Keine Angst vorm Nicht-Gendern

In der taz erschien ein ziemlich anmaßender Kommentar von Simone Schmollak

„Liebe Leser:innen, das hier ist ein durchgegenderter Text. Damit müssen Sie leben, auch wenn Sie zu den 65 Prozent der Menschen in Deutschland gehören, die laut Meinungsforschungsinstitut infratest dimap eine gendergerechte Sprache ablehnen.“

Gehöre ich. Nebenbei führt der Link nicht zu den Ergebnissen.

„Sie können natürlich sofort aussteigen aus diesem Text, aber vielleicht lassen Sie sich doch inspirieren.“

Lasse ich mich. Es soll Dein Schaden sein.

„Denn eine Sprache, die Frauen, Männer und Transgender-Personen treffender adressiert als bislang verbreitet, könnte früher oder später normal sein.“

Könnte. Muss aber nicht. Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass „treffender“ eine Steigerung ist. Dies würde implizieren das vorher die Sprache (in Bezug auf das generische Maskulinum, um das es beim Gendern geht) bereits diese Personen adressiert haben soll. Das ist nicht der Fall. Die generischen Formen werden verwendet, wenn dass Geschlecht bzw. die Geschlechterzusammensetzung der bezeichneten Gruppe unerheblich/irrelevant ist. Dementsprechend wurde gar kein Geschlecht adressiert.

„Nicht in diesem, auch nicht im nächsten Jahr, sicher aber irgendwann doch.“

Es wäre sehr schade, denn dann würden wir immer Bezug auf das Geschlecht nehmen, selbst dann, wenn es vollkommen unerheblich ist. Wir würden so immer wieder das Geschlecht in den Fokus rücken und Menschen (auf Grund der stetigen Präsenz des Geschlechtes) zu Sexisten erziehen.

„Sprache passt sich gesellschaftlichen Entwicklungen ebenso an, wie sie sie abbildet.“

Das ist korrekt. Wenn diese Sprachentwicklung von „oben“ angeordnet wird, gegen den Willen der Mehrheit, dann handelt es sich nicht um eine organische Sprachentwicklung, sondern um eine diktatorische. Und das ist für einen liberalen Menschen wie mich abzulehnen.

„Den Veränderungen ist nicht zu entkommen: Frauen spielen in Politik, Wirtschaft, Kultur eine größere Rolle als noch vor 50 Jahren. Da ist es nicht nur gerecht, sondern schlicht logisch, dass sich Gleichstellung auch sprachlich bemerkbar macht.“

Warum ist es logisch aus einer geschlechtsunabhängigen grammatikalischen Form eine geschlechtsabhängige zu konstruieren und sie den Menschen aufzuzwingen, obwohl sie von der Mehrheit der Menschen abgelehnt wird? Immerhin lehnen ja auch Frauen mehrheitlich das Gendern ab.

„In den vergangenen Jahren sind Menschen mit queerem Hintergrund und mit Migrationsgeschichte in den Fokus der Gesellschaft gerückt. Auch sie müssen sprachlich einbezogen werden. Dafür gibt es viele Varianten, liebe Leser_innen, Leser.innen, Leser*innen, Lesende oder eben Leser:innen.“

Und die bereits existierenden generischen Formen. Abgesehen davon ist es natürlich vollkommener Quatsch, dass Idiotengab, Deppenstern, Trottelpunkt und Konsorten Menschen mit Migrationshintergrund (weil sie Menschen mit Migrationshintergrund sind) einbeziehen. Du fängst jetzt an in Deinem Wahn Buzzwörter aneinander zu reihen. (Update: Mir viel gerade ein, dass sie das öfter macht)

„Manche mögen sich an der Lesbarkeit solcher Formen stören, aber das ist reine Gewöhnungssache.“

Aber warum sollte ich mich daran gewöhnen, wenn es doch schon eine wesentlich bessere und vor allem einfachere Form, nämlich die generische, gibt?

„Ebenso die gesprochene Pause zwischen Leser und innen mag manchen anfangs schwer über die Lippen kommen, geht aber sehr rasch sehr leicht.“

Und führt zu Misverständnissen, Störungen des Sprachflusses und versorgt einen mit irrelevanten Informationen.

„Das glauben Sie nicht? Nun, Tür ­schreiben Sie auch nicht mehr Thür. Im Stile eines Thomas Mann verfasst heute kaum noch ein:e Au­to­r:in ihre Texte. Selbst die gezeichneten Emoticons, die Sie möglicherweise bei Whatsapp, in einer SMS oder beim Twittern verwenden, sind Ausdruck einer sprachlichen Entwicklung.“

No shit Sherlock. Und wer hat diese sprachliche Entwicklung angeordnet? Wer hat sie, entgegen gängiger sprachlicher Übereinkünfte durchgedrückt? Das sind Sprachentwicklungen die gewachsen sind. Keine die über amtlichen Zwang, Androhung schlechter Noten oder moralischem Druck durchgeführt wurden.

„All das können Sie natürlich ablehnen. Ob Sie weiterhin das generische Maskulinum verwenden, bleibt ganz Ihnen überlassen. Es gibt kein Gesetz, das vorschreibt, wie Sie zu sprechen haben.“

Wie ich euch Feministen kenne: NOCH nicht.

„Sie könnten aber auch versuchen, die Neuerungen anzunehmen und damit zeigen, dass Sie gerecht und inklusiv sind.“

Ziemlich anmaßend. SIE müssten ersteinmal beweisen, dass ich das nicht bin wenn ich die generischen Formen verwende. Denn diese ist inklusiv und gerecht. Ich muss nicht eine unnötige Verkomplizierung der Sprache annehmen (die nebenbei auch noch klingt als wäre die sprechende Person geistig etwas… früh stehen geblieben) um zu zeigen das ich gerecht und inklusiv bin.

„Sie schaffen das. Ganz bestimmt.“

Sie sind ziemlich unverschämt dafür, dass sie angeblich für Inklusion und Gerechtigkeit stehen.

Update: Archivlink

7 Gedanken zu “Keine Angst vorm Nicht-Gendern

  1. Habe bei diesem TAZ-Geschreibsel keine Genderei entdecken können.Das Browser-Plugin „Binnen-I be gone“ leistet dabei gute Arbeit und liefert wieder lesbare Texte.
    Obwohl die ganze Genderei auch eine praktische Seite hat: Sie setzt gut sichtbare Marker für Bullshittexte, die nicht lesenswert sind.

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  2. Die Kommentare unter dem Artikel haben mich erstaunt. Dort lehnt fast jeder die steilen Thesen/Befehle ab. Die TAZ-Kommentatoren sind weitaus „geschlechterungerechter“ als die behaupteten 65%.

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  3. Die Ablehnung der Genderei ist übrigens noch grösser als behauptet, denn es wurde gefragt, ob es verboten werden soll. Manche wollen kein Verbot und es jedem selbst überlassen, ob er gendern will oder nicht, lehnen es aber für sich selbst ab.

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  4. Deutsch ist ja keine ganz so leicht zu erlernende Sprache (aber leichte als Finnisch oder Ungarisch).
    Hat aber der Genderbeführworter mal an die Sprach-u.Leseanfänger, den Personen mit Lernbehinderungen und an die Nicht-Deutsch-Muttersprachler gedacht was die für Schwierigkeiten damit haben?

    Oder sollten wir Deutsch als Sprache und Schrift ( und somit unsere Kultur) abschaffen und stattdessen Esperanto einführen?

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