Hör auf zu blöken, dummer Rassist! #MeTwo @TillRaether

Am 9. August ist in der SZ ein Artikel (Archiv) von Till Raether erschienen. Er hat den klangvollen Titel:

Hört auf zu jammern, alte weiße Männer!

Warum klagen gerade die privilegiertesten Mitglieder unserer Gesellschaft plötzlich über Diskriminierung?

Weil ihnen Feminist*_InnenX einreden, dass sie trotz diverser Sonderrechte und „Fördermaßnahmen“ unterdrückt werden. Vollkommen ignorierend, dass sie im Schnitt länger leben, seltener von Gewalt betroffen sind, seltener obdachlos sind, seltener Arbeitslos sind, seltener Suizid begehen, zwar 24% weniger arbeiten aber nur 21% weniger bekommen und sie für das gleiche Verbrechen niedrigere Strafen bekommen.

Spaß beiseite. Ich höre selten, dass sich schwer reiche Leute über Diskriminierung beschweren (außer schwer reiche Frauen).

Unser Autor, übrigens selbst ein alter weißer Mann, erklärt, warum es per Definition keinen »umgekehrten Rassismus« geben kann.

Das macht ja jetzt mal so gar keinen Sinn. Noch vor Kindern und reichen Männern sind reiche Frauen die privilegierteste Gruppe unserer Gesellschaft. Warum hier ein „selbst“?

Das war natürlich rhetorisch gemeint. Mir ist sehr wohl klar, dass Herr Raether davon ausgeht, dass „alte, weiße Männer“ die privilegierteste Gruppe dieser Gesellschaft ist

Für eine große Anzahl von Herren in der Lebensmitte mit heller Hautfarbe gibt es kaum etwas Schlimmeres, als wenn man sie als »alte weiße Männer« bezeichnet.

Das mag daran liegen, dass man sie damit auf ihre Geburtsmerkmale und ihr Alter reduziert und dabei ihre Lebensleistung und ihren Charakter vollkommen ignoriert. Oder anders ausgedrückt: Sie werden nicht als Individuum adressiert, sondern als Zugehörige einer Rasse und eines Geschlechtes also eines Kollektives dem sie willkürlich und ohne ihr Zutun zugeschrieben werden.

Wie empfindlich und aggressiv sie darauf reagieren, kann man quasi minütlich auf Twitter verfolgen, oder, wenn einem das zu hektisch ist, ganz in Ruhe in Zeitungsspalten.

Naja, meist werden sie ja für diverse (wenn nicht gar alle) Übel dieser Gesellschaft verantwortlich gemacht. Ihre aggressive Reaktion ist also eine berechtigte Verteidigung gegen einen rassistischen und sexistischen Angriff.

Der Standard-Vorwurf ist in etwa: »Das ist doch rassistisch, wenn ich jetzt umgekehrt wegen meiner Hautfarbe angegangen werde, und sexistisch auch, von der Altersdiskriminierung mal ganz zu schweigen.«

Dieser Standard-Vorwurf ist absolut korrekt.

Als alter weißer Mann würde ich jedoch gern erklären, warum ich es begrüße, so genannt zu werden.

Als junger, weißer Mann, der mal ein alter, weißer Mann werden möchte würde ich gern erklären, warum ich es begrüßen würde, wenn ihr Rassisten und Sexisten es endlich schafft, Menschen anhand ihrer Fähigkeiten und ihres Charakters als Individuum zu bewerten und nicht anhand willkürlich festgelegter Kollektivzugehörigkeiten für die die betreffende Person nichts kann.

Erstmal ist es zutreffend.

Und nicht voll erschöpfend. Du bist wesentlich mehr als nur alt, weiß und männlich. Du hast eine Sexualität, eine Schulbildung und Berufsausbildung, gute wie schlechte Eigenschaften, Freunde, Verwandte, Familie. Du engagierst Dich vielleicht ehrenamtlich oder politisch. Du kannst vielleicht 10 Hotdogs in 30 Sekunden essen oder bist Vizeweltmeister im Luftgitarre spielen. Vielleicht kannst du auch besonders gut/schlecht kochen. Du bist sehr viel mehr als nur deine Hautfarbe, dein Geschlecht und dein Alter.

Gut, ich bin vielleicht nicht alt im medizinischen Sinne. Aber ich bin so gut wie fünfzig, und das bedeutet: Ich gehöre zur Altersgruppe jener Männer, die derzeit in der westlichen Welt weit überwiegend das Sagen hat.

Und du gehörst zu einer Altersgruppe in der die überwältigende Mehrheit der Angehörigen dieser Altersgruppe in der westlichen Welt nichts zu sagen hat.

Übrigens mit „so gut wie fünfzig“ bist du weder medizinisch noch statistisch alt. Du bist älterer Durchschnitt. Weshalb das „alt“ bei dir schlicht und ergreifend nicht zutrifft.

Männer, die in den Sechzigern geboren wurden, und die jetzt an den kleinen und großen Schaltstellen der Macht angekommen sind (etwa jener, hier für Geld seine Meinung schreiben zu können). Aus Sicht aller, die nicht an diesen Schaltstellen sind, ist das alt.

Aha, mein Vater ist älter als Du (60+) und sitzt nicht an einer solchen Schaltstelle. Deiner Logik nach, wärst Du aus seiner Sicht älter als er. Was natürlich vollkommener Quatsch ist.

Alt bedeutet hier aber noch was anderes: Wir alten weißen Männer haben unsere Ausbildung gemacht und unsere Laufbahn begonnen vor dreißig Jahren oder mehr, und damals war das für niemanden einfacher als für uns.

Das würde stimmen, wenn wir Menschen als Kollektive betrachten würden und die individuellen Erfahrungen außen vor lassen. Damals war es nämlich durchaus auch so, dass sich viele ihren Job nicht aussuchen konnten oder durften, sondern die Eltern (meist der Vater) bestimmt hat wo es lang geht.

Als ich Junge war, wurde mir mehr zugetraut als den Mädchen, und mehr als den, wie man damals sagte, »Ausländern« sowieso.

Du musst ein scheiß soziales Umfeld gehabt haben. Vermutlich kommt daher dein Rassismus und Sexismus. Er war für dich normal, du hast ihn auch angewendet und nun hast du gelernt, dass Rassismus und Sexismus scheiße ist und deshalb überkompensierst du jetzt.

Schau mal. Ich komme aus dem erzkonservativen Münsterland. Ebenso wie meine Mutter und ihre vier Schwestern. Alle fünf sind älter als du und alle fünf haben eine gute Ausbildung genossen. Alle fünf sind sehr zufrieden mit ihrem Leben. Zwei der fünf sind an „den Schaltstellen der Macht“ und das obwohl mein Opa alleinerziehend war.

In der Astronomie-AG begrüßte die Lehrerin die beiden einzigen Mädchen mit den Worten, es ginge hier aber nicht um Sternzeichen, und ob sie sich verirrt hätten. Sie kamen dann auch nicht wieder.

Möglicherweise wusste die Lehrerin, dass die beiden Horoskope und so ’nen Zeug abfeiern und hat ihnen das darum gesagt. Weshalb die Mädchen dann auch nicht wiedergekommen sind, weil es sie dann nicht mehr interessiert hat. Du implizierst zwar, dass es ein Vorurteil der weiblichen Lehrkraft war, aber um das zu belegen hast du eindeutig zu wenig Informationen gegeben.

Auf der Journalistenschule sagte der Filmkritiker einer Münchner Zeitung warnend vor der Textübung, es tät’ ihm Leid, aber er hätte noch nie »ein Mädel gesehen, das eine gute Filmkritik schreiben kann«.

Also wünschte er sich endlich ein Mädel, dass eine gute Filmkritik schreibt, damit sein Leiden beendet ist?

Den Musiklehrer, der den polnischen Mitschüler »Polacke« nannte, entschuldigte der Direktor routiniert mit dessen Kriegserfahrungen.

Na, endlich haben wir mal ein Beispiel, dass man kaum anders deuten kann, als du implizierst.

Die Beispiele sind in alle Richtungen endlos.

Warum nennst du dann nicht die Beispiele aus den positiven Richtungen? Da wo Menschen anderer Hautfarbe/Nationalität bzw. weiblichen Geschlechtes gleich behandelt wurden oder unterstützt wurden? Wo Menschen Stereotype angegriffen haben und gesagt haben: Nur weil du so geboren wurdest, heißt es nicht, dass du X nicht kannst.

Oder da wo man Dir gesagt hat, dass Du gefälligst was Vernünftiges zu lernen hast weil man von dir erwartete, dir den Arsch für eine Familie abzuarbeiten, du du gefälligst zu gründen und zu versorgen hast. Denn sonst bist Du ein Totalversager.

Oder da wo man dir gesagt hat, dass du als Deutscher die Schuld am 2. Weltkrieg und den Holocaust hast obwohl du zu der Zeit in der diese Grausamkeiten stattgefunden haben noch nicht einmal in der Planung warst.

Das passt natürlich nicht in das Narrativ.

Nie hat damals jemand zu mir etwas Negatives gesagt oder mich schlecht behandelt, weil ich weiß und männlich war.

Ganz bestimmt ist das absolut NIE passiert. Du wurdest nie auf dem Schulhof verprügelt weil du etwas gesagt hast was dem Klassenrüpel nicht gefallen hat. Was er natürlich bei gleicher Situation mit einem Mädchen genauso gemacht hätte… Ganz bestimmt.

Und natürlich musstest du nicht zur Musterung und dich vor einem wildfremden Menschen nackt ausziehen und dich von diesem unter Androhung staatlicher Gewalt befummeln lassen.

Selbst, als ich mein Praktikum bei der taz nicht bekam, weil sie wegen der Quote nur Frauen nahmen, scherzte der Redakteur, ich könnte mich höchstens »für 20.000 Mark umoperieren« lassen, und es täte ihm leid.

Ach so, einen Job nicht zu bekommen, weil du als Mann geboren wurdest, fällt natürlich in die Kategorie „nie schlecht behandelt werden“.

Ich wurde von Mann zu Mann getröstet. Das war 1988.

Und das hat jetzt welche Relevanz? ‚Ich hab zwar den Job nicht bekommen, weil ich ein Mann bin (man weiß ja: die Privilegierten, die alles in den Arsch geschoben bekommen), aber immerhin hat mich ein anderer Mann (also auch ein absolut privilegierter, alles-in-den-Arsch-geschoben-Bekommer) getröstet. Das ist ja quasi, als wenn er mir den Job zwar nicht gegeben hätte, aber dafür mir monatlich das doppelte Gehalt bis an mein Lebensende monatlich überweist.‘

Denkst du eigentlich noch drüber nach was du schreibst?

Wer mich alt nennt, sagt, dass ich aus einer Zeit komme, in der Männer es noch leichter hatten als heute, und ich finde diesen Hinweis wichtig.

Von uns beiden bist du der einzige der dich alt nennt. Und von uns beiden bist du der einzige, der ernsthaft glaubt, dass Männer es früher einfacher hatten.

In einer Welt, in der Weiße seit Jahrhunderten die Macht haben, kann es per Definition keinen »umgekehrten Rassismus« geben

Der Gedanke, dass man wegen seiner Privilegien Vorteile hatte und hat, ist unheimlich, weil dieser Gedanke die eigene Lebensleistung in Frage zu stellen scheint:

Er scheint ja nicht nur die Lebensleistung in Frage zu stellen, er macht das direkt. Diese Zuschreibung von Privileg auf Basis von Geburtsmerkmalen sagt nichts anderes, als dass du WEIL du dieses oder jenes Geburtsmerkmal hast, keine so hohe Lebensleistung hast wie jemand der in vergleichbarer Position ist, aber diese Merkmale eben nicht hat. Deine individuelle Leistung verschwindet hinter der (fehlerhaften) Annahme über das Kollektiv.

Eigentlich, so hat es Sophie Passmann gerade schön formuliert, müsste man sich doch als Mann immer fragen, ob man einen Job nur bekommen hat, weil man ein Mann ist, und nicht wegen der Qualifikation.

Womit du dann bestätigt hättest, dass dieses Privilegiengequassel eine Infragestellung der eigenen Lebensleistung wäre.

Warum ist es so schwierig, das einzusehen?

Weil es eine Aufforderung dazu ist etwas zu tun was man aus irgendwelchen Gründen eigentlich machen sollte und keine Argumentation oder Tatsachenbehauptung.

Es gibt beeindruckende soziologische Forschung darüber, wie schwer es Gruppen und einzelnen fällt, ihre Privilegien wahrzunehmen.

Vor allem dann, wenn diese Privilegien Geburtsmerkmalen zugeschrieben werden, die nichts mit dem Geburtsmerkmal zu tun haben.

Von den Schlüssen, die man daraus ziehen müsste, ganz zu schweigen. Besonders deutlich wird das nun bei der Hautfarbe und den Vorteilen, die sie einem verschafft. Die Soziologin Robin DiAngelo hat ein wunderbares Buch über dieses Thema geschrieben, das es leider noch nicht auf Deutsch gibt: Es heißt White Fragility, also »weiße Zerbrechlichkeit« oder »weiße Empfindlichkeit« und handelt davon, warum Weiße so große Schwierigkeiten haben, über Rassismus zu reden.

Genau, weil wir Deutschen (mehrheitlich weiß) natürlich NIE über Rassismus reden, weil wir NIE die Grausamkeiten des zweiten Weltkrieges und des Holocausts benennen. Und natürlich benennen wir auch NIE, dass Rassismus eine der Ursachen dieser Grausamkeiten war. Frau DiAngelo ist offensichtlich nicht gerade der hellste Stern am Firmament. Aber das haben Rassisten halt so an sich. Sie sind scheiße dämlich.

Diese Schwierigkeiten beginnen mit einem Missverständnis und damit, dass wir uns von einer alten Vorstellung von Rassismus verabschieden müssen.

Komma weil? Warum müssen wir uns davon verabschieden? Ich würde ja so argumentieren, dass eine veraltete Vorstellung von Rassismus ist, dass Rassismus nur von Weißen ausgehen kann, wobei wir heutzutage wissen, dass auch Menschen anderer Hautfarben die gleichen Handlungen aus den gleichen Motiven durchführen, die bei einem Weißen als „Rassismus“ bzw. „rassistisch“ bezeichnet werden würden. Da wir Nicht-Rassisten aber Menschen aller Hautfarben nach den gleichen Standards bewerten, muss auch für Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe gelten, dass diese Handlungen rassistisch sind.

Im Allgemeinen definieren wir Rassismus als, wie DiAngelo schreibt, diskriminierende Handlungen, die von »bösen« oder »unmoralischen« Individuen absichtlich begangen werden. Auf Grundlage dieser Definition werden weiße Männer wütend und rufen »rassistisch!«, wenn man sie »weiße Männer« nennt und sagt, sie hätten an diesem oder jenem Ort nichts zu suchen, etwa in den Kommentaren unter »MeTwo«-Twitter-Erfahrungsberichten.

Also basierend auf dieser allgemeinen Definition haben diese weißen Männer also vollkommen Recht. Und da es sich bei den als rassistisch kritisierten Texten um absichtlich geschrieben Texte von Menschen handelt die andere Menschen auf Grund ihrer Hautfarbe bzw. ihres Geschlechtes verurteilen (gemeinhin Rassisten/Sexisten oder auch ekelhafte/böse/menschenverachtende Wichser genannt) ist ihre Wut auch berechtigt. Es ist schön, dass es so viele alte, weiße Männer gibt, die mit Wut auf Rassismus reagieren. Das zeigt, dass wir als Gesellschaft auf einem guten Weg sind.

Fachlich aber ist diese Definition völlig überholt und, wie wir in unseren Debatten täglich sehen, schädlich. Weil sie leugnet, dass Rassismus nicht die Verirrung einzelner, sondern eine der Grundlagen unserer Gesellschaft ist.

Bitte was? Rassismus ist eine der Grundlagen unserer Gesellschaft? Artikel 3 Absatz 3 Satz 1 unseres Grundgesetzes:

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

Kein einziges Land dieser Welt hat so viel gegen Rassismus getan wie Deutschland. Bis vor wenigen Jahren war Deutschland eines der weltweit angesehensten Länder. Es galt (und gilt) als eines der weltoffensten Länder dieses Planeten. Die halbe Welt hat uns ob unserer offenen Migrationspolitik für durchgeknallt erklärt. Aber Rassismus ist eine Grundlage unserer Gesellschaft… alles klar.

Versteh mich nicht falsch. Rassismus ist und war immer ein Problem in Deutschland, aber ihn als Grundlage unserer Gesellschaft zu erklären…

Alter Verwalter. Du hast dich noch weiter von der Realität entfernt als es Reichsbürger tun.

DiAngelo legt dar, wie die Soziologie Rassismus definiert: als strukturelles System, in dem weiße Menschen »soziale und institutionelle Macht über people of color« haben.

Clever. Eine neutrale Definition über das Verhalten von Individuen stumpf umzudefinieren in eine einseitige Betrachtung von Systemen.

Du hattest also vorhin Recht: Es gibt ein Missverständnis. Und zwar zwischen Menschen die der deutschen Sprache mächtig sind und rassistischen Soziologen die eine vollkommen behämmerte Definition von Rassismus verwenden.

Warum zum Geier sollten wir eine neutrale Definition gegen diesen geistigen Abfall eintauschen? Diese Definition beschreibt ja nicht einmal Handlungen. Sie beschreibt ein System. Und solange weiße Menschen (nicht einmal alle oder die meisten, sondern nur ein paar) soziale und institutionelle Macht über POC (nicht einmal alle oder die meisten, sondern nur ein paar) haben, ist das System Rassismus. Und weil das System dann Rassismus ist, bist du als Weißer – vollkommen ungeachtet deiner individuellen Verhaltensweisen – ebenfals Rassist.

Unsere Gesellschaft beruht auf dieser ungleichen Machtverteilung, von den Bildungs-, Job- und Wohnungschancen, der politischen Repräsentation, der Wohlstandsverteilung, der Strafverfolgung bis hin zum medialen Echo auf »MeTwo«.

Fangen wir bei dem einfachsten an.

Macht wird nicht verteilt.

Mit der Erststimme bei unseren Bundestagswahlen wählen wir unsere Repräsentanten in Person und mit der Zweitstimme unsere Repräsentanten in Parteiform. Also kann hier jeder Wahlberechtigte seine politischen Repräsentanten selbst wählen (oder sogar selbst zu einem solchen werden). Ich wüsste nicht, dass es hier irgendwelche Einschränkungen bzgl. der Rasse oder des Geschlechtes gibt.

Die Bildungschancen von Menschen mit Migrationshintergrund sind oftmals tatsächlich schlechter, denn sie müssen oft neben dem eigentlichen Unterrichtsstoff auch eine neue Sprache lernen. Zudem werden im Heimatland erworbene Qualifikationen hier oft nicht anerkannt, so dass man hier noch einmal Zeit aufwenden muss um eine entsprechende Qualifikation zu erwerben und verliert so Zeit. Das kann dir allerdings auch als weißer US-Amerikaner passieren.

Da die Qualifikationen oft nicht anerkannt werden und die Bildung schlechter ist, sind natürlich auch die Jobchancen schlechter. Auch für den weißen US-Amerikaner.

Zudem ist es einfacher eine Wohnung zu bekommen, wenn man ein geregeltes Einkommen hat (musste ich bei meinen Mietwohnungen übrigens immer nachweisen) und die Kaution problemlos hinterlegen kann, was natürlich ohne Job schwieriger ist.

Was ich damit sagen will: Viele der Probleme bedingen sich (einen Job zu bekommen wenn man Obdachlos ist, ist auch nicht gerade einfach) und sind nicht rassen- oder geschlechtgebunden. Natürlich gibt es individuelle Fälle in denen gegen Individuen diskriminiert wurde, weil sie eine bestimmte Hautfarbe haben. Ganz unzweifelhaft. Aber die Behauptung, dass unsere Gesellschaft darauf beruht grenzt an geistiger Umnachtung.

Und nicht nur das: Jeder weiße Mensch ist hierzulande in dem unausgesprochenen Bewusstsein aufgewachsen, dass weiß zu sein die Norm ist, und dass alle anderen anders sind.

Nein echt? Du meinst, dass in einem Land, in dem weit überwiegend weiße Menschen wohnen, bemerken die Leute, dass es normal ist weiß zu sein und das Menschen, die von diesem Normalzustand abweichen anders sind? Kannste mir nich erzählen. Das ist ja fast so als wenn Menschen bemerken, dass es normal ist eine Nase im Gesicht zu haben und auch bemerken, dass keine oder zwei Nasen zu haben anders ist.

Was für eine bahnbrechende Erkenntnis.

Wir Weißen konnten uns erlauben, den Rassismus um uns herum nicht wahrzunehmen, weil wir nie unter ihm zu leiden hatten.

Konnten wir ja auch nicht, denn Rassismus ist ja ein strukturelles System in dem weiße, POC unterdrücken oder so.

Spaß beiseite. Hör auf mit deinem Kollektivistenscheiß. Du hast nicht den Hauch einer Ahnung über die individuellen Erfahrungen der einzelnen Menschen, die „weiß“ sind. Es mag dir entgangen sein, aber wir Deutschen reisen ganz gerne. Glaubst du nicht, dass einigen von uns im Ausland schon mal rassistisch begegnet wurde (Heil Hitler Begrüßungen z.B. [mir 2x passiert] oder man uns Individuen, die wir damals noch nicht geboren waren, unterstellt,  die Schuld am Holocaust zu tragen und deshalb angefeindet werden). Mal ernsthaft jetzt. Hast du dich derartig weit von der Realität verabschiedet, dass du so einen grenzdebilen Müll von dir gibst?

Natürlich, wir haben NIE den Rassismus um uns herum wahr genommen. Deshalb sind auch nicht die Alliierten (bestehend aus primär „weißen“ Staaten) in Deutschland einmarschiert um den Genozid zu stoppen. Es hat in den USA nie eine Bürgerrechtsbewegung gegeben um die Trennung zwischen Schwarzen und Weißen zu beenden und den Rassismus zu bekämpfen. Und natürlich waren NIE Weiße daran beteiligt. Und Weiße, die sich solidarisch oder sogar nur neutral gegenüber Schwarzen gezeigt haben wurden auch nie vom KKK als Rassenverräter gejagt.

Und auch nie wurden, wie in Südafrika, Weiße von ihren Ländereien vertrieben, weil sie weiß sind.

Nein, natürlich. Du hast vollkommen Recht. Weiße mussten nie unter Rassismus leiden und sie haben ihn auch nie wahrgenommen (weil Weiße, anders als POC, keine Empathie haben – oder so).

Den Stress, im eigenen Alltag immer erstmal über die Hautfarbe, die Sprache oder auch nur den Namen definiert zu werden, kennen wir nicht.

Ich mag mich täuschen, aber ich denke, dass diese Definition über Hautfarbe/Sprache/Name das ist, was die „alten, weißen Männer“ so aufregt, die so wütend unter den Artikeln kommentieren.

Aus diesem Grund ist dann eben auch der immer wieder aufgewärmte Vorwurf unsinnig, als Weißer verbal angegriffen zu werden sei Rassismus.

Selbst wenn wir tatsächlich solche rassistischen Erfahrungen nie gemacht hätten, wie du angenommen hast, dann wäre dies halt das erste Mal. Und daher immer noch Rassismus.

Mag sein, dass das ein feindseliger Akt ist. Aber Feindseligkeit ist kein Rassismus.

Ähm ja. Stimmt. Feindseligkeit ist kein Rassismus. Feindseligkeit wegen der Hautfarbe ist Rassismus.

In einer Welt, in der Weiße seit Jahrhunderten die Macht haben und die Spielregeln bestimmen, kann es per Definition keinen »umgekehrten Rassismus« geben.

Wir leben aber nicht in „seit Jahrhunderten“ sondern im jetzt. Und ob wir die Spielregeln bestimmen oder nicht sagt nichts darüber aus ob eine Handlung oder Aussage rassistisch ist oder nicht.

Aber ich stimme dir zu. Es kann per Definition keinen umgekehrten Rassismus geben, denn die Definition ist neutral. Die gleiche (feindselige) Handlung aus dem gleichen Motiv (Hautfarbe) ist Rassismus. Punkt aus Ende.

Es hieße, die europäische Geschichte auf den Kopf zu stellen oder zu leugnen.

Nein, es hieße die Definition von Rassismus zu kennen und anzuwenden, und nicht irgendeine Worthülse einer daher gelaufenen Soziologin die mal eben allen nicht-weißen für rassistisches Verhalten die Absolution erteilt. Hör auf Rassisten zu decken.

Diese Sichtweise mag man von vornherein ablehnen. Man kann aber auch darüber reden und etwas daraus lernen.

Zum Beispiel, dass man alle Menschen nach den gleichen Standards messen sollte und nicht auf Basis ihrer Hautfarbe unterschiedliche anlegen sollte. Aber das würde ja bedeuten kein Rassist zu sein, und das geht natürlich gar nicht.

Das wäre unendlich viel besser, als die Rassismus-Erfahrungen anderer abzustreiten und sich aufzuregen, wenn man wegen seiner uninformierten Kommentare Gegenwind bekommt.

Sorry, aber DU hast Weißen kollektiv Rassismuserfahrungen abgesprochen. Und wenn sie diese benennen, nennst du sie uninformiert, weil sie eine gänge Definition von Rassismus verwenden und nicht eine Eigendefinition einer Doktorin der Soziologie aus einem Buch, dass noch nicht einmal in der deutschen Sprache (die wir ja hier verwenden) erhältlich ist. War doof ne? Merkste selber.

»Weiße Zerbrechlichkeit«, das trifft sehr gut, was passiert, wenn alte weiße Männer sich dagegen wehren, alte weiße Männer genannt zu werden.

Sie wehren sich dagegen als Kollektiv behandelt zu werden. Sie wehren sich dagegen, dass sie als Individuen nicht anerkannt werden. Sie wehren sich gegen eure verf***te Dämonisierung. Sie wehren sich gegen Rassismus.

Es tut weh, weil es sich ungerecht anfühlt, für etwas angegriffen zu werden, das man sich nicht ausgesucht hat, und was ja per se auch nichts Schlechtes ist, und deshalb reagiert man empfindlich und zerbrechlich und beleidigt zurück, von oben nach unten.

Moment, wie war das? Ich zitiere mal von weiter oben: „ […] und die jetzt an den kleinen und großen Schaltstellen der Macht angekommen sind (etwa jener, hier für Geld seine Meinung schreiben zu können)“. Also du bist in einer Position der Macht und erzählst etwas über alte, weiße Männer. Und alte, weiße Männer finden es scheiße darauf reduziert zu werden und reagieren entsprechend – von oben? nach unten?.

Jetzt mal ehrlich. Glaubst wirklich allen ernstes, dass all die Männer, die empfindlich auf solche Artikel und Aussagen reagieren, in höheren/mächtigeren Positionen sind?

Es ist schon merkwürdig, dass du es, obwohl du es sogar sagst, offensichtlich nicht verstehst, in was für einer Position du (als Individuum) bist. Und wie sehr du von oben herab über andere redest und urteilst – weil sie geboren wurden wie sie geboren wurden. Du weißt NICHTS über diese Menschen. Nichts du scheiß sexistisches Rassistenschwein.

Ja, keiner von uns hat es sich ausgesucht, alt, weiß und ein Mann zu sein. Aber jeder einzelne sucht sich aus, ob er weiter auf Kosten anderer davon profitieren möchte.

Der Pfad zur Erlösung:

1.: Erkenne, dass du moralisch verwerflich gehandelt hast.

2.: Erkenne, dass du komplett unten durch wärst, wenn du deine individuelle Schuld anerkennen würdest.

3.: Tue einfach so ob alle anderen auch diese moralische Verwerflichkeit begangen hätten.

4.: Prangere das Problem an und schließe dich mit ein, so hast du deine Schuld öffentlich gemacht ohne im Fokus der Sühne stehen zu müssen. (Protipp: Senke demütig das Haupt)

5.: Stelle alle vor eine Wahl ob sie deine Schuld übernehmen und du fein raus bist oder deine Schuld mit sühnen (und du damit fein raus bist)

6.: Lass Dich dafür feiern, dass das erkannt hast.

Vorteile aufgeben ist schwierig, und ich bin überzeugt, die meisten meiner Privilegien sehe ich nicht mal, oder ich lüge mir in die Tasche.

Vor allem siehst du die nicht, die du dir erarbeitet hast und du siehst welche, wo keine sind.

Aber man muss auch nicht so tun, als würde man daran zerbrechen.

Tut ja auch keiner. Die Leute sind wütend, weil sie rassistisch angegangen werden. Und wir hatten uns mal darauf geeinigt gegen Rassismus vorzugehen und Menschen als Individuen zu betrachten.

Es ist nichts Schlechtes, ein alter weißer Mann zu sein.

Und doch gibt es zig Artikel darüber wie schlecht doch der alte, weiße Mann in diesem, jenen oder allen Bereichen ist und das er im Sinne der Diversity ausgetauscht gehört.

Im Gegenteil. Es war eben immer überproportional gut, im Sinne von: buchstäblich vorteilhaft.

Einfach mal von einer moralischen Wertung in eine funktionale Wertung wechseln. Klassiker.

Über diese Vorteile und wie wir sie abgeben können, müssen wir reden.

Nun, ich würde vorschlagen, du kündigst einfach deinen Job, verschenkst deine Wohnung an eine woman of colour verteilst dein Geld an nicht-weiße und lebst fortan auf der Straße oder, um sicher zu gehen, dass dich dein Weiß-Sein nicht wieder mit lästigen Vorteilen bedenkt, könntest du dir eine schwarze Haut tätowieren lassen.

Und das geht nur, wenn wir die Dinge und uns beim Namen nennen.

Ich nenne dich: Rassistenschwein.

3 Gedanken zu “Hör auf zu blöken, dummer Rassist! #MeTwo @TillRaether

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