FDP und Frauenförderung

Da wollte ich gerade Twitter dicht machen und ein paar Runden Birth of the Empires spielen, da fällt mein Blick auf einen Tweet, der sich mit dem Thema FDP und Frauenquote befasst.

Ein Kommentar von Elsabeth Niejahr in der Wirtschaftswoche (Archiv). Betrachten sie, geneigte Leser, diesen Beitrag als eine Art offenen Leserbrief und einen Appell an die FDP.

Die FDP will bis zu Ihrem Parteitag Mitte Mai Vorschläge für die Förderung von Frauen in den eigenen Reihen vorlegen. Eine gute Idee – falls die Liberalen drei Fehler vermeiden.

Es mag die ein oder anderen Leser meines Blogs überraschen, aber ich habe Grundsätzlich kein Problem damit, wenn Frauen gefördert werden – solange man nicht diskriminiert und solange man vergleichbare Förderungen auch für Männer anbietet.

Die FDP macht es ihren Kritikern gerade ziemlich leicht. Wer zu Beginn einer Legislaturperiode erst einmal zahlreiche Posten in der Fraktion und der Partei verteilt, um dann anschließend eine Diskussion darüber zu beginnen, wie denn bloß mehr Frauen in wichtige Ämter gelangen könnten, der darf sich über Spott nicht beschweren.

Komma weil? Zu dem Zeitpunkt waren mehr Männer als Frauen in der Partei. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass dann auch mehr Männer als Frauen am besten für die Positionen geeignet waren. Warum sollte man vorher eine Diskusion darüber starten, wenn doch eh klar ist, dass man nach Eignung vorgeht und wer da jetzt die Posten bekommt?

Und wenn die Parteispitze dann auch noch eine seit Wochen anhaltende internationale Debatte über Gleichstellung und Frauenrechte ignoriert, macht sie es all jenen noch einmal leichter, die die Liberalen ohnehin neanderthalerhaft finden.

In der Tat wäre es Sache der FDP gewesen, darauf hinzuweisen, dass die #metoo Bewegung derartig rückschrittig ist, dass sie ganz gepflogen Menschenrechte, wie das Recht als Unschuldig zu gelten und das Recht auf ein faires Verfahren nach den geltenden Gesetzen, ignoriert. Dass die FDP dazu schwieg muss man ihr vorwerfen. Auch dass sie ihre Stimme nicht intensiver gegen Gleichstellungspolitik erhebt, die doch das Menschenrecht auf Gleichberechtigung und die Diskriminierungsfreiheit (Artikel 7) torpediert. Dies muss man einer liberalen Partei zum Vorwurf machen (was ich hiermit tue).

Wenn es um Debatten über Männer, Frauen und ihre Rollen in Familie, Arbeitswelt und Parteien geht, ist die FDP nicht auf der Höhe der Zeit.

Dass nicht nur viele junge Frauen und Männer sich ganz selbstverständlich als Feministinnen bezeichnen, sondern auch Staatschefs wie der kanadische Premier Justin Trudeau, ist immerhin auch einigen Liberalen aufgefallen.

Es bezeichnen sich auch ganz viele junge Frauen und Männer als Christen, Juden, Moslems, Nazis, Kommunisten, Sozialisten, Marxisten, Kapitalisten, Gamer, Atheisten, Menschen, junge Frauen, junge Männer …

Der Feminismus beschreibt nicht „die Höhe der Zeit“ wenn es um „Männer, Frauen und ihre Rollen in Familie, Arbeitswelt und Parteien geht“. Der Feminismus ist nur eine Ideologie die eine von vielen Möglichkeiten beschreibt, wie das Ganze zu betrachten ist. Er ist nicht die einzig wahre Lösung. Tatsächlich steht das feministische Konstrukt auf extrem wackeligen Beinen und hat mit der Realität so ziemlich nichts zu tun. Viele Feministen glauben, dass wir in einem Patriarchat leben, dass in Deutschland Frauen unterdrückt werden würden und dass Geschlecht nur ein soziales Konstrukt wäre. Glaube ist hier wirklich das richtige Wort.

Zudem ist der Feminismus mit

  • seiner Unterwanderung des Rechtsstaates
    (#metoo, #teamginalisa, #matressgirl)
  • den Angriffen auf die Kunstfreiheit
    (#gamergate, das Gomringer-Gedicht, das Hylas-Bild und Pinkstinks.de)
  • dem Angriff auf demokratische Prinzipien
    (Geschlechterquote in Aufsichtsräten als Wahlmanipulation, die Urwahl der Partei Die Grünen, die jetzige Forderung nach Gesetzen zur Wahlmanipulation im Bundestag)
  • dem Kampf gegen Gleichberechtigung
    (Quotenregelungen, Bundes- / Landesgleichstellungsgesetze)
  • dem Angriff auf die Menschenwürde und damit einhergehend die  gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
    (#aufschrei, #metoo, den Konzepten von toxischer Maskulinität, menspreading, Patriarchat…)
  • dem Kampf gegen das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit
    (Grid Girls, Models, Geschlechterrollen, Familienmodelle)
  • dem Angriff auf Freiheit von Wissenschaft und Lehre
    (Gender Studies)

wohl kaum als liberal oder gar fortschrittlich anzusehen.

Dass der Frauenanteil in der eigenen Partei trotz aller Erneuerungsrhetorik seit vielen Jahren auf niedrigem Niveau stagniert, merken sie auch.

„Erneuern“ heißt nicht zwangsläufig „mehr Frauen“. Das ist eine Möglichkeit wie man etwas erneuern kann, aber halt auch nur eine von vielen. Und was heißt hier „trotz“ vielleicht „gerade wegen“.

Thomas Sattelberger, ehemals Telekom-Personalvorstand, heute FDP-Bundestagsabgeordneter und einer von zwei Männern in der neuen Frauen-Kommission seiner Partei sagt, es sei Zeit für die FDP, sich von Dogmen zu verabschieden.

Eine merkwürdige Wortwahl ist doch „Mehr Frauen in Spitzenpositionen nötigenfalls mit Quote“ auch ein Dogma. Damit wir uns nicht falsch verstehen „Jeder nach seiner Fasson ohne Diskriminierung“ ist auch ein Dogma. Die Frage ist nur: Welches davon ist liberaler? (Tipp für Feministen: Letzteres)

Wer bei Diskussionen über die Arbeit der Zukunft ernst genommen werden wolle, brauche nicht nur i-Pads und Twitter-Accounts sondern Ideen für Arbeitszeitmodelle und Beförderungsmechanismen, die Männern und Frauen nützen.

Bis zum zweiten Komma hätte ich es unterschrieben, aber dann… Es soll nicht Männern und Frauen nützen, sondern denen die wollen und können – oder besser: es sollte.

Und die sollten auch innerhalb der eigenen Organisation angewendet werden.

Wenn es dem Prinzip der Bestenauslese hilft: jop.

Das kann funktionieren, wenn die Liberalen drei Fehler vermeiden:
Erstens wäre zu klären, warum eigentlich mehr Frauen mitmachen und sich idealerweise auch aufstellen lassen sollten.

Das ist eine sehr wichtige Sache zu klären. Warum sollte das Geschlecht und nicht Inhalt und Befähigung wichtig sein?

Bei Wahlen wird eine weibliche Spitze schließlich nicht unbedingt honoriert. Dass Frauen vorzugsweise andere Frauen wählen, ist eine verbreitete Fehlannahme. Tatsächlich hatte, beispielsweise, Ex-Kanzler Gerhard Schröder im Wahljahr 2005 mehr weibliche Anhänger als seine damalige Konkurrentin Angela Merkel. Frauen machen ihre Stimmabgabe nicht häufiger vom Geschlecht der Kandidaten abhängig als Männer, warum sollten Sie auch?

Auch eine sehr berechtigte Frage. Die meisten Frauen (wie auch die meisten Männer) sind ja auch keine Sexisten und interessieren sich für Inhalte, Können und Haltungen und eher weniger bis gar nicht für das Geschlecht.

Es gäbe andere Gründe für Änderungen, zum Beispiel, dass immer häufiger Frauen Feminismus vor allem als Freiheitsversprechen verstehen.

Das ist leider wahr und zeugt von einer flächendeckenden Fehlinformierung im Bezug auf den Feminismus. Der Feminismus ist dogmatisch und totalitär, vor allem weil seine Grundannahmen (Unterdrückung der Frau, Patriarchat, die reine soziale Konstruktion des Geschlechtes) vollkommen ohne Realitätsbezug sind.

Wer, wenn nicht eine liberale Partei, sollte sich dafür interessieren? Dass jeder und jede Einzelne aus seinen und ihren Anlagen das Mögliche machen kann, unabhängig von Herkunft und Rollenerwartungen, sollte eigentlich ein FDP-Thema sein.

Weshalb man dann über Frauen/Männer reden sollte und Frauen gezielt fördern / deren Anteil erhöhen sollte ist mir schleierhaft. Es geht doch um individuelle („jeder und jede“) Entfaltung nicht um Kollektive (Frauen bzw. Männer).

Zweitens sollten die Liberalen sich vor gängigen Ausreden hüten, wonach Parteipolitik nun einmal am Abend und am Wochenende stattfinde und daher für berufstätige Frauen mit Familie besonders unattraktiv sei. Das Problem haben alle Parteien, aber keine andere sieht dabei so schlecht aus wie die FDP.

Nun, erstens wäre die Frage: Findet sie primär am Abend / Wochenende statt? und daraus folgend: Wenn ja, warum? Könnte es was mit Arbeitszeiten zu tun haben?

Und zweitens: Auch wenn die FDP schlechter (wenn man das überhaupt so nenen kann) dabei abschneidet als andere Parteien, wäre das nicht trotzdem eine Stellschraube an der man drehen könnte?

CDU und CSU haben schließlich noch ein Spezialproblem, mit dem FDP-Chef Christian Lindner sich nicht herumärgern muss: Weil so viele Unionsabgeordnete in ihren Wahlkreisen vorn liegen und als direkt gewählte Parlamentarier in den Bundestag gelangen, können ihre Parteichefs von CDU und CSU über die Kandidatenlisten kaum Einfluss auf den Frauenanteil der Unionsfraktion nehmen. Dieses Problem haben die Liberalen nicht.

Das hier, war übrigens der eigentliche Grund, warum ich diesen Leserbrief hier schreibe. Die CDU/CSU hat als „das Problem“, dass sie so viele direkt gewählte Parlamentarier haben und damit keinen Einfluss auf den Frauenanteil. CDU/CSU hat also „das Problem“, dass das Volk viele Direktmandate gewählt hat, sie hat „das Problem“ Demokratie. Ich fasse es einfach nicht. Wie kann man eine demokratische Wahl als „das Problem“ bezeichnen?

Viel mehr hat die FDP das Problem, dass Demokratiefeinde ihnen jetzt nahelegen, dass Menschenrecht auf Gleichberechtigung auszuhebeln und antidemokratisch zu handeln, in dem sie basierend auf belanglosen Geburtsmerkmalen ihre Liste schreiben.

Drittens könnte die FDP beim Frauenthema weiterkommen, wenn es gelänge, einen eklatanten Widerspruch in der eigenen Argumentation zu überwinden. Frauenquoten gelten vielen FDP-Politikern als leistungsfeindlich. Gerade viele Frauen in der FDP betonen gern, dass sie den Aufstieg nicht wegen ihres Geschlechts geschafft haben. Oft sind es die gleichen Politikerinnen, die es ganz selbstverständlich finden, dass bei der Postenvergabe ein Ausgleich zwischen Nord und Süd, Ost und West, Jungen und Alten gefunden werden muss. Welchem Politiker wird schon vorgeworfen, dass er einen Job nur bekam, weil er aus Baden-Württembergs oder Nordrhein-Westfalen stammt? Regionalproporz bestimmt viele politische Entscheidungen, nur müssen die Nutznießer sich selten dafür rechtfertigen.

Das ist kein Widerspruch. Ein Mensch, der aus einer bestimmten Region kommt, kennt sich mit dieser oft besser aus bzw. hat dort Kontakte. Das ist für Volksvertreter sehr wichtig um entsprechende Politik zu machen. Vor allem, da wir ja nicht ohne Grund aus den einzelnen Wahlkreisen Vertreter wählen. Es kann eine Qualifikation sein. Wir haben in unserem Grundgesetz (und den Menschenrechten) aber das Gebot der Gleichberechtigung. Damit ist das Geschlecht für die Politik und die Gesetzgebung eigentlich unerheblich und stellt daher auch keine potentielle Qualifikation dar.

Die in der FDP verbreitete Haltung, Frauenquoten seien leistungsfeindlich, stellt alle Geförderten unter Generalverdacht.

Zu Recht. Die Frage wird immer (außer bei den Entscheidungsträgern) mitschwingen: Bist Du hier, weil du besser warst oder weil die Quote es so wollte?

Dabei hält sich niemand nur wegen seines Geschlechts auf Dauer in einem Amt, dem er nicht gewachsen ist.

Das ist richtig, aber „dem Amt gewachsen sein“ und „die beste Person für das Amt sein“ sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Ersteres ist die Minimalanforderung, letzteres die Elite.

Quoten sind Türöffner, mehr nicht.

Naja, sie sind auch antiliberal (um nicht zu sagen totalitär), verstoßen gegen das Menschenrecht auf Gleichberechtigung und das Diskriminierungsverbot und gegen das Grundgesetz Artikel 3 (Gleichberechtigung; außer Art.3 Absatz 3 Satz 2) und Artikel 33 Absatz 2 (Bestenauslese). Aber ansonsten, sind sie nur Türöffner – für Leute, die nicht am Besten geeignet sind.

Einen Vorteil habende Liberalen: Sie können von Erfolgsgeschichten anderer Parteien lernen.

Welche Erfolge? Welche Parteien? CDU/CSU und SPD haben bei den letzten Bundestagswahlen massiv eingebüst. Linke und Grüne konnten zwar leicht zugewinnen, sind aber beide hinter FDP und AfD, die beide 2013 an der 5% – Hürde scheiterten, zurückgeblieben.

Könnte es daher vielleicht sein, dass diese Geschlechtersache für das Volk, dem Souverän dieses Staates, vielleicht  – nur vielleicht – vollkommen irrelevant ist? Wie Sie selbst schrieben: „Dass Frauen vorzugsweise andere Frauen wählen, ist eine verbreitete Fehlannahme. […] Frauen machen ihre Stimmabgabe nicht häufiger vom Geschlecht der Kandidaten abhängig als Männer, warum sollten Sie auch?“

Warum sollte eine liberale Partei also liberale Prinzipien über den Haufen werfen um ein Ziel zu erhalten, dass weder vom Volk als Ganzes, noch von Frauen im speziellen gewünscht ist?

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Kakophonie des femistischen Schalls

Bezugnehmend auf den Text von Simone Schmollack in „der Freitag“

(Archiv )

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/opa-erzaehlt-vom-krieg

 

Lieber Jens Jessen,

nachdem Sie so viel Feuer gekriegt haben in der vergangenen Woche für Ihren Text in Ihrem Blatt, der Zeit, nein besser für Ihre Wutschrift zu #metoo, möchte ich Ihnen Danke sagen. Danke für Ihre Ehrlichkeit. So viel Offenheit und so viel Frust sprechen selten aus Texten aufgeklärter, liberaler, an der Demokratie festhaltender Menschen. Insbesondere wenn es um Tretminen geht wie Feminismus, Frauen, sexualisierte Gewalt. Aus Angst vor einem Shitstorm, halten sich die meisten Gegnerinnen und Gegner der #metoo-Bewegung und des Feminismus – außer vielleicht jene aus dem rechtspopulisitschem Spektrum – mit Äußerungen, wie Sie sie gewagt haben, vornehm zurück.

Das spricht nicht gerade für die #metoo Bewegung und Feministen, wenn sie auf Kritik und ablehnenden Gefühlsäußerungen direkt mit einem Shitstorm antworten oder? Der Ruf besagter Leute muss echt schlecht sein, wenn aufgeklärte, liberale und demokratische (!) Menschen lieber nicht ihre Meinung sagen. Gehört die Meinungspluralität doch zu den Eckpfeilern der Demokratie. Wenn es nicht sogar die tragende Säule der Demokratie ist.

An dieser Stelle würde ich den Anhängern der #metoo Bewegung und des Feminismus raten, sich mal ernsthaft Gedanken über ihr Verhalten zu machen.

Danken will ich Ihnen auch für die Klarheit, mit der Sie Ihr Männer- und Frauenbild erläuterten. Ebenso dafür, dass Sie mit uns Ihr Wissen zu Feminismus und feministischer Rhetorik teilen.

Ich muss gestehen, dass ich den hinter-Paywall-Text nicht gelesen habe, aber ihr Text ist ohne dieses Vorwissen auch beantwortbar.

Frauenabwertung allerorten

Ihr wütendes Manifest ist ein Beleg dafür, wie festgefahren das bürgerliche Milieu, dem ich Sie zurechnen würde, mittlerweile ist, wie beharrungskonsistent und beratungsresistent es sich angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen zeigt.

Möglicherweise, weil diese gesellschaftlichen Entwicklungen nicht gewünscht sind? Nehmen wir mal die #metoo Bewegung als Beispiel. Ich bin weder der Erste noch der Letzte, der anmerkt, dass sich die #metoo Bewegung einen Scheiß um den Rechtsstaat schert. Weder die Unschuldsvermutung noch das Recht auf ein faires Verfahren nach den Gesetzen die in dem betreffenden Land gelten, sind für diese Bewegung interessant. Nur so nebenbei: Das sind Menschenrechte (Artikel 8, 10, 11 ).
Und ich denke, dass sind sehr gute Menschenrechte. Menschenrechte, die geschaffen wurden, um Lynchjustiz und Mobmentalität (so etwas wie die #metoo Bewegung) zu verhindern.

Das verwirrt mich, denn sind es nicht aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger, die die Welt jeden Tag ein bisschen besser machen wollen?

Aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger nehmen an einer menschenrechtsverletzenden Bewegung wie #MeToo nicht teil. Wir sind darüber aufgeklärt, dass s.g. Hexenjagten eher suboptimal sind.

Ihre Streitschrift zeigt auch, wie ängstlich manche Männer offenbar gegenüber Frauen sind. Nicht Frauen grundsätzlich, aber doch jenen gegenüber, die laut und selbstbewusst erzählen, was ihnen – mit Männern – passiert ist und sich jetzt öffentlich dagegen wehren, statt wie bislang leise darunter zu leiden.

Oh, natürlich, es sind nur Frauen die selbstbewusst, ganz harmlos, erzählen was ihnen passiert ist. Hat natürlich keine Konsequenzen für die Männer. Es besteht natürlich nicht die Möglichkeit, dass diese selbstbewussten Frauen lügen könnten, oder Sachen übertrieben darstellen könnten. Und natürlich ist es auch ein richtig gutes „sich wehren“ wenn man Anschuldigungen einfach mal rumposaunt, anstelle das entweder in der Situation zu machen oder über den Rechtsweg. Tut mir leid das sagen zu müssen, aber wer zu feige für das „Sich-Wehren“ in der Situation oder über den Rechtsweg ist, der ist nicht selbstbewusst.

Mir zeigt Ihr Text, wie stark Misogynie hierzulande offensichtlich noch ausgeprägt ist – und das offenbar über Parteigrenzen und sämtliche soziale Milieus hinweg. Und wie nötig der Aufklärungsbedarf ist darüber, was #metoo, Frauen und der Feminismus wollen.

Eigentlich kann der Text bestenfalls (oder schlimmstenfalls) zeigen, wie stark Misogynie bei Herrn Jessen ausgeprägt ist. Ich bin jedoch sehr gespannt, was SIE sagen, was #metoo, Frauen und der Feminismus wollen. Gerade bei „Frauen“ bin ich gespannt, denn meiner Erfahrung nach mit den Frauen in meinem Leben, wollen die alle unterschiedliche Sachen.

Welche Rolle Männer dabei spielen, erleben Sie augenscheinlich auf eine spezielle Weise. Männer gehören dem „falschen Geschlecht“ an, schreiben Sie: „Heute ist alles, was Männer tun, sagen, fühlen oder denken, falsch.“ Sie sehen sich einer „offen zur Schau getragenen Feindseligkeit“ ausgesetzt, einer, bei der „es keine schuldlosen Männer“ mehr gebe: „Jeder Mann ein potenzieller Vergewaltiger.“ „Böse können nur Männer sein.“

Ich finde die Feminist*_InnenX immer witzig, die sagen, dass Männer auch mal ihre Gefühle äußern sollen und über ihre Gefühle reden sollen. Hier beschreibt also ein Mann eine gefühlte, tief verwurzelte Männerfeindlichkeit (Misandire) in der Gesellschaft. Und Sie Frau Schmollak haben nichts weiter zu tun, als kurz vorher Herrn Jessen Frauenfeindlichkeit vorzuwerfen. Aber offensichtlich will er einfach nur gemocht werden – von Frauen. Er möchte von Frauen nicht als potenzieller Vergewaltiger, als böser Mensch oder als falsch wahrgenommen werden. Jap, sehr frauenfeindlich.

Ich musste mir die Augen reiben angesichts solcher Empfindungen. Ist das wirklich ein Text vom April 2018? Und nicht vielleicht einer aus den frühen Achtzigern?

Da sind wir schon zwei, die sich die Augen reiben mussten. Allein aus den von Ihnen zitierten Sachen und ihrem Kommentar dazu, musste ich mich ernsthaft fragen, wie man derart empathielos sein kann.

Also einer von der Sorte „Schwanz-ab-Schwarzer“ und „Männer-Albtraum“. Solche Zuschreibungen musste die feministische Ikone Alice Schwarzer jahrzehntelang ertragen, weil sie sich für Frauenrechte einsetzte.

Ich weiß, dass das jetzt viele irritieren wird, aber „sich für Frauenrechte einsetzen“ ist nicht zwangsläufig etwas Gutes. Man könnte zum Beispiel für das Recht kämpfen, anderen Menschen einfach so den Kopf abschneiden zu dürfen. Exklusiv für Frauen. Dann wäre das auch ein „Frauenrecht“. Aber mit Sicherheit kein Gutes.
Und Alice Schwarzer hat auch nicht nur nette Sachen von sich gegeben und gefordert. Einfach so zu tun als wäre sie ein Unschuldslamm ist… unredlich.
Zudem sagt das nichts darüber aus, ob die Aussagen des Herrn Jessen dennoch eine akkurate Beschreibung der aktuellen Realität sind. Schon bemerkenswert. Herr Jessen beklagt die Dämonisierung von Menschen, weil diese geboren wurden, wie sie geboren wurden und sie sagen „ABER ALICE SCHWARZER….“

Wohlgemerkt in einer Zeit, in der Frauen und Männer im Kampf um Gleichstellung noch sehr weit voneinander entfernt waren – im Gegensatz zu heute, wo es weitgehend gesellschaftlicher Konsens ist, dass alle Menschen die gleichen Rechte, Chancen und Pflichten haben sollten.

Das mit den gleichen Rechten, Chancen und Pflichten ist aber nur Konsens in nicht-feministischen Kreisen. Feministen haben mit alledem ein extremes Problem. So haben sie zum Beispiel erfolgreich die Gleichberechtigung (gleiche Rechte) zum Wohle der Gleichstellung (gleiche Ergebnisse) im Bereich der Aufsichtsräte (Geschlechterquote) untergraben. Oder wenn es um die Bundes- und Landesgleichstellungsgesetze geht. Auch diese stehen in direktem Widerspruch zu dem Menschenrecht auf Gleichberechtigung. Denn darin steht, dass „Frauen bevorzugt“ behandelt werden müssen. Dies ist naturgemäß gleichfalls beides ein Angriff auf die Chancengleichheit. Und wenn ich mir die Pflichten ansehe, braucht man nicht weiter gucken als zum Thema GPG. Habe ich bei Feministinnen eher den Eindruck, dass sie wollen, dass Frauen keine Pflichten haben.

So viel zumindest hat der Feminismus – oder der „feministische Volkssturm“, wie Sie im Nazi-Jargon formulieren – schon erreicht.

Nein, das hat sich als Gegenbewegung zum Feminismus etabliert. Aber schön mal wieder nebenbei die Opposition in die rechte / Nazi- Ecke gestellt. Kommt ein feministischer Artikel der sich mit der Kritik am Feminismus beschäftigt auch mal ohne sowas aus? Könnt ihr Feministen nicht mal einmal die Argumente / Aussagen des Verfassers auseinandernehmen ohne IHN anzugreifen. Das ist keine gesunde Debattenkultur. Aber wenn Sie es so haben wollen… Der einzige Grund, warum Feministen nicht moralisch auf einer Ebene mit Nazis und Islamisten stehen ist, dass diese im Gegensatz zu Feministen wissen was sie da machen. Feministen sind schlicht zu und dumm.

Von einer annähernden Gleichberechtigung von Frauen und Männern indes sind wir noch weit entfernt.

Stimmt. Noch immer steht im Grundgesetz, dass der Staat Männer zu einem Dienst zwingen kann, Frauen aber nicht (Art. 12a). Noch immer steht im Grundgesetz, dass Mütter (nicht Väter oder gar Eltern) Anspruch auf Schutz und Fürsorge der Gesellschaft haben (Art. 6(4)), noch immer ist das Recht auf Körperliche Unversehrtheit, Religionsfreiheit und sexuelle Selbstbestimmung von Jungs nicht geschützt (§1631d BGB) im Gegensatz zu dem von Mädchen (§226a StGB). Noch immer gibt es Gesetze wie das Bundesgleichstellungsgesetz oder die Landesgleichstellungsgesetze, die gegen das Menschenrecht der Gleichberechtigung auf infame Weise verstoßen. Dazu muss man natürlich wissen, dass Gleichberechtigung kein Kollektivrecht, sondern ein Individualrecht ist.

Aber dazu komme ich später. Ich möchte noch ein wenig bei der Abwertung von Frauen bleiben, die – trotz aller Fortschritte und Gesetze, die in den vergangenen Jahren verabschiedet wurden – so tief verwurzelt ist, dass sie selbst bis weit in linke Kreise hineinreicht.

Feministen (die sich ja als „links“ bezeichnen) sind da ganz groß drin. Sie behandeln Frauen, als ob sie zu doof wären eigene Entscheidungen für ihr Leben treffen zu können. Man muss sich vorstellen, dass diese angeblichen „für-Frauen-Kämpfer“ ständig ein großes Fass aufmachen, weil sie mit den Entscheidungen nicht zufrieden sind, die Frauen treffen. Ich spreche natürlich vom Gender Pay Gap. Ich meine, da gibt es wirklich Feministen die glauben, dass wir in unserer kapitalistischen Gesellschaft – wo Geld eine der wichtigsten Ressourcen ist – Frauen beibringen, in schlechter bezahlte soziale Berufe zu gehen. Und das Frauen das auch nicht verstehen und da einfach mitlaufen… Oder bei #metoo, wo so getan wird, als ob Frauen nicht kalkuliert Sex aber auch Lügen einsetzen könnten, um Vorteile zu erhalten.

Abgesehen von den wenigen Sexisten, die es gibt, sind Feministen die einzigen, die Frauen konstant abwerten.

Unabhängig davon, dass der Feminismus so ziemlich die frauenverachtendste Bewegung ist, die die Menschheit je gesehen hat, finde ich es bemerkenswert, wie selbstverständlich es für Sie ist, dass Sie eine Einstellungsänderung erwarten, nur weil es Gesetze gibt. Ich hoffe Ihnen ist klar, dass in der BRD das Volk das Souverän ist und der Staat es nicht zu erziehen hat? Demokratie und so…

Das empfinde ich als besonders tragisch, weil sich Linke ob ihrer politischen Gesinnung für besonders aufgeklärt und sozial gerecht halten und dem Gleichstellungsgedanken verpflichtet fühlen.

Das ist nicht korrekt. Links-Autoritäre fühlen sich dem Gleichstellungsgedanken verpflichtet. Links-Libertäre dem Menschenrecht der Gleichberechtigung.

Sehen Sie, die Sache ist so: jeder Mensch ist ein Individuum. Ein Individuum, dass auf Grund seiner Erfahrungen, Wünsche, Talente, Eigenschaften und Ziele Entscheidungen trifft. Diese Entscheidungen ähneln sich oft mit denen anderer Menschen, aber es gibt keine zwei Menschen weltweit, die immer die gleichen Entscheidungen treffen. Deshalb müssen für alle die Spielregeln, die Rechte, gleich sein. Bei offenem Ergebnis. So die Links-Libertären (genau genommen alle Libertären).

Es kann also dazu kommen, dass man, wenn man Menschenkollektive mit einem willkürlich gewählten Merkmal (egal ob Brillenträger/nicht Brillenträger oder arm/reich oder Mann/Frau oder Schwarz/Weiß oder Jude/Arier oder Libertär/Autoritär oder…) miteinander vergleicht, man unterschiedliche Ergebnisse bekommt. Diese unterschiedlichen Ergebnisse sind kein Beweis für ungleiche Rechte/Chancen/Pflichten (wobei das mit den Chancen bei arm/reich theoretisch ja aber praktisch nicht stimmt). Sie können ein Indiz dafür sein aber genauso auch ein Indiz für das Gegenteil.

Gerade was Männer und Frauen angeht ist die Evidenz überwältigend, dass sie – auch auf Grund biologischer Unterschiede – tendenziell unterschiedliche Entscheidungen in ihrem Leben treffen, die natürlich zwangsläufig zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Ich weiß, wovon ich rede, ich arbeite mein Leben lang in linken und linksliberalen Zeitungen und Strukturen.

Spricht nicht gerade für Ihr soziales Umfeld, wenn Sie mich fragen. Vielleicht kommen Sie zu uns Libertären. Wir sind nicht so assi.

Antifeministische Züge und die Geringschätzung gegenüber Frauen äußern sich dort nicht auf so plumpe Art und Weise, wie es Frauen über Männer bei #metoo berichten. Auch nicht in 50er-Jahre-Sätzen wie „Eine Frau kann das nicht“. Ebenso wenig würden linke Männer heute eine Frau mit sexistischen Sprüchen belegen oder sie sexuell belästigen. Weibliche Abwertung geht hier subtiler vonstatten.

Oha, Selbsterkenntnis?

Da wird gern mal süffisant gelächelt, vor allem wenn Frauen etwas Feministisches in die Runde werfen oder Diskriminierung beklagen.

Wenn sie etwas Feministisches sagen ist das nicht zwangsläufig etwas was mit Frauen zu tun hat. Oder sind jetzt Schwule, Transpersonen, bisexelle Männer usw. nicht mehr so wichtig für die feministische Bewegung? Naja, man zückt sein Schutzschild halt nur wenn man es braucht, ansonsten lässt man es in der Ecke liegen (#notyourshield). Zudem ist „etwas Feministisches“ im Regelfall auch nichts, was logisch oder realitätsnah wäre.

Auch beklagte Diskriminierungen müssen nicht zwangsläufig tatsächliche sein. Nur weil eine Frau einen Job nicht bekommen hat, muss das nicht daran liegen, dass sie eine Frau ist. Es kann auch daran liegen, dass sie schlechter war.

Frauen erleben, dass sie nachgeäfft und ihre Argumente abgetan werden als politisch nicht vollständig durchdrungen.

Frauen TEH EM erleben das. Genau. Wie haben sie nochmal auf die Äußerungen von Herrn Jessen reagiert? Prüfen Sie Ihre Reaktion mal anhand Ihres Maßstabes.

Um Frauen nicht gleich „abzubürsten“, fallen schon mal Sätze wie: „Super Idee, aber die vom Kollegen X finde ich noch besser.“

Ich musste mir die Augen reiben angesichts solcher Empfindungen. Ist das wirklich ein Text vom April 2018? Gibt es immer noch Menschen, die eine schlimmstenfalls höfliche Floskel bestenfalls ein Lob gegenüber einer Person, die eine Frau ist, als Geringschätzung von Frauen begreifen?

Frauen werden oft aus informellen Runden ausgeschlossen, es werden in erster Linie Männer als Experten empfohlen.

Ist es bei diesen informellen Runden verboten, dass Frauen dabei sind? Wird ihnen gesagt, wenn sie teilnehmen wollen, dass man sie lieber nicht dabeihaben will?

Sind diese Männer vielleicht Experten? Haben diese Männer mehr Ahnung und/oder können ihr Wissen besser rüberbringen? Sehen Sie: Das meine ich mit „nicht jede angenommene Diskriminierung ist auch eine tatsächliche“.

Kritisieren Frauen das, heißt es rasch: keine kompetente Frau gefunden.

Und? War es so? Ernsthaft jetzt. Sie haben möglicherweise von dem Bestätigungsfehler oder Confirmation-Bias gehört. Ein Problem das nahezu alle Menschen betrifft. Man nimmt Daten und Fakten zu einer Vorannahme leichter auf und betrachtet diese weniger kritisch als welche, die der eigenen Vorannahme zu wider laufen. Oft werden diese Daten und Fakten auch so hingebogen, dass sie zur Vorannahme passen. Feministen haben meist als Vorannahme, dass Frauen unterdrückt sind/gegen Frauen nahezu überall diskriminiert wird. Dementsprechend würde es mich nicht wundern, wenn tatsächlich keine kompetente(re) Frau gefunden wurde und sie diese Tatsache(nbehauptung) in ihr Narrativ der unterdrückten Frau gezwängt haben.

In Sitzungen sprechen vor allem Männer, und das so lange, bis keine Frau mehr Lust hat, auch etwas zu sagen.

Sehr schlimm. Man kann natürlich nicht sagen, dass man auch noch gerne was sagen würde und sich der Sprecher bitte etwas kürzer fassen soll. Es ist natürlich eine Geringschätzung von Frauen, dass die Männer keine Gedanken lesen können und in der Sitzung sich auf das Gesagte konzentrieren und nicht auf das Gefühlsleben einer Person die eigentlich professionell genug sein sollte, sich mit Worten artikulieren zu können. Und nein, dass hier war keine Geringschätzung von Frauen, sondern von dem Individuum Simone Schmollack, das zufällig eine Frau ist.

Bekommen Frauen Kinder, werden sie – zack, zack – in die Ecke gestellt: als Mutter nicht mehr zu gebrauchen.

Aha. Das habe ich noch nie erlebt und ist auch das erste Mal, dass ich das gehört oder gelesen habe.

Geht es um sexualisierte Gewalt, die linke Männer selbstredend verabscheuen, wird dennoch die Täter-Opfer-Zuschreibung häufig umgedreht: Frauen wehren sich einfach nicht gut genug.

Schon schlimm, dass „linke Männer“ Frauen als Subjekte sehen und nicht als reine Objekte. Schon schlimm, dass „linke Männer“ die Selbstwirksamkeit von Frauen herausstellen und sie darin unterstützen wollen Handlungsfähig zu bleiben. Diese Geringschätzung von Frauen als Nicht-Objekt ist wirklich schlimm. Sehen Sie was ich meinte mit „Der Feminismus ist die frauenverachtendste Bewegung die die Menschheit je gesehen hat“?

Außerdem negiert die Handlungsfähigkeit von weiblichen Opfern nicht die Handlung von männlichen Tätern. Das man sowas einfaches noch erklären muss…

Patriarchat als Matrix

In einem Verlag, der sich als links und feministisch empfand und in dem ich mal gearbeitet habe, wurden Frauen grundsätzlich als „Tante“ bezeichnet. Kolleginnen, die sich das verbeten haben, hatten schnell den Ruf der „unbefriedigten Zicke“ weg. Das sagte natürlich niemand laut, aber das wussten alle.

Niemand hat gesagt, dass diese Kollegin eine „unbefriedigte Zicke“ war und trotzdem wussten alle das? Klingt nicht gerade logisch.

Linke Männer machen das sicher nicht bewusst. Sie merken schlicht nicht, wie sie agieren. Weil sie glauben, aufgrund ihrer politischen Bildung und Überzeugung längst feministisch zu arbeiten und zu leben – zumal mit erwerbstätigen Partnerinnen, mit denen sie sich Kinderbetreuung und Hausarbeit teilen. Verdeckte Frauenabwertung ist das generische Maskulinum der Linken.

Schon geil. Also rechte Männer sind ja feminismuskritisch und damit anti-Frau. Und linke Männer, die davon überzeugt sind feministisch zu sein, sind sich schlicht nicht bewusst, dass sie Frauen geringschätzen. Wie war das nochmal mit der Aussage von Herrn Jessen? „Heute ist alles, was Männer tun, sagen, fühlen oder denken, falsch.“ Danke für die Bestätigung seines Punktes.

Den Satz der feministischen Bloggerin Anne Wizorek „Das Patriarchat umgibt uns förmlich wie die Matrix aus dem gleichnamigen Film“ mögen Sie, lieber Herr Jessen, als zu mächtig empfinden, als Ideologie, die „Männer als Besitzer der Macht“ beschreibt. Zugegeben, der Satz hat Wucht.

In erster Linie ist der Satz vollkommener Quatsch. Wir leben in keinem Patriarchat.

Dazu ein paar Fakten, jenseits von #metoo, aus der täglichen Welt von Frauen:

Frauen verdienen in Deutschland bis zu 21 Prozent weniger als Männer,

Ich könnte jetzt lang und breit erklären, warum der GPG Schwachsinn ist, ich könnte mich kurzfassen (Stichwort: Verdienen) oder ich könnte eine genauso fehlerhafte Aussage treffen:

Laut destatis (https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2017/01/PD17_024_133pdf.pdf?__blob=publicationFile)

arbeiten Männer im Schnitt 39,7h / Woche und Frauen 30,9h / Woche. Frauen arbeiten demnach 22,2% weniger als Männer. Bekommen unfairerweise aber nur 21 % weniger und nicht 22,2% wie es sein müsste.

 sie leisten den größten Teil der Sorge- und Pflegearbeit.

Und? Wir legen also unsere Zukunft (Kinder) in die Hände von Frauen.

Sie haben noch lange nicht so viel zu sagen wie Männer, obwohl das Bündnisse und Vereine wie FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte), Pro Quote, Pro Quote Film, Pro Quote Medizin und, und, und das seit Ewigkeiten fordern.

Tja, liebe individuelle Frauen, erhört doch endlich mal die Forderungen der ganzen Bündnisse und Vereine und sagt etwas. Ach ihr wollt nicht? Ihr habt da kein Interesse dran? Ihr wollt keine 70 Stunden Woche? Ihr wollt nicht die ganzen Mühen um in die absolute Spitze zu kommen? Ihr wollt keine Filme drehen und die Kardiologie ist nichts für euch? Aber die Feministen wollen das so und deshalb habt ihr euch denen zu fügen. Ihr dürft keine eigenen Wünsche und Vorstellungen haben. Gehorcht dem Feminismus. SOFORT. Denn der Feminismus umgibt euch, aber nicht wie die Matrix, sondern wie eine eiserne Jungfrau.

Im Bundestag sind mit knapp 31 Prozent so wenig Frauen vertreten wie zum letzten Mal 1998.

Scheiß Demokratie aber auch. Und das bei ~51% weiblicher Wähler.

90 Prozent der Alleinerziehenden sind Mütter,

Hier möchte ich keinen bissigen Kommentar abgeben, sondern einfach nur das Wechselmodell empfehlen.

die Zahl der Frauen, die von ihrer Rente nicht leben können, steigt stetig.

Wenn sie doch nur 8,8h pro Woche mehr gearbeitet hätten…

Bemerkenswert finde ich ja auch, dass Sie später beginnen werden aufzuzählen, wie viel der Feminismus schon alles erreicht hat und wieviele Fortschritte er gemacht hat und das ein gesellschaftlich Wandel eingesetzt ist und… hier sagen sie, dass das doch nicht so geil ist. Läuft.

Ich möchte das an dieser Stelle gar nicht weiter ausführen, all das können Sie in Ihrem eigenen Blatt nachlesen, das schreiben Ihre Kolleginnen und Kollegen immer wieder auf, mit hart recherchierten Zahlen und Fakten.

Und drölfmalsooft kann man in der Kommentarspalte darunter einer Pulverisierung der „hart recherchierten Zahlen und Fakten“ lesen.

Sie wissen also um die Misere, Herr Jessen.

An diesem kurzen Satz ist so viel falsch….

1.: Nur weil in seinem „eigenen Blatt“ etwas steht heißt es nicht, dass er es gelesen haben muss.

2.: Welche Misere?

3.: Nehmen wir an, alle die Beispiele die sie genannt haben, wären so korrekt. Es hätte absolut keinen Einfluss darauf, dass Männer auch Probleme haben. Und es wäre absolut bedeutungslos gegenüber der Art wie sie (#metoo und Feminismus) versuchen diese Probleme zu lösen – und genau dieser Art galt die Kritik von Herrn Jessen.

Und trotzdem meinen Sie, dass es „heute nicht um die Gleichberechtigung der Frauen, sondern um den ideologischen Triumph des totalitären Feminismus“ geht.

Sie selbst schreiben ja auch nicht von der Gleichberechtigung, sondern von der Gleichstellung. Gleichberechtigung ist eine liberale Politik und Gleichstellung eine totalitäre. Und in diesem Kampf Freiheit vs. Unterdrückung liegt uns natürlich daran, den totalitären Feminismus nicht siegen zu lassen, so wie es Ihnen darum geht zu triumphieren.

Ich finde es sehr bemerkenswert, wie Sie es schaffen Herrn Jessens Text laufend zu belegen, während Sie sich gleichzeitig den Anschein geben, dagegen zu argumentieren. Respekt.

Wenn das, was Frauen heute wollen – tatsächlich gleichberechtigt sein, auf allen Ebenen, in allen Phasen und in allen Bereichen ihres Lebens –, „totalitärer Feminismus“ ist, dann bitte mehr davon. Her mit dem Triumph, her mit dem „Hass hinter einem Hashtag“.

Nun, das ist ja nicht der totalitäre Feminismus. Der Gleichstellungsfeminismus, der mit den Quoten, der, der einen feuchten Fick darauf gibt, „was Frauen wollen“, das ist der totalitäre Feminismus. Sie wissen schon, der mit den Shitstorms nachdem man eine abweichende Meinung geäußert hat.

Übrigens wie anmaßend und arrogant ist es eigentlich von Ihnen, dass Sie zu wissen glauben, was Frauen wollen? Wer gibt Ihnen / dem Feminismus die Autorität, im Namen der Frauen zu sprechen? Wurden sie gewählt? Gab es ein Gremium, dass Sie berufen hat? Gab es wenigstens eine Umfrage?

Aber ich kann Sie beruhigen, lieber Jens Jessen, es wird weder einen Frauenaufstand geben noch den von ihnen herbeigeschriebenen und befürchteten Hass.

Entschuldigung? Ist ihnen entgangen, dass mehrere Menschen bereits durch die #metoo Bewegung in den Tod gebullied wurden? Ist Ihnen entgangen, dass es regelmäßig feministische Shitstorms gibt? Das ist absolut nicht „herbeigeschrieben“ von Herrn Jessen.

Aber ich stimme Ihnen zu. Es wird keinen Frauenaufstand geben – außer gegen den Feminismus. Denn außer diesem gibt es für Frauen als Gruppe nichts zu beklagen.

Nicht weil Frauen keinen Aufstand könnten oder die besseren Menschen wären – Frauen können hassen, oh ja, sehr tief sogar. Aber Feministinnen und Feministen haben es nicht nötig, so tief in die Grabenkiste zu greifen, wie Sie das getan haben.

Nein, alle Argumente die Feministen haben sind absolut wasserdicht. Deshalb wird auch nicht alle Nase lang erwähnt, dass Feminismuskritik ja total rechts ist und deshalb gibt’s auch nie Shitstorms und so weiter. Nein, ihr benennt das Übel das ihr bekämpft nicht nach Männern/Vätern und es werden auch keine Neologismen wie mensplaining erfunden oder Konzepte wie „toxische Männlichkeit“. Und es geht auch nie darum, „was Frauen von Männern“ erdulden müssen. Es gab nie einen #killallmen und es gibt keine Feministen, die Männer hassen. Nein, auch sind Feministen immer gut und rein und unschuldig und ganz gerecht und machen immer alles richtig und so.

Feministinnen und Feministen geht es nicht darum, eine Front aufzumachen und Frauen gegen Männer (oder andersherum) auszuspielen.

Ob es ihnen darum geht oder nicht ist egal. Tatsache ist: Sie machen es.

Sie wollen, dass es Frauen und Männern gleichermaßen gut geht. Das ist zugegeben ein schlichter Satz. In seiner Schlichtheit ist der Satz aber wahr.

Echt? Na da finde ich die flächendeckenden Proteste gegen die Genitalverstümmlung von Jungen aber ohrenbetäubend Leise. Auch der feministische Aufschrei gegen die deutlich niedrigere Lebenserwartung von Männern ist in seiner Stille kaum zu überbieten. Und lass uns gar nicht erst von dem trommelfellschonenden Ignorieren der Tatsache reden, dass Männer wesentlich häufiger an einer Sucht erkranken, weil es für sie der letzte Notnagel ist mit ihrem scheiß Leben fertig zu werden. Dieses Ignorieren gepaart mit dem dröhnen Schall der Kopfbewegung einer Ameise, der sinnbildlich für den Einsatz von Feministen im Bezug auf die dreifach höhere Suizidrate von Männern steht (weil sie mit ihrem Leben nicht mehr klar kommen), und der wummernden Geräuschlosigkeit in Bezug auf die deutlich höhere Todes- und Unfallrate im Berufsleben von Männern erzeugt eine Kakophonie der absoluten Ruhe, was den feministischen Kampf für ein gleichermaßen gutes Leben von Frauen und Männern angeht.

Wir hatten für das gleichermaßen gute Leben von Männern und Frauen mal ein Konzept entwickelt. Die so genannten Menschenrechte. Sie wissen schon, die Dinger die euch einen Scheiß interessieren.

Zum Schluss muss ich Sie allerdings doch noch etwas verunsichern. Viele junge Menschen, Frauen wie Männer, haben das längst begriffen.

Das ist schlecht, denn dann sind sie fehlinformiert.

Sie gehen vorsichtiger miteinander um, als es Ihre und meine Generation getan haben. Viele Junge gendern Ihre Sprache und leben ganz selbstverständlich eine soziale, ökologische und Geschlechtergerechtigkeit.

Nein, sie leben eine Gleichstellung. Gleichstellung ist meistens nicht gerecht. Woher übrigens plötzlich die Ökologie hier zu suchen hat wird wohl ewig ein Mysterium blei… Nein, natürlich nicht. Feministen haben die Tendenz dazu alles Gute für sich zu beanspruchen und alles Negative weit von sich zu weisen, denn Feministen sind rein und gut und fehlerlos und heilig und wissen alles und sind ohne Fehl. Deshalb müsst ihr ihnen folgen, folgt dem heiligen Feminismus nur er wird euch zur Erlösung und Reinheit und ins Licht führen, denn er ist überhaupt nicht totalitär.

Die meisten jungen Menschen, die ich kenne, verstehen Ihre Wutschrift überhaupt nicht. Ihnen kommt Ihr Text vor wie einer, bei dem Opa vom Krieg erzählt.

Also einen Augenzeugenbericht bzw. Erfahrungsbericht aus erster Hand zu einem Thema von dem sie selbst bestenfalls theoretisch bescheid wissen? Das ist ein nettes Lob.