Was sie können, was sie tun, was sie sagen

Heute ist bei allesevolution ein Beitrag zum Thema „Mehr Frauen in die CDU“.

Zum 70. Geburtstag der Frauenunion hat Bundeskanzler Dr. Angela Merkel verlauten lassen:

„Wir genügen nicht den Ansprüchen einer Volkspartei. Wenn die Hälfte der Bevölkerung [Frauen] nicht ausreichend repräsentiert ist, wird es schwierig, den Wünschen der Bevölkerung nachzukommen.“

Ich möchte die CDU dringend daran erinnern, dass wir freie, gleiche und geheime Wahlen haben. Niemand ist irgendwem Rechenschaft darüber schuldig, warum er wen wählt. Es ist vollkommen rechtens einen Menschen zu wählen, weil er eine Brille trägt, das „richtige“ Geschlecht hat, weil er die „richtige“ Hautfarbe hat, (keinen) Migrationshintergrund oder eben weil dieser Mensch das richtige sagt, das richtige tut oder etwas wichtiges kann. Oder vielleicht auch einfach nur weil die Person am sympathischsten ist oder zu der favorisierten Partei gehört. Es ist erst einmal vollkommen unerheblich, warum die Leute die Person gewählt haben.

Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass ich hier natürlich von der Erststimme bei den Bundestagswahlen rede.

Die CDU hat laut Bundeswahlleiter 200 und die CSU 46 Sitze erhalten. Weiterhin, hat sowohl die CDU (30,2% zu 26,8%) als auch die CSU (7% zu 6,2%) mehr Erst- als Zweitstimmen erhalten .

Von den 246 Unionssitzen werden 15 über die Landeslisten besetzt. Das sind 10 Männer und 5 Frauen (Quelle). Es entfallen demnach 231 Plätze auf direkt gewählte Personen oder anders ausgedrückt: auf 187 Männer und 44 Frauen die direkt vom Volk (Männern wie Frauen) gewählt wurden.

Laut Bundeswahlleiter haben fast in allen Altersbereichen mehr Frauen als Männer gewählt und insgesamt haben ~2mio mehr Frauen gewählt als Männer (Quelle PDF S. 9).

Alles in Allem können wir zusammenfassen:

– Mehr vom Kollektiv Frauen haben eine Stimme abgegeben als vom Kollektiv Männer

– Mehr individuelle Männer als individuelle Frauen wurden bei der CDU/CSU gewählt

Daraus folgt: Mit einer extrem hohen Wahrscheinlichkeit fühlte sich ein signifikanter Anteil von Frauen durch einen Mann am Besten vertreten.

Tatsächlich (Quelle PDF S.71) haben 32,4% der Frauen ihre Erststimme an die CDU und 7,3% der Frauen ihre Erststimme an die CSU gegeben. Damit hat die CDU alleine schon den höchsten Anteil weiblicher Erststimmen. Schauen wir weiter auf Seite 91, dann stellen wir fest, dass die CDU auch mit 29,8% den höchsten Anteil an weiblichen Zweitstimmen hat (CSU 6,6%).

Natürlich bedeutet das auch, dass 60,3% der weiblichen Erst- und und 63,6% der weiblichen Zweitstimmen nicht an CDU/CSU gingen.

Beides zusammen spiegelt aber ein sehr deutliches Bild wieder. Die meisten Unionswählerinnen scheint das Geschlecht nicht oder nur begrenzt zu interessieren. Die meisten scheinen sich für Inhalte, Charakter, Parteizugehörigkeit oder auch Ausstrahlung zu interssieren. Oder sie wollen keine Frauen. Oder was es noch so an vielfältigen, individuellen Gründen geben mag.

FDP und AfD sind gemeinsam auf 23,3% (bzw. 18,9% bei Frauen) der Zweitstimmen gekommen und haben nichts im Bezug auf die „Genderthematik“ in ihren Wahlprogrammen gehabt – oder sich sogar direkt dagegen ausgegesprochen.

Die Grünen, die Linken und die SPD haben gemeinsam 35,6% aller Zweitstimmen und 39,5% aller weiblichen Zweitstimmen. Alle machen „Genderpolitik“. Alle sind hinter der CDU/CSU zurückgeblieben.  Grüne und Linke sind sogar hinter AfD und FDP zurückgeblieben.

Die CDU/CSU hat insgesamt 231 Direktmandate als Repräsentanten des Volkes im betreffenden Wahlkreis. Die Frauen SIND bereits repräsentiert, keine Partei hat mehr Frauen hinter sich vereinigt. Die Frauen haben ihre Repräsentanten selbst gewählt. Frauen haben sich gegen Frauen entschieden.

Wie zum Geier kommt man bei diesen Zahlen auf die vollkommen bescheuerte Idee, dass man keine Volkspartei ist, wenn nicht die Anzahl der Zugehörigen eines Geschlechtes in der Partei die Verteilung der Geschlechter im Souverän widerspiegelt?

Das ist absolut unlogisch und vollkommen absurd.


Ich habe einen Welt-Artikel bereits auf Twitter kommentiert. Und möchte das hier noch einmal widerholen, da ich hier die Kommentare zu den Passagen des Artikels besser zuordnen kann und ggf. noch weiter ausführen kann. (Archiv; Tweetchain)

Die CDU stellt die Kanzlerin, doch innerhalb der Partei sind Frauen deutlich unterrepräsentiert. Zum 70. Jubiläum der Frauen-Union verspricht Angela Merkel, die Schieflage auszugleichen – und spricht von einer „Existenzfrage“.

[…]

Mehrere Politikerinnen übten am Samstag massive Kritik an mangelnder Gleichberechtigung in der Partei – und pochten auf gesetzliche und parteiinterne Veränderungen.

Wie die Vorsitzende der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz, zum Auftakt in einer kämpferischen Rede deutlich machte, sind die Frauen in der CDU bei den Mitgliedern und auch bei den Mandaten immer noch stark unterrepräsentiert. Der weibliche Mitgliederanteil bewegt sich seit 20 Jahren um die 25 Prozent – zur Zeit liegt er bei 26 Prozent.

Dazu schrieb ich:

-Weiß die Vorsitzende der @frauenunion Annette Widmann-Mauz überhaupt was Gleichberechtigung ist?
– Versteht die @CDU überhaupt, dass die Repräsentation von Kollektiven kein Beweis für das Nichtvorhandensein eines Individualrechts ist?

[…] sind die Frauen in der CDU bei den Mitgliedern und auch bei den Mandaten immer noch stark unterrepräsentiert. Der weibliche Mitgliederanteil bewegt sich seit 20 Jahren um die 25 Prozent – zur Zeit liegt er bei 26 Prozent.

Dazu schrieb ich:

– Ist es nicht verwunderlich, dass trotz 18 Jahre #Merkel-in-Spitzenposition es immernoch nicht mehr Frauen gibt – trotz #Frauenquote?

– Sollte man nicht „Repräsentationsprinzip“ überdenken, wenn trotz aller gesellschaftlicher Veränderungen in der Geschlechterdebatte Frauen sichkontinuierlich, über alle Parteien hinweg (nicht nur die @CDU), weniger für Politik zu interessieren scheinen

Hier muss ich etwas ergänzen. Es geht natürlich nicht um Politik im Allgemeinen, sondern um das Engagement in Parteien.

Bezüglich der Postenvergabe kennt die Union zwar seit 1996 ein Quorum. Es soll dafür sorgen, dass bei der Listenaufstellung der Kandidaten ein Drittel der Positionen mit Frauen besetzt wird. Doch oft wird die Vorgabe unterlaufen – dafür werden dann regionale Proporzgründe vorgeschoben wie etwa in Baden-Württemberg, wo auf der Liste für die Europawahl die erste Frau auf Platz fünf auftaucht.

Was ja auch ziemlich legitime Begründung ist. Da Frauen, wie wir ja oben schon gesehen haben, mit nichten andere Menschen wählen, weil sie zufällig das gleiche Geschlecht haben, ist eine solche Listung auch vollkommener Quatsch. Tatsächlich ist der Bezug zu der entsprechenden Region (Bekanntheit, Ruf) aber auch die individuelle Qualifikation wesentlich wichtiger, als das Geschlecht.

Widmann-Mauz bemängelte zudem eine männliche Dominanz im CDU-Landesverband Hamburg. „Zukunft sieht anders aus.“

Also Frauen konnten sich nicht durchsetzen, haben sich weniger engagiert und die männliche Dominanz ist der Mangel?

Ich will nicht, dass jemand wie Widman-Mauz die Zukunft gestaltet, denn dann unterscheiden wir wiedereinmal nach irgendwelchen Geburtsmerkmalen. Und das endet jedesmal auf grausame Art und Weise.

Auch in der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag ist der Frauenanteil nach der Bundestagswahl von zuvor 25 auf nun 20 Prozent gesunken. Ein Grund dafür sind die vielen Direktmandate der CDU, die meist von Männern gewonnen werden.

Dazu schrieb ich:

– Sollte man sich nicht darüber freuen, dass so viele Direktmandate gewonnen wurden?Das die gewählten REPRÄSENTANTEN auch tatsächlich das Vertrauen ihrer Bürger genießen?

Merkel gab in ihrer Rede zu, dass sie in der Vergangenheit mit dem Wunsch nach einer Quote in der CDU nicht viel anfangen konnte – „Helmut Kohl musste mich anstupsen“. Sie warnte nun, dass der niedrige Frauenanteil in der CDU die weitere Existenz als Volkspartei gefährde. Die Frauenquote reiche nicht, um dies zu ändern.

Dazu schrieb ich:

– Verstehen die Menschen nicht, dass eine Quote IMMER auch eine Diskriminierung ist und im direkten Widerspruch zur #Gleichberechtigung ist?

– Versteht Dr. Merkel nicht, dass die Bundestagsabgeordneten der @CDU zur überwältigenden Mehrheit aus den DIREKT GEWÄHLTEN Repräsentanten der Bevölkerung besteht.


Aber die CDU ist mit dieser feministischen Handlungsweise ja nicht alleine. Ich hatte ja bereits oben die SPD, die Grünen und die Linke  angesprochen. Und kürzlich hatte ich darüber geschrieben, das ja auch die FDP einzuknicken droht und in Zukunft auch Posten auf Grund von Geburtsmerkmalen vergeben will und nicht auf Grund von Leistung, Können oder Haltung.

Nach der Bundestagswahl 2017 war davon die Rede, dass man Gesetze schaffen müsse, die die Verteilung der Geschlechter im Bundestag angleicht. Das ist absolut undemokratisch. Es setzt die Gleichstellungspolitik vor den Willen des Souveräns, des Volkes.

Diese Maßnahmen stimmen mich extrem nachdenklich, vor allem vor dem Hintergrund, dass in naher Zukunft eine „Studie“ erscheinen wird, die „belegt“, dass Anti-Feministen demokratiefeindlich seien.


Aber geht es nicht eigentlich um Inhalte? Eine Frage an meine feministischen Leser: Würden Sie sich  lieber von Cem Özdemir, Toni Hofreiter und Heiko Maas vertreten sehen, oder von Alice Weidel, Frauke Petry und Beatrix von Storch?

 

 

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3 Gedanken zu “Was sie können, was sie tun, was sie sagen

  1. „Versteht die @CDU überhaupt, dass die Repräsentation von Kollektiven kein Beweis für das Nichtvorhandensein eines Individualrechts ist?“

    Ich fürchte, dass dieser Nebensatz mit zwei Verneinungen („kein“; „Nichtvorhandensein“) die intellektuellen Fähigkeiten der Politikerinnen und Politiker bei weitem übersteigt.

    Und ich fürchte, dass den CDU-Frauen jegliche Gegen-Argumentation herzlichst egal ist… *seufz*

    Gefällt 1 Person

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