#Metoo: Das Schweigen der Männer

In der Berliner Zeitung ist vor etwa einem Monat eine Aufforderung an Männer erschienen, sich noch einmal zu #MeToo zu äußern, etwas verspätet habe ich mich vor einigen Tagen daran gesetzt, ausführlich zu antworten.

Sehr geehrte Frau Dankbar

Ich habe Ihren Kommentar „Das Schweigen der Männer“ (13.10,2018, Berliner Zeitung) gelesen und komme Ihrer Bitte um eine Antwort, auch wenn es etwas spät ist, gerne nach.

Im zweiten Absatz schrieben Sie folgenden Satz:
„Es ist nämlich leider so, dass ich in dem ganzen Jahr, in dem es die #MeToo-Debatte gibt, nicht eine einzige vernünftige Diskussion mit einem Mann darüber hatte.“

Ich kenne dieses Phänomen, nur umgekehrt. Es gab keine Frau mit der ich eine vernünftige Diskussion über #MeToo führen konnte. Auch in den Online-Medien habe ich zwar unterschiedlichste Positionen gelesen, aber kaum richtige Debatten, wo sich Menschen zusammen hingesetzt haben und das vernünftig ausdiskutiert haben.

Das ich diese Diskussionen nicht führen konnte, lag meiner Meinung nach an drei Fragestellungen.

  • Worum geht es eigentlich?
  • Sind Frauen, weil sie Frauen sind, Engel?
  • Sollte nicht das Prinzip der Unschuldsvermutung gelten?

Also: Worum geht es?
Sie eröffnen im Folgenden, dass es bei #MeToo um die Beschuldigung von Harvey Weinstein ging, der drei Frauen vergewaltigt haben soll und führen das dann weiter aus, über sexuelle Belästigungen, sexistische Herabsetzungen bis hin zu plumper Anmache und unerwünschter Annäherung.
Ja was denn nun? Das Spektrum geht von einem charmanten Kompliment zur Kontaktaufnahme, dass der betreffenden Person gerade nicht genehm ist (unerwünschte Annäherung) bis hin zur Beschuldigung/Behauptung mehrfacher Vergewaltigung. Wobei in der eigentlichen Debatte ja sogar von echten und bestätigten Vergewaltigungen die Rede war.
Dies führt uns direkt zurück zur Fragestellung. Es scheint sehr beliebig zu sein worum es eigentlich geht und das sieht man auch in den Debatten.
Jedes Mal, wenn ich einen Talk gesehen habe, eine Onlinedebatte verfolgt habe oder mich mit Frauen über dieses Thema unterhalten habe, gab es unterschiedliche Aussagen, worum es eigentlich geht. Und das konnte sich auch schon einmal innerhalb der Diskussion ändern. So habe ich zwei „Diskussion“ persönlich erlebt, in der mit einem „Bei #MeToo geht es um sexuelle Gewalt, um Vergewaltigungen, wie kann man da was gegen haben, dass darüber gesprochen wird.“ Gestartet wurde und es dann zwischendurch zu einem „ja es geht aber auch um Alltagssexismus“ umgeschwenkt wurde. Und wenn ich dann dort argumentierte, war ich plötzlich wieder dabei Vergewaltigungen zu legitimieren. Zu mindest wurde mir das absurderweise vorgeworfen. Das Thema schien immer beliebig zu sein, wie es gerade in die Argumentation passte. Man kann den Themenbereich #MeToo im Groben so zusammenfassen: Dinge die Frauen (ein bisschen bis sehr) unangenehm sind. So zumindest mein Eindruck.
Und das heißt bei Weitem nicht, dass ich dieses Gefühl bei den geschilderten Dingen nicht nachvollziehen kann. Aber das Thema scheint beliebig zu sein und beliebig innerhalb der Diskussion wechseln zu können. Das macht es schwierig darüber zu reden.
Vor allem natürlich, weil es oft auch ein sehr emotionales Thema ist und man(n) ja kein Arschloch sein will.

Wo wir gerade bei „Mann“ sind. In nahezu allen Diskussionen, Texten, Videos… bzgl. #metoo wurde davon gesprochen, dass „Männer“ „Frauen“ etwas antun. Würden wir andere Gruppierungen nehmen, dann würde darauf ganz anders reagiert werden. Erinnern wir uns an die #120dB Aktion aus dem konservativen Lager, in dem Männer, wie auch Frauen von gewalttätigen und sexuellen Übergriffen durch Migranten sprachen. Ähnlich wie bei #metoo. Das wurde, in meinen Augen zu Recht, als rassistische Hetze verschrien. Warum ist es abhängig von den Gruppen, ob etwas gut oder schlecht ist. Oder: Verschieben wir die Anschuldigungen gegenüber Harvey Weinstein mal ein paar Jahrzehnte zurück und dann nach Deutschland. „Der Jude Harvey Weinstein wurde von drei arischen Frauen beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben.“

Ich hoffe sie merken, dass eine verallgemeinernde Rhetorik wie sie bei #metoo üblich ist, nicht unbedingt zum sachlichen Diskurs beiträgt und zu einem „wir gegen die“, also einer Gesellschaftsspaltung, beiträgt. Bei anderen Gruppen würde man vermutlich von „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sprechen“.

Natürlich sind nicht alle Männer gemeint. Aber man kann schon nachvollziehen, dass sich so (fast) alle Männer angesprochen fühlen und sich auch viele angegriffen fühlen.

Dazu kommt, dass viele Begriffe schwammig sind. So kann zum Beispiel die „unerwünschte Annäherung“ aus ihrem Text von ‚ich gehe in der Disko zu einer interessant aussehenden Person hin und spreche sie freundlich an. Diese will das aber nicht, äußert dies aber in keiner Form‘ bis hin zu ‚ich dränge mich dieser Person trotz mehrmaliger Abweisung immer wieder auf‘ gehen. Und so gibt es, wie auch beim Gesamtthema, immer eine riesige Spannbreite an unklaren und/oder schwammigen Begriffen.

Dies führt zwangsläufig zu Missverständnissen.
Da das Thema also schwer zu fassen ist, beliebig verschoben werden kann und auch noch hoch emotional ist, ist die Gefahr als Arschloch angesehen zu werden recht hoch. Eine „vernünftige Diskussion“ im Sinne von „sachlich“, ist also extrem schwierig und als Mann kann man bei diesem Thema fast nur verlieren, es sei denn man stimmt uneingeschränkt zu, dass diese „Debatte“ richtig und wichtig und total gut ist. Es hängt immer die „wenn du das kritisierst, verteidigst du Vergewaltiger und bist genau wie die“-Keule über den Köpfen der Männer.

Das führt uns zur zweiten Frage: Sind Frauen, weil sie Frauen sind, Engel?

Natürlich nicht. Frauen können genauso lügen und betrügen wie Männer. Sie sind genauso zu moralisch verwerflichem Verhalten fähig wie Männer. Genauso wie Frauen, wie auch Männer, zu großen Taten fähig sind. Frauen sind halt, wie Männer, kein Kollektiv, sondern Individuen.

Menschen neigen dazu die tatsächlichen Gegebenheiten etwas einzufärben um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Berichte ich von einer Situation, in der ich nicht gut ausgesehen habe, lasse ich vielleicht einige negative Details weg oder knüpfe direkt eine Rechtfertigung an. Will ich über das Thema „Opfer sein“ reden, dann dramatisiere ich vielleicht Situationen, um mehr als Opfer wahr genommen zu werden. Oder auch im Politischen: Verfolge ich ein bestimmtes politisches Ziel, dann werde ich die Notwendigkeit dieses Zieles besonders herausstellen und auch primär Daten veröffentlichen und nutzen, die dieses Ziel unterstützen, wobei ich andere (bewusst) nicht verbreite.

Das bedeutet aber auch, dass ich keinen Grund habe irgendwelchen Aussagen, irgendwelcher Frauen aus dem Internet, die ich in der überwältigenden Mehrheit nicht kenne, zu glauben. Jetzt könnte man natürlich gegenhalten, dass ich auch keinen Grund habe ihnen nicht zu glauben.

Doch habe ich. Aus vergangenen feministischen Hashtagaktionen, wie #Aufschrei, #imzugpassiert usw. wissen wir, dass fast immer eine politische Agenda dahintersteckt. Vorsicht ist angemahnt.

Deshalb ist es auch falsch zu sagen: „Überall auf der Welt schilderten Frauen Übergriffe, sei es körperlich oder verbal.“ Es müsste „[…] vermeintliche Übergriffe […]“ heißen. Sie haben, genau wie ich, keine Möglichkeit alle diese vermeintlichen Übergriffe auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu prüfen. Sie könnten allesamt erstunken und erlogen sein oder allesamt zu 100% richtig sein. Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen und die überwältigende Mehrheit wird zumindest einen wahren Kern haben. Wir wissen es aber nicht. Viele der geschilderten vermeintlichen Übergriffe lasen sich auch stark übertrieben. Ob sie wirklich übertrieben waren oder tatsächlich so stattgefunden haben… man weiß es nicht.

Das hielt aber weder die Wortführerinnen der #MeToo Sache noch Sie selbst davon ab alle diese Erzählungen als wahr zu betrachten. Es wurde sogar mehrfach danach gerufen, „den Opfern zu glauben.“ Erstens weiß ich nicht mal ob sie Opfer sind. Sie behaupten es ja nur. Und zweitens heißt es ja nicht, dass sie, nur weil sie Opfer sind, auch die Wahrheit sagen.

Nicht nur ich hatte oft den Eindruck, dass die Berichte vermeintlicher Übergriffe als sakrosankt betrachtet wurden. Es durfte nicht in Zweifel gezogen werden ob diese wahr waren oder nicht. Wurde zur Sprache gebracht, dass das Verhalten in den nicht-Vergewaltigungsbeschuldigungsfällen Weinsteins zwar unprofessionell und unmoralisch war (wenn die Situationen so gewesen sind wie beschrieben), aber es durchaus im Bereich des Möglichen liegt, dass sie auf sein Angebot gerne eingegangen sind um Karrierevorteile zu bekommen, wurde einem Victim-Blaming unterstellt. Möglicherweise haben sie sogar bewusst vorher sexuelle Reize ihm gegenüber ausgesendet um eine solche Situation zu provozieren. Und ganz vielleicht sogar selbst die Initiative ergriffen. Das ist nicht so abwegig, denn in Hollywood geht es um Geld, Einfluss und Ruhm. Durchaus etwas, das auch Frauen gerne haben.

Sich natürlich dann als Opfer eines mächtigen Mannes zu stilisieren, obwohl man sich selbst unmoralisch und unprofessionell verhalten hat ist natürlich praktisch. Man kann quasi die eigene Schuld anderen unterschieben.

Ob das so gewesen ist oder nicht, wissen wir nicht. Aber es liegt im Bereich des Möglichen. Die Besetzungscouch ist nun wirklich kein neues Konzept.

Frauen können Lügen, der Wahrheit Spielraum geben. Und genau hier wird es spannend. Denn hier beginnt die Kritik an #MeToo.

Sollte nicht das Prinzip der Unschuldsvermutung gelten?

Frauen können lügen. Viele der Männer, mit denen ich geredet habe, befürchten genau in diesem Zusammenhang eine Sache: Was passiert, wenn in diesem Klima, wo vermeintlichen Opfern bedingungslos geglaubt wird, mir ungerechtfertigterweise eine entsprechende Verfehlung unterstellt wird?

Verliere ich meinen Job, meine sozialen Kontakte? Die Frage nach dem Ruf brauch ich mir nicht zu stellen, der wird zerstört werden. Wie soll ich gegenhalten, wenn mir sowas unterstellt wird?

Wir haben gesehen, dass viele Schauspieler, Produzenten, Politiker usw. ihren Job und ihre Reputation verloren haben. Wir haben gesehen, dass mehrere in den Suizid getrieben wurden. Wir haben gesehen wie bedingungslos den Beschuldigenden geglaubt wurde und die Beschuldigten angegangen wurden. Nicht umsonst wurde die #MeToo „Bewegung“ mit Hexenjagden verglichen.

In den Medien sahen wir flächendeckend nicht einmal mehr nur Verdachtsberichterstattung, sondern Beschuldigungsberichterstattung. Und später dann „Schuldig, weil beschuldigt“-Berichtserstattung.

Die einzige Chance: Die Gefahr beschuldigt zu werden auf ein absolutes Minimum reduzieren. Kein Kompliment mehr machen. Es könnte als „unerwünschte Annäherung“ oder „plumpe Anmache“ ausgelegt werden.

Denn die Unschuldsvermutung gilt in diesem Bereich gefühlt nicht mehr in der medialen (und weiten Teilen der öffentlichen) Meinung.

Bei der Unschuldsvermutung handelt es sich aber um ein Menschenrecht und ist ein Eckpfeiler des Rechtsstaates. Das ist keine kleine Sache.

Natürlich müssen Leute, die sich fehlverhalten, die entsprechenden, angemessenen Konsequenzen tragen. Jemand der etwas ungewünscht anzüglich sagt, dem muss entsprechend geantwortet werden. Wiederholt sich das, kann man auch eine Etage höher gehen. Und wir können alle Beispiele durchgehen bis hoch zur Vergewaltigung wo die Vergewaltigerinnen und Vergewaltiger hinter Gitter gehören. Ich habe auch noch nie gehört (auch nicht bei #MeToo Kritikern, dass jemand das anders sieht. Fehlverhalten muss Konsequenzen haben. Aber als strafende Instanz müssen wir auch wissen (nicht nur glauben), dass ein Fehlverhalten vorliegt. Unschuldig, bis zum Beweis der Schuld.

Fazit:

Der Rechtsstaat wurde von #MeToo Unterstützern geopfert, um sich moralisch als die Verteidiger und Unterstützer der Opfer von einem breiten Spektrum an Anschuldigungen vom Charmanten Kompliment zur falschen Zeit, bis hin zur Vergewaltigung, zu stilisieren. Das Gefühl der moralischen Überlegenheit sorgte aber auch dafür, dass jede noch so sachliche und differenzierte Kritik im Keim erstickt werden musste. Denn sonst wäre man nicht mehr moralisch überlegen.

Daraus folgt, dass eine vernünftige Diskussion, nicht möglich war, weil sie von Seiten der #MeToo Unterstützer nicht sachlich geführt wurde. Ja nicht geführt werden konnte. Sie konnten nicht zurück, sie konnten keinen Fehler eingestehen, denn es hätte bedeutet, moralisch nicht richtig gehandelt zu haben. Und wer gesteht sich das schon gerne ein.

Und so ist die #MeToo Bewegung zu einem von Macht und Selbstbeweihräucherung trunkenen Online-Mob verkommen. Ein Rückschritt in die Barbarei, die wir durch zivilisatorische Errungenschaften wie Gewaltenteilung, ethische Standards im Journalismus und Rechtsstaat zu verhindern getrachtet haben. Schade, dass wir das neu aufbauen müssen.

Nein, mit #MeToo Befürwortern ist eine vernünftige Diskussion nicht möglich. Denn Vernunft ist nicht ihr Antrieb.

 

Kakophonie des femistischen Schalls

Bezugnehmend auf den Text von Simone Schmollack in „der Freitag“

(Archiv )

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/opa-erzaehlt-vom-krieg

 

Lieber Jens Jessen,

nachdem Sie so viel Feuer gekriegt haben in der vergangenen Woche für Ihren Text in Ihrem Blatt, der Zeit, nein besser für Ihre Wutschrift zu #metoo, möchte ich Ihnen Danke sagen. Danke für Ihre Ehrlichkeit. So viel Offenheit und so viel Frust sprechen selten aus Texten aufgeklärter, liberaler, an der Demokratie festhaltender Menschen. Insbesondere wenn es um Tretminen geht wie Feminismus, Frauen, sexualisierte Gewalt. Aus Angst vor einem Shitstorm, halten sich die meisten Gegnerinnen und Gegner der #metoo-Bewegung und des Feminismus – außer vielleicht jene aus dem rechtspopulisitschem Spektrum – mit Äußerungen, wie Sie sie gewagt haben, vornehm zurück.

Das spricht nicht gerade für die #metoo Bewegung und Feministen, wenn sie auf Kritik und ablehnenden Gefühlsäußerungen direkt mit einem Shitstorm antworten oder? Der Ruf besagter Leute muss echt schlecht sein, wenn aufgeklärte, liberale und demokratische (!) Menschen lieber nicht ihre Meinung sagen. Gehört die Meinungspluralität doch zu den Eckpfeilern der Demokratie. Wenn es nicht sogar die tragende Säule der Demokratie ist.

An dieser Stelle würde ich den Anhängern der #metoo Bewegung und des Feminismus raten, sich mal ernsthaft Gedanken über ihr Verhalten zu machen.

Danken will ich Ihnen auch für die Klarheit, mit der Sie Ihr Männer- und Frauenbild erläuterten. Ebenso dafür, dass Sie mit uns Ihr Wissen zu Feminismus und feministischer Rhetorik teilen.

Ich muss gestehen, dass ich den hinter-Paywall-Text nicht gelesen habe, aber ihr Text ist ohne dieses Vorwissen auch beantwortbar.

Frauenabwertung allerorten

Ihr wütendes Manifest ist ein Beleg dafür, wie festgefahren das bürgerliche Milieu, dem ich Sie zurechnen würde, mittlerweile ist, wie beharrungskonsistent und beratungsresistent es sich angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen zeigt.

Möglicherweise, weil diese gesellschaftlichen Entwicklungen nicht gewünscht sind? Nehmen wir mal die #metoo Bewegung als Beispiel. Ich bin weder der Erste noch der Letzte, der anmerkt, dass sich die #metoo Bewegung einen Scheiß um den Rechtsstaat schert. Weder die Unschuldsvermutung noch das Recht auf ein faires Verfahren nach den Gesetzen die in dem betreffenden Land gelten, sind für diese Bewegung interessant. Nur so nebenbei: Das sind Menschenrechte (Artikel 8, 10, 11 ).
Und ich denke, dass sind sehr gute Menschenrechte. Menschenrechte, die geschaffen wurden, um Lynchjustiz und Mobmentalität (so etwas wie die #metoo Bewegung) zu verhindern.

Das verwirrt mich, denn sind es nicht aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger, die die Welt jeden Tag ein bisschen besser machen wollen?

Aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger nehmen an einer menschenrechtsverletzenden Bewegung wie #MeToo nicht teil. Wir sind darüber aufgeklärt, dass s.g. Hexenjagten eher suboptimal sind.

Ihre Streitschrift zeigt auch, wie ängstlich manche Männer offenbar gegenüber Frauen sind. Nicht Frauen grundsätzlich, aber doch jenen gegenüber, die laut und selbstbewusst erzählen, was ihnen – mit Männern – passiert ist und sich jetzt öffentlich dagegen wehren, statt wie bislang leise darunter zu leiden.

Oh, natürlich, es sind nur Frauen die selbstbewusst, ganz harmlos, erzählen was ihnen passiert ist. Hat natürlich keine Konsequenzen für die Männer. Es besteht natürlich nicht die Möglichkeit, dass diese selbstbewussten Frauen lügen könnten, oder Sachen übertrieben darstellen könnten. Und natürlich ist es auch ein richtig gutes „sich wehren“ wenn man Anschuldigungen einfach mal rumposaunt, anstelle das entweder in der Situation zu machen oder über den Rechtsweg. Tut mir leid das sagen zu müssen, aber wer zu feige für das „Sich-Wehren“ in der Situation oder über den Rechtsweg ist, der ist nicht selbstbewusst.

Mir zeigt Ihr Text, wie stark Misogynie hierzulande offensichtlich noch ausgeprägt ist – und das offenbar über Parteigrenzen und sämtliche soziale Milieus hinweg. Und wie nötig der Aufklärungsbedarf ist darüber, was #metoo, Frauen und der Feminismus wollen.

Eigentlich kann der Text bestenfalls (oder schlimmstenfalls) zeigen, wie stark Misogynie bei Herrn Jessen ausgeprägt ist. Ich bin jedoch sehr gespannt, was SIE sagen, was #metoo, Frauen und der Feminismus wollen. Gerade bei „Frauen“ bin ich gespannt, denn meiner Erfahrung nach mit den Frauen in meinem Leben, wollen die alle unterschiedliche Sachen.

Welche Rolle Männer dabei spielen, erleben Sie augenscheinlich auf eine spezielle Weise. Männer gehören dem „falschen Geschlecht“ an, schreiben Sie: „Heute ist alles, was Männer tun, sagen, fühlen oder denken, falsch.“ Sie sehen sich einer „offen zur Schau getragenen Feindseligkeit“ ausgesetzt, einer, bei der „es keine schuldlosen Männer“ mehr gebe: „Jeder Mann ein potenzieller Vergewaltiger.“ „Böse können nur Männer sein.“

Ich finde die Feminist*_InnenX immer witzig, die sagen, dass Männer auch mal ihre Gefühle äußern sollen und über ihre Gefühle reden sollen. Hier beschreibt also ein Mann eine gefühlte, tief verwurzelte Männerfeindlichkeit (Misandire) in der Gesellschaft. Und Sie Frau Schmollak haben nichts weiter zu tun, als kurz vorher Herrn Jessen Frauenfeindlichkeit vorzuwerfen. Aber offensichtlich will er einfach nur gemocht werden – von Frauen. Er möchte von Frauen nicht als potenzieller Vergewaltiger, als böser Mensch oder als falsch wahrgenommen werden. Jap, sehr frauenfeindlich.

Ich musste mir die Augen reiben angesichts solcher Empfindungen. Ist das wirklich ein Text vom April 2018? Und nicht vielleicht einer aus den frühen Achtzigern?

Da sind wir schon zwei, die sich die Augen reiben mussten. Allein aus den von Ihnen zitierten Sachen und ihrem Kommentar dazu, musste ich mich ernsthaft fragen, wie man derart empathielos sein kann.

Also einer von der Sorte „Schwanz-ab-Schwarzer“ und „Männer-Albtraum“. Solche Zuschreibungen musste die feministische Ikone Alice Schwarzer jahrzehntelang ertragen, weil sie sich für Frauenrechte einsetzte.

Ich weiß, dass das jetzt viele irritieren wird, aber „sich für Frauenrechte einsetzen“ ist nicht zwangsläufig etwas Gutes. Man könnte zum Beispiel für das Recht kämpfen, anderen Menschen einfach so den Kopf abschneiden zu dürfen. Exklusiv für Frauen. Dann wäre das auch ein „Frauenrecht“. Aber mit Sicherheit kein Gutes.
Und Alice Schwarzer hat auch nicht nur nette Sachen von sich gegeben und gefordert. Einfach so zu tun als wäre sie ein Unschuldslamm ist… unredlich.
Zudem sagt das nichts darüber aus, ob die Aussagen des Herrn Jessen dennoch eine akkurate Beschreibung der aktuellen Realität sind. Schon bemerkenswert. Herr Jessen beklagt die Dämonisierung von Menschen, weil diese geboren wurden, wie sie geboren wurden und sie sagen „ABER ALICE SCHWARZER….“

Wohlgemerkt in einer Zeit, in der Frauen und Männer im Kampf um Gleichstellung noch sehr weit voneinander entfernt waren – im Gegensatz zu heute, wo es weitgehend gesellschaftlicher Konsens ist, dass alle Menschen die gleichen Rechte, Chancen und Pflichten haben sollten.

Das mit den gleichen Rechten, Chancen und Pflichten ist aber nur Konsens in nicht-feministischen Kreisen. Feministen haben mit alledem ein extremes Problem. So haben sie zum Beispiel erfolgreich die Gleichberechtigung (gleiche Rechte) zum Wohle der Gleichstellung (gleiche Ergebnisse) im Bereich der Aufsichtsräte (Geschlechterquote) untergraben. Oder wenn es um die Bundes- und Landesgleichstellungsgesetze geht. Auch diese stehen in direktem Widerspruch zu dem Menschenrecht auf Gleichberechtigung. Denn darin steht, dass „Frauen bevorzugt“ behandelt werden müssen. Dies ist naturgemäß gleichfalls beides ein Angriff auf die Chancengleichheit. Und wenn ich mir die Pflichten ansehe, braucht man nicht weiter gucken als zum Thema GPG. Habe ich bei Feministinnen eher den Eindruck, dass sie wollen, dass Frauen keine Pflichten haben.

So viel zumindest hat der Feminismus – oder der „feministische Volkssturm“, wie Sie im Nazi-Jargon formulieren – schon erreicht.

Nein, das hat sich als Gegenbewegung zum Feminismus etabliert. Aber schön mal wieder nebenbei die Opposition in die rechte / Nazi- Ecke gestellt. Kommt ein feministischer Artikel der sich mit der Kritik am Feminismus beschäftigt auch mal ohne sowas aus? Könnt ihr Feministen nicht mal einmal die Argumente / Aussagen des Verfassers auseinandernehmen ohne IHN anzugreifen. Das ist keine gesunde Debattenkultur. Aber wenn Sie es so haben wollen… Der einzige Grund, warum Feministen nicht moralisch auf einer Ebene mit Nazis und Islamisten stehen ist, dass diese im Gegensatz zu Feministen wissen was sie da machen. Feministen sind schlicht zu und dumm.

Von einer annähernden Gleichberechtigung von Frauen und Männern indes sind wir noch weit entfernt.

Stimmt. Noch immer steht im Grundgesetz, dass der Staat Männer zu einem Dienst zwingen kann, Frauen aber nicht (Art. 12a). Noch immer steht im Grundgesetz, dass Mütter (nicht Väter oder gar Eltern) Anspruch auf Schutz und Fürsorge der Gesellschaft haben (Art. 6(4)), noch immer ist das Recht auf Körperliche Unversehrtheit, Religionsfreiheit und sexuelle Selbstbestimmung von Jungs nicht geschützt (§1631d BGB) im Gegensatz zu dem von Mädchen (§226a StGB). Noch immer gibt es Gesetze wie das Bundesgleichstellungsgesetz oder die Landesgleichstellungsgesetze, die gegen das Menschenrecht der Gleichberechtigung auf infame Weise verstoßen. Dazu muss man natürlich wissen, dass Gleichberechtigung kein Kollektivrecht, sondern ein Individualrecht ist.

Aber dazu komme ich später. Ich möchte noch ein wenig bei der Abwertung von Frauen bleiben, die – trotz aller Fortschritte und Gesetze, die in den vergangenen Jahren verabschiedet wurden – so tief verwurzelt ist, dass sie selbst bis weit in linke Kreise hineinreicht.

Feministen (die sich ja als „links“ bezeichnen) sind da ganz groß drin. Sie behandeln Frauen, als ob sie zu doof wären eigene Entscheidungen für ihr Leben treffen zu können. Man muss sich vorstellen, dass diese angeblichen „für-Frauen-Kämpfer“ ständig ein großes Fass aufmachen, weil sie mit den Entscheidungen nicht zufrieden sind, die Frauen treffen. Ich spreche natürlich vom Gender Pay Gap. Ich meine, da gibt es wirklich Feministen die glauben, dass wir in unserer kapitalistischen Gesellschaft – wo Geld eine der wichtigsten Ressourcen ist – Frauen beibringen, in schlechter bezahlte soziale Berufe zu gehen. Und das Frauen das auch nicht verstehen und da einfach mitlaufen… Oder bei #metoo, wo so getan wird, als ob Frauen nicht kalkuliert Sex aber auch Lügen einsetzen könnten, um Vorteile zu erhalten.

Abgesehen von den wenigen Sexisten, die es gibt, sind Feministen die einzigen, die Frauen konstant abwerten.

Unabhängig davon, dass der Feminismus so ziemlich die frauenverachtendste Bewegung ist, die die Menschheit je gesehen hat, finde ich es bemerkenswert, wie selbstverständlich es für Sie ist, dass Sie eine Einstellungsänderung erwarten, nur weil es Gesetze gibt. Ich hoffe Ihnen ist klar, dass in der BRD das Volk das Souverän ist und der Staat es nicht zu erziehen hat? Demokratie und so…

Das empfinde ich als besonders tragisch, weil sich Linke ob ihrer politischen Gesinnung für besonders aufgeklärt und sozial gerecht halten und dem Gleichstellungsgedanken verpflichtet fühlen.

Das ist nicht korrekt. Links-Autoritäre fühlen sich dem Gleichstellungsgedanken verpflichtet. Links-Libertäre dem Menschenrecht der Gleichberechtigung.

Sehen Sie, die Sache ist so: jeder Mensch ist ein Individuum. Ein Individuum, dass auf Grund seiner Erfahrungen, Wünsche, Talente, Eigenschaften und Ziele Entscheidungen trifft. Diese Entscheidungen ähneln sich oft mit denen anderer Menschen, aber es gibt keine zwei Menschen weltweit, die immer die gleichen Entscheidungen treffen. Deshalb müssen für alle die Spielregeln, die Rechte, gleich sein. Bei offenem Ergebnis. So die Links-Libertären (genau genommen alle Libertären).

Es kann also dazu kommen, dass man, wenn man Menschenkollektive mit einem willkürlich gewählten Merkmal (egal ob Brillenträger/nicht Brillenträger oder arm/reich oder Mann/Frau oder Schwarz/Weiß oder Jude/Arier oder Libertär/Autoritär oder…) miteinander vergleicht, man unterschiedliche Ergebnisse bekommt. Diese unterschiedlichen Ergebnisse sind kein Beweis für ungleiche Rechte/Chancen/Pflichten (wobei das mit den Chancen bei arm/reich theoretisch ja aber praktisch nicht stimmt). Sie können ein Indiz dafür sein aber genauso auch ein Indiz für das Gegenteil.

Gerade was Männer und Frauen angeht ist die Evidenz überwältigend, dass sie – auch auf Grund biologischer Unterschiede – tendenziell unterschiedliche Entscheidungen in ihrem Leben treffen, die natürlich zwangsläufig zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Ich weiß, wovon ich rede, ich arbeite mein Leben lang in linken und linksliberalen Zeitungen und Strukturen.

Spricht nicht gerade für Ihr soziales Umfeld, wenn Sie mich fragen. Vielleicht kommen Sie zu uns Libertären. Wir sind nicht so assi.

Antifeministische Züge und die Geringschätzung gegenüber Frauen äußern sich dort nicht auf so plumpe Art und Weise, wie es Frauen über Männer bei #metoo berichten. Auch nicht in 50er-Jahre-Sätzen wie „Eine Frau kann das nicht“. Ebenso wenig würden linke Männer heute eine Frau mit sexistischen Sprüchen belegen oder sie sexuell belästigen. Weibliche Abwertung geht hier subtiler vonstatten.

Oha, Selbsterkenntnis?

Da wird gern mal süffisant gelächelt, vor allem wenn Frauen etwas Feministisches in die Runde werfen oder Diskriminierung beklagen.

Wenn sie etwas Feministisches sagen ist das nicht zwangsläufig etwas was mit Frauen zu tun hat. Oder sind jetzt Schwule, Transpersonen, bisexelle Männer usw. nicht mehr so wichtig für die feministische Bewegung? Naja, man zückt sein Schutzschild halt nur wenn man es braucht, ansonsten lässt man es in der Ecke liegen (#notyourshield). Zudem ist „etwas Feministisches“ im Regelfall auch nichts, was logisch oder realitätsnah wäre.

Auch beklagte Diskriminierungen müssen nicht zwangsläufig tatsächliche sein. Nur weil eine Frau einen Job nicht bekommen hat, muss das nicht daran liegen, dass sie eine Frau ist. Es kann auch daran liegen, dass sie schlechter war.

Frauen erleben, dass sie nachgeäfft und ihre Argumente abgetan werden als politisch nicht vollständig durchdrungen.

Frauen TEH EM erleben das. Genau. Wie haben sie nochmal auf die Äußerungen von Herrn Jessen reagiert? Prüfen Sie Ihre Reaktion mal anhand Ihres Maßstabes.

Um Frauen nicht gleich „abzubürsten“, fallen schon mal Sätze wie: „Super Idee, aber die vom Kollegen X finde ich noch besser.“

Ich musste mir die Augen reiben angesichts solcher Empfindungen. Ist das wirklich ein Text vom April 2018? Gibt es immer noch Menschen, die eine schlimmstenfalls höfliche Floskel bestenfalls ein Lob gegenüber einer Person, die eine Frau ist, als Geringschätzung von Frauen begreifen?

Frauen werden oft aus informellen Runden ausgeschlossen, es werden in erster Linie Männer als Experten empfohlen.

Ist es bei diesen informellen Runden verboten, dass Frauen dabei sind? Wird ihnen gesagt, wenn sie teilnehmen wollen, dass man sie lieber nicht dabeihaben will?

Sind diese Männer vielleicht Experten? Haben diese Männer mehr Ahnung und/oder können ihr Wissen besser rüberbringen? Sehen Sie: Das meine ich mit „nicht jede angenommene Diskriminierung ist auch eine tatsächliche“.

Kritisieren Frauen das, heißt es rasch: keine kompetente Frau gefunden.

Und? War es so? Ernsthaft jetzt. Sie haben möglicherweise von dem Bestätigungsfehler oder Confirmation-Bias gehört. Ein Problem das nahezu alle Menschen betrifft. Man nimmt Daten und Fakten zu einer Vorannahme leichter auf und betrachtet diese weniger kritisch als welche, die der eigenen Vorannahme zu wider laufen. Oft werden diese Daten und Fakten auch so hingebogen, dass sie zur Vorannahme passen. Feministen haben meist als Vorannahme, dass Frauen unterdrückt sind/gegen Frauen nahezu überall diskriminiert wird. Dementsprechend würde es mich nicht wundern, wenn tatsächlich keine kompetente(re) Frau gefunden wurde und sie diese Tatsache(nbehauptung) in ihr Narrativ der unterdrückten Frau gezwängt haben.

In Sitzungen sprechen vor allem Männer, und das so lange, bis keine Frau mehr Lust hat, auch etwas zu sagen.

Sehr schlimm. Man kann natürlich nicht sagen, dass man auch noch gerne was sagen würde und sich der Sprecher bitte etwas kürzer fassen soll. Es ist natürlich eine Geringschätzung von Frauen, dass die Männer keine Gedanken lesen können und in der Sitzung sich auf das Gesagte konzentrieren und nicht auf das Gefühlsleben einer Person die eigentlich professionell genug sein sollte, sich mit Worten artikulieren zu können. Und nein, dass hier war keine Geringschätzung von Frauen, sondern von dem Individuum Simone Schmollack, das zufällig eine Frau ist.

Bekommen Frauen Kinder, werden sie – zack, zack – in die Ecke gestellt: als Mutter nicht mehr zu gebrauchen.

Aha. Das habe ich noch nie erlebt und ist auch das erste Mal, dass ich das gehört oder gelesen habe.

Geht es um sexualisierte Gewalt, die linke Männer selbstredend verabscheuen, wird dennoch die Täter-Opfer-Zuschreibung häufig umgedreht: Frauen wehren sich einfach nicht gut genug.

Schon schlimm, dass „linke Männer“ Frauen als Subjekte sehen und nicht als reine Objekte. Schon schlimm, dass „linke Männer“ die Selbstwirksamkeit von Frauen herausstellen und sie darin unterstützen wollen Handlungsfähig zu bleiben. Diese Geringschätzung von Frauen als Nicht-Objekt ist wirklich schlimm. Sehen Sie was ich meinte mit „Der Feminismus ist die frauenverachtendste Bewegung die die Menschheit je gesehen hat“?

Außerdem negiert die Handlungsfähigkeit von weiblichen Opfern nicht die Handlung von männlichen Tätern. Das man sowas einfaches noch erklären muss…

Patriarchat als Matrix

In einem Verlag, der sich als links und feministisch empfand und in dem ich mal gearbeitet habe, wurden Frauen grundsätzlich als „Tante“ bezeichnet. Kolleginnen, die sich das verbeten haben, hatten schnell den Ruf der „unbefriedigten Zicke“ weg. Das sagte natürlich niemand laut, aber das wussten alle.

Niemand hat gesagt, dass diese Kollegin eine „unbefriedigte Zicke“ war und trotzdem wussten alle das? Klingt nicht gerade logisch.

Linke Männer machen das sicher nicht bewusst. Sie merken schlicht nicht, wie sie agieren. Weil sie glauben, aufgrund ihrer politischen Bildung und Überzeugung längst feministisch zu arbeiten und zu leben – zumal mit erwerbstätigen Partnerinnen, mit denen sie sich Kinderbetreuung und Hausarbeit teilen. Verdeckte Frauenabwertung ist das generische Maskulinum der Linken.

Schon geil. Also rechte Männer sind ja feminismuskritisch und damit anti-Frau. Und linke Männer, die davon überzeugt sind feministisch zu sein, sind sich schlicht nicht bewusst, dass sie Frauen geringschätzen. Wie war das nochmal mit der Aussage von Herrn Jessen? „Heute ist alles, was Männer tun, sagen, fühlen oder denken, falsch.“ Danke für die Bestätigung seines Punktes.

Den Satz der feministischen Bloggerin Anne Wizorek „Das Patriarchat umgibt uns förmlich wie die Matrix aus dem gleichnamigen Film“ mögen Sie, lieber Herr Jessen, als zu mächtig empfinden, als Ideologie, die „Männer als Besitzer der Macht“ beschreibt. Zugegeben, der Satz hat Wucht.

In erster Linie ist der Satz vollkommener Quatsch. Wir leben in keinem Patriarchat.

Dazu ein paar Fakten, jenseits von #metoo, aus der täglichen Welt von Frauen:

Frauen verdienen in Deutschland bis zu 21 Prozent weniger als Männer,

Ich könnte jetzt lang und breit erklären, warum der GPG Schwachsinn ist, ich könnte mich kurzfassen (Stichwort: Verdienen) oder ich könnte eine genauso fehlerhafte Aussage treffen:

Laut destatis (https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2017/01/PD17_024_133pdf.pdf?__blob=publicationFile)

arbeiten Männer im Schnitt 39,7h / Woche und Frauen 30,9h / Woche. Frauen arbeiten demnach 22,2% weniger als Männer. Bekommen unfairerweise aber nur 21 % weniger und nicht 22,2% wie es sein müsste.

 sie leisten den größten Teil der Sorge- und Pflegearbeit.

Und? Wir legen also unsere Zukunft (Kinder) in die Hände von Frauen.

Sie haben noch lange nicht so viel zu sagen wie Männer, obwohl das Bündnisse und Vereine wie FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte), Pro Quote, Pro Quote Film, Pro Quote Medizin und, und, und das seit Ewigkeiten fordern.

Tja, liebe individuelle Frauen, erhört doch endlich mal die Forderungen der ganzen Bündnisse und Vereine und sagt etwas. Ach ihr wollt nicht? Ihr habt da kein Interesse dran? Ihr wollt keine 70 Stunden Woche? Ihr wollt nicht die ganzen Mühen um in die absolute Spitze zu kommen? Ihr wollt keine Filme drehen und die Kardiologie ist nichts für euch? Aber die Feministen wollen das so und deshalb habt ihr euch denen zu fügen. Ihr dürft keine eigenen Wünsche und Vorstellungen haben. Gehorcht dem Feminismus. SOFORT. Denn der Feminismus umgibt euch, aber nicht wie die Matrix, sondern wie eine eiserne Jungfrau.

Im Bundestag sind mit knapp 31 Prozent so wenig Frauen vertreten wie zum letzten Mal 1998.

Scheiß Demokratie aber auch. Und das bei ~51% weiblicher Wähler.

90 Prozent der Alleinerziehenden sind Mütter,

Hier möchte ich keinen bissigen Kommentar abgeben, sondern einfach nur das Wechselmodell empfehlen.

die Zahl der Frauen, die von ihrer Rente nicht leben können, steigt stetig.

Wenn sie doch nur 8,8h pro Woche mehr gearbeitet hätten…

Bemerkenswert finde ich ja auch, dass Sie später beginnen werden aufzuzählen, wie viel der Feminismus schon alles erreicht hat und wieviele Fortschritte er gemacht hat und das ein gesellschaftlich Wandel eingesetzt ist und… hier sagen sie, dass das doch nicht so geil ist. Läuft.

Ich möchte das an dieser Stelle gar nicht weiter ausführen, all das können Sie in Ihrem eigenen Blatt nachlesen, das schreiben Ihre Kolleginnen und Kollegen immer wieder auf, mit hart recherchierten Zahlen und Fakten.

Und drölfmalsooft kann man in der Kommentarspalte darunter einer Pulverisierung der „hart recherchierten Zahlen und Fakten“ lesen.

Sie wissen also um die Misere, Herr Jessen.

An diesem kurzen Satz ist so viel falsch….

1.: Nur weil in seinem „eigenen Blatt“ etwas steht heißt es nicht, dass er es gelesen haben muss.

2.: Welche Misere?

3.: Nehmen wir an, alle die Beispiele die sie genannt haben, wären so korrekt. Es hätte absolut keinen Einfluss darauf, dass Männer auch Probleme haben. Und es wäre absolut bedeutungslos gegenüber der Art wie sie (#metoo und Feminismus) versuchen diese Probleme zu lösen – und genau dieser Art galt die Kritik von Herrn Jessen.

Und trotzdem meinen Sie, dass es „heute nicht um die Gleichberechtigung der Frauen, sondern um den ideologischen Triumph des totalitären Feminismus“ geht.

Sie selbst schreiben ja auch nicht von der Gleichberechtigung, sondern von der Gleichstellung. Gleichberechtigung ist eine liberale Politik und Gleichstellung eine totalitäre. Und in diesem Kampf Freiheit vs. Unterdrückung liegt uns natürlich daran, den totalitären Feminismus nicht siegen zu lassen, so wie es Ihnen darum geht zu triumphieren.

Ich finde es sehr bemerkenswert, wie Sie es schaffen Herrn Jessens Text laufend zu belegen, während Sie sich gleichzeitig den Anschein geben, dagegen zu argumentieren. Respekt.

Wenn das, was Frauen heute wollen – tatsächlich gleichberechtigt sein, auf allen Ebenen, in allen Phasen und in allen Bereichen ihres Lebens –, „totalitärer Feminismus“ ist, dann bitte mehr davon. Her mit dem Triumph, her mit dem „Hass hinter einem Hashtag“.

Nun, das ist ja nicht der totalitäre Feminismus. Der Gleichstellungsfeminismus, der mit den Quoten, der, der einen feuchten Fick darauf gibt, „was Frauen wollen“, das ist der totalitäre Feminismus. Sie wissen schon, der mit den Shitstorms nachdem man eine abweichende Meinung geäußert hat.

Übrigens wie anmaßend und arrogant ist es eigentlich von Ihnen, dass Sie zu wissen glauben, was Frauen wollen? Wer gibt Ihnen / dem Feminismus die Autorität, im Namen der Frauen zu sprechen? Wurden sie gewählt? Gab es ein Gremium, dass Sie berufen hat? Gab es wenigstens eine Umfrage?

Aber ich kann Sie beruhigen, lieber Jens Jessen, es wird weder einen Frauenaufstand geben noch den von ihnen herbeigeschriebenen und befürchteten Hass.

Entschuldigung? Ist ihnen entgangen, dass mehrere Menschen bereits durch die #metoo Bewegung in den Tod gebullied wurden? Ist Ihnen entgangen, dass es regelmäßig feministische Shitstorms gibt? Das ist absolut nicht „herbeigeschrieben“ von Herrn Jessen.

Aber ich stimme Ihnen zu. Es wird keinen Frauenaufstand geben – außer gegen den Feminismus. Denn außer diesem gibt es für Frauen als Gruppe nichts zu beklagen.

Nicht weil Frauen keinen Aufstand könnten oder die besseren Menschen wären – Frauen können hassen, oh ja, sehr tief sogar. Aber Feministinnen und Feministen haben es nicht nötig, so tief in die Grabenkiste zu greifen, wie Sie das getan haben.

Nein, alle Argumente die Feministen haben sind absolut wasserdicht. Deshalb wird auch nicht alle Nase lang erwähnt, dass Feminismuskritik ja total rechts ist und deshalb gibt’s auch nie Shitstorms und so weiter. Nein, ihr benennt das Übel das ihr bekämpft nicht nach Männern/Vätern und es werden auch keine Neologismen wie mensplaining erfunden oder Konzepte wie „toxische Männlichkeit“. Und es geht auch nie darum, „was Frauen von Männern“ erdulden müssen. Es gab nie einen #killallmen und es gibt keine Feministen, die Männer hassen. Nein, auch sind Feministen immer gut und rein und unschuldig und ganz gerecht und machen immer alles richtig und so.

Feministinnen und Feministen geht es nicht darum, eine Front aufzumachen und Frauen gegen Männer (oder andersherum) auszuspielen.

Ob es ihnen darum geht oder nicht ist egal. Tatsache ist: Sie machen es.

Sie wollen, dass es Frauen und Männern gleichermaßen gut geht. Das ist zugegeben ein schlichter Satz. In seiner Schlichtheit ist der Satz aber wahr.

Echt? Na da finde ich die flächendeckenden Proteste gegen die Genitalverstümmlung von Jungen aber ohrenbetäubend Leise. Auch der feministische Aufschrei gegen die deutlich niedrigere Lebenserwartung von Männern ist in seiner Stille kaum zu überbieten. Und lass uns gar nicht erst von dem trommelfellschonenden Ignorieren der Tatsache reden, dass Männer wesentlich häufiger an einer Sucht erkranken, weil es für sie der letzte Notnagel ist mit ihrem scheiß Leben fertig zu werden. Dieses Ignorieren gepaart mit dem dröhnen Schall der Kopfbewegung einer Ameise, der sinnbildlich für den Einsatz von Feministen im Bezug auf die dreifach höhere Suizidrate von Männern steht (weil sie mit ihrem Leben nicht mehr klar kommen), und der wummernden Geräuschlosigkeit in Bezug auf die deutlich höhere Todes- und Unfallrate im Berufsleben von Männern erzeugt eine Kakophonie der absoluten Ruhe, was den feministischen Kampf für ein gleichermaßen gutes Leben von Frauen und Männern angeht.

Wir hatten für das gleichermaßen gute Leben von Männern und Frauen mal ein Konzept entwickelt. Die so genannten Menschenrechte. Sie wissen schon, die Dinger die euch einen Scheiß interessieren.

Zum Schluss muss ich Sie allerdings doch noch etwas verunsichern. Viele junge Menschen, Frauen wie Männer, haben das längst begriffen.

Das ist schlecht, denn dann sind sie fehlinformiert.

Sie gehen vorsichtiger miteinander um, als es Ihre und meine Generation getan haben. Viele Junge gendern Ihre Sprache und leben ganz selbstverständlich eine soziale, ökologische und Geschlechtergerechtigkeit.

Nein, sie leben eine Gleichstellung. Gleichstellung ist meistens nicht gerecht. Woher übrigens plötzlich die Ökologie hier zu suchen hat wird wohl ewig ein Mysterium blei… Nein, natürlich nicht. Feministen haben die Tendenz dazu alles Gute für sich zu beanspruchen und alles Negative weit von sich zu weisen, denn Feministen sind rein und gut und fehlerlos und heilig und wissen alles und sind ohne Fehl. Deshalb müsst ihr ihnen folgen, folgt dem heiligen Feminismus nur er wird euch zur Erlösung und Reinheit und ins Licht führen, denn er ist überhaupt nicht totalitär.

Die meisten jungen Menschen, die ich kenne, verstehen Ihre Wutschrift überhaupt nicht. Ihnen kommt Ihr Text vor wie einer, bei dem Opa vom Krieg erzählt.

Also einen Augenzeugenbericht bzw. Erfahrungsbericht aus erster Hand zu einem Thema von dem sie selbst bestenfalls theoretisch bescheid wissen? Das ist ein nettes Lob.

 

#MeToo

Was soll man zu #MeToo noch sagen, was nicht längst gesagt wurde? Ist das Thema bereits zerredet und von jedem Winkel betrachtet worden? Ich muss gestehen – ich weiß es nicht.

Ich habe mich in den letzten Wochen relativ rar gemacht, vor allem, weil ich derzeit nicht in meiner eigentlichen Wohnung wohne, sondern in einem 16m² Apartment (inklusive Küche und Bad) mit einem Internet, dass so stabil ist, wie ein aus Strohalmen gebauter Eiffelturm in Originalgröße ohne Fundament und Verbindung zwischen den einzelnen Halmen. Ich denke, dass das in den kommenden Wochen wieder besser wird.

Ich schiebe das ein, weil ich tatsächlich in den vergangenen Wochen zwar viele Artikel wahrgenommen habe, die sich um #MeToo drehten, aber nur noch wenige gelesen habe.

#MeToo und die Debatte

Es gibt Menschen die nennen die Ereignisse um #MeToo eine Debatte und wieder andere, die das verneinen. Ich meine in mindestens zwei Fällen darüber gestolpert zu sein, dass Leute behauptet haben, dass die Kritik an #MeToo nieder gebrüllt werden würde (und wenn ich mich nicht ganz täusche, habe ich selbige Aussage auch getroffen, kann sie aber nicht wiederfinden). Doch denke ich, dass dies mittlerweile nicht mehr derartig der Fall ist. Die Kritik an #MeToo ist mittlerweile sehr vielfältig, kommt aus unterschiedlichen politischen Lagern und sowohl von Männern als auch Frauen. Genauso kommt die Befürwortung von #MeToo aus unterschiedlichen politischen Lagern (mit #120dB als vermeintlich rechtem Ableger) und auch von Männern und Frauen. Mit Fug und recht kann man behaupten, dass hier zumindest unterschiedliche Argumente publiziert werden – und das ist weit näher an einer Debatte, als das was wir unter #aufschrei oder #imzugpassiert oder Ähnlichem erlebt haben.

Das Aufbrechen von Machtstrukturen.

Die damalige Frauenministerin Katharina Barley wird in der taz folgendermaßen zitiert: „Wer hat wann was getan – am Ende geht es nicht um eine Hand auf einem Knie, sondern es geht um Macht. Übergriffe sind eben nicht nur Einzelfälle, sondern Ausdruck der Machtstrukturen, aus denen heraus bestimmte Rollenbilder entstehen.“ (Archiv)

In EditionF (Archiv) kommen gleich mehrere Feministinnen zu Wort:

Dabei geht es fast immer um Macht, Machtgefälle und Machtmissbrauch. In Hollywood, in Unternehmen und in der Politik. Diese teilweise über Jahrhunderte geformten Machtstrukturen müssen wir aufbrechen.“ Jenna Behrends

„Ich halte es für möglich, dass es da draußen genauso viele Männer wie Frauen gibt, die die üblichen Unterdrückungs- und hierarchischen Machtspielchen nicht mehr ertragen.“ Lisa Ortgies

„Oder um mit Beauvoir zu argumentieren: Die Komplizenschaft mancher Frauen mit der institutionalisierten Herrschaft des Patriarchats zeigt sich in diesem Zusammenhang mancherorts leider immer noch.“ Katja Kipping

„Deswegen muss die Relevanz noch mal klar gemacht werden: Es geht nicht (nur) um Sex, es geht nicht (nur) um Hollywood. Es geht um Machtstrukturen, die überall (wirklich überall!) zu finden sind, und die man nur im Ganzen angehen kann.“ Barbara Vorsamer

„Körper und Macht: Natürlich geht es bei der #Metoo-Debatte um unsere Körper. Und es geht um Macht. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, die in den allermeisten Fällen von Männern ausgeht und Frauen in ihrer Freiheit einschränkt. Das hat etwas mit Machtgefällen zu tun.“ Terry Reintke

Und so weiter…

Aber auch in anderen Publikationen wie zum Beispiel dem Handelsblatt (Archiv; Original) wird von Machtstrukturen geredet:

„Aber im Kern geht es bei der #MeToo-Debatte um Macht. Um Machtmissbrauch, um Machtstrukturen und um Machtgefälle, die schamlos und würdelos ausgenutzt werden. „

Geht es denn meiner Meinung wirklich um das Aufbrechen von Machtstrukturen? Ja und nein. Wenn es um Machtstrukturen zwischen Männern und Frauen am Arbeitsplatz geht, könnte man sagen, dass es sich dabei um ein Aufbrechen von Machtstrukturen handelt – mit Einschränkungen. Denn in der überwältigenden Mehrheit der bekannten Fälle geht es um eine männlicher Chef/Strar – weibliche Untergebene/(noch) nicht Star. Es geht nicht um: Weiblicher Chef/Star – männlicher Untergebener/(noch) nicht Star.

Es geht also um die Machtstrukturen von mächtigen Männern und weniger mächtigen Frauen am Arbeitsplatz. Wobei hier natürlich Kevin Spaceys männliches Opfer und Jennifer Lawrences weibliche Täterin Ausnahmen bilden.

Und selbst wenn man in Betracht zieht, dass die Übergriffe teils Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte zurückliegen und es mehr als nur einen Hinweis darauf gibt, dass sich Männer schon länger gegen falsche Behauptungen absichern (Grundschullehrer, die nicht in die Nähe der Schüler-Toiletten gehen, Lehrer, die die Klassenzimmertür offen lassen, Chefs, die nicht alleine mit einer Frau in einem Raum sein wollen, allgemein Männer, die nicht alleine mit einer Frau in den Fahrstuhl gehen, usw.) so gab es (und gibt es auch heute noch) Männer, die ihre Machtposition im Berufsleben ausnutzen. Doch denke ich, dass diejenigen, die ihre Macht jetzt in der angeprangerten Weise ausnutzen, wesentlich weniger werden. Und auch diejenigen, die ihre Macht nicht entsprechend ausnutzen (weder früher, noch jetzt, noch in der Zukunft) werden (noch) vorsichtiger im Umgang mit Frauen sein.

In sofern sind die Machtstrukturen aufgebrochen worden.

Andersherum, wird durch diese erhöhte Vorsicht auch gewissen Frauen die Möglichkeit genommen ihre Sexualität (ihre sexuelle Macht) zu nutzen, um Vorteile zu erhalten.

Auf einer anderen Ebene, nämlich der sozialen Ebene, sind Machtstrukturen zementiert worden. Schon früher haben sich primär Männer gegen falsche Beschuldigungen abgesichert, denn der Vorwurf einer sexuellen Belästigung oder gar Vergewaltigung konnte und kann auch heute deinen Ruf zerstören, wie wir wunderbar bei #MeToo gesehen haben. Mächtige, hoch angesehene Männer mussten ihren Hut nehmen, wurden teils in den Suizid getrieben (Archiv 1Archiv 2).

Diese soziale Macht ist somit offensichtlich nicht unerheblich und lag primär bei Frauen. Das hat sich auch kaum geändert, außer, dass jetzt wirklich jeder weiß, dass Frauen diese Macht haben.

Macht und Machtmissbrauch

Aber wie es mit Macht nun mal ist: Es gibt immer Menschen – egal ob Männer oder Frauen – die diese Missbrauchen. Der Macht, die eigene Position zu nutzen um sexuelle Gefälligkeiten einzufordern, wird nun die soziale Macht massiv entgegen gesetzt, dass sich so etwas nicht gehört und daher eine absolute Vernichtung der Reputation und der Lebensleistung als gerechtfertigt wahrgenommen wird – auch ohne Beweise.

Und das wiederum öffnet Machtmissbrauch (diesmal primär durch Frauen) Tür und Tor. Wenn ich etwas unredliches (Falschbeschuldigung) machen kann ohne das diese Handlung negative Auswirkungen auf mich hat, es aber das Opfer (beschuldigte Person) beruflich wie sozial vernichten kann, dann habe ich alle Anreize geschaffen, Macht zu missbrauchen. Minimaler Einsatz bei maximalem Effekt. Jetzt kann eine freiwillige zwei-Wochen Praktikantin einem etablierten, guten, umgänglichen, männlichen Chef das Leben zerstören, weil ihr gerade danach ist.

Das ist gefährlich. Brandgefährlich. Nicht umsonst haben wir Menschenrechte etabliert wie die Unschuldsvermutung. Nicht umsonst haben wir einen Rechtsstaat etabliert, wo neutrale Profis (Richter) das Urteil über Strafen im Rahmen eines Gesetzes fällen. Nicht umsonst hat in diesem Rechtsstaat jeder das Recht auf einen professionellen Verteidiger. Zumindest vor Gericht.

Doch diese Rechtsstaatlichkeit wurde mit #MeToo vollständig ausgehebelt. Nicht umsonst wird von Hexenjagden geredet (Archiv).

Nehmen wir an, Manager XY hätte Frau YZ die Hand auf das Knie gelegt und ihr vielleicht auch spontan und überraschend einen Kuss auf den Mund gegeben, was sie wiederum nicht wollte… Rechtfertigt das ernsthaft, dass er das verliert, wofür er sein Leben gearbeitet hat? Rechtfertigt das, ihn sozial und beruflich zu vernichten? Vielleicht sogar ihn in den Suizid zu treiben?

Rollenstereotype

Feminist*_InnenX sprechen gerne davon, dass sie Rollenstereotype aufbrechen wollen. Die Geschlechterrollen gehören abgeschafft, so schallt es aus ihren Reihen. Für den Mann galt einmal, dass er der zu respektierende Herr des Hauses sein soll. Der Beschützer und Versorger der Familie.

In meinen Augen durchaus positive Dinge.

All dies wurde im Laufe der Jahre negiert. Der Mann soll nicht mehr Versorger sein, wenn es nach Feminist*_InnenX geht. Das ist ja auch ganz schlimm, das Männer mehr verdienen (GPG und so), weil sie es wollen und Frauen es eben nicht wollen. Der Mann ist auch nicht mehr Beschützer, denn wie wir an den ganzen „Anti-Sexismus“ Hashtags wie #MeToo, #aufschrei und wie sie alle heißen gesehen haben, beim Thema häusliche Gewalt und auch in anderen Bereichen sehen (http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-8955202.html ) wird der Mann als Gruppe immer mehr zum gewaltbereiten, Trieb gesteuerten, Macht besessenen Sexmonster degradiert und verliert somit jeglichen Respekt, der ihm gebührt.

Diese Degradierung des Mannes, die Zerstörung aller positiven Attribute, bei gleichzeitiger Verweigerung der Möglichkeit für neue positive Eigenschaften ist vielleicht der Grund dafür, das der Feminismus immer häufiger als Synonym für Männerhass verwendet wird bzw, Feminist*_InnenX Männerhass vorgeworfen wird. #MeToo ist nur ein Baustein in der Dämonisierung des Mannes.

Wir sind auf einem merkwürdigen Pfad in der Geschichte der Menschheit. Errungenschaften wie Unschuldsvermutung, Rechtsstaat, Individualismus und Menschenrechte werden zu Gunsten von Schuldig weil angeklagt, Mobjustiz und Kollektivismus. Alles Dinge, die sich als amoralisch und nicht geeignet Gerechtigkeit zu bringen erwiesen haben. Alles Dinge, die mehr Schaden angerichtet haben, als dies sie nutzten. Wir entwickeln uns gesellschaftlich zurück.

Halleluja, die Heilige Femquisition wird uns retten

Guten Morgen

Dieser Post ist als eine Ergänzung zu „Berauscht von Macht“ (Archiv) zu verstehen.

Ich bin über ein Video von Philip DeFranco auf einige Tweets von Amber Tamblyn aufmerksam geworden (Archiv)

THREAD: Rose McGowan is a friend and while I support her kind of movement, I do not support any woman (or man) shaming or taunting the movements of other women who are trying to create change. Telling us to all wear Marchesa? This is beneath you, Rose.

You don’t have to support and stand with us, but we stand and support you. You may take below the belt shots at us but we will not take them at you in return.

Our movement is big. And a black dress is just the beginning of the darkness that will be drained from every industry across the country by the time we’re done. That’s a promise.

And we stand together in this fight, shoulder to shoulder, weapon to weapon, woman to woman (and man), body to burned body. And our arms are open. And our hearts two fold. And our fire will be a universal scorch. Heed the mantra:

Zu deutsch:

Rose McGowan ist eine Freundin und obwohl ich ihre Art von Bewegung unterstütze, unterstütze ich Frauen (und Männer) nicht, die Bewegungen anderer Frauen die Veränderung herbeiführen wollen, mit Hohn und Spott überziehen. Wir sollen alle Marchesa tragen? Das ist unter deiner Würde Rose.

Du musst nicht an unserer Seite stehen und uns unterstützen, aber wir unterstützen Dich. Du magst uns unter der Gürtellinie treffen, abert wir werden das nicht mit Dir machen.

Unsere Bewegung ist groß. Und ein schwarzes Kleid ist nur der Anfang der Dunkelheit, die aus jeder Industrie im Land gesogen sein wird, wenn wir fertig sind. Das ist ein Versprechen.

Und wir stehen zusammen in diesem Kampf, Schulter an Schulter, Waffe an Waffe, Frau an Frau (und Mann), Körper an verbranntem Körper. Und unsere Arme sind offen. Und unsere Herzen zweifach. Und unser Feuer wird eine allgemeine Brandwunde sein. Hört das Mantra: #VeränderungKommt

HALLELUJA!!! HALLLELUJAAAAAAAAAA!!!

Mal ehrlich, das klingt doch nach religiösen Fanatikern oder? Der Aufruf zu Säuberungsaktionen. Dazu die Kriegsrhetorik um dann gleich drauf einzuschwenken, dass man selbst ja nur ganz lieb ist.

Die Femquisition wird euch alle holen.

 

Berauscht von Macht

Seit gestern Abend habe ich mir fest vorgenommen etwas über #metoo zu schreiben. Ich weiß allerdings bis zum jetzigen Zeitpunkt ehrlich nicht, was ich von diesem 7mrd-Köche-Brei halten soll. Und ich muss ehrlich sagen. Der „moral outrage“ ist relativ emotionslos an mir vorbeigegangen. Möglicherweise, weil nach #aufschrei, #ausnahmslos, #imzugpassiert und wie sie nicht alle heißen, das wirklich keine neue Sache war. Und auch bei #GamerGate z.B. waren sexuelle Belästigungen usw. ja durchaus Thema.

Es gab Menschen, die davon sprachen, dass „das Tabu gebrochen“ wurde. Das „endlich das Schweigen beendet ist (Z.B.: DeutschlandfunkArchiv). Doch welches Schweigen? Welches Tabu?

2013: #aufschrei (deutschsprachig)

2014: #Gamergate und #NotYourShield (weltweit), #YesAllWomen, #Shirtgate (Dr. Matt Taylor) (jeweils international)

2015: Sir Tim Hunt

2016: #kölnhbf (weltweit), #ausnahmslos, #imzugpassiert, #neinheißtnein (jeweils deutschsprachig), #WhenIWas, #NotOkay (jeweils international) und Sexualstrafrechtsverschärfung in Deutschland

Gerade 2016 hatte eine Unmenge an „Anti-Sexismus“ Hashtags und Themen (Jenna Behrends z.B.), die allesamt durchaus auch in den Medien diskutiert wurden und somit auch den Nicht-Twitterern ein Begriff wurden.

Man kann weder in Deutschland noch in den USA davon reden, dass ein Tabu gebrochen wurde. Gerade im Bezug auf #metoo mit dem direkten Bezug zu Hollywood finde ich das merkwürdig.

Courtney Love hat 2005 was dazu gesagt. Seth Macfarlane hat bei DEN OSCARS 2013 auf Harvey Weinsteins Verhalten und in einer Family Guy Episode auf Kevin Spacys Verhalten mehr als nur deutlich angespielt. Selbst der erzkonservative, jüdischstämmige Nazischwule Milo Yiannopoulus hat Anfang diesen Jahres Pädophilie-Probleme in Hollywood angesprochen.

Und machen wir uns nichts vor. Auch das Konzept der Besetzungscouch ist weder neu noch nur ein Gegenstand von Witzen. Zudem brauchen wir auch nicht so zu tun, als wenn nur Männer ihre Machtposition missbraucht hätten um an Sex zu gelangen, sondern dass es mit Sicherheit auch Frauen gibt, die Sex eingesetzt haben um die „Macht der Männer“ zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Ich kann mir diesen plötzlichen Ausbruch in Hollywood nur durch eine Art „Mexican Standoff“ erklären: Jede/r wusste, dass die anderen genauso Dreck am Stecken hatten wie man selbst und jede/r wusste das die anderen es auch wussten.Wie sonst ist zu erklären, dass ein so außergewöhnlich talentierter und erfahrener (und beim Publikum beliebter) Schauspieler wie Kevin Spacy aus einem Film kurz vor Veröffentlichung herausgeschnitten wird?

Und dann geschah etwas, was diesen Mexican Standoff zerrissen hat. Doch was war es? Das irgendwelche Frauen mal den Mund aufgemacht haben? Nichts Neues, gab es vorher schon. Das Männer den Mund auf gemacht haben? Dito.

Bei dem Womens-March entstand der Eindruck, dass Feministinnen die Angst schüren wollten, dass Frauen nun alle Rechte entzogen werden würden. Was wäre, wenn diese Feministinnen tatsächlich diese Angst haben, also wirklich davon überzeugt sind, dass mit Trump die Frauenrechte abgeschafft werden und sich daher nun gedacht haben: ‚Scheiß wat druff, wir ham eh nix mehr zu verliern.‘

Sollte das wiederum stimmen, dann müsste man sich jetzt eigentlich (gerade als Feministin) fragen, warum sich die beschuldigten Männer nicht wehren, warum ihre patriarchale Macht sie nicht schützt.

Warum werden mächtige Männer im Patriarchat so abgesägt? Wo doch das Patriarchat ein System ist, das Männer bevorzugt und schützt?

Warum werden mächtige Männer gesellschaftlich ausgestoßen wegen solcher Beschuldigungen? Wo wir doch in einer Rape Culture leben?

Wie kann es sein, dass die Beschuldigung durch arme, unterdrückte Frauen das Abrücken von der Unschuldsvermutung zur Folge hat? Die Unschuldsvermutung ist ja nicht weniger als ein Menschenrecht.

Wenn ich genauer drüber nachdenke… Selbst wenn meine Annahme wie es zu dieser Eruption gekommen ist nicht stimmt, müssten sich Feministen diese Fragen gefallen lassen und beantworten.

Wo ist das Patriarchat, dass diese Männer schützt? Wie können diese Anschuldigungen (flächendeckend) als negativ empfunden werden, wo wir doch angeblich in einer Rape-Culture leben?

Und vor allem: Warum dreht sich die gesamte Debatte über den Machtmissbrauch von Männern gegenüber Frauen, wenn doch auch – wie in Kevin Spacys Fall – angeblich Jungs Opfer sind oder in Jennifer Lawrences Fall, Frauen die Täter.


 

Time Magazin hat #metoo zur „Person des Jahres“ gekührt (bzw. natürlich die Frauen dahinter). Nun ist dies nicht zwangsläufig als Ehrung zu verstehen. Es geht laut Wikipedia um Menschen, die „die Welt im jeweiligen Jahr maßgeblich verändert oder bewegt haben – zum „Guten“ oder zum „Schlechten“. “

Vermutlich der Grund warum sich sowohl Adolf Hitler als auch Josef Stalin auf dieser Liste befinden. Und jetzt eben auch #metoo (wenn gleich die Redaktion des Time Magazines davon ausgeht, dass es etwas Positives/Gutes war).

Natürlich hat #metoo nicht einen solchen Schaden angerichtet wie Hitler oder Stalin. Und natürlich ist es richtig wenn Menschen für Fehlverhalten bestraft werden. Aber dieses Maß wurde hier weit überschritten.

Wie ich bereits erwähnte, wurde hier die Unschuldsvermutung ausgehebelt. Menschen (vor allem Männer) mussten ihre Posten räumen, wurden ausgeschlossen, vorloren die Früchte jahrelanger, harter Arbeit, weil sie beschuldigt wurden. Nur beschuldigt. Nicht verurteilt. Letztendlich führte dies auch dazu, dass sich ein britischer Politker in Folge der Anschuldigungen das Leben nahm.

Diese #metoo Kampagne zerstört Leben. Nicht nur den Ruf, Familienleben, Partnerschaften sondern auch richtig. Gleichzeitig gibt es Menschen wie Jakob Augstein, die diese Entwicklung positiv beschreiben und überhaupt kein Problem damit haben, dass Unschuldige „unter die Räder kommen“ (Archiv).


 

Als Jack Thomson in den USA wegen „Gewalt in Videospielen“ gegen Games vorging, bastelte jemand ein Beat-Him-Up Game. Selbiger jemand bastelte ein vergleichbares Spiel mit Anita Sarkeesian, als sie wegen „Sexismus in Videospielen“ gegen Videospiele vorging. Dies passte einer Dame namens Stephanie gar nicht und sie entfesselte den SJW-Twittermob um sein Leben zu zerstören. Potenzielle Arbeitgeber sollten informiert werden usw. Ich möchte hier auf ein Video von Vernaculis (englisch) verweisen, der das in 40 Minuten auseinandernimmt. Sowohl das Video, als auch der Kanal sind eine absolute Empfehlung.

Ich schrieb oben bereits über Dr. Matt Taylor und Sir Tim Hunt. Dr. Taylor trug ein Hemd, dass manche SJWs/FeministInnen als „sexistisch“ ansahen und bedekcten ihn mit einem Shitstorm. Dr. Taylor entschuldigte sich daraufhin unter Tränen.

Sir Tim Hunt machte einen Witz über sich selbst, dann einen über Frauen um dann ernsthaft den Beitrag von Wissenschaftlerinnen zu preisen. Er verlor alle seine Posten und dachte über Suizid nach.

Und jetzt hatten wir den nächsten SJW/FeministInnen – Shitstorm. Die Pornodarstellerin August Ames hatte verkündet, dass sie keine Sexszenen mit Darstellern drehen würde, die Schwulenpornos gemacht hätten. Nun sollte man meinen, dass „her body her choice“ und „only a clear and laud consent is consent“ Rufer das verstehen würden. Aber nö. Natürlich nicht, das ist nämlich homophob, muss man wissen. Deshalb: Shitstorm. Kurze Zeit später ist sie tot aufgefunden worden. Sie hat sich erhängt.


 

Wenn diese moralingetränkte Hysterie nicht aufhört wird es bald noch mehr Tote geben. Und nicht nur welche, die sich selbst das Leben nehmen, sondern welche, die getötet werden. FeministInnen haben längst jedes Maß verloren.

Ich bin prinzipiell der Ansicht, dass Menschen die Dinge tun die sie tun, nicht tun, weil sie böse sind. Und so ist meine einzige Erklärung für diese immer häufiger auftretenden Shitstorms und „Anti-Sexismus Hashtags“, dass diese Feministinnen berauscht von Macht sind. Sie bekommen nicht mehr mit, welche Schäden sie anrichten. Sie bekommen nicht mehr mit, dass sie Menschen töten.

 


Notrufnummern für Suizidgefährdete bieten Hilfe für Personen, die an Selbstmord denken – oder sich Sorgen um einen nahestehenden Menschen machen. Die Nummer der Telefonseelsorge in Deutschland ist: 0800 111 0 111.