Random Thoughts Nr. 8

  1. Allgemeines zu meinen Onlineaktivitäten
  2. Ein paar Gedanken zu Chemnitz
  3. Die AstA der Universität Bremen

1. Allgemeines zu meinen Onlineaktivitäten

Es ist vielleicht einigen aufgefallen, dass ich meine Onlineaktivitäten in letzter Zeit etwas eingeschränkt habe. Grund dafür ist der Zeitfaktor. Studien- und berufstechnisch bin ich gut ausgelastet. Zudem verbringe ich gerne meine Zeit mit meinen Freunden, meinem Neffen und meinem 15 Tage alten Patenkind. Gelegentlich möchte ich dann auch einmal ein Spiel anschmeißen, so dass ich auf ein Zeitpensum komme, das wenig Zeit für Blog, Videos oder Twitter lässt.

Es wird zwar immernoch etwas erscheinen, aber weiterhin sehr sporadisch.


2. Ein paar Gedanken zu Chemnitz

Was war geschehen: Ein Mann wurde bei einer Messerstecherei getötet, zwei weitere verletzt. Dringend tatverdächtig sind zwei Menschen mit Migrationshintergrund.

Unsere Medien berichteten von Hetzjagden durch Chemnitz. Ein Begriff, der auch von Bundeskanzlerin Dr. Merkel und Regierungssprecher Seibert verwendet wurde. Ein örtlich Volksfest (Stadtfest?) wurde aus sicherheitsgründen abgebrochen.

Es kam zu sowohl spontanen als auch geplanten Demonstrationen mit Beteiligung und Unterstützung von AfD und Pegida. Bei denen teilweise von einigen Teilnehmern der Hitlergruß gezeigt wurde und auch Gewalt (u.A. gegen Migranten aber auch Journalisten) ausgeübt wurde.

Durch die mediale Berichterstattung kam es schnell zu einem Hype (oder wahlweise auch Hysterie). Es wurde auch von Pogromen gesprochen und die (möglicherweise nur angenommenen) Probleme in Chemnitz wurden schnell durch das Problem „Rechte erstarken“ überdeckt. Es kam sogar zu einem Konzert unterschiedlicher deutscher Popgrößen wie den Toten Hosen (ehemals Punk) und Nura sowie Alternative- und Rockgrößen wie Kraftklub und Feine Sahne Fischfilet.

Nach all dem Rummel habe ich mir gedacht: ‚Such mal nach Videos und Fotos von diesen Hetzjagden. Wenn diese wie gemeldet durch die Innenstadt von Chemnitz gingen, dann wird es sowohl Videos von Überwachungskamaras als auch von privaten Handys geben.‘

Und was bekomme ich? Zwei Ergebnisse. Bei dem einen sieht man einfach nur für 3 Sekunden vollkommen kontextlos 5 oder 6 Leute losrennen (sprich sie fangen gerade an zu rennen) und bei dem anderen sieht man einen Mann der einem anderen hinterher rennt und diesen einmal tritt. Zudem emine ich vernommen zu haben, dass der „Verfolgte“ als Kanacke bezeichnet wurde. Ich denke ich muss nicht erwähnen, dass dieser Begriff meist negativ konnotiert ist und idR als Beleidigung zu verstehen ist.

Und auch wenn ich sowohl die Rhetorik als auch die Gewalt verurteile. Wer zum Geier nennt sowas eine Hetzjagd? Das ist harmloser als eine selbst-zu-meiner-Zeit-mit-angezogener-Handbremse-geführte-Schulhofprügelei. Was stellt man sich denn unter einer Hetzjagd vor? Mein erster Gedanke war, das mehrere Leute einen oder mehrere Migranten durch halb Chemnitz jagden. Dass sie möglicherweise bewaffnet waren. Dass die Verfolgten um ihr Leben fürchten müssten. Und dann sowas…

Was 1999 in Guben passierte, DAS war eine Hetzjagd.

Hierhaben sich unsere Medien in ihrer Wortwahl aber mal so richtig tüchtig vergriffen. Und hier merkt man dann auch, warum sich unsere Medien ihrer Verantwortung für sachlichen Journalismus wieder bewusst werden müssen. Der Begriff wurde von unserer Bundeskanzlerin, dem Regierungssprecher und vielen Stars der deutschen Musikszene ungeprüft übernommen.

Es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen linker und rechter Demonstranten. Das – in meinen Augen – richtige Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit bekommt einen schalen Beigeschmack, wenn man bedenkt, dass Hype der es scheinbar nötig machte, dieses Zeichen zu setzen, auf einer solch irregeleiteten Verwendung des Begriffes Hetzjagd beruht.

Und was hat sich getan? Ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit wurde gesetzt. Die fremdenfeindliche Rechte muss gemerkt haben, dass sie beileibe nicht für die Mehrheit der Gesellschaft steht. Aber die Probleme vor Ort bleiben. Und es sind mehr Leute nach rechts gewandert.

Denn einige der Bürger äußerten sich besorgt über einige Probleme, die in diesem Medienrummel untergingen. Und die  – ihrem Eindruck nach – vor der Massenmigration nicht oder nicht annähernd so häufig auftraten. Z.B. äußerte ein Chemnitzer, dass seine Töchter nciht mehr wie früher alleine in die Stadt gehen würden, da sie schon mehrfach verbal von Migranten angegangen wurden. Ein anderer äußerte, dass Gewalt immer häufiger ein Problem darstellt – und diese meist von Migranten ausgeht.

Ob dies stimmt oder nicht, kann ich nicht sagen. Ob dies erfundene Geschichten sind, Untertreibungen, Übertreibungen oder nur der subjektive Eindruck. Kann ich nicht sagen. Aber nehmen wir an, dass diese Sachen ein subjektiver Eindruck sind, die möglicherweise auf persönlichen Erfahrungen beruhen. Macht es dann nicht Sinn, das zu mindest anständig zu diskutieren? Warum muss man ernst zu nehmende Bedenken immer gleich in die rechte bzw. rechtsradikale Ecke stellen? Ist es wirklich rechts gegen Messerstechereien zu sein?

Ich stelle mir gerade vor, wie ich äußern würde, dass ich auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen und Erzählungen von Freunden und Bekannten Bedenken ob meiner Sicherheit und meiner Familie hätte. Das ich Angst um unsere Gesundheit oder gar unser Leben hätte. Und irgend ein dahergelaufener Typ würde mich deshalb beleidigen und mich in die Rechte Ecke stellen.

Was bringt das? So gewinnt man weder den Diskurs noch Wähler.

Bürger: „Ich sehe ein Problem“

Rechter:“ Ich sehe es auch, hier ist meine Lösung?“

Linker: „Der Rechte hat ein Problem gesehen, deshalb ist da keins und nur Nazis würden behaupten, dass da eins ist.“

Bürger (denkt): ‚Aber ich sehe doch das Problem und die wollen das nur nicht addressieren, weil der Falsche mir zugestimmt hat, dass eins gibt? Also sind die einzigen, die mir helfen wollen die Rechten?‘


3. Die Asta der Universität Bremen

Kurzzusammenfassung: Eine Sudentin der Uni Bremen hat eine Mutter die bei der NPD ist, einen Großvater der bei der SS war und sie selbst war bei mehreren Veranstaltungen die dem rechten oder gar rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sind. Kommilitonen*_InnenX haben nun Zettel verteilt und an Türen gepappt die sie beim Namen nennen und diese Aussagen über sie treffen.

„Dem SPIEGEL gegenüber teilte die Studentin mit: „Ich bin nicht rechtsradikal. Ich bin weder in einer Partei noch in einer politischen oder weltanschaulichen Gruppierung oder einem solchen Verein organisiert.“ Dass sie bei den erwähnten Veranstaltungen dabei war, streitet sie nicht ab.“

Des Weiteren wurde eine Grundschule kontaktiert, bei der die Studentin ihr Referendariat macht und weitere sollen kontaktiert werden.

Nun hat die Hochschule einige der Zettel entfernen lassen und die Asta aufgefordert ihre auch zu entfernen.

„Es geht um eine wichtige Frage: Hat jemand, der womöglich rechtes Gedankengut pflegt, ein Recht darauf, unbehelligt durchs Studium zu gehen – und damit die Berechtigung zu erwerben, später an deutschen Schulen zu unterrichten?“

Ein ganz klares ja.

Erstens ist es nicht nur möglich, dass sie rechtes Gedankengut pflegt, sondern auch, dass sie dieses abgelegt hat. Oder, dass sie dabei ist dieses in Frage zu stellen und ihre vorherigen Annahmen zu überdenken.

Zweitens gibt es wohl kaum einen Menschen, der NUR linkes oder NUR rechtes Gedankengut pflegt.

Drittens: Nur weil ein Mensch rechtes Gedankengut pflegt bedeutet dies nicht automatisch, dass dieser Mensch dieses Gedankengut auch unterrichtet. Es ist nämlich durchaus möglich sich an die Vorgaben seines Dienstherren zu halten, obwohl man diese eigentlich nicht unterstützt.

Ich zum Beispiel habe mich verpflichtet christliche Werte zu transportieren, da ich bei der Caritas arbeite. Nun bin ich zwar überzeugter Atheist, aber wenn mich ein Bewohner in Sachen Glauben und Gott anspricht, dann anworte ich ihm auf dieser Ebene. Obwohl ich da nicht unbedingt hinter stehe.

Viertens: Rechtes Gedankengut ist nicht per se schlecht. Denn rechtes Gedankengut umfasst nicht nur Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus sondern auch Marktwirtschaft, Eigenaktivität, etc. Ich zitiere mal vom bpb und mache alles dick, was ich als wichtig empfinde:

Die Meinungsforscherin Noelle-Neumann hat beschrieben, was Menschen unter rechten und was sie unter linken Werten verstehen. Als linke Werte gelten danach: Gleichheit, Gerechtigkeit, Nähe, Wärme, Formlosigkeit, das „Du“, Spontaneität, das Internationale und Kosmopolitische. Ihnen stehen als rechte Werte gegenüber: Betonung der Unterschiede, Autorität, Distanz, geregelte Umgangsformen, das „Sie“, Disziplin, das Nationale.
In der Wirtschaft sind linke Werte: staatliche Planung, öffentliche Kontrolle, rechte Werte: Privatwirtschaft und Wettbewerb.
Freiheit verstehen Linke zuerst als Freiheit von Not. Der Staat soll sich um soziale Sicherheit und Geborgenheit kümmern. Rechte verstehen Freiheit umgekehrt zuerst als Freiheit von staatlicher Gängelung und staatlichem Zwang. Sie schätzen Anstrengung, Risikobereitschaft, Eigenaktivität. Das zentrale linke Anliegen ist Solidarität mit den Schwächeren.

Ich hätte vielleicht besser markieren sollen, was ich nicht wichtig finde…

Egal. Man sieht an dieser Auflistung, dass nicht alles rechte Gedankengut per se schlecht ist.

Fünftens: Die tragende Säule, das Fundament und die Eckpfeiler der Demokratie ist die Meinungspluralität. Einem Menschen, nur weil er möglicherweise anders denkt, Studium und Zukunft zu versauen ist zu tiefst undemokratisch.

Sechstens: Auch in der Grundschule haben wir Ansichten von Lehrern in Frage gestellt. Einfach und allein dadurch, dass wir gesagt haben, dass unsere Eltern uns Sachen anders beigebracht haben. Das ein extrem rechtes Gedankengut lange unbemerkt bleibt ist unwahrscheinlich.

Siebtens: Taktik. Wenn man rechtsradikalen das Wasser abgraben will, dann darf man nicht so dumm sein und sie für ihre Meinung bestrafen. Sie können sich damit zu Recht als Opfer von politisch motivierten Repressionen stilisieren und dem Bürger aus der Mitte oder aus der moderat-Rechten zeigen: „Seht her, wie die mit Dissidenten umgehen. Wollt ihr das für Euch auch, wenn ihr mal anderer Meinung seid?“

Achtens: Wenn sie, was durchaus möglich ist, ihre frühere politische Einstellung hinterfragt, da sie mit anderen Impulsen konfrontiert wurde, dann wäre diese Aktion und die soziale Ausgrenzung ein Garant dafür, dass sie wieder in ihr altes Lager zurückkehrt. Man überzeugt nicht mit Strafe, sondern mit Argumenten.

Neuntens: Meinungsfreiheit PUNKT


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