilt und das auch an der Hautfarbe. Weiße sind demnach priviligiert, weil sie Weiß sind. Aus irgendeinem Grund ist es für intersektionale Feministen ok zu sagen, dass Weiße Übermenschen sind. Sind wir nicht.

Feministen sind gegen „kulturelle Aneignung“. Unsere „dominante“ Kultur soll nichts aus „marginalisierten“ Kulturen übernehmen, weil es diese „entwertet. Ja, so unterstützt man den kulturellen Austausch. „Gegen die Islamisierung des Abendlandes!“ – oder so.

Und dann diese ewige Dreckshetze gegen Menschen, weil sie zufällig geboren wurden wie sie geboren wurden. (Beispiel: taz, KeineKleinigkeitEdition f)

Ganz im Ernst. Neonazis verstehen immerhin was sie da tun. Feministen verstehen nicht einmal das. Ich behalte mir das Recht vor jeden Menschen, der oben genanntes Zeug von sich gibt als Nazi zu bezeichnen.


2.: Sawsan Chebli

Frau Chebli wurde ja nun als „Jung und Schön“ bezeichnet, was sie sehr schockiert hat. Hier gibt es noch einmal einen Überblick mit neuen Erkenntnissen (Archiv). Überrascht es eigentlich noch irgendwen, dass es sich nicht so zugetragen hat, wie Frau Chebli es erzählt hat?

Mich nicht. Ich fand es äußerst amüsant. Und dann die Ausrede „Es ging mir darum, eine Debatte weiter anzustoßen, die noch nicht ausgefochten ist.“

Ob die Frau merkt, dass es keine Debatte gibt und auch nicht geben muss, wenn sie etwas erfindet. Sie hat der Bekämpfung des Sexismus eine Bärendienst erwiesen.

Was mich aber dann doch neben dem Amüsement doch aufgeregt hat – oder besser gesagt „wiedereinmal“ auf geregt hat ist folgendes:

Sie würde sich wünschen, dass jeder Frau selbst überlassen werde, was sie als Kompliment wahrnehme und was nicht.

So oder so ähnlich habe ich das schon öfter gelesen. „Das Opfer entscheidet ob es Opfer geworden ist.“

Ganz ehrlich? NÄÄÄ. Ich will objektive Maßstäbe. Wenn mich ein „du bist jung und schön“ ins Kreutzfeuer der Hetzfeministen bringt, obwohl es für alle anderen ganz offensichtlich ein Kompliment ist, dann läuft hier was falsch. Dann herrscht Willkür. Wenn eine Person gleichzeitig willkürlich die Regeln macht oder umstößt und gleichzeitig auch noch die Strafe auf dem Fuß folgen lassen kann, dann ist diese Person Gesetzgeber, Ankläger, Richter und Henker in einem.

Nix is Frau Chebli.


3.: Ich bin Onkel

PARTY

Nürnberger Geschlechtergesetze

Heute mal zwei Blogposts.

Dieses Zeit-Interview ist, sagen wir mal, merkwürdig ( Archiv ). Ich habe mich daher dazu entschlossen, mich einfach mal wieder selbst in das Interview reinzuschreiben.


 

ZEIT ONLINE: In Mecklenburg-Vorpommern dürfen nur Frauen Gleichstellungsbeauftragte werden. Das hat das Landesverfassungsgericht in einem Urteil bestätigt. Hat Sie das als Verfassungsrechtlerin überrascht?

Anna Katharina Mangold: Nein, gar nicht. Unsere Verfassung, das Grundgesetz, lässt dem Gesetzgeber viel Spielraum für die Gleichstellung der Geschlechter. Im Artikel Drei, Absatz zwei steht: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Mit der Verfassungsreform 1994 kam der Satz dazu: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern.“ Es geht also nicht nur um eine rechtliche Angleichung. Der Staat soll aktiv auf die Durchsetzung der Gleichberechtigung hinwirken.

ZEIT ONLINE: Und Sie Herr Chips?

Stapel Chips: Sehr. Vor allem, weil das was Frau Mangold da von sich gibt ziemliches Halbwissen ist. Unser Grundgesetz spricht nicht von Gleichstellung sondern von Gleichberechtigung. Und es geht in der Tat um eine rechtliche Angleichung, denn in besagtem Absatz steht auch “ und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“. Des weiteren sagt Absatz drei , dass man auf Grund des Geschlechtes weder bevorzugen noch benachteiligen darf. Unter diesem Gesichtspunkt ist es für mich absolut unverständlich, wie man solch eine Benachteiligung als Verfassungsgericht bestätigen kann.

ZEIT ONLINE: Frau Mangold, darf der Staat dafür Männer von bestimmten Posten ausschließen?

Mangold: In meiner Lesart des Grundgesetzes bedeutet das, dass es dem Staat nicht verfassungsrechtlich verwehrt ist, für die Gleichstellung von Männern und Frauen solche Maßnahmen zu treffen. Andererseits ist aber nicht verfassungsrechtlich vorgeschrieben, in welcher Weise Gleichstellungspolitik zu erfolgen hat. Das ist eine politische Entscheidung.

Chips: Womit dann klargestellt wäre, dass Sie a) unser Grundgesetz nicht gelesen haben und b) Gleichstellungspolitik einer Gleichberechtigungspolitik im Wege steht. Ich meine es steht mehrfach drin. Allein in Artikel 3 (2) wird das drei Mal gesagt und in Absatz 3 wird noch einmal explizit darauf hingewiesen, dass weder eine Bevorzugung noch eine Benachteilung erlaubt ist. Wie kann man das überlesen?

ZEIT ONLINE: Viele kritisieren die Entscheidung als diskriminierend. Wie sehen Sie das?

Chips: Ich gehöre offensichtlich zu denen, die das so sehen.

Mangold: Diese Kritiker unterliegen einem Irrtum. Sie setzen den Gleichstellungsauftrag mit dem Anspruch auf formale Gleichbehandlung gleich. Dabei stellt das Grundgesetz explizit klar, dass es nicht ausreicht, rein formal Männer und Frauen gleich zu behandeln, mithin Männer wie Frauen überhaupt Beamtinnen und Beamte im öffentlichen Dienst sein dürfen. Sie müssen auch tatsächlich die gleichen Chancen bekommen.

Chips: Lesen Sie bei Gelegenheit den Artikel 3 nochmal. Könnte helfen. Ich frage mich übrigens, wie Männer und Frauen die gleichen Chancen bekommen, durch ein Gesetz, dass Männern eine 0%-Chance garantiert. Und natürlich brauche ich für Chancengleichheit auch eine formale Gleichbehandlung.

ZEIT ONLINE: Doch wer kümmert sich dann um die Anliegen der Männer? Immerhin gibt es sie auch: die Männer in Teilzeit, die alleinerziehenden Väter, Transmänner, und so weiter.

Mangold: Bestimmt werden auch Männer diskriminiert und müssen geschützt werden. Das will ich gar nicht in Abrede stellen. Der Punkt ist nur, dass diese Gleichstellungsvorschriften sich auf ein generelles Problem richten: dass nämlich weit überwiegend Frauen von diskriminierenden und ausschließenden Strukturen betroffen sind. Der neuerdings eingeschlagene Weg, sprachlich neutralisierende Regelungen zu treffen, verschleiert genau diesen Zusammenhang.

ZEIT ONLINE: Sie meinen, dass Frauenförderung heute Gleichstellung heißt?

Mangold: Die Benennung der Gleichstellungsbeauftragten hat verschleiert, dass es in Wahrheit darum geht, Frauenbelange zu schützen. Nach wie vor ist es so, dass Frauen überwiegend mit der Doppelbelastung von Sorgearbeit und Berufstätigkeit zu kämpfen haben. Nur neun Prozent der erwerbstätigen Männer zwischen 20 und 64 Jahren haben 2015 in Teilzeit gearbeitet, dagegen waren es 47 Prozent der Frauen.

Chips: Was hat die „Doppelbelastung“ mit diesem Gesetz zu tun?
Ich sehe es ja so. Wird gegen jemanden diskriminiert, sollte man diese Ungerechtigkeit beheben und die verantwortlichen Personen bestrafen. Dabei ist mir das Geschlecht vollkommen egal. Zu sagen ‚die sind aber mehr Opfer‘ ist absolut bedeutungslos. Bedeutend ist, DASS jemand Opfer wurde.
Sie sagen, es gebe diskriminierende und ausschließdende Strukturen die überwiegend Frauen betreffen. Aber nicht ausschließlich. Wie wollen sie gegen Strukturen vorgehen, die Männer ausschließen. Z.B. ein Gesetz, dass Männer ausschließt?
Nehmen wir an, die von Ihnen genannten Benachteiligungen würde es geben, dann haben Sie durch dieses Gesetz nur eine weitere hinzugefügt. Good job.
Ach und noch eins. Sie sagten gerade, dass es bei Gleichstellungsbeauftragten nicht darum geht Gleichstellung oder Gleichberechtigung zu erlangen, sondern Frauenbelange zu schützen. Falls nochmal wer fragt, warum Feministen oft als „Female-Supremacy“ Bewegung wahrgenommen werden, zitiere ich einfach Sie.

ZEIT ONLINE: Braucht es zum Schutz von Frauenbelangen weibliche Gleichstellungsbeauftragte?

Mangold: Aus einer theoretischen Sicht halte ich das In-eins-setzen der Gruppenzugehörigkeit mit den politischen Interessen für hochproblematisch. Ich vertrete eher eine Auffassung, dass eine einzelne Person nicht per se Gruppeninteressen verkörpert. Denn es ist nicht nur so, dass eine Frau nicht automatisch Fraueninteressen vertritt. Vielmehr sind Fraueninteressen ja auch sehr unterschiedlich. Man müsste zugleich intersektionale Zusammenhänge berücksichtigen…

ZEIT ONLINE:  …also Zusammenhänge von Diskriminierungsformen.

Mangold: Genau. Es gibt eben nicht die eine Gruppe der Frauen, sondern sehr viele Untergruppen. Es gibt Arbeiterinnen oder Frauen, die aus einem Nichtakademikerhaushalt kommen und sich hochgearbeitet haben. Sie kämpfen mit anderen Herausforderungen als, sagen wir einmal, gläubige muslimische Frauen, die ein Kopftuch tragen. Es gibt Frauen mit Behinderung oder Frauen, die nichttraditionelle Familienentwürfe leben, zum Beispiel lesbische Frauen. Die Vorstellung, dass es die Gruppe der Frauen gäbe, die von nur einer Frau repräsentiert werden, ist also verkürzt. Andererseits sehe ich durchaus, dass Frauen sich als von Diskriminierung Betroffene mehr mit Fragen von Frauendiskriminierung auseinandersetzen.

Chips: Alternativ: Einfach nicht gegen Menschen auf Grund von Geburtsmerkmalen diskriminieren. Aber das wäre ja zu einfach.
Mal ehrlich. Sie verstehen, dass eine Frau nicht alle Frauen vertreten kann, weil nicht alle Frauen die selben Erfahrungen haben. Sie verstehen, dass es eine verkürzte Sichtweise ist. Ist ihnen jemals in den Sinn gekommen, dass es auch daran liegen könne, dass Menschen Individuen sind? Ist ihnen jemals in den Sinn gekommen, dass eine solche kollektivistische Sichtweise dann vielleicht, sagen wir mal, suboptimal ist? Ist das vielleicht der Grund, warum Artikel 3 in den Grundrechten, also den Individualrechten, unseres Grudngesetzes verankert ist? Darum ist das was sie weiter oben sagten ‚Frauen sind aber häufiger…‘ vollkommener Nonsense in dieser Diskussion.

ZEIT ONLINE: Was wäre denn eine Alternative zu ausschließlich weiblichen Gleichstellungsbeauftragten?

Mangold: Man könnte sagen, wir stellen eine Person ein, die einen ganz klaren Auftrag hat, nämlich die Gleichberechtigung der Geschlechter. Das könnte auch darin bestehen, besonders Männer zu fördern, die sich in einer rollenuntypischen Lage befinden. Also alleinerziehende Väter, oder solche, die Teilzeit arbeiten, um sich auch um Kinder zu kümmern. Insgesamt fände ich es schön, wenn wir Interessen kollektiv aushandeln würden, wir uns also gemeinsam fragen: Was ist die Richtung, die wir einschlagen wollen? Und dies immer wieder überprüfen und neu bewerten.

Chips: Ich denke dass dieser Posten ein Überwachungsinstrument sein sollte. Der oder die Gleichstellungsbeauftragte passt auf, dass gegen niemanden diskriminiert wird. Egal ob Mann oder Frau, rollenuntypisch oder typisch usw. .

ZEIT ONLINE: Ist Gleichstellung wichtiger als Gleichbehandlung?

Mangold: Wenn man tatsächliche Gleichstellung herbeiführen möchte, dann muss man die Dinge verändern. Gleichstellung ist kein Nullsummenspiel. Die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts hat da eine progressive Linie vorgegeben. Demnach ist nicht jede Förderung von Frauen im Umkehrschluss eine automatische Benachteiligung von Männern. Das Landesverfassungsgericht ist dieser Linie nun gefolgt.

Chips: Technisch gesehen ist das korrekt. Wenn ich eine Förderung von Frauen habe ist dies nicht zwangsläufig eine Benachteiligung von Männern. Nämlich genau dann, wenn ich Männer entsprechend fördere. Wenn ich aber nur Frauenförderung betreibe ohne etwas Vergleichbares für Männer anzubieten, dann priviligiere ich Frauen – und benachteilige Männer.
Zumal der Begriff „Frauenförderung“ hier absolut irreführend ist. Hier werden Frauen nicht gefördert. Sie werden nicht geschult oder ausgebildet oder sonst irgendwie in ihren Kompetenzen gestärkt. Das wäre Förderung. Hier werden Frauen priviligiert. Sie bekommen einen Job, weil sie eine Frau sind. Das ist das was man „den Arsch nachtragen“ nennt. Mit Förderung hat das nichts zu tun.

Aber zurück zur Frage: Nein. Gleichstellung steht einer freien, gerechten und gleichberechtigten Gesellschaft im Weg. Gleichstellung ist zutiefst autoritär und verlangt von uns gegen Menschen auf Grund von geburtsmerkmalen zu diskriminieren.

Diese Gesetze, also Bundesgleichstellungsgesetz, Geschlechterquote und alle anderen nicht geschlechtsneutralen und/oder diskriminierenden Gesetze sollten in einen Ordner gepackt werden, wo dann dick draufsteht „Nürnberger Geschlechtergesetze„. Einfach damit jeder versteht, was für eine ideologische Ekelhaftigkeit hinter solchen Gesetzen steckt.

Na, Süßer? Auch schon die Studie gelesen?

Ich bin über Genderama ( Archiv ) auf einen Artikel der Zeit gestoßen ( Archiv ).

Dabei ist mir eine Passage aufgefallen, die meine Erinnerung hat aufblitzen lassen:

Ja, von sexueller Belästigung sind mehr Frauen betroffen als Männer. 17 Prozent der Frauen geben an, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erfahren zu haben – das ist das Ergebnis einer Befragung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes vor zwei Jahren. Allerdings haben das auch sieben Prozent der Männer schon erlebt.

Mir war da, als hätte ich das Ding schonmal gelesen und das als irreführend erkannt. Deshalb habe ich in besagter Studie nochmal nachgeschaut.

Und es hat sich herausgestellt, das ich mich korrekt erinnert habe. Richtig ist, dass 17 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz „nach EIGENEM Begriffsverständnis“ schon einmal erlebt haben. Nimmt man aber die rechtliche Definition, haben Männer zu 56 % das schonmal erlebt und Frauen „nur“ zu 49 %. Das sind 7 Prozentpunkte Unterschied zum Nachteil von Männern. Tatsächlich erfahren Männer sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz also mehr als Frauen.

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(Original der Publikation, Archiv , Seite 6)

Jetzt ist die Frage was wir aus den Zahlen machen.

  • Wissen Männer und Frauen zu wenig, was sexuelle Belästigung ist?
    (Ja, siehe S.10 der Publikation)
  • Daraus folgend: Wissen Männer das noch weniger als Frauen?
    (keine Ahnung)
  • Oder ist vielleicht die rechtliche Grundlage zu breitgefächert und deckt Dinge ab, die nicht als sexuelle Belästigung eingestuft werden sollten?
    (Ja, siehe unten)
  • Sind vielleicht die Vorfälle bei Frauen einfach krasser?
    (Ja, siehe unten)

Zurück zum Zeit-Artikel

Beide Geschlechter beobachten und erleben am häufigsten Belästigungen durch Männer.

Das ist korrekt. Frauen und Männer sehen und erleben Männer deutlich häufiger als Täter. Allerdings ist mir beim Nachprüfen etwas aufgefallen. Wenn die Situation nur beobachtet wurde, dann sehen Leute ihre Geschlechtsgenossen kritischer. Frauen stufen das Verhalten einer anderen Frau eher als sexuele Belästigung ein als Männer (11 zu 3) und Männer stufen das Verhalten eines anderen Mannes eher als sexuelle Belästigung ein, als Frauen (75 zu 67).

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(Seite 7)

Ein Drittel der betroffenen Männer gab aber an, schon einmal von Frauen belästigt worden zu sein.

Eher zwei Fünftel, doch weiter im Text. Es folgt eine Auflistung von Prozenten aus dieser Publikation von Seite 5, die korrekt sind bis zu folgendem Punkt:

Witze mit sexuellem Bezug oder zweideutige Kommentare hören Männer sogar häufiger als Frauen: 47 Prozent im Vergleich zu 39 Prozent hatten das erlebt.

„Sogar“. Ich betone das mal, denn wie wir gleich sehen werden, ist dies hier etwas irreführend. Man könnte meinen, dass dies der einzige Punkt ist, wo Männer häufiger betroffen sind, das dies die Ausnahme sei. Dem ist nicht so, denn nicht nur bei den zweideutigen Kommentaren bzw. Witzen sind Männer häufiger betroffen.

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Auch bei

  • Bemerkungen mit sexuellem Inhalt
  • Unerwünschten E-Mails, SMS, Fotos, Videosmit sexuellem Bezug
  • Nötigung zum Ansehen pronographischen Materials

Das schmälert natürlich nicht, dass ich ungewünschte Berührungen/Annäherungen, Küsse und Umarmungen schlimmer finde (hier sind mehr Frauen als Männer betroffen). Ich fand lediglich das Wort „sogar“ irreführend.

Ich muss übrigens anmerken, dass ich „zweideutige Kommentare“ bzw. „Witze mit sexuellem Bezug“ als ziemlich harmlos erachte und ich keinen Grund sehe, warum das unter sexuelle Belästigung fallen sollte.

Es folgen einige anekdotische Beispiele und ein paar Expertenmeinungen und dann eine Studie der Rice University:

In einem Experiment legten US-Psychologen der Rice University Studenten die Akten eines fiktiven Falls vor. Ein Betroffener berichtete darin, von dem Kollegen unangenehm berührt und nach einem Rendezvous gefragt worden zu sein. Das private Treffen sei wichtig für die Karriere, habe der zudringliche Kollege gesagt. In einer Version der Geschichte war der Täter ein Mann und das Opfer eine Frau, in einer anderen war es umgekehrt. Die Probanden sollten angeben, für wie glaubwürdig sie die Darstellung hielten. Das Ergebnis: Einer Frau nahmen sie die Geschichte deutlich eher ab als einem Mann.

(Studienabstrakt im Original, Archiv )

Auch hier findet man eine merkwürdige Ungenauigkeit. Es ist nicht nur so, dass man Frauen die Geschichte eher abnahm als Männern, sondern man wollte Männer auch härter bestrafen und hat sie weniger gemocht.

Results for the complainants of sexual harassment confirmed that men were believed less, liked less, and punished more than women.


Zu dem zweiten Punkt mit der Attraktivität der sich-beschwerenden Person (ob sie auch eine Rolle spielt) und der Studie aus Australien muss ich meine Überschrift mit: „Nein habe ich nicht“ beantworten. Ich muss mich wieder ans studieren machen ;-). Vielleicht folgt später noch eine Ergänzung.