Der Gender Pay Gap

Auf Alles Evolution gab es am 3. Februar 2017 einen Beitrag zum Gender Pay Gap.  Dazu sind mir ein zwei Gedanken gekommen, ich hatte sie aber nicht verschriftlicht, weil Zeit.

Ähnlich ging es mir bei einem Beitrag von Asemann am 25.1.2017. Dort habe ich immerhin noch angekündigt, dass ich dazu noch etwas schreiben würde und habe zwei-drei Anmerkungen verfasst.

Was mich jetzt dazu bewegt zuschreiben ist – mal wieder – Twitter.

Nun gab es natürlich direkt wieder Menschen (wie mich), die das Bundesministerium für feminist sucial fucking justice auf die kleinen aber feinen Unzulänglichkeiten in diesem Themenkomplex hinwieß.

Und jetzt kommt der Knaller. Das BMFSFJ hat ein PDF veröffentlicht, in dem folgendes zu lesen ist (Seite 3) :

Der Wert kann als Obergrenze interpretiert werden, da der bereinigte Gender Pay Gap möglicherweise geringer ausfallen würde, wenn weitere lohnrelevante Eigenschaften – wie etwa Angaben zum tatsächlichen Ausmaß der Berufserfahrung und der Erwerbsunterbrechungen – im Rahmen der Analysen zur Verfügung gestanden hätten.
Also erstmal nichts mit „durchschnittlich 7%“. Laut BMFSFJ selbst ist 7% eine Obergrenze.
Und dann folgt auch noch zwei mögliche Erklärungen, nämlich
– das tatsächliche Ausmaß der Berufserfahrung
– Erwerbsunterbrechungen
die bei der Analyse NICHT berücksichtigt wurden, weil nicht bekannt. Aber unerheblich sind die bestimmt nicht.
Aber es kommt noch traumhafter, die Leute von der „Equal Pay Day“ Initiative (die interessanterweise vom BMFSFJ mit-initiiert wurde) schreiben auf ihrer Equal Pay Day Wiki:
Danach bleiben, nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes, noch 7 Prozent Verdienstunterschied bestehen – von Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiographien. Aber auch hier können nicht alle Ursachen, wie z.B. Erwerbsunterbrechungen und Elternzeiten oder die individuelle Verhandlungsstärke, berücksichtigt werden
Erwerbsunterbrechungen und Elternzeiten gehören demnach nicht zu den Erwerbsbiographien – was man ja eigentlich annehmen sollte – und das individuelle Verhandlungsgeschick wird auch als möglicher Grund genannt.
Wenn man diese Sachen zu Grunde legt, dann muss der GPG noch deutlich weiter einschrumpfen, wenn nicht gar auf Null sinken. Aber was würde passieren, wenn sich der Gehaltsunterschied in die andere Richtung öffnen würde, wenn man diese Faktoren betrachtet?

Kommen wir zu den Gedanken, die mir bei Asemann gekommen sind. Dort wurde die Seite des Statistischen Bundesamtes verlinkt. Wer behauptet, dass der unbereinigte Gender Pay Gap auf Diskriminierung beruht, der soll mir Folgendes erklären:
In den Wirtschaftszweigen „Wasserversorgung; Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseiti­gung von Umweltverschmutzungen“ (1 %) sowie „Verkehr und Lagerei“ (5 %) fiel der Gender Pay Gap relativ gering aus.
Wie kann es sein, dass in massiv männerdominierten Wirtschaftszweigen der GPG so gering ist, während
Auch im Gesundheits- und Sozialwe­sen, wo traditionell Frauen stärker vertreten sind als Männer, [die] Verdienstunterschiede mit 23 % relativ hoch [waren].
Wenn wir eine flächendeckend sexistische Gesellschaft wären, die gegen Frauen diskriminiert , dann müsste der GPG doch in männerdominierten Berufen recht groß ausfallen oder? Und nein, liebes Bundesamt für Statistik, „Hier waren allerdings nur wenige Frauen beschäftigt.“ ist kein Argument, da es sich um durchschnittliche Stundenlöhne handelt.
Wer meint, dass der unbereinigte GPG auf Diskriminierung gegen Frauen beruht muss erklären, warum in  der“ „Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftli­chen und technischen Dienstleistungen“ (32 %)“ der GPG am größten ist, da wo die Leute selbst für ihr Einkommen verantwortlich sind.

Aber ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht eine mögliche Antwort zu mindestens einer Sache hätte. Der GPG im Gesundheits- und Sozialwesen.

Ich hatte schon an zwei Stellen (1, 2) beschrieben, dass in diesem Bereich tatsächlich gegen Frauen diskriminiert wird – und das es dafür nachvollziehbare Gründe gibt.

Nun ist es so, dass es für meine Branche keine bindenden Tarifverträge gibt. Die Caritas AVR ist an den TVöD angelehnt und ist damit auch der vergoldete Bentley unter den Arbeitgebern. Andere Arbeitgeber in meiner Branche handeln die Löhne individuell aus oder haben einrichtungsinterne Rahmenverträge. Doch wie hängt das zusammen?

Man stelle sich vor, dass mich alle Arbeitgeber haben wollen, weil ich ein Mann bin (siehe Link 1). Ich habe also die freie Auswahl an Arbeitsplätzen. Und ich wähle natürlich – wer würde es nicht tun – den Arbeitgeber, der mir finanziell am meisten gibt (ganz zu schweigen von den anderen Möglichkeiten, die ein so großer Arbeitgeber bietet). Das heißt aber auch, dass der Caritasverband überproportional viele Männer anzieht, während die schlechter bezahlenden Einrichtungen ihre Lücken mit Frauen auffüllen müssen. All diese Firmen bezahlen zwar ihren weiblichen Arbeitnehmer genausoviel wie ihren männlichen (also keine Lohndiskriminierung), aber im Durchschnitt der Branche kommt es dann zu diesem Effekt.

#Rasenmähergegensexismus und Selbstreflektion

In der sozialistischen Tageszeitung „Neues Deutschland“ erschien am 11. Januar 2017 ein Artikel über den Twitter-Hashtag #RasenmäherGegenSexismus von Elsa Koester (Archiv).

In diesem Artikel sind meines Erachtens mehrere Fehler enthalten. Der zweitgröbste – und mittlerweile wirklich nervigste – ist der Fehler Männerrechtler als „Maskulinisten“ zu bezeichnen. Das ist, wie auch schon hunderttausende Male von diversen Menschen angemerkt, falsch. Es müsste Maskulist heißen und es wäre wirklich mal langsam an der Zeit, dass dies bei den Feministen ankommt.

Der gröbste ist jedoch der, dass die Autorin nicht mit dem Twitterer gesprochen hat. Es ist kein Problem diesen zu erreichen. Ich habe das auch geschafft und konnte ihm einige Fragen stellen. Daher kann ich hier seine Meinungen als auch meine Meinungen wunderbar wiedergeben.

Twitter ist eine komische Sache. Plötzlich ist der da, auf Platz zwei: Der Hashtag #RasenmähergegenSexismus. Worum es geht, wird nach einem ersten Blick auf die vielen Tweets nicht so richtig klar. OK, man merkt: Hier tummeln sich irgendwie Sexisten und Maskulinisten, um sich über Antisexismus, Feminismus, über transgeschlechtliche Menschen und über Genderpolitik im Allgemeinen lustig zu machen.

Nun es machen sich auch Antisexisten über „Antisexismus“, Feminismus und über Genderpolitik lustig. Tatsächlich ist Antisexismus der Auslöser des Ganzen gewesen. Oder besser gesagt: Das Veräppeln oder Trollen von Sexisten.

(Archiv)

Das hier ist der Auslösertweet. Das feministische Magazin „Edition F“ sucht eine/n Praktikanten/in und wird darauf hingewiesen, dass Männer in deren Redaktion unterrepräsentiert sind. Das wäre ja nun bei Feministen, die „Geschlechterparität“ bzw. „Gleichstellung“ bzw. „Gleichberechtigung“ wollen eigentlich ein vollkommen legitimer Hinweis. Vor allem, weil ein solches Magazin natürlich mit gutem feministischen Beispiel vorangehen sollte. Nun ist der Hinweis natürlich nicht gerade freundlich formuliert. Wie Teresa Brücker ja auch direkt anmerkt. Sexist genannt zu werden ist eine Beleidigung. Das Dumme ist nur, dass genau diese Rhetorik auch gerne von Feministen angewendet wird. ‚Frauen sind nicht gleich repräsentiert? Das ist institutionalisierter Sexismus!‘ ‚Frauen sind in MINT-Fächern immer noch unterrepräsentiert vertreten? Sexistische Strukturen!‘ „Transparenz alleine reicht nicht, um die verkrusteten sexistischen Strukturen in der Arbeitswelt aufzubrechen“.

Dies ist übrigens meine Interpretation gewesen, die Diplomrasenmäher bestätigte:

1

»#Rasenmähergegensexismus ist erst der Anfang. Intersektional müssen wir auch #TRANSMÄHER* mitnehmen: die zum Mopped umgebauten Rasenmäher!«, steht da zum Beispiel. Das Sternchen ist ein Seitenhieb auf eine bestimmte Form des Genderns, das neben Männern und Frauen auch Transgeschlechtliche einbeziehen will, etwa bei Rasenmäher*innen.

Hihihi, Rasenmäherinnen… Es gibt nur DER Rasenmäher. Rasenmäher haben kein anderes Geschlecht. Es gibt keine transgeschlechtlichen Rasenmäher… Aber sowas kann schon mal passieren, wenn man sich keine Gedanken macht. Ich sehe das Frau Koester nach. Aber ich würde sagen: Auch hier vollkommen zurecht veräppelt.

Viele der Tweets richten sich außerdem gegen das feministische Online-Magazin »editionf« und gegen dessen Redaktionsleiterin Teresa Bücker. »Aufruf an die #Rasenmäherarmy!!! Belästigt diese Frau mit dem Hashtag #RasenmähergegenSexismus«, dieser Tweet scheint ganz am Anfang der Hasswelle zu stehen[1]. Geschickt wurde er von dem Account »Diplomrasenmäher«. Was aber ist der Anlass für diese Hetze?

Nun, ich habe wie gesagt einfach mal gefragt und folgende Antwort bekommen:

3

Warum so viele andere „hetzten“? Ich denke, dass viele Menschen mittlerweile die Nase voll haben vom Feminismus. Auf der einen Seite sagen Feministen, dass sie gegen Sexismus wären, fordern aber gleichzeitig geschlechtsspezifische Sonderrechte wie die Frauenquote. Dann wird davon geredet, dass Frauen unterdrückt wären, weil z.B. jede 3. Frau Opfer von Gewalt wird. Aber was ist denn dann mit Männern? Diese werden deutlich häufiger Opfer von Gewalt. Der Wehrdienst, den sehr viele Männer mitmachen mussten, bringt es mit sich, dass man als Mann im Zweifel zum Kriegsdienst gezwungen werden kann. §1631d BGB erlaubt ausdrücklich die Genitalverstümmlung… Verzeihung „Beschneidung“ von Jungs. Sind Männer also die UnterdrücktenPlus? Wenn man das aber anbringt bekommt schnell so antworten wie ‚Ach du mit deinem Whataboutism‘ oder ‚Das ist a nur derailing‘.

Im Männerrechtsbereich gibt es noch viele Probleme. Allein schon bei den Gesetzesfassungen. Wie oben genannt der §1631d BGB und im Vergleich dazu §226a StGB, der weibliche Genitalverstümmlung verbietet. Andere Paragraphen, die nicht geschlechtsneutral sind, sind z.B. Art. 12a unseres Grundgesetzes, Art 6(4) GG, §185 StGB und das Bundesgleichstellungsgesetz. Es ist sehr bemerkenswert, dass man, wenn man sowas anbringt als „reaktionär-konservative Männerrechtler“ bezeichnet wird.

Wenn ich eine Ideologie oder Bewegung habe, die für sich in Anspruch nimmt für Gleichberechtigung/Gleichstellung/Geschlechtergerechtigkeit zu sein und sich lieber mit #Breitmachmacker beschäftigt, als mit Gesetzen, die tatsächlich diskriminieren und sogar noch neue Gesetze fordern, die ebenfalls diskriminieren, dann muss man sich nicht wundern, wenn der Widerstand gegen eine solche Bewegung wächst. Und da die meisten Menschen Sexismus (und Rassismus) verabscheuen – und ich meine wirklich verabscheuen – werden solche Leute auch gerne mal… unfreundlich… behandelt. Diese „Hetze“ ist eine Hetze gegen den Sexismus der Feministen. Es geht darum Feministen zu ärgern. Und es scheint, als wenn viele Leute der Ansicht sind, dass sie es sich redlich verdient haben mit ihrer sexistischen Politik.

Auch die Redakteurin Bücker kann sich keinen Reim darauf machen, was der Hashtag genau aussagen soll. Sie habe den Ursprung der Hasswelle nicht gefunden, sagt die Feministin gegenüber »nd« – vermutet dahinter aber gut vernetzte sexistische Trolle, die das am Mittwoch verabschiedete Gesetz zur Lohngerechtigkeit zum Anlass nehmen, das feministische Magazin und Feministinnen ins Visier zu nehmen.

Ich habe oben schon die Erklärung gegeben, die der konkrete Auslöser war (durch Diplomrasenmäher bestätigt). Ich befürchte sie werden das als Unsinn abtun, aber ich kann Sie nur darum bitten ihr eigenes Verhalten und das ihrer Bewegung mal zu reflektieren. Stehen Sie wirklich für das was sie behaupten zu stehen oder tun sie es nicht? Müssten sie nicht auch für Geschlechterparität sorgen, wenn Männer unterrepräsentiert sind, wenn sie Geschlechterparität fordern wo Frauen unterrepräsentiert sind? Sind ihre Methoden alles gleich als sexistisch, konservativ, reaktionär, wasauchimmer zu bezeichnen, wirklich der richtige Weg? Kann es nicht vielleicht auch vollkommen unschuldige Motive und Hintergründe für Dinge geben, die ihnen auf den ersten Blick missfallen? Kann es nicht vielleicht sein, dass ihre „reaktionär-konservativen“ Gegner die Dinge tun, die sie tun, weil sie glauben, dass es das Richtige ist? Weil sie glauben, dass sie etwas Gutes tun? Weil sie glauben, dass man nicht auf Grund eines Geburtsmerkmales diskriminieren sollte? Sie können sich sicher sein, die meisten Menschen glauben von sich, gut zu sein.

»Maskulinisten sind in den sozialen Medien sehr gut vernetzt. Da sind einzelne gut in der Lage, von sich aus einen Shitstorm loszutreten«, erklärt Bücker.

4

Maskulinisten sind reaktionär-konservative Männerrechtler. Eine so große Twitterflut wie heute habe sie jedoch noch nicht erlebt. Gut und gerne 500 Hass-Trolle habe sie an einem Tag blockieren müssen. Auf Twitter schickt sie eine Kritik an der langsamen Löschpolitik des Unternehmens hinterher: »Spätestens dann, wenn ein Hass-Troll-Hashtag auf der 1 trendet, merkt man, dass Twitter in Deutschland kein Team mehr hat.«

Und das ist genau wieder der Punkt, den Diplomrasenmäher kritisiert (wie auch viele andere). Viele Feministen sind nicht bereit für eine Konversation, wo gleich der Blockbutton rausgehauen wird. Ich bin von Leuten geblockt, mit denen ich nie interagiert habe. Warum? Was soll das? Oder andererseits bin ich von Leuten nach oder während einer Diskussion geblockt worden, obwohl ich keine Schimpfworte oder Beleidigungen verwendet habe. Frau Bücker hatte Diplomrasenmäher nach ~3 Tweets blockiert. Und hier wird die langsame Löschtaktik kritisiert? Bitte geht’s noch? Trollen ist Satire/Humor. Gerne auch mit einer Prise Sarkasmus oder Zynismus. Und das muss erlaubt sein, ohne gleich gelöscht zu werden. Und ja, ich weiß, jetzt wird auf zig Tweets verwiesen die total schlimm sind… Lesen Sie sich aber doch erst mal bei Gelegenheit die (chronologisch) ersten, sagen wir mal 200 Tweets durch und lachen sie herzhaft. Das ist derart eindeutiges humoristisches trollen, dass man das wohl kaum als Hetze bezeichnen kann. Aber auch wenn Stichprobenartig mal weitersucht, findet man kaum bis gar keine Hetztweets. Natürlich gibt es diese (vergleiche auch [1]), aber warum das eine Großlöschaktion seitens Twitter zur Folge haben sollte, ist nicht nur schleierhaft, sondern absolut absurd. Ich möchte fast behaupten, dass sie mit der Kritik an ihrer Bewegung nicht zurechtkommen und diese Kritik gelöscht sehen wollen anstelle eine Selbstreflektion zu wagen (diese ist bei der durchschnittlichen Feministin allerdings auch äußerst schmerzhaft).

Die Trolle nutzen als Aufhänger für ihre Tweets ein Foto, das »editionf« vergangene Woche zur Bewerbung eines freien Praktikumsplatzes gepostet hat. Das Bild zeigt die Redaktion. Darauf sind viele Frauen zu sehen – und nur eine Person, die als männlich zu identifizieren ist. Das scheint Maskulinisten ordentlich provoziert zu haben.

Nein, es ist, wie oben schon beschrieben, der Doppelstandart, den Feministen gerne anlegen. Sind Frauen unterrepräsentiert, dann ist das Sexismus und Diskriminierung. Sind Männer hingegen unterrepräsentiert ist alles ok.

Auf Twitter geht dieses Foto nun mit angeblichen Löhnen versehen herum, die die einzelnen Redakteur*innen verdienen sollen. Teresa Bücker werden 4000 Euro im Monat zugeschrieben, ihren weiblichen Kolleginnen jeweils 3000 Euro, dem männlichen Kollegen gerade einmal 450 Euro.

Und? Stimmen diese Einschätzungen so grob? Also jetzt mal ohne Spaß. Ich denke zwar nicht, aber das wäre doch wirklich mal interessant gewesen, zumindest eine Tendenz zu beschreiben. Warum nicht mit gutem Beispiel vorangehen? Neben den Löhnen dann auch noch die Position dazu (wegen der Vergleichbarkeit) und gut ist.

Anlass für diese Fotomontage ist vermutlich das am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossene Gesetz zur Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern. Es sieht vor, dass Frauen in Firmen ab 200 Mitarbeitern Auskunft darüber einfordern können, was ihre männlichen Kollegen in gleichwertiger Position verdienen. Unternehmen ab 500 Mitarbeitern sollen zudem verpflichtet werden, betriebliche Maßnahmen zur Herstellung von Lohngleichheit einzuführen.

Auch wenn ich weiß, dass hier auf die Fotomontage eingegangen wird, möchte ich doch erwähnen, dass Diplomrasenmäher (der als einziger namentlich erwähnt wird) dieses Gesetz nicht als Hintergrund seiner Tweets hatte:

5

Die LINKE hatte das Gesetz als unzureichend kritisiert. »Transparenz alleine reicht nicht, um die verkrusteten sexistischen Strukturen in der Arbeitswelt aufzubrechen«, sagte die frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Cornelia Möhring, dem »nd«. Den Maskulinisten scheint aber selbst dieses Informationsrecht zu weit zu gehen.

Ich bin selbst „Maskulist“ und halte dieses Gesetz für eine gar nicht mal schlechte Idee. Denn der Punkt ist folgender: Feministen glauben, dass die Unterschiede in Gehalt und Führungspositionen auf Sexismus beruhen. Sie nehmen eine Diskriminierung von Frauen an und fordern daher als „Ausgleich“ entsprechende Gesetze wie die Frauenquote. Diese beseitigen aber nicht die möglicherweise vorhandene Diskriminierung. Sie fügen eine weitere hinzu. Um die Diskriminierung effektiv bekämpfen zu können, muss man den vermeintlich Geschädigten die Möglichkeit geben, Beweise zu sammeln. Dies wird mit diesem Gesetz möglich. Es ist zwar extrem unausgereift, aber in meinen Augen ein eher guter Schritt. [2]

Teresa Bücker nimmt den Aufruhr gelassen. Twitter erlaube es schließlich, Hashtags zu blockieren. So ist es auch für Feminist*innen möglich, einen ruhigen Tag in den sozialen Medien zu verbringen.

Ich würde mich tatsächlich fragen, was ich falsch mache, wenn ich täglich mit so etwas konfrontiert bin. An irgendeinem Punkt muss man sich doch mal fragen, warum die Leute so auf mich reagieren. Und vielleicht, nur vielleicht, liegt es ja an mir.

__

[1]

Falls jemand sich wundert, dass dieser Tweet nicht zu finden ist. Er wurde gelöscht, da Diplomrasenmäher der Ansicht war, dass dieser Tweet ihm rechtliche Probleme bereiten könnte.

Ich habe ihn später gefragt ob dies der einzige Grund war, worauf er folgendes Antwortete:

2

Der Tweet in dem sich Diplomrasenmäher distanziert ist dieser:


[2] Hier stand vorher: „Dumm ist natürlich nur, dass mal wieder nur Frauen dieses Sonderrecht haben sollen…“

Das ist falsch. Das Auskunftsrecht gilt für Männer und Frauen. Siehe hier.

 

Wirkliche Diskriminierung gegen Frauen

Ich bin Heilerziehungspfleger. Ein Beruf in dem primär Menschen mit Behinderungen betreut, im Alltag unterstützt und gefördert sowie gepflegt werden.

Laut einer Veröffentlichung der Fachhochschule Bielefeld lag 2003 der Männeranteil im Heilerzieherberuf bei 37,5%. 2004 waren es nur noch 25%. Ein Sprung zu 2013, da gibt das Statistische Bundesamt einen Frauenanteil von 79,5% aus also 20,5% Männer.

Wir haben es also mit einem sehr niedrigen Männeranteil zu tun.

Jetzt müssen wir aber auch betrachten mit wem wir es in diesem Job zu tun haben. Das Statistische Bundesamt gab 2014 bekannt, dass etwas mehr als die Hälfte (51%) der Menschen mit schweren Behinderung männlich sind.

Nun ist es nicht wirklich ein Geheimnis, dass man in meinem Job als Mann bevorzugt wird. Und ich meine wirklich bevorzugt wird. Aus zuverlässiger – da Primärquelle – weiß ich, dass es in einer Einrichtung in der Region eine Phase von etwa zwei Jahren gab, in dem man eingestellt wurde, weil man ein Mann ist – vollkommen unabhängig von Qualifikation, Vorerfahrung oder was auch immer. Die Tatsache, dass du ein Mann warst hat gereicht um dich einzustellen. Das ist jetzt nicht mehr der Fall, aber noch immer ist nahezu flächendeckend in unserer Region der Mann im Vorteil in meinem Beruf.

Tatsächlich habe ich schon zweimal davon Nutzen gehabt. Beim ersten Mal war eine männliche Kraft gesucht worden (auch wenn man das natürlich so nicht in die Ausschreibung geschrieben hat). Die Leitung dieser Einrichtung hatte eine Frau und die Mitarbeitervertretung (MAV) bestand zu dem Zeitpunkt auch aus ausschließlich Frauen. Sie alle waren sich vollkommen bewusst, dass diese Stelle keine Frau bekommen würde. Tatsächlich weiß ich davon, dass ein Mann gesucht wurde, weil die Leiterin der Einrichtung mir dies im Vorstellungsgepräch unumwunden sagte.

Im zweiten Fall wahr es ebenfalls eine Chefin die mich einstellte und auch keinen Hehl daraus machte, dass man in unserem Beruf alle Männer an Land zeihen müsse wo es nur ginge.

Warum ist das so? Es gibt geistige, seelische und körperliche Behinderungen. Dies in den verschiedensten Formen und mit verschiedenster Notwendigkeit der Unterstützung. Zudem gibt es noch Mehrfachdiagnosen, wo Menschen sowohl geistig als auch seelisch behindert sind oder geistig-körperlich oder seelisch-körperlich oder gar alles drei zusammen oder innerhalb einer der Kategorie mehrere Diagnosen haben oder…

Fangen wir mit dem offensichtlichen an. Viele Menschen mit (körperlichen) Behinderungen sind nicht in der Lage sich selbst umfassend zu pflegen. Sie benötigen unterstützung beim Zähneputzen, Haare kämmen etc. . Alles ersteinmal noch kein Problem. Aber was ist mit Intimpflege? Wenn die Vorlage gewechselt werden muss, weil der Mensch nicht alleine zur Toilette kann? Wenn der Genitalbereich gereinigt werden muss? Wenn sich unter der Brust der Frau ein Intertrigo entwickelt? Das ist ein sehr sensibler und auch intimer Bereich. Und ich denke die meisten Menschen können nachvollziehen, wenn eine Frau dort nicht unbedingt von einem Mann gepflegt werden möchte. Genauso kann man es aber auch nachvollziehen, wenn ein Mann nicht von einer Frau gewaschen werden möchte. Ganz besonders unangenehm für manche junge Männer ist es, wenn sie im Genitalbereich von einer attraktiven jungen Frau gepflegt werden und es dabei zur Errektion kommt. Übrigens ist das auch für die weibliche Pflegekraft eine sehr unangenehme Situation – die leider öfter vorkommt, als man meinen möchte.

Um solchen Situationen zu entgehen muss man einen Mann zur Verfügung haben.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind RollenVORbilder, alte Rollenbilder und Bezugspersonen.

Gerade Menschen mit geistiger und/oder seelische Behinderung fällt es oft schwer sich in andere Menschen hineinversetzen zu können bzw. diese als Vorbilder zu nehmen. Einem geistig (halbwegs) gesunden Erwachsenen fällt es nicht schwer auch Menschen des anderen Geschlechtes als Rollenvorbild zu nehmen (tatsächlich ist noch heute mein berufliches Vorbild meine Anleiterin im Praktikum), aber bei einem geistig gesunden Kind ist das schon schwer und bei einem Menschen mit einer mittelgradigen oder gar schweren geistigen Behinderung ist es erschwert bis nahezu unmöglich. (Hierbei ist das Lebensalter sogar nahezu irrelevant. Auch 70jährige Menschen mit einer geistigen Behinderung erlernen diese Fähigkeiten nicht.) Warum sollte man ihnen in ihrer Rollenfindung Steine in den Weg legen, indem man ihnen keine passenden Personen des entsprechenden Geschlechtes zur Verfügung stellt?

Aber auch Menschen, die nur leicht geistig behindert sind und alte Geschlechterrollen im Bezug auf „Herrschaft im Haus“ haben, können Probleme haben, von Frauen Anweisungen oder Anleitung zu bekommen. Dieses Phänomen tritt übrigens nicht nur bei männlichen Klienten auf, sondern auch bei weiblichen. Wobei diese zugegebenermaßen eher selten sind. Auch hier erleichtert man den Umgang durch die Anwesenheit eines Mannes, der entweder das weibliche Personal legitimisiert, also immer wieder bestätigt, dass diese Frau das machen darf und kann, bis dies ohne Legitimisierung angenommen wird oder aber, indem er selbst die Anweisungen und Anleitungen durchführt.

Der letzte Punkt den ich noch ansprechen möchte ist Gewalt. Ich habe in meiner kurzen 9 jährigen Laufbahn noch nie in einer Einrichtung bzw. Gruppe gearbeitet wo nicht entweder fremd- oder autoaggressive Menschen betreut wurden, bzw. Menschen, die ihre Bewegungen nicht kontrollieren konnten und schon mal zugegriffen haben und nicht wieder loslassen konnten. In all diesen Fällen ist es extrem von Vorteil einen Mann vor Ort zu haben, der entweder den Klienten festhalten kann oder einen Griff lösen kann. Dazu braucht man im Regelfall viel Kraft. Und da sind Männer objektiv im Vorteil.
Und wir wollen jetzt gar nicht davon anfangen, dass man auch schonmal um 6 Uhr morgens aus dem Bett geklingelt wird, weil die Lifter kaputt sind und die Leute in ihre Rollstühle müssen…

Wir haben also mehrere Gründe, warum Männer in unserem Bereich derartig bevorzugt behandelt werden. Und jeder weiß davon. Auch die Frauen, die in diesen Beruf gehen.

Hier steht der Wille nicht gegen jemanden auf Grund eines Geburtsmerkmales (hier Geschlecht) zu diskrimieren gegen den Willen, das Beste für die Betreuten herauszuholen.

Löse das moralische Dilemma.